meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wait for the sun

  • 9 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:17 min

Crocus blossoms (after an early spring snow fall)

Jedes Jahr das Glei­che. Erst wartet man den halben Herbst über sehn­süch­tig auf die erste Flocke Schnee. Winter­an­fang. Eigent­lich will man gar nicht das der Winter anfängt. Weil Winter­an­fang gleich­be­deu­tend mit Weih­nachts­vor­be­rei­tung ist. Und das ist zeit­auf­wen­dig, kommer­zia­li­siert und – wenn denn Schnee liegt – eigent­lich nicht passend. Denn wenn wirk­lich Schnee liegt und alles auf die viel besun­gene weiße Weih­nacht hindeu­tet, dann könnte man Weih­nach­ten schön finden. Etwas Besinn­lich­keit bei all der Hektik die das Leben sonst bereit hält kann ja nicht scha­den. Aber nein, die größte Errun­gen­schaft der Zivi­li­sa­tion, die freie Markt­wirt­schaft, schafft es Jahr für Jahr aufs Neue jegli­che Träume einer geruh­sa­men Zeit „zwischen den Jahren“ mit gut plat­zier­ten Voodoo­na­del­sti­chen zu zerstö­ren.

Dann ist also Weih­nach­ten und keiner will hin. Dann kommt Silves­ter und das neue Jahr und der alte Trott geht von neuem los. Gute Vorsätze sind zwar schön für Tage­bü­cher jegli­cher Art, aber im wahren Leben dann doch eher unprak­ti­ka­bel. Was passiert also? Nichts. Deswe­gen fängt der Schnee, sofern nicht noch even­tu­ell gelieb­ter Winter(sport)urlaub vorhan­den ist, spätes­tens dann an zu nerven. Manche mehr, manche weni­ger. Sehr stark abhän­gig ist das auch vom Wohn­ort. Es ist nunmal so, dass Groß­städte nicht schnee­taug­lich sind. Erst recht nicht, wenn sie nicht mal unter norma­len Umstän­den ihre Verkehrs­in­fra­struk­tur aufrecht erhal­ten können.

Was also wäre schö­ner als ein plötz­lich durch die Tür plat­zen­der Früh­ling? Auf den ersten Blick nichts. Zumin­dest nicht fürs Gemüt. Da spielt es auch eigent­lich keine Rolle ob der Boden nun weiß ist oder nicht. Nach spätes­tens 4 Mona­ten kahler Baum­wip­fel braucht die Seele frisches Grün.

Photo via roddh