Wait for the sun
Jedes Jahr das Gleiche. Erst wartet man den halben Herbst über sehnsüchtig auf die erste Flocke Schnee. Winteranfang. Eigentlich will man gar nicht das der Winter anfängt. Weil Winteranfang gleichbedeutend mit Weihnachtsvorbereitung ist. Und das ist zeitaufwendig, kommerzialisiert und – wenn denn Schnee liegt – eigentlich nicht passend. Denn wenn wirklich Schnee liegt und alles auf die viel besungene weiße Weihnacht hindeutet, dann könnte man Weihnachten schön finden. Etwas Besinnlichkeit bei all der Hektik die das Leben sonst bereit hält kann ja nicht schaden. Aber nein, die größte Errungenschaft der Zivilisation, die freie Marktwirtschaft, schafft es Jahr für Jahr aufs Neue jegliche Träume einer geruhsamen Zeit “zwischen den Jahren” mit gut platzierten Voodoonadelstichen zu zerstören.
Dann ist also Weihnachten und keiner will hin. Dann kommt Silvester und das neue Jahr und der alte Trott geht von neuem los. Gute Vorsätze sind zwar schön für Tagebücher jeglicher Art, aber im wahren Leben dann doch eher unpraktikabel. Was passiert also? Nichts. Deswegen fängt der Schnee, sofern nicht noch eventuell geliebter Winter(sport)urlaub vorhanden ist, spätestens dann an zu nerven. Manche mehr, manche weniger. Sehr stark abhängig ist das auch vom Wohnort. Es ist nunmal so, dass Großstädte nicht schneetauglich sind. Erst recht nicht, wenn sie nicht mal unter normalen Umständen ihre Verkehrsinfrastruktur aufrecht erhalten können.
Was also wäre schöner als ein plötzlich durch die Tür platzender Frühling? Auf den ersten Blick nichts. Zumindest nicht fürs Gemüt. Da spielt es auch eigentlich keine Rolle ob der Boden nun weiß ist oder nicht. Nach spätestens 4 Monaten kahler Baumwipfel braucht die Seele frisches Grün.
Photo via roddh

Erstmal kann ich dazu einen Spruch beipflichten, den sicherlich fast jeder kennt:
Die Menschen wollen immer das, was sie grad nicht haben! ;)
Aber dennoch ist doch dieses “Streben nach vorn” das was die Menschen immer wieder dazu bringt, wenigstens positiv aufs Kommende zu blicken. Die meisten Menschen meckern schon genug an der Gegenwart rum, also wollen sie sich wenigstens auf die Zukunft freuen können. Ein wenig Naivität darf man ihnen da nicht verwehren, oder?
Nein darf man nicht. Naivität ist wichtig. Sehr sogar, ohne ein bisschen Naivität wird alles viel zu schnell viel zu kompliziert. Zwar ist es das mit auch, aber da kann man sich wenigstens einreden, das eigentlich alles ganz einfach und schön ist.