meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wir, die Verlo­re­nen – Teil 2

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:59 min

Wenn ich doch nur einen Grund hätte, dich anzu­spre­chen. Ich bin nicht der Typ, der einfach auf Menschen zu gehen kann. Will ja selbst auch meis­tens meine Ruhe haben. Und doch, die äuße­ren Umstände trei­ben mich. Der außer uns leere Wagen, die künst­li­che, gerade anstren­gende Hellig­keit, dein bohren­der Blick. Um meine Kommu­ni­ka­ti­ons­be­reit­schaft zu signa­li­sie­ren nehme ich die Kopf­hö­rer ab. Mein Versuch deinem Blick zu begeg­nen schei­tert kläg­lich. Erneu­ter Anlauf. Es kann doch nichts passie­ren. Oder doch?

Nach einer klei­nen Ewig­keit schaf­fen es meine Augen schließ­lich deinen zu begeg­nen. Du wirkst leicht irri­tiert, fast so, als ob du das nicht erwar­tet hättest. Für einen Moment glaube ich du würdest einfach aufste­hen und durch die gerade noch offe­nen Türen flüch­ten.

Ein letz­tes Mal ganz fest die Zähne zusam­men­bei­ßen: “Warum?”

Mehr lässt mich meine Zunge nicht sagen. Mehr muss sie auch nicht sagen, du verstehst. Du verstehst und fängst zaghaft an zu erzäh­len von einem dieser Leben, die so verdäch­tig austausch­bar klin­gen, dass jeder der Protago­nist sein könnte. Du erzählst mir mein Leben, obwohl wir uns noch nie begeg­net sind. Du erzählst mir, dass du nicht mit dem Rest feiern möch­test und dass du eigent­lich viel lieber in unbe­rühr­ter Natur leben würdest. Ich bin sprach­los.
Endsta­tion. Wir stei­gen aus, gehen neben­ein­an­der vom Bahn­hof, auf der Straße tren­nen sich unsere Wege. “Danke.” sagst du noch, dann biegst du um die Ecke.

Ich stehe auf der Straße, allein mit unse­ren Gedan­ken, um mich herum nichts als erzählte Schick­sale die trotz­dem immer wieder gelebt werden sollen.

Warum?