meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

How To Disap­pear Comple­tely

  • 9 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 03:29 min




I go
Where I please
I walk through walls
I float down the Liffey

Radio­head



Wie klein die Welt gewor­den ist merkt man am besten beim verrei­sen. Da steigt man in Berlin Schö­ne­feld ins Flug­zeug und kaum zwei Stun­den später ist man schon in Dublin. Kaum zwei Stun­den später ist man an dem Ort, an dem jeder in seinem Leben mal gewe­sen sein sollte. Nicht nur, weil es einfach schön ist, sondern auch, weil es einfach anders ist. Natür­lich gehört Irland zu Europa, natür­lich teilt es große Abschnitte seiner Geschichte und Kultur mit uns Rest­eu­ro­pä­ern und doch: Es ist anders. Die Gelas­sen­heit die über­all in der Luft liegt, die aber trotz­dem nicht das – für eine Groß­stadt einfach notwen­dige – hekti­sche Trei­ben beein­träch­tigt, sondern einfach spür­bar ist. Entspann­tere Menschen im Vergleich zu hier in Berlin.
Aber es ist eben doch auch spür­bar anders dort. Mit London vergleich­bar ist das stän­dige Trei­ben, das greif­bare Leben, was doch immer einen Milli­me­ter vor einem Halt macht, weil man nicht dazu­ge­hört. Man könnte aber, wenn man wollte. Man dürfte nämlich. In einem Reise­füh­rer den ich las stand: „Im Pub findet jeder einen Gesprächs­part­ner, wenn er denn einen sucht.“ Meiner Auffas­sung nach gilt das nicht nur für Pubs. Es gilt für Irland. Zumin­dest für das, was ich davon gese­hen habe.

Klischee­haft könnte man jetzt weiter schrei­ben „nette Leute, schö­nes Land, alles toll“. Stimmt zwar auch, so einfach ist es aber dann doch nicht. Irland wird ja gerne als „Die grüne Insel“ bezeich­net, inso­fern war in meinem Kopf eine Insel voller Wälder. Etwas enttäu­schend dann der Lande­an­flug mit der Fest­stel­lung, dass Bäume dann doch eher zu den selte­ne­ren Erschei­nun­gen gehö­ren. Schafe gibt es, Wiesen, Felder und Büsche. Das alles in Unmen­gen. Und ganz viel Wasser dazu. Soviel zum Land. In den Städ­ten bewei­sen die Iren erstaun­li­che Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit. Schließ­lich muss man erst­mal schaf­fen so lange Zeit britisch geprägt gewe­sen zu sein und trotz­dem ein ganz eige­nes Flair im Stadt­bild auszu­strah­len, dass zwar durch­aus – insbe­son­dere in Dublin – an eini­gen Ecken mal sehr sehr briti­sche Züge hat, aber doch im Großen und ganzen wieder dieses ange­nehme „Anders“ ausstrahlt, was alles dort so unver­ge­ss­lich gemacht hat. Beson­ders begeis­tert haben mich die Schrift­ver­zie­run­gen eini­ger Gebäude, die zum Teil auf deren Geschichte hinwei­sen, teils aber auch höchst poetisch die Tragi­ken des tägli­chen Lebens beschrei­ben.


Man könnte noch endlos viel über die Schön­heit und das Erlebte schrei­ben und dennoch, nichts fängt die Auss­trah­lung dieses Landes und seiner Bewoh­ner besser ein als es zu Besu­chen. Am besten nicht als Massen­tou­rist, auch nicht unbe­dingt den Attrak­ti­ons­plä­nen der Touris­ten­bü­ros folgend, sondern am besten ganz auf klas­si­sche Entdecker­weise „immer der Nase nach“.