meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Jahres­end­mei­nungs­äu­ße­rung

Zeit vergeht ja auch irgend­wie immer schnel­ler. Und Verlust und Verän­de­rung waren selten so nah beiein­an­der wie in diesem Jahr.

Amy Wine­house, Eliz­abeth Taylor, Steve Jobs. Nicht nur Namen, sondern Menschen, die nicht verges­sen werden werden.

Tune­sien, Ägyp­ten, Wall Street. Ein neues Gesell­schafts­be­wusst­sein. Nicht nur verein­zelt, sondern welt­weit und unge­bro­chen.

Und nicht zuletzt landet immer wieder dieses eine Bild im Kopf.

 

Im Moment

Einen Schritt zu weit gehen und dann einfach fallen lassen und nicht zum Rand der Klippe zurück blicken, dich noch sehen, in Gedan­ken, oben stehend, in Panik herab in die Tiefe schau­end. Zögernd. Würdest du hinter­her sprin­gen, wenn ich deine große Liebe wäre?

Es gibt Fragen, die sollte man sich nicht stel­len. Erst recht nicht mitten in der Nacht in einem zu leeren Zimmer in einer zu leeren Wohnung in einer zu wachen Straße in einer just in diesem Moment zu lauten Stadt. Dass es nie ruhig ist und im Grunde auch keine Fels­klip­pen gibt, von denen man sprin­gen könnte, ist ein entschei­den­der Vorteil guter Städte. Ruhe ist sowieso oft sehr gefähr­lich. Wenn es zu ruhig ist, kommt man viel zu schnell auf die abso­lut törichte Idee, über das eigene Leben nach­zu­den­ken. Dann wendet man alle mögli­chen nie geschrie­be­nen und noch viel mehr unge­sagte Worte und Sätze in Herz und Kopf umher, in der schnell schwin­den­den Hoff­nung, das alles könnte doch noch irgend­wie repa­ra­bel sein. Aber es ist nicht repa­ra­bel. Nicht nur nicht dies­mal. Nie.

Wenn die Vergan­gen­heit verän­der­bar wäre wäre die Zukunft nicht lebbar. Ja, sogar die Gegen­wart wäre bestän­dig nur ein Schat­ten ihrer selbst, unun­ter­bro­chen im Wandel durch die in unse­ren Augen unbe­ding­ter­weise nie perfekte Vergan­gen­heit. Warum es nie perfekt sein kann? Man könnte jetzt hoch­wis­sen­schaft­lich werden und Gödel anfüh­ren oder den Ener­gie­er­hal­tungs­satz. Oder schlicht und einfach anmer­ken, dass Perfek­tion in Momen­ten lebt, in diesen jedoch unsterb­lich ist.

Ich brau­che nicht zurück­se­hen. Du bist hinter­her gesprun­gen. Für den perfek­ten Moment.

 

Scho­ko­weih­nachts­män­ner

„Ich will aber jetzt einen Scho­ko­weih­nachts­mann essen! Ich will ich will ich will!“
„Aber die Weih­nachts­män­ner sind alle Schatzi, du hast sie mal wieder alle schon geges­sen.“
„Dann will ich ein Rentier.“
„Aber…“
„Ich will ich will ich will“
„Aber…“
„Wa-wa-wa-warum haben Scho­ko­weih­nachts­män­ner keine Rentiere?“
„Weil du sonst fett wirst.“

Ich dachte, das wäre es gewe­sen. Natür­lich, belei­di­gend, aber wen kümmert das schon. Diskus­sio­nen über Scho­ko­lade werden früher oder später immer belei­di­gend. Weil einfach nie genug da ist. Wie mit den Scho­ko­weih­nachts­män­nern. Nie reichen sie. Natür­lich, bis kurz vor Ostern oder so ist meist noch einer übrig, aber irgend­wann sind sie eben alle. Und was dann? Man kann doch nicht ohne Scho­ko­weih­nachts­män­ner leben! Wenigs­tens davon sollte es immer genug geben, wenn sich schon der echte nie irgendwo zu erken­nen gibt!

Was wäre, wenn sie nicht allein wären? Also die Scho­ko­weih­nachts­män­ner. Wenn sie immer im Schlit­ten kämen, mit Dasher und Dancer und Pran­cer und Vixen, Comet und Cupid und Donder und Blit­zen. Was wäre, wenn es Scho­ko­ren­tiere gäbe?
Weih­nachts­wun­der­land für immer wäre das. Und ganz neben­bei eine Markt­lücke deren bishe­rige Nich­tent­de­ckung mich gerade zu erschüt­tert. Für mehr Scho­ko­ren­tiere!

Was aller­dings bleibt, wenn man die Weih­nachts­zau­be­rei im Magen hat, ist die bohrende Frage, warum nicht zur Abwechs­lung mal die Scho­ko­we­sen fett werden, anstatt einem selbst. Es ist ja nicht so, dass ich nicht darauf einge­stellt wäre, wer den Scha­den hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und so. Aber eigent­lich geht es doch genau darum. Den Scha­den hat doch die Scho­ko­lade. Die macht uns doch fett. Warum macht sie das nicht mit sich selber und lässt uns in Ruhe (und Mengen) genie­ßen? Ziem­lich gemein, das.

 

Wirre Wort­knäuel

Manch­mal geht es nur darum, einfach „Hallo, ich bin da.“ zu sagen. Einfach ein Gespräch anzu­fan­gen, einfach zu reden. Tausend wirre Worte aufsta­peln, um sich selbst verste­hen zu können. Endlich einmal wirk­lich nicht allein sein mit all dem Gedan­ken­sa­lat im Kopf.
Du sagtest einmal, du würdest gerne nicht mehr nur dir selbst deinen Kopf ausschüt­ten. Du sagtest sogar, die Art, in der ich mit dem Matsch aus deinem Kopf umgehe, würde dir gut tun. Davon merke ich aber nichts mehr. Warum nicht? Habe ich mich geän­dert? Hast du dich geän­dert?
Red mit mir.
Lass mich nicht immer anfan­gen. Verlass dich vor allem nicht darauf, dass ich immer da sein werde. Du hast mir beige­bracht, Menschen loszu­las­sen. Ich möchte dich nicht loslas­sen, aber wenn du mich dich nicht mehr verste­hen lässt, werde ich dich loslas­sen müssen. Lieber möchte ich noch tausende wirre Wort­knäuel mit dir entflech­ten und mindes­tens ebenso oft den Moment erle­ben, in dem deine Augen plötz­lich wieder aufleuch­ten, plötz­lich wieder diesen Funke der „Alles ist Gut“-Magie ausstrah­len, der sie meist so einzig­ar­tig macht.