meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Die Stra­ßen­la­terne

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:45 min

Die Stra­ßen­la­terne wollte in ihrem lang­wei­lig vor sich hinglim­men­den Leben endlich mal etwas erle­ben und posi­tio­nierte den Brief­kas­ten derart um, dass er fast einem Taxi zum Verhäng­nis wurde.

In Wahr­heit war die Geschichte jedoch ganz anders, doch der zufäl­lig vor Ort gewe­sene Hund würde sich hüten, irgend­je­man­dem die Wahr­heit zu erzäh­len. Zumal er seine Stimme scho­nen musste, über­mor­gen stand schließ­lich der alljähr­li­che Bell­wett­be­werb an.

In Wahr­heit also, und dass weiß ich nur, weil mir eben dieser Hund sehr großes Vertrauen schenkt und wir seit Jahren eine umfang­rei­che Brief­kor­re­spon­denz führen – nun, ich schweife ab. In Wahr­heit also, war es der Taxi­fah­rer.

Das scheint etwas unglaub­wür­dig werden Sie sagen. Nun, da haben Sie durch­aus recht. Aber Sie müssen schon zuge­ben, dass ein glim­men­des Dasein viel­mehr zu einem Taxi­fah­rer, als zu einer stolz ihrer ganzen Umge­bung Licht spen­den­den Stra­ßen­la­terne passt. Wie gut, dass wir uns in diesem Punkte einig sind. Der Hund – Manfred von Rein­hards­hau­sen heißt er übri­gens – schrieb also in seinem Brief ausführ­lichst – Der Herr in dem brau­nen Jacket soll sich doch bitte ein paar schö­nere Hunden­a­men ausden­ken, wenn ihm dieser nicht gefällt – wie auch immer, Manfred schrieb mir also, dass er bewei­sen können, dass sich diese selbst­süch­tige Lampe da etwas zu vorteil­haft ins Licht rücken wollte. Oder den Taxi­fah­rer? Sie sehen, ich bin verwirrt. Ich hoffe, sie sind auch schon lange vom roten Faden abge­kom­men, falls nicht habe ich die beun­ru­hi­gende Mittei­lung zu über­brin­gen, dass der Hund leider mit seinen Ausfüh­run­gen nicht fort­fah­ren konnte, da ihm die listige Katze Miranda, deren Domi­zil sich in einem gemüt­li­chen Eckchen des Brief­kas­tens befin­det, sein wunder­schö­nes rotes Erzäh­lungs­woll­k­neuel erblickt hatte und nun mit seinem unse­rem diesem rotem Faden Katze­weiß­was anstellte.

Warum Sie gekom­men sind? Wer weiß, viel­leicht hatten sie gehofft, dieser drol­lige Hund neben mir könne tatsäch­lich solch irrwit­zige Geschich­ten erzäh­len.

Es war übri­gens der Brief­kas­ten, er hatte ein paar trau­rige Liebes­briefe zu viel abbe­kom­men und wollte seinem Dasein ein Ende setzen.