meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Long Live Love

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:41 min

picdump-10–03–05–21

(Bild via @eine_wie_keine)
Es ist ein Versuch der zum schei­tern verur­teilt ist, jedes­mal wieder, und doch ist es eine wich­tige Frage: Was ist eigent­lich Liebe?
Einzig­ar­tig. Das ganz bestimmt.
Ein Gefühl. Ganz bestimmt nicht. Nicht nur eins. Wie soll das denn funk­tio­nie­ren, Liebe als ein einzi­ges Gefühl.
Ein Zustand. Nun, wenn es nicht nur ein, sondern anschei­nend mehrere Gefühle sind, dann ist es viel­leicht ein Zustand. Für den ein oder ande­ren mag das sogar schon dann und wann zutref­fen. Allge­mein ist aber auch Zustand nicht als ausrei­chend zu betrach­ten.
Was dann?
Nichts.
Nichts reicht.
Liebe ist mehr als alles.
 

Blame it on the Tetons

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 04:34 min
Language is the liquid
That we're all dissol­ved in
Great for solving problems
After it crea­tes a problem

Modest Mouse

Spra­che ist nicht unbe­dingt das sinn­vollste Thema für einen Blogein­trag. Eigent­lich ist Spra­che gar kein sinn­vol­les Thema. Was will ich eigent­lich sagen? Wenn ich das wüsste würde ich diesen Eintrag hier wahr­schein­lich gar nicht verfas­sen. Im Grunde genom­men steht in diesen vier Zeilen von Modest Mouse schon alles drin, was es über Spra­che zu sagen gibt. Genau genom­men reichen sogar die letz­ten beiden Zeilen. Denn alles, wirk­lich alles im Leben lässt sich im Endef­fekt auf Probleme und Problem­lö­sun­gen herun­ter­bre­chen. Und auf Kommu­ni­ka­tion. Im Laufe der Evolu­tion haben wir Menschen uns eine im großen und ganzen recht komfor­ta­ble Möglich­keit ange­legt unsere Gedan­ken zu äußern. Wir lern­ten Spre­chen. Später dann Lesen und Schrei­ben.

Doch was nützt die Fähig­keit etwas auszu­drücken, was man nicht begrei­fen kann? Was sind Gedan­ken wert, wenn man sich stun­den­lang darüber strei­ten kann, was eigent­lich Gedan­ken sind? Oder anders gesagt: Was macht uns so beson­ders, dass wir davon spre­chen zu spre­chen, zu denken, zu glau­ben, über­haupt Meinun­gen haben und bilden zu können, all diese abstrak­ten, nicht auf moto­ri­sche, sicht­bare Hand­lun­gen rück­führ­ba­ren Aktio­nen, die wir im Laufe unse­res Lebens ausfüh­ren.

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. 42 ist mit Abstand die genaueste und zuver­läs­sigste Antwort die ich geben kann. Und selbst die ist noch ziem­lich wage.

Wenn man Meyers Konver­sa­ti­ons­le­xi­kon (4. Auflage, Leip­zig und Wien 1890) fragt, landet man schnell bei Wilhelm von Humboldt und seiner doch irgend­wie tref­fen­den Defi­ni­tion der Spra­che, welche „die ewig sich wieder­ho­lende Arbeit des mensch­li­chen Geis­tes, den arti­ku­lier­ten Laut zum Ausdruck des Gedan­kens fähig zu machen“ (Meyers, Bd. 15, S. 178) ist. Doch dann kommt schnell die nächste Frage, der nächste Gedanke: Was eigent­lich sind Gedan­ken? Wenn es um die Beant­wor­tung solcher Fragen geht, begiebt man sich bekann­ter­ma­ßen am Besten zu der Wissen­schaft, die sich schon seit tausen­den Jahren exakt diese Fragen stellt. Zu den Philo­so­phen. Im „Histo­ri­schen Wörter­buch der Philo­so­phie“ (Wissen­schaft­li­che Buch­ge­sell­schaft Darm­stadt, Basel 1995) heißt es:
Im Deut­schen hat das Wort <S.> zwei Bedeu­tungs­fel­der. <S.>, allge­mein verstan­den, bezeich­net in einem umfas­sen­den Sinn den gesam­ten Bereich dessen, was mit der Äuße­rung von Vorstel­lun­gen, mit Ausdruck, Appell und Mittei­lung sowie mit Formen und Mate­ria­lien, Medien und Tech­ni­ken usw. zu tun hat: Spre­chen und arti­ku­lier­tes Denken, Worte und Wörter, Satz und Text, ferner Stimme, Laut und Schrift […]
HWPh, Bd. 9, Sp. 1437

Das ist doch schon um eini­ges greif­ba­rer. Spra­che ist also ein Mittel, was nicht nur dazu da ist Gedan­ken auszu­drücken. Irgend­wie tröst­lich. Bleibt die Frage, wie sich Spra­che zu Bewusst­sein verhält, oder: Denken wir in der selben Spra­che in der wir Spre­chen und wenn ja, ist das eine bewusste Entschei­dung, wenn nein, ist unser Verständ­nis der Aussa­gen inner­halb des Körpers – also in unse­rem Bewusst­sein – ein ande­res, weil in einer ande­ren Spra­che gedacht, als das Verständ­nis, welches außer­halb ankommt?

Ich glaube, ich werde hier zu keinem endgül­ti­gen Schluss kommen. Wahr­schein­lich ist dies auch gar nicht möglich. Denn wie soll man etwas defi­nie­ren, was man benö­tigt um die Defi­ni­tion über­haupt formu­lie­ren zu können.

Oder um es mit den Worten des – auch ander­wei­tig für diesen Arti­kel sehr inspi­rie­ren­den – @Weisz­klee zu sagen:
Wir haben ja nur unser aus Wörtern gebau­tes Bewusst­sein, um über die Wörter und das Bewusst­sein nach­zu­den­ken. Das kann nichts werden.
@Weisz­klee
 

Paint The Silence

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:38 min

Es gibt Menschen, denen hat man fast zu viel zu sagen. Nicht im nega­ti­ven Sinne. Sondern einfach nur zu viele für diese eine Person mehr oder minder wich­tige Worte die gleich­zei­tig im Kopf herum­schwir­ren. Das kann manch­mal durch­aus ein nicht verach­tens­wer­tes Problem werden.

Zum Beispiel genau dann wenn man mit dieser Person redet. Über alles und die Welt und das Univer­sum und den Rest. Und dann ist auf einmal Stille. Diese ungute störende Art von Stille, die bei solchen Menschen eigent­lich per Defi­ni­tion nicht auftre­ten kann. Doch wenn sie dann – Murphy und Ausnah­men­re­gel­dings­be­stä­ti­gungs­treu kommt, ist sie grau­en­haft. In genau diesen Momen­ten fällt einem nämlich nie eine dieser vielen tausend Klei­nig­kei­ten ein, die man noch sagen wollte.

Fast schlim­mer kann es aber werden zu schrei­ben und dabei zu wissen, dass man ja aufgrund des Medi­ums theo­re­tisch all diese vielen unge­sag­ten Unwich­tig­kei­ten loswer­den könnte. Wenn man schreibt fallen sie einem ja auch meis­tens ein. Früher oder später. Doch dann sind es garan­tiert viel zu viele. Dann hört man meist viel früher mit der Nach­richt auf, als unter Umstän­den sinnig wäre, wegen der komi­schen nie schla­fen­den Stimme im Kopf. Die dann was erzählt von „zu viel“, „nervig“ oder viel­leicht auch einfach nur von diesem absur­den Gedan­ken irgend­wann mögli­cher­weise mal nichts mehr zum sagen zu haben.

 

Knowi­tall

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:19 min

Das ging mir früher auch mal so. Das habe ich auch schon mal erlebt. Wie oft sagt man diese zwei Sätze zu jünge­ren, wieviel öfter sagt man sie wohl, wenn man noch älter wird. Wahr­schein­lich zu oft. Denn im Grunde genom­men weiß man ja, dass es genau diese beiden Sätze sind, die man in diesem früher auch nie hören wollte. Einher­ge­hend mit dem: Das ist alles ganz anders. Das wirst du dann schon verste­hen. Doch leider, leider stellt man irgend­wann fest, dass man nicht um die Verwen­dung dieser Flos­keln umhin kommt. Das man manche Dinge einfach am Besten damit erklä­ren kann. Dummer­weise sieht das die Gegen­seite ganz und gar nicht so.

Früher – das klingt so komisch, eigent­lich ist dieses früher erst wenige Jahre her, aber es ist ja dennoch in der Vergan­gen­heit – früher fand ich diese Sätze auch immer nervend, manch­mal fast verlet­zend. Da schwang immer diese „du klei­nes Dummer­chen“-Haltung mit. Bisher habe ich jedes­mal nach einem gewis­sen Zeitab­stand dann verste­hen können, warum die jewei­lige Flos­kel gefal­len ist. Daher verwende ich sie inzwi­schen auch, obwohl ich mich lange dage­gen gesträubt habe, weil ich ja weiß, dass man sie nicht gerne liest bzw. hört.

 

Love Song to a Stran­ger

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:29 min

Ich liebe dich. Ich liebe dich wenn du lachst, wenn du weinst, wenn dein linkes Auge zwin­kert und das rechte dabei still­steht, wenn du nicht aufhö­ren kannst zu reden, wenn du stil­ler bist als eine Biblio­thek bei Nacht, wenn du lachst, wenn du weinst, wenn du singst, wenn du da bist, wenn du weg bist, sogar wenn du nervst. Einfach immer. Montags, Diens­tags, Mitt­wochs, Donners­tags, Frei­tags, Sams­tags, Sonn­tags, Morgens, Mittags, Abends, Nachts, vor dem ersten Kaffee und nach dem letz­ten Tee. Dein „Du“ ist ohne Zwei­fel ein ganz beson­ders einma­li­ges „Du“. Du weißt was du bist, was du willst, was du hast, was du brauchst, was du darfst und du fragst noch immer gern „Warum?“. Du bist der erste Sonnen­strahl nach dem letz­ten Regen­trop­fen, die schönste Schnee­flo­cke am ersten Winter­tag, das goldenste Herbst­laub, einfach alles, einfach über­all.
Ich sehe gerne, wie du deine Hände faltest, so wie es die alten Leute tun, und wie du dann der Dinge harrst, die dir über den Tag hinweg begeg­nen werden. Ich mag es zu sehen, wie du nach­denkst, ange­strengt, den Kopf mit beiden Händen stüt­zend, die Stirn runzelnd, immer bereit mit dem nächs­ten Gedan­ken die Welt zu verän­dern. Du wirst sie verän­dern. Irgend­wann. Da bin ich mir sicher. Du bist zu einzig­ar­tig um nichts zu bewe­gen, sogar zu einzig­ar­tig um nur mich zu bewe­gen.

 

Once

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:34 min

[img src="5119e1qeixl-ss500"]

Allein die Musik von Glen Hansard und Marketa Iglova zu hören ist verzau­bernd. Einzig­ar­tig schön jeder der Titel. Doch auch: Eines dieser Werke die man am besten Nachts hört, wenn man auch zu zweit noch alleine ist, wenn man seine gesamte Aufmerk­sam­keit der Musik widmen kann. Denn nicht weni­ger als das verdient sie.

Noch unend­lich viel schö­ner werden die Lieder aller­dings, wenn man sie einge­bet­tet in den Film Once genießt. Once ist einer dieser vielen vielen Musik­filme die es auf der Welt gibt. Dachte ich vor dem ersten sehen. Danach war alles anders. Die Natür­lich­keit der Haupt­dar­stel­ler und die schlichte Eleganz der filmi­schen Darstel­lung versprü­hen einen ganz eige­nen Charme. Dazu kommt, dass der Film einfach Irland atmet. Was in Anbe­tracht der Szene­rie und der Geschichte nicht weiter verwun­der­lich ist, aber dieser Film würde sogar Irland atmen, wenn mitten im Austra­li­schen Outback aufge­nom­men worden wäre.

Wenn ich gut darin wäre Film­kri­ti­ken zu schrei­ben, dann würde ich dies gerne noch sehr viel umfang­rei­cher und länger tun. Leider bin ich das aber nicht. Ande­rer­seits hat das ja auch Vorteile. Schließ­lich kann ich auf die Art jetzt einfach sagen: Wer hand­ge­machte Singer-Song­wri­ter Musik mit irischem Flair, Irland und idea­ler­weise auch noch Musik­filme mag, sollte sich mal Gedan­ken darüber machen, ob er Once nicht viel­leicht seiner Film­samm­lung einver­leibt.

 

Hide and Seek

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:12 min

Kinder­spiele. Wisst ihr noch, damals, als wir klein und naiv waren und uns nichts, rein gar nichts von dieser Welt inter­es­siert hat? Als wir Immer einfach genau dann glück­lich sein konn­ten wenn wir es woll­ten, als es immer die einfa­chen Dinge waren, die uns Freude berei­te­ten. Das Beim-laufen-nicht-auf-die-Ritzen-zwischen-den-Plat­ten-treten zum Beispiel, oder einfach so auf einer Bord­stein­kante balan­cie­ren, oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spie­len, oder voll­kom­men sinn­lose Dinge zählen, oder Verste­cke spie­len, oder Fange, etc.
Das sollte man nicht lassen wenn man erwach­sen wird. Denn genau das ist es, was man braucht, wenn man mit dem falschen Fuss aufge­stan­den ist und zu allem Über­fluss dann auch noch der Kaffee alle ist. Natür­lich finden sich mit dem Älter werden auch neue – oder besser: andere – Wege zum Schnell­glück­lich­sein. Lesen zum Beispiel, oder Musik hören, aber ist das denn ein Grund die alten Gewohn­hei­ten für immer in die „kindisch“-Schub­lade zu verban­nen und nur noch darüber zu schmun­zeln, wenn man Kinder dabei beob­ach­tet? Ich finde nicht.

[vimeo]http://vimeo.com/8546876[/vimeo]

 

Ever­y­thing in it's right place

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:36 min

Als Radio­head 2007 In Rain­bows veröf­fent­lich­ten gab es viel Furore um das Album. Zum Einen aufgrund der doch unge­wöhn­li­chen Veröf­fent­li­chungs­form des „Ladet es runter und zahlt soviel wie ihr denkt dass es euch wert ist.“, zum Ande­ren aber auch, weil es eben ziem­lich genau 10 Jahre nach dem legen­dären OK Compu­ter erschien und von vielen als Teil 2 dessel­ben gehypt wurde. Ob das nun so sein soll weiß wahr­schein­lich wenn über­haupt aller höchs­tens Thom Yorke. Ist ja auch nicht so wich­tig. Wich­tig ist, dass in diesem Zusam­men­hang eine Play­liste durch das WWW wanderte die diese beiden Alben auf wunder­same Art und weise mitein­an­der verband. Die fand ich gerade wieder. Besit­zern beider Alben in digi­ta­ler Form lege ich diese Abspiel­rei­hen­folge sehr ans Herz, allen ande­ren Radio­head.

Kleine Rand­be­mer­kung noch: Am besten hört sich das wenn man zwischen den Titeln ein Cross-Fade von etwa 10 Sekun­den hat.

Airbag
15 Step
Para­noid Android
Bodys­nat­chers
Subter­ra­nean Home­sick Alien
Nude
Exit Music (For A Film)
Weird Fishes/Arpeggi
Let Down
All I Need
Karma Police
Fitter Happier
Faust Arp
Elec­tio­nee­ring
Recko­ner
Clim­bing Up The Walls
House Of Cards
No Surpri­ses
Jigsaw Falling Into Place
Lucky
Video­tape
The Tourist

…und wenn ich wüsste wie man das vernünf­tig als Play­list­dow­n­load anbie­ten kann würde ich das auch gerne machen…

 

Good­night L.A.

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:25 min

[img src="pots­da­mer-platz-sonnen­un­ter­gang"]

Nachts ist alles anders als tags­über. Nachts ist man einsa­mer wenn man alleine ist und gemein­sa­mer wenn man nicht alleine ist. Nachts ist jedes Licht wich­tig, weil es eben nicht so einfach ersetz­bar ist wie Tags­über. Nachts sind auch ganz andere Dinge schön als am Tage. Sterne zum Beispiel, Kerzen, Ruhe.
Nachts sind aber auch andere Dinge selt­sam als am Tage. Geräusche vor allem. Wenn es dunkel wird, verän­dert sich die Wahr­neh­mung. Da wird das Grund­rau­schen der Stadt auf einmal wich­tig. Da stockt einem zuwei­len regel­recht der Atem wenn man mal für ein paar Sekun­den kein Geräusch von der Straße hört. „Das kann doch nicht sein,“ denkt man dann, „diese Stadt schläft nie.“ Aber für ein paar Sekun­den jede Nacht ist es eben selbst in Berlin toten­still.
Doch der Schein trügt. Wenn drau­ßen auf der Straße alles ruht erwacht das Mobi­liar zu unge­ahn­tem Leben. Toy Story-esk geben die Einrich­tungs­ge­gen­stände Laute von sich. Für uns Menschen leider nicht verständ­lich und nur als Knacken und Knar­ren wahr­nehm­bar, doch wenn man IKEA­nisch könnte und LEGO­nisch und Teppisch und Tape­tisch, dann könnte man schon vieles verste­hen, vom Leben der Ande­ren.

 

How To Disap­pear Comple­tely

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 03:29 min




I go
Where I please
I walk through walls
I float down the Liffey

Radio­head



Wie klein die Welt gewor­den ist merkt man am besten beim verrei­sen. Da steigt man in Berlin Schö­ne­feld ins Flug­zeug und kaum zwei Stun­den später ist man schon in Dublin. Kaum zwei Stun­den später ist man an dem Ort, an dem jeder in seinem Leben mal gewe­sen sein sollte. Nicht nur, weil es einfach schön ist, sondern auch, weil es einfach anders ist. Natür­lich gehört Irland zu Europa, natür­lich teilt es große Abschnitte seiner Geschichte und Kultur mit uns Rest­eu­ro­pä­ern und doch: Es ist anders. Die Gelas­sen­heit die über­all in der Luft liegt, die aber trotz­dem nicht das – für eine Groß­stadt einfach notwen­dige – hekti­sche Trei­ben beein­träch­tigt, sondern einfach spür­bar ist. Entspann­tere Menschen im Vergleich zu hier in Berlin.
Aber es ist eben doch auch spür­bar anders dort. Mit London vergleich­bar ist das stän­dige Trei­ben, das greif­bare Leben, was doch immer einen Milli­me­ter vor einem Halt macht, weil man nicht dazu­ge­hört. Man könnte aber, wenn man wollte. Man dürfte nämlich. In einem Reise­füh­rer den ich las stand: „Im Pub findet jeder einen Gesprächs­part­ner, wenn er denn einen sucht.“ Meiner Auffas­sung nach gilt das nicht nur für Pubs. Es gilt für Irland. Zumin­dest für das, was ich davon gese­hen habe.

Klischee­haft könnte man jetzt weiter schrei­ben „nette Leute, schö­nes Land, alles toll“. Stimmt zwar auch, so einfach ist es aber dann doch nicht. Irland wird ja gerne als „Die grüne Insel“ bezeich­net, inso­fern war in meinem Kopf eine Insel voller Wälder. Etwas enttäu­schend dann der Lande­an­flug mit der Fest­stel­lung, dass Bäume dann doch eher zu den selte­ne­ren Erschei­nun­gen gehö­ren. Schafe gibt es, Wiesen, Felder und Büsche. Das alles in Unmen­gen. Und ganz viel Wasser dazu. Soviel zum Land. In den Städ­ten bewei­sen die Iren erstaun­li­che Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit. Schließ­lich muss man erst­mal schaf­fen so lange Zeit britisch geprägt gewe­sen zu sein und trotz­dem ein ganz eige­nes Flair im Stadt­bild auszu­strah­len, dass zwar durch­aus – insbe­son­dere in Dublin – an eini­gen Ecken mal sehr sehr briti­sche Züge hat, aber doch im Großen und ganzen wieder dieses ange­nehme „Anders“ ausstrahlt, was alles dort so unver­ge­ss­lich gemacht hat. Beson­ders begeis­tert haben mich die Schrift­ver­zie­run­gen eini­ger Gebäude, die zum Teil auf deren Geschichte hinwei­sen, teils aber auch höchst poetisch die Tragi­ken des tägli­chen Lebens beschrei­ben.


Man könnte noch endlos viel über die Schön­heit und das Erlebte schrei­ben und dennoch, nichts fängt die Auss­trah­lung dieses Landes und seiner Bewoh­ner besser ein als es zu Besu­chen. Am besten nicht als Massen­tou­rist, auch nicht unbe­dingt den Attrak­ti­ons­plä­nen der Touris­ten­bü­ros folgend, sondern am besten ganz auf klas­si­sche Entdecker­weise „immer der Nase nach“.

 

Where The Streets Have No Name

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:20 min

Weg. Weg von den selben lang­wei­li­gen Stra­ßen. Weg von den selben lang­wei­li­gen Menschen. Weg von dem immer glei­chen grauen Wetter. Weg von allem. Einfach mal was ande­res sehen. Nicht nur, weil man eben ab und an mal weg von den lang­wei­li­gen Menschen und den lang­wei­li­gen Stra­ßen muss, sondern auch, eigent­lich gerade weil die Menschen und Stra­ßen eben ganz und gar nicht lang­wei­lig sind. Sondern weil sie lang­wei­lig gewor­den sind. Diese Lange­weile aus Routine. Diese elen­dige Routine. Zu viele Tage, an denen man keinen Tage­buchein­trag verfasst, weil einfach nichts passiert ist. Natür­lich ist ganz viel passiert, aber das hat man nicht gemerkt, weil man so tief im Alltag steckt, dass man nichts mehr merkt.

Dann muss man mal raus aus dem Alltag. Am besten möglichst weit weg und irgendwo hin, wo man noch nie war, wo man in jeder Sekunde neues sehen kann. Denn nur dort, wo man neues sehen kann, kann man altes in Ruhe verar­bei­ten. Nur dort findet man Zeit, Ruhe und Kraft um weiter zu machen, wo es am schöns­ten ist: Bei den grauen Menschen in den grauen Stra­ßen. Die natür­lich wieder so bunt wie immer sind, wenn man dann zurück kommt. Da ist man sich vorher sicher. Alles andere unge­wiss. Aber das ist auch gut so.

 

Lua

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:11 min

Manch­mal muss man eben einsam sein. Da kann man mit den nettes­ten Menschen der Welt zusam­men sein und ganz viel groß­ar­ti­ges und wunder­schö­nes erle­ben, aber manch­mal kommt ein klit­ze­klei­ner Gedanke daher und reißt die Welt aus den Fugen. Zumin­dest soweit, dass man erstein­mal nach­den­ken muss.
Dann läuft man bis ans Ende der Straße, stellt fest das es nicht reicht und läuft weiter. Einfach immer weiter. Musik kann man nicht hören, nicht weil es nicht die Mögleich­keit gäbe, nicht­mal weil man nicht will, sondern einfach, weil kein Lied passen würde. Weil zu viele Emotio­nen auf einmal da sind. Wenn es Farben auf dem Farb­kreis wären, sie würden sich nicht zu weiß über­la­gern. Auch nicht zu schwarz. Es würde bunt blei­ben. Zu bunt.
Denn eigent­lich will man das Bunte loswer­den. Nur für einen Moment mal Stille haben. Nicht diese „keine Menschen, kein Geräusch“-Stille, die es jeder­zeit an jeder drit­ten Ecke für umsonst gibt. Nein. Die unbe­zahl­bare innere Stille. Keine wirren Fäden die im Kopf Mikado spie­len und sich stän­dig dabei verhed­dern, weil man mit Fäden eben kein Mikado spie­len kann.
Irgend­wann geht man unter Menschen um andere Stim­men zu hören, nicht die eigene hören zu müssen. Dass das nicht gut geht war einem eigent­lich auch vorher klar, aber es war eben notwen­dig. Schlech­ter ist die Gesamt­si­tua­tion ja auch nicht gewor­den.
Über­haupt. Im Grunde genom­men weiß man gar nicht, warum man auf einmal so ist, wie man ist. Warum man partout nicht mehr da sein wollte wo man war, bei denen sein wollte bei denen man war. „Viel­leicht weil es gefehlt hat.“ sagt die nervige Stimme aus der hinte­ren linken Kopf­re­gion dann.
Dann kommt der Sonnen­auf­gang. Und alles ist gut.


Sonnen­auf­gang an der Binnen­als­ter


When ever­y­thing is lonely I can be my own best friend
I'll get a coffee and the paper, have my own conver­sa­ti­ons


Bright Eyes – Lua

 

Slip­ping Husband

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:03 min

Schon im Okto­ber letz­ten Jahres, bereits nach den ersten zaghaf­ten Worten, die Elisa­beth Rank zum aller ersten Jour Fitz aus ihrem Debu­troman „Und im Zwei­fel für dich selbst“ vorlas wusste ich, dass dies mal eines der Bücher werden wird, die man nicht nur ein mal und auch nicht nur zwei mal liest. Eines der Bücher, die man ein Leben lang hegt und pflegt, die man Menschen ans Herz legt die einem am Herz liegen. Etwas beson­de­res.
Etwas beson­de­res, so könnte man meinen, ist auch die Geschichte. Das ist sie aber eigent­lich nicht. Trau­rig, (zum Glück) selten, aber doch viel zu Häufig in der Reali­tät auftre­tend. Das schon. Aber nichts beson­de­res. Doch genau das ist der Punkt. Die gran­diose Darstel­lung des aus den Fugen geris­se­nen Alltags. Die Wieder­fin­dung des Selbst, wenn man alles hatte aber nichts mehr hat. Das Leben zurück­erobern, wenn auch schmerz­haft.
Es ist aller­dings keines­wegs ein Buch für jeden. Man kann, nein sollte es nicht lesen, wenn man Angst vor Gefüh­len hat, wenn man sich gerne hinter seiner Fassade versteckt und in seiner eige­nen klei­nen Welt lebt. Viel­leicht sollte man es aber auch gerade dann lesen. Viel­leicht aber gerade dann mit beson­de­rer Aufmerk­sam­keit.

Lesen. Unbe­dingt. Ohne Wider­rede!

Ich habe das letzte Kapi­tel noch nicht gele­sen. Ich habe Angst. Ich will nicht, dass es schon zu Ende ist, weil es zu schön ist um schon zu Ende zu sein. Ande­rer­seits heißt es ja immer, man soll aufhö­ren, wenn es am schöns­ten ist. Dass der schönste Abschnitt des Roma­nes zeit­gleich auch der trau­rigste ist muss bei einer Geschichte wie dieser so sein. Das ich irgend­wann fertig sein werde lässt in mir die Hoff­nung aufkei­men, irgend­wann, viel­leicht schon in nicht all zu ferner Zukunft, das nächste Buch von Frau Rank lesen zu können.

Und im Zwei­fel für dich selbst
Elisa­beth Rank
Suhr­kamp Nova

 

Writ­ings on the Wall

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 04:10 min

Oft wird behaup­tet, Weblogs und Tage­bü­cher seien das glei­che. Meist fühle ich beim Lesen solcher Sätze ganze Haus­wände an meine Stirn knal­len. Es ist nun mal nicht das glei­che. Nicht unbe­dingt jeden­falls.

[img src="zitate"]

Tage­buch, Gedan­ken­buch, Notiz­buch oder auch nur Kalen­der­rand­krit­ze­leien – Wir alle machen uns seit Ewig­kei­ten Aufzeich­nun­gen über unsere Erleb­nisse. Manche mehr, manche weni­ger bewusst. Manch­mal stellt man auch erst Jahre später, beim Sortie­ren von irgend­wel­chen alten Sachen fest, dass man sich ja dieses eine tolle Erleb­nis, woran man immer mal wieder gerne zurück denkt, Einzel­hei­ten aber verges­sen hat, doch notiert hat.

Es ist also nichts neues, seine Gedan­ken oder Erleb­nisse fest­zu­hal­ten. Viele mehr oder weni­ger berühmte tage­buch­schrei­bende Menschen haben in der Vergan­gen­heit bereits ihre Tage­bü­cher entwe­der in hohem Alter selbst veröf­fent­licht, oder testa­men­ta­risch veran­lasst, dass diese nach dem Tode veröf­fent­licht werden. Der Inhalt der Tage­bü­cher gibt meist noch­mal einen gänz­lich ande­ren als den bisher bekann­ten Einblick in das Lebens­werk des Schrei­bers.

In Zeiten des World Wide Web hat sich das aller­dings ein wenig geän­dert. Heut­zu­tage kann jeder Mensch mit Zugang zum Inter­net jeder­zeit so ziem­lich alles veröf­fen­ti­chen. Nicht mal der Form sind wirk­lich Gren­zen gesetzt. Text, Bild, Ton, Video. Alles was möglich ist, ist auch erlaubt. An dieser Stelle treten dann so Phäno­mene wie Word­press, Twit­ter, Tumblr, Flickr, Blog­ger auf. An dieser Stelle über­schrei­tet man dann even­tu­ell den Punkt zwischen dem klas­si­schen, zu Lebzei­ten meist priva­tem Tage­buch und der öffent­li­chen Darstel­lung des Selbst.

Schon Gott­fried Keller wusste, dass Klei­der Leute machen. Heut­zu­tage sind es aber, nicht zuletzt aufgrund der Globa­li­sie­rung, mehr und mehr die Dinge die wir sagen, schrei­ben, fest­hal­ten, die uns ausma­chen, uns charak­te­ri­sie­ren. Die Dinge, die wir mit Hilfe der vorhin genann­ten Weban­ge­bote oder ande­rem hinter­las­sen bilden eine Spur unse­rer Gedan­ken. Helfen dabei nicht nur uns, sich später an erleb­tes zu erin­nern, sondern auch ande­ren mehr über uns heraus­zu­fin­den.

Ob dieses mehr heraus­fin­den nun Gut oder Schlecht ist sei jedem selbst über­las­sen. Ich zum Beispiel schreibe hier zwar unter einem Pseud­onym, aber es ist nicht sonder­lich kompli­ziert heraus­zu­krie­gen, wer sich dahin­ter versteckt. Was mir aber eigent­lich wich­tig ist, ist der „für andere“-Punkt. Das Tage­buch schreibt man selten für andere. Sei es nur, um sich selbst beim nach­den­ken zu helfen. Sobald man aber etwas auch expli­zit für die Augen ande­rer schreibt, fängt man plötz­lich an über das zu schrei­bende nach­zu­den­ken. In diesem Sinne kann man zwar durch­aus ein Weblog auch als klas­si­sches Tage­buch führen – mit der Option, dass es die Rest­welt sofort lesen kann – ich jedoch bin der Meinung, dass ein solches öffent­li­ches Tage­buch niemals vergleich­bar sein wird, mit dem, was man unter glei­cher Voraus­set­zung geschrie­ben hätte, wenn es nicht (sofort) öffent­lich wäre.

Schließ­lich finde ich die (post?) moder­nen Mittei­lungs­mög­lich­kei­ten nicht nur gut und rich­tig, sondern auch ausge­spro­chen wich­tig, weil dem Normal­bür­ger damit – soweit ich weiß erst­ma­lig in der Geschichte – die Möglich­keit gebo­ten wird, Ausmaß und Umfang der von ihm bekann­ten persön­li­chen Daten weitest­ge­hend selbst zu bestim­men.

 

Street Spirit (Fade Out)

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:47 min

Ein biss­chen was von allem. Viel­leicht sogar ein biss­chen zu viel. Musik hören ohne sie wahr­zu­neh­men. Vier­tel­stun­den zum lesen einzel­ner Buch­sei­ten brau­chen. Am Ende aufräu­men, weil man noch glaubt, dass es was brin­gen würde produk­tiv zu sein.
Dann ist das Zimmer so schick und schön wie seit der Jugend­weihe nicht mehr und trotz­dem fühlt sich nichts rich­tig an. Lachen kann man, aber nicht von Herzen. Weinen kann man viel­leicht auch, aber auch nicht von Herzen.
Ein biss­chen zu viel von allem. Einer dieser Tage, deren Abend­däm­merung man sich schon vor dem Aufste­hen alle fünf Minu­ten wünscht.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=BrZTNhW44-o[/youtube]