meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Blame it on the Tetons

  • 9 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 04:34 min
Language is the liquid
That we're all dissol­ved in
Great for solving problems
After it crea­tes a problem

Modest Mouse

Spra­che ist nicht unbe­dingt das sinn­vollste Thema für einen Blogein­trag. Eigent­lich ist Spra­che gar kein sinn­vol­les Thema. Was will ich eigent­lich sagen? Wenn ich das wüsste würde ich diesen Eintrag hier wahr­schein­lich gar nicht verfas­sen. Im Grunde genom­men steht in diesen vier Zeilen von Modest Mouse schon alles drin, was es über Spra­che zu sagen gibt. Genau genom­men reichen sogar die letz­ten beiden Zeilen. Denn alles, wirk­lich alles im Leben lässt sich im Endef­fekt auf Probleme und Problem­lö­sun­gen herun­ter­bre­chen. Und auf Kommu­ni­ka­tion. Im Laufe der Evolu­tion haben wir Menschen uns eine im großen und ganzen recht komfor­ta­ble Möglich­keit ange­legt unsere Gedan­ken zu äußern. Wir lern­ten Spre­chen. Später dann Lesen und Schrei­ben.

Doch was nützt die Fähig­keit etwas auszu­drücken, was man nicht begrei­fen kann? Was sind Gedan­ken wert, wenn man sich stun­den­lang darüber strei­ten kann, was eigent­lich Gedan­ken sind? Oder anders gesagt: Was macht uns so beson­ders, dass wir davon spre­chen zu spre­chen, zu denken, zu glau­ben, über­haupt Meinun­gen haben und bilden zu können, all diese abstrak­ten, nicht auf moto­ri­sche, sicht­bare Hand­lun­gen rück­führ­ba­ren Aktio­nen, die wir im Laufe unse­res Lebens ausfüh­ren.

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. 42 ist mit Abstand die genaueste und zuver­läs­sigste Antwort die ich geben kann. Und selbst die ist noch ziem­lich wage.

Wenn man Meyers Konver­sa­ti­ons­le­xi­kon (4. Auflage, Leip­zig und Wien 1890) fragt, landet man schnell bei Wilhelm von Humboldt und seiner doch irgend­wie tref­fen­den Defi­ni­tion der Spra­che, welche „die ewig sich wieder­ho­lende Arbeit des mensch­li­chen Geis­tes, den arti­ku­lier­ten Laut zum Ausdruck des Gedan­kens fähig zu machen“ (Meyers, Bd. 15, S. 178) ist. Doch dann kommt schnell die nächste Frage, der nächste Gedanke: Was eigent­lich sind Gedan­ken? Wenn es um die Beant­wor­tung solcher Fragen geht, begiebt man sich bekann­ter­ma­ßen am Besten zu der Wissen­schaft, die sich schon seit tausen­den Jahren exakt diese Fragen stellt. Zu den Philo­so­phen. Im „Histo­ri­schen Wörter­buch der Philo­so­phie“ (Wissen­schaft­li­che Buch­ge­sell­schaft Darm­stadt, Basel 1995) heißt es:
Im Deut­schen hat das Wort <S.> zwei Bedeu­tungs­fel­der. <S.>, allge­mein verstan­den, bezeich­net in einem umfas­sen­den Sinn den gesam­ten Bereich dessen, was mit der Äuße­rung von Vorstel­lun­gen, mit Ausdruck, Appell und Mittei­lung sowie mit Formen und Mate­ria­lien, Medien und Tech­ni­ken usw. zu tun hat: Spre­chen und arti­ku­lier­tes Denken, Worte und Wörter, Satz und Text, ferner Stimme, Laut und Schrift […]
HWPh, Bd. 9, Sp. 1437

Das ist doch schon um eini­ges greif­ba­rer. Spra­che ist also ein Mittel, was nicht nur dazu da ist Gedan­ken auszu­drücken. Irgend­wie tröst­lich. Bleibt die Frage, wie sich Spra­che zu Bewusst­sein verhält, oder: Denken wir in der selben Spra­che in der wir Spre­chen und wenn ja, ist das eine bewusste Entschei­dung, wenn nein, ist unser Verständ­nis der Aussa­gen inner­halb des Körpers – also in unse­rem Bewusst­sein – ein ande­res, weil in einer ande­ren Spra­che gedacht, als das Verständ­nis, welches außer­halb ankommt?

Ich glaube, ich werde hier zu keinem endgül­ti­gen Schluss kommen. Wahr­schein­lich ist dies auch gar nicht möglich. Denn wie soll man etwas defi­nie­ren, was man benö­tigt um die Defi­ni­tion über­haupt formu­lie­ren zu können.

Oder um es mit den Worten des – auch ander­wei­tig für diesen Arti­kel sehr inspi­rie­ren­den – @Weisz­klee zu sagen:
Wir haben ja nur unser aus Wörtern gebau­tes Bewusst­sein, um über die Wörter und das Bewusst­sein nach­zu­den­ken. Das kann nichts werden.
@Weisz­klee