meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Brief an M (2)

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:56 min

Liebe M.,

einige Zeit ist vergan­gen, seit­dem wir uns das letzte Mal begeg­net sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gese­hen, doch das Sehen allein reicht für eine Begeg­nung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passie­ren könnte, wenn die räum­li­che Distanz so groß wird, dass sie anfan­gen kann an der Bauch-, Herz- und Kopf­nähe zu knab­bern und den ein oder ande­ren Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer einge­re­det, dass unsere Nähe blei­ben wird, weil – so vermu­tete ich – sie nicht die alltäg­li­che, daher­ge­brachte Super­markt­son­der­an­ge­bots­nähe ist, sondern eben mehr, inten­si­ver könnte man sagen, schö­ner viel­leicht auch, anders in jedem Falle.

Natür­lich lag ich falsch. Glaube ich zumin­dest.
Beweis mir das Gegen­teil. Viel­leicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaub­lich mensch­lich ist und deswe­gen viel zu oft als Schwä­che abge­tan und nicht akzep­tiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgend­wel­che Verpflich­tun­gen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funk­tio­nie­ren. Diese Momente sind die einzi­gen, die immer etwas bedeu­ten.

Wenn wir uns tref­fen könn­ten, um zu warten, bis die rich­ti­gen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstan­den sind, wenn das ginge, würde ich anfan­gen, an die Zeit zu glau­ben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarm von den Smashing Pump­kins enthal­ten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemein­sam schwei­gen lernen.

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