meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Show me the place


Give me a leonard cohen after­world

(Kurt Cobain – Penny­royal Tea)


 

Plan B

  • 5 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 00:20 min

Falls am Ende doch alles schief gehen sollte und keiner der Träume, die auf den tausen­den Notiz­zet­tel­pa­pier­flie­gern im Kopf umher düsen wahr wird, so möchte ich wenigs­tens einen verfick­ten Tag so gelebt haben, als wäre mein Leben eine Skin­se­pi­sode.

 

Pilger­fahr­ten sind gar nicht so Mittel­al­ter

Was wir tun soll­ten: An die Küste Frank­reichs pilgern, aus dem örtlich in rauhen Mengen vorhan­de­nem Holz große Boote bauen, über den großen Teich fahren und gemein­sam etwas gegen das hier tun.

Was wir wie immer tun werden: Nichts. Ist ja nicht weiter schlimm.

Und Kondome verschlim­mern ja schließ­lich auch das Aids-Problem.

 

Broken Social Scene.

Broken Social Ever­y­thing.

 

Status Quo

Viel zu lange in der Phan­ta­sie leben, dass am Ende alles gut werden wird, lässt am Ende tatsäch­lich eine ganze Menge ziem­lich gut werden. Nun ist es zwar so, dass fast nichts jemals wirk­lich gut ist – aber im Grunde liegt dies ja nur an diesem ewig trei­ben­den „perfekt“, was so drohend nah an wirk­lich gut liegt – aber dennoch gibt es ab und an im Leben Situa­tio­nen, die Anker­punkte sind. Momente, in denen man seinen ganz persön­li­chen Status Quo ein paar Meter auf der Zeitachse des Lebens weiter nach vorne schie­ben kann. Genau das sind aber auch die Momente des Aufbruchs. Das Verschie­ben ist ja quasi der Save Point im Real Life. Danach kann man etwas auspro­bie­ren, sich mal wieder etwas weiter nach vorne lehnen – ist schließ­lich auch gar nicht so gut für so einen Körper, immer nur in Ruhe zu verhar­ren. Nein. Man muss etwas tun. Am besten ganz oft ganz viele neue Heraus­for­de­run­gen anneh­men. Mögli­cher­weise schafft man dann diese oder jene nicht. Viel­leicht steht man sogar mehr­fach drei Meter atem­los vor der Ziel­ge­rade und kommt einfach nicht mehr weiter. In diesen Zeiten ist es dann wich­tig, dass man seinen Status Quo nicht zu weit hinten liegen gelas­sen hat, denn je weiter man zurück muss, umso mehr geht dabei verlo­ren. Unwei­ger­lich.

Hermann Hesse hat einmal gesagt, das Leben eines Menschen glie­dere sich in verschie­den­ar­tige Stufen, von denen jede einzelne nicht ohne die ande­ren sein könne. Ich glaube, es ist von äußers­ter Wich­tig­keit, jeder­zeit zu wissen, auf welcher Stufe man gerade steht, und – noch unver­gleich­lich viel wich­ti­ger – wie hoch man sich seine Treppe bauen möchte.

 

Kopf­brem­sen

Es gibt Lieder, die ziehen dich runter, egal wie gut du drauf bist. Die schlei­chen in deinen Kopf und verzie­hen erst­mal Augen und Mund und wandern dann lang­sam weiter gen Herz um es fest zu umklam­mern und nicht mehr loszu­las­sen, bis endlich die Tränen­drü­sen laufen und der ganze Körper klamm wird vor Angst und Trauer.

Hide and Seek von Imogen Heap ist eines dieser Lieder. Sogar mit der beson­de­ren Fähig­keit, dass es oft schon reicht, einfach nur für einen winzi­gen Moment an das Lied zu denken, damit das Schick­sal seinen Lauf nimmt. Im Grunde ist das eine gute Sache. Wir sind zwar sowieso schon tenden­zi­ell die meiste Zeit wegen irgend­wel­chem Mist trau­rig, aber manch­mal, manch­mal braucht man einfach ganz drin­gend etwas, womit man mit hundert prozen­ti­ger Garan­tie sofort wieder auf den Boden zurück kommt. Dafür sind dann solche Lieder da.

(Auch: Halle­lu­jah in der Version von Jeff Buck­ley, Meine Freun­din lag im Koma und alles was sie mir mitge­bracht hat ist dieses lausige T-Shirt von Wir sind Helden, Die Gymno­pe­dies von Erik Satie, …)

 

Kompro­miss­lose Selbst­wahr­neh­mungs­stö­rung

Alles ist da, alles ist rich­tig und doch: Gleich­zei­tig ist nichts da und nichts annä­hernd annehm­bar. Die Geschichte der Fehl­bar­keit der Seele, der immer zum falschen Ziel führen­den Deter­mi­niert­heit endlos langer inne­rer Mono­loge. Kompro­miss­lose Selbst­wahr­neh­mungs­stö­rung. Man weiß, wann der Moment der Sorgen­über­wäl­ti­gung erreicht ist und doch sucht man sie. Weiter. Immer weiter. Mehr. Immer mehr. Ganze Stadien könnte man füllen mit Varia­tio­nen der eige­nen kaput­ten Persön­lich­kei­ten.

 

Kleine Fehler

Alte E-Mails anse­hen, bei einer Nach­richt vom Valen­tins­tag landen, Tränen vergie­ßen, weil man damals nicht mit dem Herzen, sondern nur mit den Augen las. Neuere E-Mails anse­hen, lächeln, wissen, dass man es irgend­wie wieder gut gemacht hat. Nicht zu wissen, wie, ist unwich­tig. Alles ist gut. Meist gerade dann, wenn man es gar nicht wahr­ha­ben will.

 

Idiot slow down