meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Ein Schick­sal

  • 8 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:20 min

Irgendwo auf halber Stre­cke zwischen Kopf und Herz schlum­mern sie, die nie geschrie­be­nen Gedan­ken. Sie zermür­ben den Geist, Stück für Stück, und halten nie inne. Sind sogar so dreist und bewe­gen sich gleich­sam fort­wäh­rend knab­bernd in Rich­tung Herz.

Ein Mensch sitzt da, vor einem leeren Blatt Papier. Ein Blei­stift in der Hand. Abge­nagt am einen, abge­wetzt am ande­ren Ende. Der Geruch von Graphit liegt in der Luft, zerknüllte, einzei­lig bekrit­zelte Blät­ter auf dem Boden.

Auf den Boden!

Das könnte die Lösung sein, auf den Boden der Tatsa­chen sich zu bege­ben. Doch wo war dieser, wie tief musste er wohl noch fallen und würden die klei­nen Gedan­ken­tier­chen ihn noch so lange in einer stabi­len Form belas­sen? Nicht denken, schrei­ben. Das ist die Devise. Doch was?

Man könnte die ganze Situa­tion auch etwas brei­ter aufspan­nen und sich fragen, wie es denn zu dieser prekä­ren Lage gekom­men ist. Nun, wissen Sie, das ging recht schnell, man fing den einen oder ande­ren Text zu schrei­ben an, verfolgte zwei, drei kurze lyri­sche Anwand­lun­gen und ehe man sich's versah, erschrak man vor der Auss­trah­lungs­kraft seiner Worte und schluckte den nächs­ten Gedan­ken lieber erst einmal herun­ter. Den noch gesun­den Leidens­ge­nos­sen sei hier gesagt: Gedan­ken zu schlu­cken ist nicht zu empfeh­len. Sie sind selten flüs­sig und erst recht nicht verdau­bar. Statt­des­sen haben sie die Eigen­heit, sich ganz und gar unan­stän­dig zu beneh­men, zurück in dem Körper, in dem sie entstan­den. Setzen Flau­sen in den Kopf und Flusen über­all sonst, verwir­ren wo es nur geht und fangen an allem an zu Knab­bern.

Was macht man nun, wenn das Herz ange­knab­bert wird, von solch unein­sich­ti­gen Gedan­ken? Ich würde das auch gerne wissen. Über das Nicht­schrei­ben zu schrei­ben ist zwar erstaun­lich produk­tiv, aber dennoch kommen dabei immer diese Art Texte heraus, welche ein Eigen­le­ben der ganz beson­de­ren Art entwi­ckeln: Sie setzen noch mehr knab­bernde Gedan­ken­tier­chen in den Kopf.