meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg – Teil 2

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:59 min

Obwohl er der jüngere war – es fiel auf, doch nur bei genauem Hinse­hen, flüch­tige Beob­ach­ter hätten die Alters­hier­ar­chie von Paul und Cleo auch durch­aus verwech­seln können – hatte Paul schon immer die Rolle des Durch­set­zers inne. Er entschied nie allein, aber wenn etwas entschie­den war, sorgte er dafür, dass es so gemacht wurde.

„Wir soll­ten lang­sam einen Platz für die Nacht finden. Der Bahn­hof macht mir ein wenig Angst.“

Es waren diese Sätze, die Cleo in den Wahn­sinn trie­ben. Sie wusste genau, dass er nicht das gesagt hat, was er eigent­lich meinte. Sie wusste auch nur zu gut, dass sie nicht fragen brauchte. Dies­mal wollte sie nicht wissen, was eigent­lich war. Immer alles wissen zu wollen macht am Ende immer alles nur schlim­mer. Cleo stand einfach auf und ging in Rich­tung Ausgang. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie den Bahn­hof von innen sah.

Paul hatte irgend­wann von Camden gehört. Von den Plat­ten­lä­den und dem Markt. Von dem Leben, was dort wohl noch nicht von den Gefüh­len getrennt war, was noch wahr war. Gefühle sind viel mäch­ti­ger als das Leben. Sie gingen einfach los. Ziel: Camden Town. Ankunft: Unge­wiss. Vorbei an endlo­sen Reihen Back­stein­bau­ten. Nach einer Weile bemerkte Cleo, dass die Laden­ein­gänge klei­ner wurden, die Menschen dafür umso größere Freude ausstrahl­ten.

„Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.“
„Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.“
„Wann werden wir wohl ankom­men?“
„Wol­len wir ankom­men?“

Darauf wusste Cleo keine Antwort. Über­haupt wusste sie in letz­ter Zeit viel zu selten Antwor­ten auf die Fragen, die sie von ihrem Bruder gestellt bekam. Viel­leicht lag das daran, dass sie immer alles Wissen teil­ten, das sie gar keine Antwort auf eine Frage von ihm wissen konnte, weil sie nicht ein Fünk­chen mehr wusste als er.