meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Es

(Für ein Wunder­land. Aus Grün­den.)

 

„Tut es sehr weh?“

„Es? Du hast gerade nicht wirk­lich versucht, alles, was passiert ist, auf ein neutra­les 'es' zu redu­zie­ren? Du bist doch sonst nicht so takt­los.“

„Entschul­dige. Das alles ist nur so komplex gewor­den, dass es schwer gewor­den ist, Worte zu finden. So schwer, dass es weh tut, zu viel daran zu denken. Da ich aber nicht aufhö­ren kann, über all das nach­zu­den­ken, musste ich einen Weg finden, die Geschichte so klein zu krie­gen, dass sie schnell in Schub­la­den­e­cken verstau­bar ist, um nicht verrückt zu werden. Da kam dann dieses 'es' und nahm mir ein Gebirge vom Herzen.“

„Warum nur finde ich dieses 'es' jetzt auch so passend? Ich denke, ich werde auch zum 'es' über­ge­hen. Man muss ja nicht über Leichen gehen, wenn man ein Neutrum haben kann.“

„Das freut mich. Das sagt mir, dass du bald schon, womög­lich schon in fünf Minu­ten, darüber stehen wirst und anfan­gen kannst, Witze darüber zu reißen. Wenn man über etwas gute, auch für unbe­tei­ligte lustige Witze machen kann, hat man es verar­bei­tet.“

 

Du

Viel­leicht hätte ich viel früher reagie­ren sollen und mich nicht in Dein Muster, in Deine Pläne, in Dein Leben basteln lassen sollen. Aber ich musste ja unbe­dingt wieder bis zum aller­letz­ten Atem­zug an das Gute im Menschen, an das Gute in Dir glau­ben. Doch Du scheinst dich dafür über­haupt nicht zu inter­es­sie­ren. Du stellst dich als das Opfer dar. Du siehst nicht, wie sehr Du verletzt. Du willst nicht einse­hen, dass Deine Taten auch Konse­quen­zen haben. Du bist einer dieser Menschen, die immer von sich behaup­ten, sie seien da, die es aber im Endef­fekt nie sind, die immer nur erwar­ten, dass jeder bedin­gungs­los und ohne zu hinter­fra­gen ihre Hand­lun­gen und Meinun­gen versteht und akzep­tiert. Das funk­tio­niert aber nicht. So funk­tio­niert dieses Leben einfach nicht. Ich weiß auch noch nicht so genau, wie dieses Leben funk­tio­nie­ren soll, doch ich bin mir sicher, dass Dein Plan davon aus einem Fanta­sy­ro­man geklaut ist und nichts, bis auf das Papier, auf dem er geschrie­ben steht, mit dieser unser aller Reali­tät gemein­sam hat.

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Brief an M (2)

Liebe M.,

einige Zeit ist vergan­gen, seit­dem wir uns das letzte Mal begeg­net sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gese­hen, doch das Sehen allein reicht für eine Begeg­nung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passie­ren könnte, wenn die räum­li­che Distanz so groß wird, dass sie anfan­gen kann an der Bauch-, Herz- und Kopf­nähe zu knab­bern und den ein oder ande­ren Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer einge­re­det, dass unsere Nähe blei­ben wird, weil – so vermu­tete ich – sie nicht die alltäg­li­che, daher­ge­brachte Super­markt­son­der­an­ge­bots­nähe ist, sondern eben mehr, inten­si­ver könnte man sagen, schö­ner viel­leicht auch, anders in jedem Falle.

Natür­lich lag ich falsch. Glaube ich zumin­dest.
Beweis mir das Gegen­teil. Viel­leicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaub­lich mensch­lich ist und deswe­gen viel zu oft als Schwä­che abge­tan und nicht akzep­tiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgend­wel­che Verpflich­tun­gen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funk­tio­nie­ren. Diese Momente sind die einzi­gen, die immer etwas bedeu­ten.

Wenn wir uns tref­fen könn­ten, um zu warten, bis die rich­ti­gen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstan­den sind, wenn das ginge, würde ich anfan­gen, an die Zeit zu glau­ben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarm von den Smashing Pump­kins enthal­ten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemein­sam schwei­gen lernen.

e