meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wir, die Verlo­re­nen – Teil 3

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:54 min

Das Hupen eines LKWs schreckt mich auf. Gefan­gen in unse­rer Gedan­ken­welt bin ich mitten auf der Straße gelau­fen. Mitten in der Nacht. Da kommt ja sonst niemand. Wenn mich der Fahrer nicht recht­zei­tig gese­hen hätte wäre ich jetzt viel­leicht nicht mehr. Das komi­sche ist, dass mir der Gedanke daran keine Angst macht.

“Geht es dir gut?”

Nicht nur der Last­wa­gen wurde von Gedan­ken verdrängt, sondern auch du. Jetzt stehst du vor mir, siehst mich mit dem selben Blick an, mit dem du vorhin in die U-Bahn gestie­gen bist, fragst ob es mir gut gehe. Dabei weißt du ganz genau wie es mir geht. Wir sind uns zu nah. Wir sind der Welt zu fern. Wir werden hier blei­ben für diese Nacht.
Die Stun­den verge­hen, wir sitzen am Stra­ßen­rand und schwei­gen. Ich beob­achte dich. Heim­lich. Du beob­ach­test mich auch. Offen­sicht­lich. Einzig die Sterne könn­ten dazu Geschich­ten erzäh­len, aber es sind keine Sterne am Himmel zu sehen. Groß­stadt­schick­sal.

Ein paar Stra­ßen weiter schreien sich alte Menschen an. Du suchst Schutz. Ich habe doch auch Angst. Zwar nicht vor den alten Menschen, aber davor, so zu werden. Irgend­wann, irgendwo, mit irgend­wem sinn­lose, zu laute Argu­men­ta­tio­nen zu führen. Tagein tagaus die selbe Leier. Die fehlende Tiefe der Jugen­der­leb­nisse ausge­tauscht durch die fehlende Breite des Erwach­se­nen­all­tags.

Das Morgen­grauen schleicht lang­sa­mer heran als sonst. Alles wird ein biss­chen lang­sa­mer, wenn man nicht allein ist. Ob wir uns wohl wieder­se­hen werden fragst du. Ob das denn gut wäre frage ich zurück. Du nickst, hast verstan­den, was niemand versteht. Manch­mal trifft man Menschen nur ein einzi­ges mal. Genau dann ist für einen kurzen Moment mal alles gut.