meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wir, die Verlo­re­nen – Teil 1

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:38 min

Ich sitze in der U-Bahn, allein mit meiner Musik, um mich herum leere, leicht einge­dellte Sitz­grup­pen. Der Zug hat sich an der letz­ten Halte­stelle abrupt geleert, über­tage ist Party ange­sagt. Reali­täts­flucht, mitten in der Woche.

Während Thom Yorke sich kugel­si­cher jammert denke ich nach über diese Menschen, die nicht vor und nicht zurück können. Denen gar nicht viel mehr im Leben als die tägli­che über­laute Musik­drö­nung bleibt. Ich bin einer von ihnen. Ich leugne es gerne, doch auch ich bin gefan­gen zwischen einer nicht aufge­ar­bei­te­ten Vergan­gen­heit und einer Zukunft, die unge­wis­ser nicht sein könnte. Stän­dig auf der Suche nach Antwor­ten, ohne die Fragen zu kennen. Immer auf der Flucht vor den bekann­ten Fragen.

Nächste Station. Du steigst ein, setzt dich in die Sitz­gruppe mir schräg gegen­über. Dein Gesicht sieht erschöpft aus und doch strahlst du eine Ener­gie aus, die mir fast ein biss­chen Angst macht. Ich will dich anspre­chen, dich fragen, wo du her kommst, was du denkst, warum du mich faszi­nierst. Doch das fragt man nicht. Glaube ich.

Für die Über­wa­chungs­ka­mera sieht die Szene­rie wahr­schein­lich nicht anders aus als in jedem drit­ten U-Bahn­wa­gen zu dieser Uhrzeit. Für mich bleibt die Welt stehen, als sich dein Blick schwei­fend auf die Suche begibt und an mir haften bleibt. Es läuft keine Musik mehr. Das merke ich erst, als ich verzwei­felt nach Ablen­kung vor deinen fragen­den Augen suche. Was willst du? Was suchst du?