meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Years End Blues

Weil Jahres­en­den trotz allem immer Spuren von Melan­cho­lie enthal­ten. Weil man nichts besser mit Musik begeg­nen kann als Melan­cho­lie.


  1. Radio­head – You and whose army?

  2. Amos Lee – All my Friends

  3. Nick Drake – Hazey Jane I

  4. Hermann van Veen – Wenn ich mir was wünschen dürfte

  5. Jack John­son – While We Wait

  6. Ben Harper – Power of the Gospel

  7. Mons­ters of Folk – Temaz­cal

  8. Wir sind Helden – Stil­ler

 

Das Ende

Hier, an dieser Kreu­zung, hier haben wir gestan­den, letz­tes Jahr, am selben Tag, unge­fähr zur selben Zeit, du und ich. Damals gab es noch kein wir. Damals hast du schüch­terne Blicke auf den Boden gewor­fen und ich versucht den Mittel­punkt der Erde in meinen Jack­en­ta­schen zu finden. Damals.

Downtown Corner at Night

Heute gibt es kein wir mehr. Heute ist es zu Ende. Zu Ende, bevor es rich­tig anfan­gen konnte, bevor wir wir sein konn­ten, bevor alle Chan­cen ihre Zeit hatten.

Wir werden uns beide unsere Fehler nicht einge­ste­hen, wir werden beide schwei­gen, versu­chen zu verges­sen. Was jetzt folgt ist die ewige Frage, wir sehr man eine mögli­cher­weise falsche Entschei­dung bedau­ern kann. Und wie gut man sich einre­den kann, dass es eben doch keine falsche Entschei­dung war und das man sie ja auch nicht allein, sondern im Grunde gemein­sam getrof­fen hat.

„Es ging ja gar nicht anders.“

Das wird der bestim­mende Satz sein. Wir wissen beide nur zu gut, wie dumm dieser Satz ist, doch wir wissen auch, wie gut er als Schutz­schild vor der Wahr­heit geeig­net ist.

 

Look at what the light did now

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Taste the taste I taste 'till it's tasted
Look at what the light did now
 

Auf in den Tag

  • 6 years ago veröffentlicht
  • Ein Kommentar
  • Erwartete Lesezeit: 02:19 min

Sechs Uhr Zwei­und­drei­ßig. Einsam schim­mern die Siebens­eg­men­t­an­zei­gen des Digi­tal­weckers in die noch gnaden­lose Dunkel­heit des neuen Tages. Gemes­sen an der stechen­den Kälte, der die den Wecker ausschal­tende Hand ausge­setzt ist, während sie nach einem erfolg­rei­chen Tasten­druck die Fern­be­die­nung sucht, möchte der Rest des Körpers gar nicht an das nun folgende denken. Musik ist das einzige, was den Rest des Körpers mögli­cher­weise recht­zei­tig dazu animiert, die wohlige Wärme des Bettes zu verlas­sen.

Ein kurzes klicken, noch einen Moment Ruhe, dann hat sich der Zufalls­wie­der­ga­be­al­go­rith­mus entschie­den. Amos Lee. All My Friends.

Irgend­je­mand muss den Kaffee anset­zen. Das einzige mehr oder wenige wache Wesen im Haus­halt zu sein bedingt leider, diese Aufgabe über­neh­men zu müssen. Star­bucks könnte wirk­lich endlich mal einen Liefer­ser­vice mit Abon­ne­ments und allem drum und dran einfüh­ren. Für diese Tage, an denen der Weg zur Kaffee­ma­schine nicht nur mit dem Kampf gegen erneu­tes einschla­fen sondern auch mit dem gegen die unsäg­li­che Kälte verbun­den ist.

Radio­head. You and whose army?

Wenn die Lied­ab­folge nach dem Aufste­hen den Tage­sab­lauf bestimmt, wird das wohl eher einer der schlech­teren Tage. Ande­rer­seits wird Melan­cho­lie nicht über, sondern unter­be­wer­tet. Außer­dem ist der Kaffee gerade im fertig werden und das ist doch schon ein rela­tiv ernst zu nehmen­des Zeichen dafür, dass es zumin­dest kein ganz schlech­ter Tag werden kann.

Lykke Li. Paris Blue.

Einpa­cken. Zwie­bel­haut­prin­zipjun­kie. Und dann noch ein paar Schals zur Deko­ra­tion, man kann nie genug Schals haben. Ein kurzer Blick auf das Ther­mo­me­ter sugge­s­tiert, dass mehr als ein paar Schuhe an den Füßen und mehr als eine Mütze auf dem Kopf auch durch­aus eine Über­le­gung wert wären. Der darauf folgende Blick in den Spie­gel sagt das genaue Gegen­teil.

Auf in den Tag.

 

Klischees sind dumm. Nicht nur weil ich das sage.

  • 6 years ago veröffentlicht
  • 2 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 02:27 min

Ich bin voll das Indie­kind. Wird mir zumin­dest ab und an gesagt. Manch­mal sage ich das auch selbst, weil es gerade passt, oder aus ande­ren, ähnlich absur­den Grün­den. Eigent­lich stimmt das gar nicht. Ich höre zwar gerne und viel dieser so genann­ten Indie­pen­dent-Musik, aber es gibt ja auch immer die ande­ren. Mal abge­se­hen davon, dass ein Groß­teil der hippen „Indie­bands“ sowieso bei einem der Majors einen Plat­ten­ver­trag hat, kann man einfach nicht ewig unun­ter­bro­chen die glei­chen 7 Akkord­mus­ter mit den glei­chen 15 Gitar­ren­ef­fek­ten und 23 Moti­ven hören. Denn ziem­lich genau das ist Indie häufig vorwie­gend: Lang­wei­lig. Lang­wei­lig, gerade weil die Bands, die Indie sein wollen sich meist so unend­li­che Mühe geben anders zu sein als alle ande­ren, dass sie genau das nicht schaf­fen. Dabei sollte Indie eigent­lich mit einer „If they don't like it, fuck it.“-Atti­tüde gemacht werden. Nennt es meinet­we­gen punkig, aber macht es. Und an die ganzen zwei Gitar­ris­ten, Bassist und Schlag­zeu­ger Bands da drau­ßen: Die Beatles gab es schon, waren gut. Könnt ihr nicht besser, nur anders.

Worauf wollte ich eigent­lich hinaus? Ach ja, ich wollte eigent­lich auf die Ande­ren hinaus. Auf die „rich­ti­gen“ Majors. Wobei das ja heut­zu­tage in der Regel sowieso alles einfach unter „Alter­na­tive“ kata­lo­gi­siert wird.

Man kann zum Beispiel nur bis zu einem gewis­sen Punkt von den Red Hot Chili Peppers fern blei­ben. Oder eben von den Beatles. Oder auch von Brit­ney Spears, Chris­tina Agui­lera und wie sie alle heißen. Das ist eben nunmal doch auch gute Musik. Gefällt zwar nicht jedem und passt auch nicht immer und manches ist auch echt Schrott, aber hey, es ist bestimmt nicht mehr Schrott dabei, als unter dem ganzen Gewu­sel, dass sich da Indie schimpft.

Ab und an kann man ja mal By The Way anstatt Kid A hören, wenn man Lust auf ein Meis­ter­werk der 00er Jahre hat. Sollte man sogar.

Lasst uns einfach Menschen sein, die Musik hören, die ihnen gefällt und nicht Musik hören, die ihnen gefällt, weil die Musik in ein bestimm­tes Klischee passt, was sie gerade erfül­len möch­ten. (Manch­mal will ich aber trotz­dem gerne Indie­kind sein.)

 

Tränen lügen nicht

Tränen lügen nicht. Das wurde mir klar, als du wieder­kamst, drei Jahre nach­dem wir uns das letzte Mal begeg­ne­ten.

Alles hat sich verän­dert, seit­dem. Zumin­dest kommt es mir so vor. Viel­leicht habe auch nur ich mich verän­dert. Oder ich bin der einsame Fels in der Bran­dung, der unver­än­dert allen Widrig­kei­ten trotzt und alles andere ist nicht mehr so wie früher.

Du bist noch genau so wie du warst. Du versucht dich zu verste­cken, hinter einer ande­ren Frisur, deinem „neuen Selbst“. Doch deine Augen verra­ten dich.

Tränen lügen nicht.

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Schrei­ben

Schrei­ben damit es besser wird. Was besser wird ist dabei nicht von sonder­lich großem Belang. Haupt­sa­che irgend­was wird besser. Wenn man krank wäre, könnte man ja einen Arzt­be­such anvi­sie­ren, damit wenigs­tens die Grippe besser wird. Oder was auch immer. Aber man ist ja nicht mal krank. Es ist einfach nur alles irgend­wie selt­sam.

Schrei­ben damit es anders wird. Viel­leicht kann es gar nicht besser werden. Viel­leicht ist das ja nur eines dieser großen Lügen­mär­chen, die man den Kindern immer erzählt: Irgend­wann wird es besser. Früher war doch aber auch alles besser. Warum ist es dann heute nicht mal gut?

 

Fünf Fragen


  1. Woher kennen wir uns?

  2. Können wir uns leiden?

  3. Können wir uns meiden?

  4. Weshalb fühlt sich das so unwirk­lich an?

  5. Warum inter­es­siert uns das?