Mysteries of Life

Aug 09 2010

Brüste. Eigentlich sollte an dieser Stelle wohl was mit Emanzipation stehen. Und dass die Frau ja jetzt frei entscheiden kann, wie sie sich der Welt präsentieren will. Doch stellt sich mir die Frage: Sollte sie? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, die extensive Darbietung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale anzusehen, aber es gibt da eben diese Stimme in mir, die sagt, dass da was gehörig daneben geht.

“Dekolleté zeigen und das hier sind zwei Sachen.”

Gestern war auf Twitter “Boobsday”. Im Endeffekt fand sich in meiner Timeline die gesamte Bandbreite der weiblichen Oberkörper relativ freizügig wieder. Jetzt könnte man ja ankommen und behaupten, dass sei ja nur ein Mem und das ist halt so und überhaupt. Doch es ist eben nicht so. Es ist für mich mal wieder ein eindeutiges Zeichen dafür gewesen, dass die meisten Frauen gar nicht verstehen, was sie sich eigentlich erkämpft haben (und nebenbei die Fähigkeit besitzen all das Gute innerhalb von Sekunden zunichte zu machen). Natürlich hat jeder das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Das heißt doch aber nicht, dass man auf jeden dummen Zug aufspringen muss. Nicht so jedenfalls.

Wie dann? Schwer zu sagen. Es gibt ja zwei Möglichkeiten: Entweder wurde der “Boobsday” von einer Frau, oder von einem Mann initialisiert. (Diese ganze Transgenderproblematik blende ich jetzt mal elegant aus, ist für die Masse uninteressant.) Wenn ersteres der Fall ist, würde mich das sehr enttäuschen. Natürlich könnte man das mit hohem Selbstbewusstsein abtun, für mich riecht es aber mehr nach sinnlosem Darstellungsdrang als Sexobjekt. Genau das, was Frau nicht mehr (nur?!) sein will und sollte. Ergo wäre es für bewusst “emanzipierte” Frauen meiner Ansicht nach erstrebenswert an sowas nicht teilzunehmen.

Leider muss ich aber aufgrund unserer Geschichte davon ausgehen, dass dieser ganze Spaß von einem Mann kam, was heißt, dass es eben genau die Provokation Sexobjekt ist, die wie oben schon gesagt, so ganz und gar nicht in Ordnung ist.

Abschließend die Feststellung, dass die meisten Menschen nicht nur seltsam berechenbar dämlich reagieren wenn tragische Ereignisse (Loveparade) geschehen, sondern eben auch im fast ganz normalen Leben und die Hoffnung, dass Es vielleicht ganz anders war.

Immer wieder lehrreich, solche “Kleinigkeiten” am Gesellschaftsmilrokosmos Twitter zu analysieren.

7 responses so far

  1. Endlich sagt das mal jemand! Danke!!

  2. (Ich drücke mich jetzt mal mit Absicht etwas dreist aus!)

    Ach, wie süß! Eine männliche Emanze! ;D
    Irgendwie komisch, wenn jetzt schon Männer für die Emanzipation der Frauen kämpfen, wo wir doch eigentlich mittlerweile beinahe wieder so weit sind, dass man(n) für Emanzipation des Mannes kämpfen sollte (aber das ist ein anderes Thema).
    Ob Boobsday-Gag (der mehr ist er einfach nicht) hin oder her – ich finde es gut, dass die Frauen auch über sich selbst lachen können und mit ihrem Körper dementsprechend umzugehen wissen, dass sie darüber Scherze machen können. Genau so sollte es sein!
    Scheinbar wäre es dir lieber, wenn Titten-Witze gänzlich aus Twitter verbannt werden. Und somit die Frau sich doch nur wieder verstecken soll.
    Warum sollen die Frauen diese wunderbare zwei Ausrücke wahrer Kunst, die sich da mit sich rumtragen verstecken?
    Sicherlich stößt das bei dir auf Missgefallen, aber ich bin ein Mann der offen zeigt, dass er auf Brüste, Hintern, ja auf alles an einer Frau steht. Es gibt nichts schöneres als die Geschöpfe und warum nun die Frauen dazu drängen, sich zu verstecken und sie nicht eher ermuntern offen zu ihrer Sexualität zu stehen?
    Sicher hast du Recht, dass Frauen früher genau dagegen gekämpft haben als einfaches Sexobjekt betrachtet zu werden. Und das finde ich auch gut und fördere das. Aber viel mehr fördere ich, wenn die Frau selber anerkennt, was doch irgendwo Tatsache ist: Der weibliche Körper ist geil!

    PS.: Ich finde Emanzipation toll, aber leider geht sie oft in die falschen Richtungen…

  3. Hehe. Männliche Emanze. Nicht wirklich.
    Zum ersten: Ja leider sind wir momentan an dem Punkt wo man(n) durchaus für seine Emanzipation kämpfen muss. Zumindest eben mal darüber nachdenken, dass hier gerade was schief läuft. Insgesamt so.
    Zum zweiten: Natürlich mag der Boobsday als solcher nur ein Gag gewesen sein und doch ist es ein Spiegelbild der Situation. Um Gottes willen möchte ich diese Witze nicht verbannen und schon gar nicht die Frau zwingen sich zu verstecken. Schließlich hätte ich ja sonst nicht diesen Dekolleté-Tweet geschrieben und so gemeint. Doch genau das was du fast zuletzt schriebst ist irgendwie mein Problem. Ich habe das Gefühl, dass die meisten Frauen das nicht so erkennen. Das sie nicht verstehen, warum sie bewusst darüber nachdenken sollten, ob und wie sie sich und ihren Körper präsentieren (wollen).

  4. Sie sollen sich natürlich keinesfalls nur(!) über ihren Körper präsentieren, aber sie sollen ihn auch keinesfalls verstecken und “unterdrücken”!

  5. Mein ich doch!

  6. Gut! :D

  7. Im Prinzip sehe ich die Sache mit dem Boobsday ganz ähnlich wie du! Einen Aspekt will ich aber noch ergänzen:
    Bei Twitter liest man in der Regel nur Leute, denen man folgt, also schätzt. Und diese Wertschätzung kommt in einem textbasierten Medium eben in erster Linie über die Tweets. Ein kurzzeitiger Wechsel des Profilbildes ändert daran ja nichts. Eigentlich.

    Soweit mein Penny, aber du hast Recht: Boopsday ist strange und einer pro Dekade reicht völlig aus.

Leave a Reply

Twitter Users
Enter your personal information in the form or sign in with your Twitter account by clicking the button below.