meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wait for the sun

  • 7 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 02:17 min

Crocus blossoms (after an early spring snow fall)

Jedes Jahr das Glei­che. Erst wartet man den halben Herbst über sehn­süch­tig auf die erste Flocke Schnee. Winter­an­fang. Eigent­lich will man gar nicht das der Winter anfängt. Weil Winter­an­fang gleich­be­deu­tend mit Weih­nachts­vor­be­rei­tung ist. Und das ist zeit­auf­wen­dig, kommer­zia­li­siert und – wenn denn Schnee liegt – eigent­lich nicht passend. Denn wenn wirk­lich Schnee liegt und alles auf die viel besun­gene weiße Weih­nacht hindeu­tet, dann könnte man Weih­nach­ten schön finden. Etwas Besinn­lich­keit bei all der Hektik die das Leben sonst bereit hält kann ja nicht scha­den. Aber nein, die größte Errun­gen­schaft der Zivi­li­sa­tion, die freie Markt­wirt­schaft, schafft es Jahr für Jahr aufs Neue jegli­che Träume einer geruh­sa­men Zeit „zwischen den Jahren“ mit gut plat­zier­ten Voodoo­na­del­sti­chen zu zerstö­ren.

Dann ist also Weih­nach­ten und keiner will hin. Dann kommt Silves­ter und das neue Jahr und der alte Trott geht von neuem los. Gute Vorsätze sind zwar schön für Tage­bü­cher jegli­cher Art, aber im wahren Leben dann doch eher unprak­ti­ka­bel. Was passiert also? Nichts. Deswe­gen fängt der Schnee, sofern nicht noch even­tu­ell gelieb­ter Winter(sport)urlaub vorhan­den ist, spätes­tens dann an zu nerven. Manche mehr, manche weni­ger. Sehr stark abhän­gig ist das auch vom Wohn­ort. Es ist nunmal so, dass Groß­städte nicht schnee­taug­lich sind. Erst recht nicht, wenn sie nicht mal unter norma­len Umstän­den ihre Verkehrs­in­fra­struk­tur aufrecht erhal­ten können.

Was also wäre schö­ner als ein plötz­lich durch die Tür plat­zen­der Früh­ling? Auf den ersten Blick nichts. Zumin­dest nicht fürs Gemüt. Da spielt es auch eigent­lich keine Rolle ob der Boden nun weiß ist oder nicht. Nach spätes­tens 4 Mona­ten kahler Baum­wip­fel braucht die Seele frisches Grün.

Photo via roddh

 

Kommentare

Erstmal kann ich dazu einen Spruch beipflichten, den sicherlich fast jeder kennt:
Die Menschen wollen immer das, was sie grad nicht haben! ;)
Aber dennoch ist doch dieses "Streben nach vorn" das was die Menschen immer wieder dazu bringt, wenigstens positiv aufs Kommende zu blicken. Die meisten Menschen meckern schon genug an der Gegenwart rum, also wollen sie sich wenigstens auf die Zukunft freuen können. Ein wenig Naivität darf man ihnen da nicht verwehren, oder?

Nein darf man nicht. Naivität ist wichtig. Sehr sogar, ohne ein bisschen Naivität wird alles viel zu schnell viel zu kompliziert. Zwar ist es das mit auch, aber da kann man sich wenigstens einreden, das eigentlich alles ganz einfach und schön ist.