Nur ganz vorsichtig das Papier mit dem Bleistift berühren, drei mal ansetzen für eine Linie. Ungenaue Umrisse, dazwischen detailverliebte Leere. Erstmal nachspitzen. Ängstlich erwartet das Blatt den nächsten Angriff der Mine. Viel zu Ängstlich. Der Stift will doch nichts böses, wurde nur geschickt um festzuhalten. Festzuhalten was sonst viel zu schnell entschwindet.
Träume in Schwarz-Weiß.
Sternenklare Nächte, kleine weiße Pünktchen auf schwarzem Grund. Ein bisschen wie ihr Kleid.
Früher konnte ich nicht flüstern. Also das heißt, rein von der Fähigkeit her konnte ich schon, aber es ging einfach nicht. Immer wenn Menschen in meiner Umgebung aus welchen Gründen auch immer anfingen zu flüstern schnürte sich mein Hals zusammen, vor Angst aus versehen zu laut zu sprechen sprach ich lieber gar nicht mehr. Denn man kann einfach nicht laut reden, wenn die Umgebung flüstert.

Doch warum konnte ich eigentlich nicht flüstern? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ebensowenig weiß ich, warum es jetzt geht. So genau will man ja diese Eigenarten des Körpers oft auch gar nicht verstehen. Doch andererseits kann man nie aufhören darüber nachzudenken, warum das nun so. Und wieso eigentlich die eigenen Gewohnheiten meist gar nicht so speziell aber doch irgendwie immer was besonderes sind. So ist das eben.
Flüstern war das Thema. Flüstern ist eine tolle Sache. Flüstern schafft Nähe, Ruhe, Gemütlichkeit und ein bisschen Geheimnistuerei. Immer. Da kann man noch so grundlos anfangen, die Wirkung von geflüsterten Worten ist grundsätzlich erstmal obige. Deswegen flüstere ich inzwischen ab und an sehr gerne. Weil es eben ab und an mehr als notwendig ist die Diskussionsnotbremse zu ziehen um das Verstehen des Gesagten herauszufordern.
Es sind diese Tage an denen der gute Rat “Bleib liegen.” das einzige ist, was im Kopf herumschwirrt. Es sind diese Lieder, die einen trotzdem hochreißen und ein wenig Motivation durch den Raum flattern lassen.
Fahr ans Meer, nimm dir eine dicke kuschelige Decke, setz dich an den Strand, hör den Wellen zu. Warte bis du an nichts mehr denkst außer an das Rauschen der nächsten Welle. Dann erst wieder aufstehen. Dann ist bestimmt nicht alles gut. Nicht wenn vorher nicht alles gut war. Aber dann ist alles ein bisschen anders. Vor allem ist der Gedanke der gestört hat nicht mehr da.
Das sagt sich viel zu einfach. Leider ist es meistens nicht so einfach. Das fängt ja schon damit an, dass man ja erstmal ans Meer kommen muss. Und dann die ganzen Fragen der Leute, warum denn und wieso denn und ob man denn helfen könnte. Eigentlich will man doch nur allein sein. Doch das versteht ja meistens keiner. Und die die es verstehen können nicht dabei helfen, dass es geht.
Atmen.
Dann ist auf einmal eben nicht mehr alles gut. Dann fällt einem wieder ein, dass man auf Wolken ja gar nicht schweben kann, die ganzen Naturgesetze versauen einem den sowieso schon angeknacksten Tag. Was heißt hier Naturgesetze? Die Natur spielt auch ohne Gesetze nicht mit. Die guten alten Sommergewitter sind auch nur noch Schatten ihrer selbst. Ein kleiner Faden hängt in der Luft. Zu klein, um sich daran klammern zu können.
(via elefantenruesel)
Doch sollte man es nicht wenigstens versuchen? Nicht zu schnell den Rettungsfaden der Hoffnung hängen lassen? Wer weiß das schon. Manchmal ist es eben nicht so einfach. Da schwirren mehr eigentlich und vielleicht und könnte und hätte und dürfte und warum durch den Magen als Schmetterlinge jemals Platz finden würden. Dummerweise erzeugt jedes einzelne von ihnen die Negativwirkung des Schmetterlingsgefühls. Gar nicht so einfach, nicht daran zu denken, dass da ja nicht nur eins ist.
An manchen Tagen möchte man einfach weder Hammer noch Nagel sein, möchte nicht mal von außen auf dieses Wesen blicken müssen, das man repräsentiert. Es sind diese Tage, an denen man nicht umhin kommt Bridge Over Troubled Water zu hören. Nicht einmal, nicht zweimal, ständig. Es sind diese Tage an denen jedes winzige Zeichen von Kommunikationsaufnahme dankbar entgegengenommen wird in der Hoffnung, dass es endlich die eine Information ist, auf die man so sehnlichst wartet. Es sind diese Tage, die im Gedächtnis bleiben, obwohl es genau diese Tage sind, die man so schnell wie möglich vergessen will.
Einfach mal bei grün an der Ampel stehen bleiben. Den Autofahrern zu sehen, wie sie sich erst nur wundern, dann amüsieren, dann fast ein bisschen sauer werden, weil man nicht rübergeht. Warum werden sie sauer? Es ist doch nicht ihr Problem, dass ich da stehe, dass ich Zeit verliere. Sie müssen doch sowieso warten. Achso, ja, genau, das ist es wohl. Sie würden sich wünschen, ich würde rüber gehen, damit sie nicht umsonst gewartet haben. Klassischer Fall von Konzept nicht verstanden. Ampeln sind nicht nur dazu da, dass Fußgänger die Straße überqueren können.

Vielleicht gleich Morgen den Kaffee mal nicht schwarz trinken und die Mate mal warm werden lassen. Regeln sind für andere da. Viel zu oft hält man sich daran, was einem irgendwer irgendwann mal gesagt hat. Und wenn man nicht aufpasst springt man am Ende noch aus dem Fenster, weil irgendwer “spring” sagt. Springen wäre aber eigentlich gar keine so schlechte Idee. Nur eben nicht unbedingt aus dem Fenster. Rückwärts vielleicht. Oder zur Seite, ganz egal welche. Nur nicht nach vorn. Oder doch. Völlig egal eigentlich. Hauptsache nicht so wie es der Rest macht. Bloß nicht gleich alles zur Regel werden lassen.
“Ich will barfuss durch den Regen laufen.”
“Schau mal, ich kann fliegen, wenn du die Augen zu machst.”
“Ich will barfuss durch den Regen laufen.”
“Ich fliege.”
“Ich kann dich nicht sehen.”
“Hast du was gesagt?”
“Es regnet nicht.”