meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Vertrauen

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:47 min

(via welt­der­traeume)


Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualm­hülle, stolz auf dein perfek­tes Leben. „Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?“, sage ich, während ich den letz­ten Zug der was weiß ich wieviel­ten Ziga­rette nehme.

„Ich kann mich nicht mehr wirk­lich an mein Leben erin­nern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manch­mal, manch­mal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach star­ken Gewit­ter­blit­zen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkels­ten Albträu­men. Wenn ich denn träu­men würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.“

Wort­los, sprach­los, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahre­lan­ger Übung zur Perfek­tion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühl­ten Vier­tel­mil­li­me­ter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotio­nal. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflas­ter ein perfekt wirken­des Kunst­werk geschaf­fen haben. Eines, das viel zu leicht einrei­ßen kann.

„Du soll­test anfan­gen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manch­mal dabei, Gedan­ken andere Abzwei­gun­gen an Kreu­zun­gen wählen zu lassen.“

„Danke. Ich bleibe lieber beim Alko­hol. Damit kann ich wenigs­tens jeder­zeit einen Punkt bestim­men, ab dem ich ein paar Stun­den von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?“

„Ja. Deswe­gen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schen­ken möchte.“