meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Die Katze

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:34 min

Warum zur Hölle haben die hier gestreut? Es ist doch mitten im Juni, da streut man doch nicht. Es ist doch mitten im Juni, oder?

(via)


Celia war sicht­lich verwirrt. Wenn sie sich doch nur ein wenig weni­ger gewun­dert hätte, hätte sie merken können, dass es weder ein listi­ger weißer Hase, noch sonst irgend­ein Streichs­pie­ler war, der hier die Straße mit klei­nen, knacken­den und knis­tern­den Stein­chen bedeckt hatte. Auch hätte sie dann merken können, wie unge­wöhn­lich diese Stein­chen waren und wie sehr sie in der Abend­sonne glit­zer­ten.

Doch Celia war noch lange nicht wach. Und das, obwohl es schon kurz nach sieben war. Uhrzeit hatte keine Bedeu­tung für sie, denn Leben konnte sie am Besten dann, wenn sie von nieman­dem gestört wurde. Ob spät­nachts Luft­sch­lös­ser zusam­men träu­mend durch die Stra­ßen wandernd oder früh am Morgen als erste am Eisstand spielte dabei keine Rolle. Haupt­sa­che, sie hatte das Ruder ihres Lebens­boo­tes immer fest im Griff.

„Gott­ver­damm­ter Drecks­mist. Dies­mal werde ich bestimmt gefeu­ert.“

Robert hatte es mal wieder geschafft. Das ganze Tablett voller Würfel­zucker­be­cher für die Tische auf der ande­ren Stra­ßen­seite war ihm in hohem Bogen entglit­ten. Hätte er doch bloß nicht der Katze hinter­her­ge­schaut. Zum Glück lag der Eisla­den in dem er seit ein paar Wochen arbei­tete in einer der vielen Fußgän­ger­zo­nen der Stadt. Sonst wäre das Chaos wohl gar nicht mehr fass­bar gewe­sen.

Während er sich Besen und ande­res Reini­gungs­u­ten­sil noch holte, hatte Celia endlich die Wahr­heit über diese selt­sam glit­zern­den Stein­chen heraus­ge­fun­den. Nun stand sie strah­lend mitten auf dem Weg, tänzelte bald ein wenig und verlor sich in ihrem Wunder­land.

Vertieft darin möglichst schnell und unauf­fäl­lig das Zucker­de­sas­ter zu besei­ti­gen, bemerkte Robert erst sehr spät das kleine, verträumte Mädchen dort mitten in seinem Zucker­stück­chen­feld. Celia sah ihn unver­wandt an. Beinahe glaubte er, sie würde nur durch ihn hindurch­schauen, irgendwo in das schöne Leere, das Tunne­lende, zu dem alle schauen, wenn sie träu­men. „Kaffee?“, fragte Celia, lächelnd auf den Boden zeigend.