meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Brief an M

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:39 min

Liebe M.,

Drei Tage ist es her, seit­dem du in den Zug gestie­gen bist. Wenn ich die Augen schließe, kann ich noch die Rück­lich­ter sehen. Ich finde, Verab­schie­dun­gen wären um eini­ges einfa­cher, wenn man nicht die Rück­lich­ter sehen könnte. Rück­lich­ter haben immer so etwas melan­cho­li­sches.

Du warst nie nur irgend­wer. Nie nur einfach da. Aber du warst da. Zumin­dest rück­bli­ckend betrach­tet fast immer. Wenn du mal nicht da warst lag das viel­leicht auch eher an mir als an dir. Ich gebe zu, es ist nicht immer einfach mich zu kennen, mich viel­leicht sogar mögen zu wollen. Doch du hast mir immer ein Zuhau­se­ge­fühl gege­ben. Voll­kom­men egal wo ich war, wenn du in der Nähe warst, konnte ich mich sicher fühlen.
Jetzt bist du bald weg.
Nicht rich­tig weg natür­lich. Du wirst nie rich­tig weg sein können. Mein Herz wird dich nicht mehr loslas­sen.
Die Leute sagen, es wird einfa­cher. Die Leute sagen, man wird neue Menschen kennen lernen. Viel­leicht haben sie ja recht. Bestimmt haben sie recht. Doch wer könnte schon verste­hen, warum du fehlen wirst? Wer könnte uns verste­hen? Kapi­tän Nemo könnte even­tu­ell. Doch den gibt es nicht.
Was bleibt?
Das wich­tigste. Das schönste.
Ich weiß, dass du blei­ben wirst. Denn dich zu verges­sen würde bedeu­ten, fast alles zu verges­sen, was wirk­lich wich­tig war.

Du fehlst, der Stadt viel­leicht sogar noch etwas mehr als mir,

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