Archive for February, 2011

Es

Feb 20 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

(Für ein Wunderland. Aus Gründen.)

 

“Tut es sehr weh?”

“Es? Du hast gerade nicht wirklich versucht, alles, was passiert ist, auf ein neutrales ‘es’ zu reduzieren? Du bist doch sonst nicht so taktlos.”

“Entschuldige. Das alles ist nur so komplex geworden, dass es schwer geworden ist, Worte zu finden. So schwer, dass es weh tut, zu viel daran zu denken. Da ich aber nicht aufhören kann, über all das nachzudenken, musste ich einen Weg finden, die Geschichte so klein zu kriegen, dass sie schnell in Schubladenecken verstaubar ist, um nicht verrückt zu werden. Da kam dann dieses ‘es’ und nahm mir ein Gebirge vom Herzen.”

“Warum nur finde ich dieses ‘es’ jetzt auch so passend? Ich denke, ich werde auch zum ‘es’ übergehen. Man muss ja nicht über Leichen gehen, wenn man ein Neutrum haben kann.”

“Das freut mich. Das sagt mir, dass du bald schon, womöglich schon in fünf Minuten, darüber stehen wirst und anfangen kannst, Witze darüber zu reißen. Wenn man über etwas gute, auch für unbeteiligte lustige Witze machen kann, hat man es verarbeitet.”

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Du

Feb 16 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

Vielleicht hätte ich viel früher reagieren sollen und mich nicht in Dein Muster, in Deine Pläne, in Dein Leben basteln lassen sollen. Aber ich musste ja unbedingt wieder bis zum allerletzten Atemzug an das Gute im Menschen, an das Gute in Dir glauben. Doch Du scheinst dich dafür überhaupt nicht zu interessieren. Du stellst dich als das Opfer dar. Du siehst nicht, wie sehr Du verletzt. Du willst nicht einsehen, dass Deine Taten auch Konsequenzen haben. Du bist einer dieser Menschen, die immer von sich behaupten, sie seien da, die es aber im Endeffekt nie sind, die immer nur erwarten, dass jeder bedingungslos und ohne zu hinterfragen ihre Handlungen und Meinungen versteht und akzeptiert. Das funktioniert aber nicht. So funktioniert dieses Leben einfach nicht. Ich weiß auch noch nicht so genau, wie dieses Leben funktionieren soll, doch ich bin mir sicher, dass Dein Plan davon aus einem Fantasyroman geklaut ist und nichts, bis auf das Papier, auf dem er geschrieben steht, mit dieser unser aller Realität gemeinsam hat.

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Brief an M (2)

Feb 10 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Liebe M.,

einige Zeit ist vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal begegnet sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gesehen, doch das Sehen allein reicht für eine Begegnung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passieren könnte, wenn die räumliche Distanz so groß wird, dass sie anfangen kann an der Bauch-, Herz- und Kopfnähe zu knabbern und den ein oder anderen Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer eingeredet, dass unsere Nähe bleiben wird, weil – so vermutete ich – sie nicht die alltägliche, dahergebrachte Supermarktsonderangebotsnähe ist, sondern eben mehr, intensiver könnte man sagen, schöner vielleicht auch, anders in jedem Falle.

Natürlich lag ich falsch. Glaube ich zumindest.
Beweis mir das Gegenteil. Vielleicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaublich menschlich ist und deswegen viel zu oft als Schwäche abgetan und nicht akzeptiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgendwelche Verpflichtungen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funktionieren. Diese Momente sind die einzigen, die immer etwas bedeuten.

Wenn wir uns treffen könnten, um zu warten, bis die richtigen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstanden sind, wenn das ginge, würde ich anfangen, an die Zeit zu glauben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarmed von den Smashing Pumpkins enthalten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemeinsam schweigen lernen.

e

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