Es wäre einfacher sich nicht zu verlieben. Naja. Vielleicht auch nicht. Aber man könnte sich zumindest das Um-den-Verlust-Trauern ersparen. Es sei denn, man macht sich genau das dann zu seiner Hauptaufgabe: Trauern. Nach den besseren Zeiten. Den goldenen Momenten. Nicht so grauen Tagen. Dem Geruch von frischem Gras, mitten im Winter.
Es wäre einfacher.
Es wäre überhaupt nicht einfacher, es wäre nur anders kompliziert. Mit dem Bonus, dass fast alles wirklich schöne im Leben fehlen würde. Keine Alternative also. Warum auch? Alternativen gibt es doch sowieso nicht. Es gibt zwar auch nicht nur einen Weg, aber es gibt an jedem Punkt immer genau eine Entscheidungsmöglichkeit. Die Entscheidung trifft man aber nie bewusst. Sollte man zumindest nicht. Sobald man anfängt sich bewusst für oder gegen etwas zu entscheiden wird das Leben langweilig. Manche würden auch geregelte Bahnen dazu sagen. Langweilig passt aber besser.
Langweilig, weil die Spontanität verloren geht, weil das ganze Leben von äußeren Einflüssen geregelt wird, weil man keine eigene Meinung mehr braucht.
An und für sich ist alles wunderbar, aber manchmal, manchmal da fehlen die Worte. Da fehlen die Worte um auszudrücken, dass man eigentlich gerade lieber gemeinsam schweigen würde anstatt alleine viel zu weit weg da zu sitzen und am Ende doch Fussball zu schauen um sich wenigstens der allgemeinen sinnlosen Euphorie hinzugeben. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Doch die Worte fehlen trotzdem. Obwohl man endlos reden kann, über Belanglosigkeiten. Nicht das das schlecht wäre, aber es ist eben nicht das, was man sagen möchte. Nicht das, was die Gefühle sagen möchten.
Ich will das nicht. Ich will nicht nichts sagen können, ich will immer Worte finden. Ich weiß genau, dass das nicht klappen wird, schon viel zu lange weiß ich das. Und doch versuche ich immer wieder möglichst lange nicht sprachlos zu sein. Nicht durch einen Urwald voller Gedanken zu laufen und doch für keinen die passende Wortummantelung finden, nicht weil die Gedanken die falschen sind, sondern weil die Mäntel fehlen und so arme kleine zerbrechliche Gedanken kann man doch nicht ohne schützenden Mantel rauslassen, geschweigedenn überhaupt in die Nähe der Außenwelt.
Und doch, manchmal ist man eben sprachlos. Und wenn man nicht allein ist, ist das manchmal sogar wunderbar.
In the end, I was so swarmed by the flock of possibilities that drifted up murmuring and smiling to crowd about me on the bright autumn sidewalk that — like a farm boy flustered by a bevy of prostitutes — I brushed right through them, to the pay phone on the corner, to call a cab to take me back to school.
Donna Tartt – The Secret History
Noch fast am Anfang des wundervollen Debutromanes “The Secret History” von Donna Tartt steht diese Textpassage. Und doch beschreibt sie perfekt das Ichwillallesaufeinmalmachenundnochvielmehr-Gefühl. Das Gefühl, was während der letzten Seiten in mir aufstieg und was mich seitdem nicht mehr verlassen will.
Die Geschichte dreht sich um sechs Collegestudenten, die sich dem Studium der Antiken Kunst und Kultur, des Altgriechischen, kurz allem nicht modernem verschrieben haben. Schon zu Beginn des Romans wird deutlich, worum es gehen wird: Einer der Studenten wird sein Leben geben müssen. Das Wissen um dieses Ereignis lindert aber keineswegs – wie das ja manchmal passiert bei solchen Geschichten, wo das Ende schon bekannt ist – die Spannung. Ganz im Gegenteil, die Geschichte fesselt, von der ersten bis zur letzten Seite.
Nicht nur erzählerisch ist Donna Tartts Debut ein Meisterwerk, es ist auf ganzer Strecke berührend und inspirierend geschrieben. Leser meines Tumblelogs haben dies möglicherweise schon bemerkt.
Nachdem mir das Buch vor einiger Zeit von der großartigen @facella hier empfohlen wurde kann ich diese Empfehlung nun nur wärmsten Herzens weitergeben. Es lohnt sich, in jeder Hinsicht.
The Secret History
Donna Tartt
Penguin Books
Den Titel eines Liebesliedes für einen Text über Twitter zu wählen mag Nichtnutzern etwas seltsam vorkommen. Doch genau das ist es: Liebe pur. Die meisten sozialen Netzwerke sind entweder asoziale Gruppensammelhaufen oder übersoziale Allessammelhaufen. Allgemein: Sammelhaufen.
Nicht so Twitter. Schon allein auf Grund des 140-Zeichen Formates der hinterlegbaren Nachrichten geht nicht alles immer einfach so, wie es sonst fast überall geht. Wenn man beispielsweise nur mal das Einfügen eines Bildes auf Facebook und Twitter vergleicht. Die eine Plattform blendet es sofort ein, überflutet den Anwender so häufig mit Information, die er so möglicherweise gar nicht haben will. Bei Twitter dagegen kann man nicht einfach so ein Bild einfügen, man kann höchstens einen Link zu einem Bild einfügen. Neulingen erscheint dies, genauso wie bei YouTube Videos und eigentlich jeglichem anderen Inhalt, meist wenig sinnvoll und schon gar nicht intuitiv. Womöglich ist es das auch nicht.
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An sich mag ich die Google Suche. Ich hab sie immer gemocht. Weil sie einfach immer schnell und gut war. In letzter Zeit wurde aber das Nutzerinterfaceteam scheinbar von diesem schrecklichen Ajax-alles-muss-dynamisch-sein-Hype erfasst.
Am Anfang war das, was dabei rauskam, auch schön, sogar förderlich. Man denke da zum Beispiel an Google Suggest (Die automatischen Suchwortvorschläge beim Tippen.) Dann kam iGoogle. Das war so “Juhu, Yahoo, von Google.” – nicht, dass Portalseiten allgemein schlecht sind, aber als iGoogle kam, war es nicht wirklich sinnvoll und auch heute noch ist es meist eher eine Ansammlung unendlich vieler unbenutzter Widgets die nur sinnlos das jeweilige Endsystem ausbremsen. Das Beste Feature von iGoogle ist meiner Meinung nach nach wie vor, dass man es einfach ausschalten kann.
Bisher kam man dann immer auf die gute alte Sucheingabemaske, die nicht zuletzt einer der Gründe war, die Google so populär gemacht haben: Es ist unglaublich leicht bedienbar. Aber auch hier gab es in der letzten Zeit Veränderungen. Im Wesentlichen sind es zwei Schritte, die in Kombination zu einem nun doch sehr missmutigen Nutzererlebnis führen. Zum Einen das Standardmäßige Ausblenden aller Seitenelemente die primär nicht mit dem Suchformular zu tun haben. Diese werden erst eingeblendet wenn sie gebraucht werden. Das an sich ist natürlich mitnichten ein Grund zur Aufregung, viel mehr war das meiner Ansicht nach ein Schritt in die richtige Richtung.
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Heute aber hat Google einen Schritt in die falsche Richtung gemacht. Fremdbestimmung der Nutzer ist selten eine gute Idee. Schon gar nicht, wenn es um Änderungen in einem Benutzerinterface geht, an das die Nutzer seit einer gefühlten Ewigkeit gewöhnt sind. Man könnte meinen, es ist nur ein Hintergrundbild. Wenn das Bild keine Einbußen in der Verfügbarkeitsgeschwindigkeit bedeuten würde, wäre es auch kein Problem. Dem ist aber nicht so. Das Hintergrundbild wird – hipp und trendy, wie das sein muss im Web 2.376 – nach dem Laden der Seite mittels Ajax nachgeladen. Der dabei entstehende Effekt (relativ Browserunabhängig) ist nicht mehr der eines flüssigen Aufbaus der Webseite. Soviel zur technischen Seite. Doch auch die Seele fühlt sich genervt. Ich möchte kein Hintergrundbild haben, nur um einen Suchbegriff eingeben zu können. Wenn ich das wollte würde ich Microsoft Bing benutzen.
Leider sind manche IT Firmen in letzter Zeit der Meinung, dass sie ihre Nutzer nutzen müssen. In dieser Hinsicht nähert sich die Wirtschaft der Politik in eineme Maße an, dass ich nicht gut und nicht richtig und schon gar nicht zukunftsweisend finde. Dabei wollte gerade Google doch immer genau das sein: Gut, richtig und zukunftsweisend.
(Übrigens kann man die Macht der Google Suche in einem sauberen Nutzerinterface trotzdem haben. Zum Beispiel über keyboardr.com.)
Was kann man schon sagen über eine Stadt, die älter ist als fast alles, was man davor gesehen hat. Vorallem: Was kann man sagen, nachdem man die Reiseführerbeschreibungen rausgestrichen hat? Viel. Und doch fehlen die Worte. Worte für die Überreste einer der Kulturen die unser aller Leben vor etwa 2000 Jahren so maßgeblich geprägt hat. Die Überreste derer, die versucht haben die anderen Überreste zu schützen, bis auch sie die Macht verloren zu Wachen und zu Schützen. Und schließlich die Moderne, die sich dazwischen drängt, aber doch vielerorts einfach verschluckt wird von der Geschichte. Rom.
Vielleicht ist Rom für seine Bewohner auch nur eine Stadt, doch wenn man dort ist mag man das nicht glauben. Eine Art Zauber umgibt diese Stadt. Womöglich spielt dieses große (wirklich große, wenn man davor steht merkt man es erst richtig.) weiße Gebäude da keine unwichtige Rolle bei. Schließlich ist es von so ziemlich jedem Ort der Stadt aus zu sehen. Immer ein bisschen passend und ein bisschen Fremdkörper.

Dankbar bin ich den Stadtplanern, die es geschafft haben, das neue moderne Rom nicht das alte, ehrwürdige zerstören zu lassen. Relativ nahtlos gehen alt in neu in älter und neuer über und überall schwingt sowohl das allgemeine italientypische Flair – ihr wisst schon, Luft und Liebe und Sonne und Süden und alles hat Zeit aber wir machen trotzdem ein bisschen Mopedstress – als auch eine Art von Magie mit, die ich bisher nur in dieser Stadt gespürt habe. Das Wissen darum, was auf diesen Flecken auf denen man steht, läuft, sitzt oder in Gedanken davonschwebt in den vergangenen 2700 Jahren passiert ist. Das Gefühl, dass man nirgendwo mehr der erste sein kann. Manchmal ist sie fast ein wenig erdrückend. Die Geschichte dieser Stadt.
Lustigerweise bleibt hinterher zum Einen die Erkenntnis, dass italienische Pizza mitten in Italien irgendwie nicht so gut schmeckt wie beim Italiener um die Ecke und dass der Fotoapparat so langsam seine alters- und leistungsbedingten Grenzen erreicht und zum Anderen das Wissen, dass dies zwar der erste, aber sicher nicht der letzte Besuch dieser Stadt gewesen sein wird.