meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Herbst­ge­flüs­ter

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:45 min

Gerade eben noch war die Stadt da. Laut, dreckig, unnach­gie­big. Die Straße war über­voll. Dann wech­selte die Ampel­schal­tung und brachte die Blech­la­wine für einen Augen­blick zum stehen. Mit ihr blieb für mich die ganze Welt stehen. Wegen dir. Ich hatte kaum einen Fuß auf die Straße gesetzt, da entdeckte ich dich auf der ande­ren Seite, ebenso weit voran­ge­kom­men bei dem Stra­ßen­über­que­rungs­vor­ha­ben. Deine grünen Augen sahen mich unver­wandt an. Dein Schal wirbelte im Wind, ein paar kleine goldene Blät­ter hatten sich darin verfan­gen. So wie ich mich in dir.

Zeit verging. Das war nicht zu leug­nen. Doch war es auch nicht spür­bar. Ich war so erfüllt von deiner Erschei­nung, dass mich nichts ande­res mehr erreichte. Der viel­leicht letzte blaue Himmel für die nächs­ten Wochen ging genauso an mir vorbei, wie die eigent­li­chen Besit­zer der Straße, welche diese schon seit einer Ewig­keit wieder verein­nahmt hatten. Abge­se­hen von einem klei­nen Fleck in der Mitte.

Du warst stehen geblie­ben. Direkt vor mir. Stan­dest einfach schwei­gend mit deinem forschen­den Blick da und hast mich ange­lä­chelt. Ich wünschte mir nichts sehn­li­cher, als mein inne­res nach außen, zu dir, zu lassen. Doch es ging nicht. Meine Hand­lungs­fä­hig­keit war schein­bar gleich zusam­men mit dem Herz aus der Hose gerutscht und lag jetzt irgendwo gut gepresst unter der rollen­den Masse.

Bei der nächs­ten Grün­phase hast du meine Hand genom­men und bist einfach losge­lau­fen. Losge­las­sen hast du nicht mehr.