meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg – Teil 1

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:58 min

Sie wusste, dass es zu spät war. Sie wusste, dass sich gerade eben alles verän­dert hatte. Doch Cleo war anders, sie war schon immer anders gewe­sen, sie würde das nicht einfach akzep­tie­ren. Es musste doch einen Ausweg geben.
„Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg.“
„Wofür?“
Cleo war so tief in ihren Gedan­ken versun­ken, das sie weder ihr lautes Ausspre­chen der selben, noch Pauls Nach­frage bemerkt hatte. Viel­leicht war das auch besser so.

Der Bahn­hof um sie herum war von Leben erfüllt. Genau genom­men, war er das Leben, und sie, Paul und Cleo, waren die Beob­ach­ter, die stil­len Teil­ha­ber an den Gefüh­len ande­rer. Nicht jeder kann sich eigene Gefühle leis­ten. Nicht jeder darf sich Gefühle leis­ten. Sie wollen nicht. Zumin­dest vorerst nicht mehr. Es ist besser so, haben sie gesagt. Doch Cleo hat Zwei­fel. Sie war schon immer die vernünf­tige große Schwes­ter. Paul der drauf­gän­ge­ri­sche, unwe­sent­lich jüngere Bruder. Sie wuss­ten nicht mehr, wie alt sie eigent­lich waren. Das spielte schon zu lange keine Rolle mehr. Genau genom­men spielte fast nichts eine Rolle. Damals, als sie noch an der Küste lebten und jedes Woche­n­ende in Brighton waren, damals gab es noch ein paar Dinge, die von gewis­ser Wich­tig­keit waren. Aber das war vorbei. Irgend­wann kam der Zug nach London und dann waren sie hier. Es musste während der Zugfahrt passiert sein. Auf Zugfahr­ten geschieht nur allzu oft Selt­sa­mes.

„Woran denkst du?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob wir das wirk­lich tun soll­ten.“
„Was meinst du mit sicher? Du weißt genauso gut wie ich, dass nie irgend­was wirk­lich sicher ist. Außer mögli­cher­weise die Unpünkt­lich­keit der öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel, doch die tut nichts zur Sache. Wir soll­ten.“