meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten

  • 5 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 02:09 min

Die Nächte in dieser Jahres­zeit sind zwar nicht wesent­lich länger als in ande­ren, zumin­dest nicht, solange man sie im Rahmen des stän­dig trei­ben­den Lebens einge­bet­tet lässt, aber die Nächte in dieser Jahres­zeit sind oft gedan­ken­rei­chere Nächte. Das Jahres­ende rückt mit erdrücken­der Geschwin­dig­keit näher und näher und wie immer gibt es noch zu viele Dinge, die erle­digt, zu viele Ideen, die aufge­schrie­ben, zu viele Herzen, deren Fragen beant­wor­tet werden wollen.

Die meiste Zeit des Jahres halten wir zu viel in unse­rem Leben für selbst­ver­ständ­lich. Licht. Wärme. Das Leben an sich. Doch, was haben wir davon?

Zwar wird in diesen letz­ten Wochen des Jahres tradi­tio­nell schon sehr viel Kopf­leis­tung darauf verwandt, sich Gedan­ken über möglichst gute Vorsätze zum nicht einhal­ten zu machen und neben­bei klopft Weih­nach­ten an die Tür und damit verbun­den die alljähr­li­che Fest­stel­lung, dass man es wieder erfolg­reich geschafft hat, aus dem „Nächs­tes Jahr kaufe ich alle Geschenke recht­zei­tig.“ ein „Naja, immer­hin weiß ich bei zweien von zwei­und­vier­zig schon so in etwa, was sie krie­gen sollen.“ werden zu lassen. Nicht gerade güns­tige Voraus­set­zun­gen also, um sich auch noch damit zu beschäf­ti­gen, was man für zu selbst­ver­ständ­lich hält. Dabei ist es gerade jetzt wich­tig, sich all der klei­nen Dinge, die andere Menschen und vor allem die Natur tagein tagaus fûr uns tun, bewusst zu werden, kurz lächeln und dann nicht inne zu halten, sondern an sich selbst nach unten schauen. Wir wollen alle nur ein schö­nes Leben haben, also sind wir auch alle dazu verpflich­tet unsere persön­li­chen Stär­ken dazu zu nutzen, das Leben derer um uns herum besser zu gestal­ten. Was auch immer dieses besser im Einzel­fall bedeu­tet.

Leben ist einzig­ar­tig.

 

Ich war nie wirk­lich hier

  • 5 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:17 min

Ich war nie wirk­lich hier. Ich habe mich nie wirk­lich fallen gelas­sen in dieser Stadt. Zwar an dem ein oder ande­ren Ort, wenn sich gerade mal für einen Moment alles gut ange­fühlt hat, aber nie bedin­gungs­los über­all. Wenn man mich fragen würde, wie ich dazu komme, trotz­dem zu behaup­ten, dies wäre einer der schöns­ten und besten Orte der Welt, ich könnte höchst­wahr­schein­lich keine zufrie­den­stel­lende Antwort geben.

Sich nicht wohl­zu­füh­len mit dem, was man tut, was man schafft und was man nicht schafft, schränkt das Blick­feld ein. Man sieht weni­ger als das Ziel, viel weni­ger als den Weg. Öfter, als einem lieb ist. Doch genau da liegt das Problem: Wen man den Weg nicht mehr sieht, kann auch die am Weges­rand verteilte Schön­heit und Eleganz nicht mehr in den Geist schlei­chen, sich nicht mehr wie ein unsicht­ba­rer Schutz­man­tel um die Seele legen.

Bücher sind ein guter Schutz­man­tel. Musik ist – gerade weil sie anders im Kopf blei­ben kann – schon ein etwas besse­rer. Doch der beste Schutz für das Heil der eige­nen Seele bleibt die Liebe für die Natur in der sie lebt.

 

Reboot

Ich möchte wieder mehr schrei­ben. Ich möchte aufhö­ren, jedes Wort immer vier Mal umzu­dre­hen, nur um es am Ende doch nicht in die Waag­schale zu werfen. Es sind zu viele Sätze durch den Kopf gegan­gen, die nicht aus der Feder durf­ten.

 

Eine halbe Sekunde – Teil 2

Lene war bereits mit einer Hand dabei eine Tasche zu packen, als sie am ande­ren Ende der Leitung dumpfe Schritte hörte.

„Anton? Anton bist du das?“
„Lene? Ja. Ich…Tim…“
„Anton wo bist du?“
„Tim, er…“
„Sag mir einfach wo du bist Anton, ja? Ich sitze schon fast im Auto.“

Lene hatte schon beim ersten Klin­geln des Tele­fons ein ungu­tes Gefühl im Bauch gehabt. Sie notierte sich die Adresse, die Anton ihr nannte auf dem Block neben dem Tele­fon, riss das erste Blatt ab und steckte es sich in die Hosen­ta­sche.

„Lene?“
„Ja?“
„Danke.“
„Noch bin ich nicht da. Bleib wo du bist, okay?“

Seine Antwort hörte sie schon nicht mehr. Während sie fuhr blickte sie immer wieder nervös auf die kleine digi­tale Uhr am Arma­tu­ren­brett. Lene hoffte nur, dass Anton keine Dumm­hei­ten machen würde. Seit Minu­ten drückte sie das Gaspe­dal unbe­wusst durch.

Anton ging zurück in das Zimmer, strich mit einer Hand über die Reise­ta­sche. Der Gedanke daran, dass Lene bald hier sein würde ließ ihn einmal tief durch­at­men. Er zog den Reiß­ver­schluss zu, griff nach der Tasche und machte sich auf den Weg zur Rezep­tion.
Als die Tür aufging musste er nicht einmal aufbli­cken, um fest­zu­stel­len, dass es Lene war, die da herein kam. Er stand auf und ihre Blicke trafen sich. Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, streckte den Arm nach der Tasche aus und griff mit ihrer freien Hand nach der seinen.
„Lass uns was essen gehen. Und dann soll­test du nach Hause fahren. Wir soll­ten nach Hause fahren.“
Der Griff um Lenes Hand wurde fester.

Schwei­gend saßen sie sich gegen­über. Anton stocherte in seinem Rührei herum, während Lene ihn mit ihren ruhi­gen Augen betrach­tete. Das konnte sie schon immer gut. Sie versprühte diese wunder­bare Ruhe, sobald sie einen Raum betrat. Anton öffnete das kleine Seiten­fach der Tasche, zog das Tage­buch seines Bruders heraus und schob es vorsich­tig über die Tisch­platte. Keiner sagte ein Wort. Eine junge Frau trat an ihren Tisch und fragte höflich, ob sie noch Kaffee nach­schen­ken dürfe. Anton nickte fast unmerk­lich und Lene lächelte freund­lich.

„Ich musste weg. Es ging nicht anders. Dabei wusste ich noch nicht einmal wohin ich denn gehen sollte. Weg. Ich musste weg wie er auch einfach ging.“
„Ich weiß.“

Anton wusste, dass Lene mit ihm fahren würde, er musste nur etwas sagen. Ihm war bewusst, dass er nicht ewig vor seiner Vergan­gen­heit davon­lau­fen konnte, es war nur so viel einfa­cher sich nicht umzu­dre­hen. Für den Bruch­teil einer Sekunde spielte er mit dem Gedan­ken die Kamera auszu­pa­cken und Lene zu foto­gra­fie­ren. Lene. Er musste ihr nicht erklä­ren was passiert war, sie verstand auch ohne Worte. So war Tim auch gewe­sen.

Anton stand auf. Er konnte nicht mehr ändern was passiert war, aber er musste versu­chen zu verhin­dern, dass weitere falsche Entschei­dun­gen getrof­fen wurden. Lene sah ihn an, nickte, legte Geld auf den Tisch und folgte ihm zum Auto.

Klick. Lene löste ihren Blick von der Straße und sah Anton an. Klick. Sie musste lächlen. Klick.

(Den ersten Teil gibt es beim farben­mäd­chen.)

 

Bleib doch noch einen Moment

Bleib doch noch einen Moment und hör dem Wind zu. Lass mich bei dir sein. Ich bin da.

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