meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Klei­der machen Leute

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 03:32 min

Diese Welt dort drau­ßen ist, auch wenn das nicht so sein sollte, der Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät unter­le­gen. Da wird Mann komisch ange­se­hen, wenn die Hose zu eng ist, oder das Shirt zu viel Schul­ter zeigt und Frau noch viel komi­scher, wenn sie kurze Haare hat oder gar nie in ihrem Leben mit einem Rock gese­hen wird. Warum tun wir uns das an? Also nein, warum tut ihr euch das an?

Ich finde das – an dieser Stelle ist die Wahl des Wortes zu entschul­di­gen – bescheu­ert. Und das ist noch zaghaft formu­liert. Alle Welt redet von Offen­heit und Tole­ranz und Inte­gra­tion und all dem, was da sonst noch aus zuge­hö­ri­ger Schub­lade kommt und keiner macht es. Natür­lich, hier und da gibt es ein paar Ausnah­men, doch die haben heute genauso damit zu kämp­fen, von der Gesell­schaft akzep­tiert zu werden, wie eh und je.

Lieber Leser,

Du glaubst also, Du bist hete­ro­se­xu­ell und damit deiner Ansicht nach ein Normal­bür­ger dieser Gesell­schaft? Bist Du dir sicher? Mach doch dir zu liebe mal folgen­des klei­nes Expe­ri­ment: Schalte deinen Kopf aus und höre auf deinen Körper, wenn du mit dir sympa­thi­schen Menschen unter­wegs bist. Ich lasse hier ganz bewusst jegli­che Geschlechts­be­stim­mung weg. Mit etwas Geduld und Wille (vor allem Wille) wirst Du verste­hen können, warum.

Männer die Frau­en­kla­mot­ten oder zumin­dest Klei­dungs­stücke, die ausse­hen, wie Frau­en­kla­mot­ten, tragen, werden schief ange­se­hen. Fast so schief, wie Menschen, die auf offe­ner Straße einen Apfel essen, wie kann man nur, ist ja gesund, aber das tut hier nichts zur Sache. Frauen dage­gen, die Männer­kla­mot­ten tragen, werden höchs­tens als Karrie­re­frauen beti­telt. Nun ist Karrie­re­frau alles andere als ein nettes Beiwort, im Grunde ist das genau einer dieser Punkte, der zwischen realer Gleich­stel­lung in der Gesell­schaft und dem aktu­el­len Zustand liegt, doch es ist immer­hin schon eine gewisse Form von Akzep­tanz. Als Mann kann man dage­gen sicher sein, dass man von jedem zwei­ten Mensch, der einem auf der Straße begeg­net, als schwul wahr­ge­nom­men wird. Nicht aufzu­hö­ren ist im Grunde die einzige Möglich­keit. Sich bewusst dafür zu entschei­den Dinge zu tun, die das Umfeld dazu bewe­gen zu reden. Denn wenn sie reden, fangen sie an ein biss­chen nach­zu­den­ken. Viel­leicht nicht gleich in die rich­tige Rich­tung von Tole­ranz und Akzep­tanz, aber sie werden damit konfron­tiert und müssen sich, weil sie zu arro­gant sind uns einfach zu igno­rie­ren, damit ausein­an­der­set­zen. Und das ist doch schon mal etwas.

Aus diesem Grund mag ich zum Beispiel das Mode­la­bel Week­day. Wenn man zu Week­day geht und die Verkäu­fer dort nach etwas fragt, dann ist das letzte wonach sie schauen in der Regel, ob das Klei­dungs­stück jetzt gerade aus dem Jungs- oder dem Mädels­teil kommt. Da geht es einzig und allein um wohl­füh­len. Sollte es so nicht auch außer­halb der Laden­gren­zen sein?

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