Archive for May, 2011

Vertrauen

May 23 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

(via weltdertraeume)

Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualmhülle, stolz auf dein perfektes Leben. “Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?”, sage ich, während ich den letzten Zug der was weiß ich wievielten Zigarette nehme.

“Ich kann mich nicht mehr wirklich an mein Leben erinnern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manchmal, manchmal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach starken Gewitterblitzen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkelsten Albträumen. Wenn ich denn träumen würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.”

Wortlos, sprachlos, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahrelanger Übung zur Perfektion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühlten Viertelmillimeter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotional. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflaster ein perfekt wirkendes Kunstwerk geschaffen haben. Eines, das viel zu leicht einreißen kann.

“Du solltest anfangen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manchmal dabei, Gedanken andere Abzweigungen an Kreuzungen wählen zu lassen.”

“Danke. Ich bleibe lieber beim Alkohol. Damit kann ich wenigstens jederzeit einen Punkt bestimmen, ab dem ich ein paar Stunden von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?”

“Ja. Deswegen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schenken möchte.”

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Etwas Kopfkino

May 18 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

Einfach nur hinsehen. Ihr zusehen wie sie redet, gestikuliert, ihre Augen verfolgen, rotbraune, Geschichten erzählende Augen, den ein oder anderen Moment an ihrem bezaubernden Lächeln hängenbleiben, beobachten, wie sie sich die Haare aus dem Gesicht streift, anfängt einen Zopf daraus zu machen und dann doch wieder den halb gebundenen Zopf aufmacht und das Haar wild nach hinten wirft. Mit einer dennoch fast unsichtbaren Kopfbewegung. Brünett, aber ein relativ helles brünett, schulterlange, glatte Haare, perfekt symmetrisches Gesicht, etwas zu dünne Arme für die Größe der Hände, die sie aber mit solcher Leichtigkeit bewegt, dass es nur positiv auffällt. Dezent im gesamten Verhalten und doch so viel Glück und Euphorie ausstrahlend.

In einem Wort: Schön.

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Herznotizen

May 15 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

…eines Mädchenherzes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schlagen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewegen ab und an ein paar der Schmetterlinge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durchzulassen. Ich mag diese Tierchen doch so sehr.

Überhaupt gehen die Schmetterlinge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manchmal glaube ich, ich bin keine gute Schmetterlingshüterin.

Heute am See hat mich so ein komischer Junge angelächelt. Er wirkte schüchtern. Oh, hallo kleiner Schmetterling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gesehen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmetterlinge, ich bin doch nur ein kleines Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald fliegen können, oder wenigstens schweben. Wir treffen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glücklich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein bisschen eng geworden ist. Vielleicht kann ich ja noch ein zwei Schmetterlingchens zum umziehen bewegen.

Randbemerkung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompliziert für meinen Geschmack.

…eines Jungenherzes

Warum macht der Kerl eigentlich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopfhörer in die Ohren und Welt abschalten. Nachts heult er dann wieder Pseudoherzscheiße in seinen Twitteraccount. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungenherz geworden?

Bei Gelegenheit mal was mit dem Bauch trinken gehen und ihm gratulieren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu überstimmen. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompliziert seien, nicht mehr nachvollziehen, seitdem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wiederholt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheuerte Kopf. Entweder nicht da oder falsch konfiguriert. Bei Gelegenheit mal eine Ladung Bretter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmetterlinge mit Gruß vom Bauch vorbeischicken.

Pakt mit dem Bauch geschlossen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Geschehen teilhaben zu lassen. Statistisch gesehen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmischen.

Endlich glücklich. Hoffentlich kriegt dieses angeblich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

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Kleider machen Leute

May 01 2011 Published by eFrane under Stuff

Diese Welt dort draußen ist, auch wenn das nicht so sein sollte, der Heteronormativität unterlegen. Da wird Mann komisch angesehen, wenn die Hose zu eng ist, oder das Shirt zu viel Schulter zeigt und Frau noch viel komischer, wenn sie kurze Haare hat oder gar nie in ihrem Leben mit einem Rock gesehen wird. Warum tun wir uns das an? Also nein, warum tut ihr euch das an?

Ich finde das – an dieser Stelle ist die Wahl des Wortes zu entschuldigen – bescheuert. Und das ist noch zaghaft formuliert. Alle Welt redet von Offenheit und Toleranz und Integration und all dem, was da sonst noch aus zugehöriger Schublade kommt und keiner macht es. Natürlich, hier und da gibt es ein paar Ausnahmen, doch die haben heute genauso damit zu kämpfen, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wie eh und je.

Lieber Leser,

Du glaubst also, Du bist heterosexuell und damit deiner Ansicht nach ein Normalbürger dieser Gesellschaft? Bist Du dir sicher? Mach doch dir zu liebe mal folgendes kleines Experiment: Schalte deinen Kopf aus und höre auf deinen Körper, wenn du mit dir sympathischen Menschen unterwegs bist. Ich lasse hier ganz bewusst jegliche Geschlechtsbestimmung weg. Mit etwas Geduld und Wille (vor allem Wille) wirst Du verstehen können, warum.

Männer die Frauenklamotten oder zumindest Kleidungsstücke, die aussehen, wie Frauenklamotten, tragen, werden schief angesehen. Fast so schief, wie Menschen, die auf offener Straße einen Apfel essen, wie kann man nur, ist ja gesund, aber das tut hier nichts zur Sache. Frauen dagegen, die Männerklamotten tragen, werden höchstens als Karrierefrauen betitelt. Nun ist Karrierefrau alles andere als ein nettes Beiwort, im Grunde ist das genau einer dieser Punkte, der zwischen realer Gleichstellung in der Gesellschaft und dem aktuellen Zustand liegt, doch es ist immerhin schon eine gewisse Form von Akzeptanz. Als Mann kann man dagegen sicher sein, dass man von jedem zweiten Mensch, der einem auf der Straße begegnet, als schwul wahrgenommen wird. Nicht aufzuhören ist im Grunde die einzige Möglichkeit. Sich bewusst dafür zu entscheiden Dinge zu tun, die das Umfeld dazu bewegen zu reden. Denn wenn sie reden, fangen sie an ein bisschen nachzudenken. Vielleicht nicht gleich in die richtige Richtung von Toleranz und Akzeptanz, aber sie werden damit konfrontiert und müssen sich, weil sie zu arrogant sind uns einfach zu ignorieren, damit auseinandersetzen. Und das ist doch schon mal etwas.

Aus diesem Grund mag ich zum Beispiel das Modelabel Weekday. Wenn man zu Weekday geht und die Verkäufer dort nach etwas fragt, dann ist das letzte wonach sie schauen in der Regel, ob das Kleidungsstück jetzt gerade aus dem Jungs- oder dem Mädelsteil kommt. Da geht es einzig und allein um wohlfühlen. Sollte es so nicht auch außerhalb der Ladengrenzen sein?

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