Archive for August, 2011

I will survive

Aug 26 2011 Published by eFrane under Music

Tagein tagaus lebt man Musik hörend vor sich hin, mal mehr als Textehörer, mal mehr als Melodiehörer, mal als Rythmusgenießer, doch die ganze Zeit über bleibt die Sicherheit, dass das ja alles nur Kunst ist. Kunst, die einem bei aller Schönheit oder endloser Traurigkeit nichts anhaben kann, die einen nur kurz berührt, kaum spürbar, diese Art der Berührungen, die mit dem nächsten Schulterzucken schon lange der Vergangenheit angehören.

Wir fühlen uns immer so sicher vor Kunst, solange sie uns nicht im falschen Moment anspringt. Wir sind ja so dumm.

Wir sollten aufhören, zu vergessen, dass Künstler immer eine Botschaft transportieren wollen, egal, wie gut sie sie vepacken. Insbesondere dann, wenn wir mal wieder im falschen Moment von wem auch immer das unvergessene “…as long as I know how to love I know I’ll stay alive…” hören und uns zu allem Übel und weil es so viel Spaß macht, sich selbst ein bisschen zu quälen, fragen, ob man wirklich wissen muss, wie man liebt, um zu überleben.

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Nur gestapelte Gedanken

Aug 26 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

An manchen Tagen geht einfach zu viel zwischen den Zeilen verloren. An anderen Tagen steht dort zu viel. Eigentlich wäre in beiden Fällen alles gut, wenn da nicht immer so viele Fragezeichen übrig bleiben würden. Und dazu dann der ewige Drang, alles analysieren zu müssen. Den Kopf einfach nicht ausschalten können. Nicht einmal für ein paar Sekunden. Selten ist die Grenze zwischen Gedankenwelt und Wirklichkeit so verwaschen, wie in sternenklaren Nächten. Selten sind Sommer so bewölkt, wie dieser. Die Gedanken sind nicht frei. Im Kopf, ja. Aber irgendwann müssen sie doch dort auch mal raus. Im Angesicht der verzwickten Lage wäre es sicher ratsam, aufzuhören, darüber nachzudenken, weniger nachzudenken.

Zwischen den zermürbten, zu oft wiedergekäuten Gedanken quälen sich fortwährend Radiohead und Suede durch den Kopf. Immer mit einer unverkennbaren Prise Zynismus. Die Musikwiedergabegeräte werden nicht mehr benötigt, denn die Musik ist schon so tief in den Körper gedrungen, dass jede äußere Einwirkung derselben mehr als zwecklos, ja sogar in vieler Hinsicht schädlich, geworden ist. Es wäre aber trotzdem eine Überlegung wert, die Klagestimmen anzuschalten und mit ihnen gemeinsam das Plagende, Treibende, Pochende aus dem Körper zu treiben.

Es gibt schon zu viele Bücher, Filme, Lieder über dieses Thema. Es gibt schon zu viele traurige Menschen. Es gibt schon zu viele gute Gründe, in diesem Zustand zu sein. Hier gibt es keinen. Hier gibt es kein Setting, kein Plot, keine epische Geschichte, die das alles erfordert. Hier gibt es nur gestapelte Gedanken, denen ein unsichtbarer Käfig übergestülpt wurde.

(People just don’t really talk anymore, do they?)

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Die Straßenlaterne

Aug 25 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Die Straßenlaterne wollte in ihrem langweilig vor sich hinglimmenden Leben endlich mal etwas erleben und positionierte den Briefkasten derart um, dass er fast einem Taxi zum Verhängnis wurde.

In Wahrheit war die Geschichte jedoch ganz anders, doch der zufällig vor Ort gewesene Hund würde sich hüten, irgendjemandem die Wahrheit zu erzählen. Zumal er seine Stimme schonen musste, übermorgen stand schließlich der alljährliche Bellwettbewerb an.

In Wahrheit also, und dass weiß ich nur, weil mir eben dieser Hund sehr großes Vertrauen schenkt und wir seit Jahren eine umfangreiche Briefkorrespondenz führen – nun, ich schweife ab. In Wahrheit also, war es der Taxifahrer.

Das scheint etwas unglaubwürdig werden Sie sagen. Nun, da haben Sie durchaus recht. Aber Sie müssen schon zugeben, dass ein glimmendes Dasein vielmehr zu einem Taxifahrer, als zu einer stolz ihrer ganzen Umgebung Licht spendenden Straßenlaterne passt. Wie gut, dass wir uns in diesem Punkte einig sind. Der Hund – Manfred von Reinhardshausen heißt er übrigens – schrieb also in seinem Brief ausführlichst – Der Herr in dem braunen Jacket soll sich doch bitte ein paar schönere Hundenamen ausdenken, wenn ihm dieser nicht gefällt – wie auch immer, Manfred schrieb mir also, dass er beweisen können, dass sich diese selbstsüchtige Lampe da etwas zu vorteilhaft ins Licht rücken wollte. Oder den Taxifahrer? Sie sehen, ich bin verwirrt. Ich hoffe, sie sind auch schon lange vom roten Faden abgekommen, falls nicht habe ich die beunruhigende Mitteilung zu überbringen, dass der Hund leider mit seinen Ausführungen nicht fortfahren konnte, da ihm die listige Katze Miranda, deren Domizil sich in einem gemütlichen Eckchen des Briefkastens befindet, sein wunderschönes rotes Erzählungswollkneuel erblickt hatte und nun mit seinem unserem diesem rotem Faden Katzeweißwas anstellte.

Warum Sie gekommen sind? Wer weiß, vielleicht hatten sie gehofft, dieser drollige Hund neben mir könne tatsächlich solch irrwitzige Geschichten erzählen.

Es war übrigens der Briefkasten, er hatte ein paar traurige Liebesbriefe zu viel abbekommen und wollte seinem Dasein ein Ende setzen.

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Erzähl mal was

Aug 25 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

Wir liegen im Bett. Die Decke ist wunderbar kuschelig, die Kopfkissen haben alle genau die richtige Position, man könnte sofort einschlafen. Es ist unglaublich ruhig im Hintergrund. Bei dir. Bei mir nicht. Zwischen uns befinden sich viele hundert Kilometer. Ganz nah sind wir uns trotzdem. Telekommunikation ist eine praktische Erfindung.

“Erzähl mal was.” sagst du in die Stille hinein. Die meisten Stimmen hätten die Stille damit grausam zerschnitten. Deine nicht. Sanft, geradezu engelsgleich, gleitet sie durch den Äther und ich muss lächeln, wenn ich dich sprechen höre.

Jedes Mal.

“Erzähl mal was.” sagt deine Stimme noch einmal. Diesmal nur in meinem Kopf. Du schweigst bereits wieder. Erwartungsvoll. Ich kann dein Lächeln hören, durch den Rythmus, in dem du atmest. Ich denke nach. Ich möchte, dass du die ganze Nacht lächelst, wegen dem, was ich dir erzählen werde. Es ist gar nicht so einfach, schönes zu erzählen. Das traurige, bedrückende, das geht im schützenden Dunkel der Nacht immer leicht von der Hand, doch Worte zu Sätzen zu formen, die deine Lippen zum Lächeln bringen…

Wahrscheinlich wäre alles viel einfacher, wenn ich gewillt wäre, dir eine Geschichte zu erzählen, aber ich möchte dir heute keine Geschichte erzählen. Ich möchte dir von mir erzählen. Ich möchte, dass du wegen einem erzählten Erlebniss und nicht wegen einer Geschichte mit Zwangshappyend lächelst.

Das ist er, der fatale Moment, der immer dann auftritt, wenn man Hände ringend nach Erinnerungen sucht und der Kopf gerade mehr Leere aufweist, als alle leeren Studentenkühlschränke der Welt zusammen. In freier Wildbahn wird dies ja meist durch das verhasste “Erzähl doch mal einen Schlag aus deiner Jugend” ausgelöst. Völlig unbeabsichtigt natürlich. Obwohl jeder weiß, wie viele Hämmer im Kopf verloren gehen werden, bis ein Schlag trifft und erzählt werden kann. Nun gut. Soviel zum Normalfall. Normalfälle sind scheinbar gerade nicht kompliziert genug. Nein, ich musste ja unbedingt so schlau sein und mich selbst in diese missliche Lage verfrachten.

Bis jetzt sind seit deiner Bitte ungefähr zehn Sekunden vergangen. Wenn überhaupt.  Zeit ist nicht so gut messbar, wenn man mit sich selbst diskutiert. Die nullte Regel ist, es gibt keine erste Regel. Naja. So ähnlich. Jedenfalls hängt das damit irgendwie zusammen. Glaube ich. All diese Gedanken fliegen durch den großen leeren Raum. Und sie finden einfach keinen Platz um zu landen.

Tragisch, das.

Da! Ein Einfall! Ganz schwach kann ich ihn schon spüren, wie er sich langsam emporwindet und zu seiner vollen Pracht heranwächst.

“Was möchtest du denn gerne hören?” frage ich, um etwas Zeit zu gewinnen. Mir ist nun zwar klar, dass ich gleich wissen werde, was ich erzählen werde, doch finde ich es auch immer wieder wichtig, von dir zu erfahren, was du gerne hören würdest.

Du antwortest. Ich muss lächeln. Einen kaum spürbaren Moment später fange ich an zu erzählen. Und mein Herz wird mit jeder Sekunde glücklicher, weil es dir beim Lächeln lauschen darf.

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Ein kleines Immer

Aug 12 2011 Published by eFrane under Sunshine on a rainy day

Du fragst nicht, ob alles gut ist. Du fragst auch nicht, ob ich mich wohl fühle. Nein, Du hast schon immer die wirklich wichtigen Fragen gestellt – Wie geht es dir? Wie fühlst du dich? – und du hast dich noch nie mit einem Abspeis-”Okay” zufrieden gegeben, wenn alles ringsherum gegen dieses okay sprach. Du hörst zu. Immer. Bedingungslos. Deine geheime Superkraft: Nicht nur die richtigen Worte, sondern auch immer den perfekten Zeitpunkt finden.

Vielleicht wird nicht alles gut. Wahrscheinlich wird nie alles gut. Eigentlich möchte ich mir auch gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn denn alles gut wäre. Tatsache ist, immer wenn ich mit dir in Kontakt trete, egal wie, wird alles um mich herum auf magische Weise besser, angenehmer, schöner. Ich möchte dieses Gefühl, diesen Zauber nicht mehr loslassen müssen. Ich möchte, dass daraus ein – wenngleich erst einmal kleines – immer wird.

Möchtest Du das auch?

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Meine Name ist nicht deine Entscheidung

Aug 07 2011 Published by eFrane under Stuff

Ich habe heute im Laufe des Tages mehrere Verweise auf mynameis.me gesehen, zuletzt in einem Google+-Post (Wie schreibt man das mit sinnvoller Zeichensetzung?), der den, typisch zur gerade mal wieder in Mode gekommenen Fuck yeah-Memmaschinerie, Tumblelog fuckyeahpseudonyms, welches jeden dazu einlädt, seine Meinung zum Klarnamen/Pseudonym-Zwang im Internet zu vermelden.

Nunja. Vor einigen Tagen habe ich mich bei Pottermore registriert. Dort wurde ich mit einer der wohl restriktivsten Lösungen zu diesem ganzen Problem konfrontiert: Das System vergibt die Nutzernamen. Die durchaus einleuchtende Erklärung, die dort dazu abgegeben wurde, lautete ungefähr “Wir machen das zum Schutz der Kinder.” Jetzt kann man sich natürlich fragen, inwiefern ein Name wie PhoenixMagic80 Menschen, die es auf den Schaden oder das Verletzen anderer in jeglicher Form abgesehen haben, von diesem Vorhaben abhalten wird. Ich möchte behaupten gar nicht. Da könnte man auch gerade an dieser Stelle wunderschön aus Harry Potter zitieren:

Die Angst vor einem Namen macht nur noch größere Angst vor der Sache selbst.

(J. K. Rowling – Harry Potter, in diverse Bänden)

Ich persönlich habe seit Jahren ein Pseudonym (eFrane) in weiten Teilen des Internets, habe aber auf bestimmten Plattformen schon immer meinen Klarnamen angegeben. Mittlerweile ist es für niemanden, der wirklich wissen will, wer sich hinter diesen fünf Buchstaben verbirgt, mehr ein Problem, dem auf den Grund zu gehen. Das stört mich auch nicht. Trotzdem finde ich es wichtig, dass jedem Mensch die freie Wahl darüber gelassen wird, wie er sich nennt. Die Tatsache, dass wir bei der Geburt einen Namen kriegen, bedeutet ja nicht, dass wir mit diesem Namen unser ganzes Leben verbringen müssen.

Was mich an der momentanen Richtung der Debatte stört, ist die Fokussierung auf das Internet. In leicht abgewandelter Form könnte man obiges Zitat hernehmen: “Die Angst vor einem Medium macht nur noch größere Angst vor dem Problem selbst.” – Und wir haben Angst vor diesem Medium. Ich nicht, und viele andere in meinem Umfeld auch nicht, wahrscheinlich fast keiner, der sich jetzt – egal ob auf mynameis.me oder auf fuckyeahpseudonyms oder sonst irgendwo in diesem Kommunikationskonglomerat – zu diesem Thema äußern wird, aber trotz allem bleiben da eine ganze Menge Menschen übrig, die sehr offensichtlich in irgendeiner Form Angst vor diesem Medium haben. Doch eigentlich sollten sie Angst vor dem haben, was daraus entstehen kann. Das Internet ist, ich twitterte so etwas in der Art vor einer Weile schon mal, gewissermaßen das moderne Forum Romanum. Hier werden die tagesaktuellen Themen diskutiert, hier kann man mitreden, hier beginnt Veränderung. Und ab und an kommt solch eine Veränderung eben an einen Punkt, wo sie aus dem Digitalen heraus in das Analoge geholt werden muss. Ich glaube, in Bezug auf die frei Wahl des eigenen Namens sind wir im Grunde schon lange an diesem Punkt vorbei.

Es ist wichtig, festzuhalten, dass es gute Gründe gibt, irgendwo in der Gesellschaft nicht mit dem Namen aufzutreten, der einem gegeben wurde. Tatsache ist aber auch, dass viele dieser Gründe wegfallen würden, wenn es – was meiner Ansicht nach sowohl eine notwendige Bedingung als auch Folge freierer Namenspolitik wäre – mehr Toleranz und Akzeptanz untereinander gäbe.

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Intimacy

Aug 07 2011 Published by eFrane under Books

Bei guten Büchern kann man das Ende lesen ohne sich damit das verbleibende Leseerlebnis der Seiten davor zu zerstören. Bei sehr guten Büchern kommt dann noch ein erster Satz dazu, der einen viel schneller, als in solchen Momenten erwünscht, zu diesen Enden führt.

Doch sehr gute Bücher sind am Ende nie zu Ende. Sehr gute Bücher gehen im Kopf weiter. Erst liest man fast atemlos, bis man die
Augen schon mit Streichhölzern offen halten muss, um dann, wenn man endlich fertig ist, hellwach im Bett zu liegen und mehrere
Ewigkeiten lang in der gerade erlebten Großartigkeit zu schwelgen und in Gedanken all die wunderbaren Worte noch weit mehr als
einmal zu durchlaufen. Hanif Kureishi’s “Intimacy” ist so ein Buch.

It is the saddest night, for I am leaving and not coming back.

Es geht um Liebe. Natürlich geht es um Liebe. Um den großen Zweifel, der ins Leben kommen kann, wenn sich die darin enthaltene Liebe nach und nach wandelt und noch weniger nachvollziehbar ist, als sowieso schon.

Es geht um Abschied nehmen. Abschied von einem Lebensabschnitt, von einer ganzen Lebensphilosphie, von einer eigentlich als
“für immer” geplanten Einheit. Es geht darum, sich selbst wieder zu finden und all das Chaos zu verstehen, was in einem aus der ganzen unerträglich gewordenen Ordnung gewachsen ist.

Lying protects all of us; it keeps the important going. It is a kindness to lie. If I’d been good all those years, who’d have been impressed? God? A world without lying would be impossible; a world in which lying wasn’t deprecated it also impossible. Unfortunately, lying makes us feel omnipotent. It creates a terrible loneliness.

Intimacy
Hanif Kureishi

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