meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Vertrauen

  • 5 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:47 min

(via welt­der­traeume)


Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualm­hülle, stolz auf dein perfek­tes Leben. „Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?“, sage ich, während ich den letz­ten Zug der was weiß ich wieviel­ten Ziga­rette nehme.

„Ich kann mich nicht mehr wirk­lich an mein Leben erin­nern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manch­mal, manch­mal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach star­ken Gewit­ter­blit­zen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkels­ten Albträu­men. Wenn ich denn träu­men würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.“

Wort­los, sprach­los, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahre­lan­ger Übung zur Perfek­tion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühl­ten Vier­tel­mil­li­me­ter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotio­nal. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflas­ter ein perfekt wirken­des Kunst­werk geschaf­fen haben. Eines, das viel zu leicht einrei­ßen kann.

„Du soll­test anfan­gen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manch­mal dabei, Gedan­ken andere Abzwei­gun­gen an Kreu­zun­gen wählen zu lassen.“

„Danke. Ich bleibe lieber beim Alko­hol. Damit kann ich wenigs­tens jeder­zeit einen Punkt bestim­men, ab dem ich ein paar Stun­den von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?“

„Ja. Deswe­gen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schen­ken möchte.“
 

Etwas Kopf­kino

Einfach nur hinse­hen. Ihr zuse­hen wie sie redet, gesti­ku­liert, ihre Augen verfol­gen, rotbraune, Geschich­ten erzäh­lende Augen, den ein oder ande­ren Moment an ihrem bezau­bern­den Lächeln hängen­blei­ben, beob­ach­ten, wie sie sich die Haare aus dem Gesicht streift, anfängt einen Zopf daraus zu machen und dann doch wieder den halb gebun­de­nen Zopf aufmacht und das Haar wild nach hinten wirft. Mit einer dennoch fast unsicht­ba­ren Kopf­be­we­gung. Brünett, aber ein rela­tiv helles brünett, schul­ter­lange, glatte Haare, perfekt symme­tri­sches Gesicht, etwas zu dünne Arme für die Größe der Hände, die sie aber mit solcher Leich­tig­keit bewegt, dass es nur posi­tiv auffällt. Dezent im gesam­ten Verhal­ten und doch so viel Glück und Eupho­rie ausstrah­lend.

In einem Wort: Schön.

 

Herz­no­ti­zen

  • 5 years ago veröffentlicht
  • Ein Kommentar
  • Erwartete Lesezeit: 03:06 min

…eines Mädchen­her­zes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schla­gen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewe­gen ab und an ein paar der Schmet­ter­linge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durch­zu­las­sen. Ich mag diese Tier­chen doch so sehr.

Über­haupt gehen die Schmet­ter­linge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manch­mal glaube ich, ich bin keine gute Schmet­ter­lings­hü­te­rin.

Heute am See hat mich so ein komi­scher Junge ange­lä­chelt. Er wirkte schüch­tern. Oh, hallo klei­ner Schmet­ter­ling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gese­hen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmet­ter­linge, ich bin doch nur ein klei­nes Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald flie­gen können, oder wenigs­tens schwe­ben. Wir tref­fen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glück­lich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein biss­chen eng gewor­den ist. Viel­leicht kann ich ja noch ein zwei Schmet­ter­ling­chens zum umzie­hen bewe­gen.

Rand­be­mer­kung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompli­ziert für meinen Geschmack.

…eines Jungen­her­zes

Warum macht der Kerl eigent­lich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopf­hö­rer in die Ohren und Welt abschal­ten. Nachts heult er dann wieder Pseu­do­herz­scheiße in seinen Twit­terac­count. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungen­herz gewor­den?

Bei Gele­gen­heit mal was mit dem Bauch trin­ken gehen und ihm gratu­lie­ren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu über­stim­men. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompli­ziert seien, nicht mehr nach­voll­zie­hen, seit­dem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wieder­holt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheu­erte Kopf. Entwe­der nicht da oder falsch konfi­gu­riert. Bei Gele­gen­heit mal eine Ladung Bret­ter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmet­ter­linge mit Gruß vom Bauch vorbei­schi­cken.

Pakt mit dem Bauch geschlos­sen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Gesche­hen teil­ha­ben zu lassen. Statis­tisch gese­hen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmi­schen.

Endlich glück­lich. Hoffent­lich kriegt dieses angeb­lich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

 

Klei­der machen Leute

  • 5 years ago veröffentlicht
  • 2 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 03:32 min

Diese Welt dort drau­ßen ist, auch wenn das nicht so sein sollte, der Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät unter­le­gen. Da wird Mann komisch ange­se­hen, wenn die Hose zu eng ist, oder das Shirt zu viel Schul­ter zeigt und Frau noch viel komi­scher, wenn sie kurze Haare hat oder gar nie in ihrem Leben mit einem Rock gese­hen wird. Warum tun wir uns das an? Also nein, warum tut ihr euch das an?

Ich finde das – an dieser Stelle ist die Wahl des Wortes zu entschul­di­gen – bescheu­ert. Und das ist noch zaghaft formu­liert. Alle Welt redet von Offen­heit und Tole­ranz und Inte­gra­tion und all dem, was da sonst noch aus zuge­hö­ri­ger Schub­lade kommt und keiner macht es. Natür­lich, hier und da gibt es ein paar Ausnah­men, doch die haben heute genauso damit zu kämp­fen, von der Gesell­schaft akzep­tiert zu werden, wie eh und je.

Lieber Leser,

Du glaubst also, Du bist hete­ro­se­xu­ell und damit deiner Ansicht nach ein Normal­bür­ger dieser Gesell­schaft? Bist Du dir sicher? Mach doch dir zu liebe mal folgen­des klei­nes Expe­ri­ment: Schalte deinen Kopf aus und höre auf deinen Körper, wenn du mit dir sympa­thi­schen Menschen unter­wegs bist. Ich lasse hier ganz bewusst jegli­che Geschlechts­be­stim­mung weg. Mit etwas Geduld und Wille (vor allem Wille) wirst Du verste­hen können, warum.

Männer die Frau­en­kla­mot­ten oder zumin­dest Klei­dungs­stücke, die ausse­hen, wie Frau­en­kla­mot­ten, tragen, werden schief ange­se­hen. Fast so schief, wie Menschen, die auf offe­ner Straße einen Apfel essen, wie kann man nur, ist ja gesund, aber das tut hier nichts zur Sache. Frauen dage­gen, die Männer­kla­mot­ten tragen, werden höchs­tens als Karrie­re­frauen beti­telt. Nun ist Karrie­re­frau alles andere als ein nettes Beiwort, im Grunde ist das genau einer dieser Punkte, der zwischen realer Gleich­stel­lung in der Gesell­schaft und dem aktu­el­len Zustand liegt, doch es ist immer­hin schon eine gewisse Form von Akzep­tanz. Als Mann kann man dage­gen sicher sein, dass man von jedem zwei­ten Mensch, der einem auf der Straße begeg­net, als schwul wahr­ge­nom­men wird. Nicht aufzu­hö­ren ist im Grunde die einzige Möglich­keit. Sich bewusst dafür zu entschei­den Dinge zu tun, die das Umfeld dazu bewe­gen zu reden. Denn wenn sie reden, fangen sie an ein biss­chen nach­zu­den­ken. Viel­leicht nicht gleich in die rich­tige Rich­tung von Tole­ranz und Akzep­tanz, aber sie werden damit konfron­tiert und müssen sich, weil sie zu arro­gant sind uns einfach zu igno­rie­ren, damit ausein­an­der­set­zen. Und das ist doch schon mal etwas.

Aus diesem Grund mag ich zum Beispiel das Mode­la­bel Week­day. Wenn man zu Week­day geht und die Verkäu­fer dort nach etwas fragt, dann ist das letzte wonach sie schauen in der Regel, ob das Klei­dungs­stück jetzt gerade aus dem Jungs- oder dem Mädels­teil kommt. Da geht es einzig und allein um wohl­füh­len. Sollte es so nicht auch außer­halb der Laden­gren­zen sein?

Weiter­le­sen?!