meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Kann man ohne Serien leben?

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 08:24 min

Ich weiß nicht mehr genau, welche Frage ich Fee gestellt habe, als ich sie um einen Gast­bei­trag bat, aber sie ging in die Rich­tung des Post­ti­tels. Für mich selbst würde als Antwort ein mehr als deut­li­ches „Nein!“ folgen, doch um mich geht es nicht. Also, hier, ein Text über Serien und warum sie das Leben verän­dern können:

Kennt ihr das Gefühl, etwas abso­lut und bedin­gungs­los zu wollen? Das Gefühl etwas zum Leben zu brau­chen? Wenn alles, was einen beru­hi­gen kann, diese Sache ist? Wenn man so glück­lich ist wie nie zuvor, wenn man es hat? Das Gefühl, nur durch seine Anwe­sen­heit voll­stän­dig zu sein und jetzt erst zu wissen, was solange gefehlt hat?

Wenn ihr seid wie ich, dann… habt ihr an eure Lieb­lings­se­rie gedacht.

Ich habe den Ruf als Fangirl dank Twit­ter weg – und ich finde es herr­lich!

Doch darum geht es hier gar nicht, hier geht es darum, was es bedeu­tet, so viel von einer Serie zu bekom­men, dass man seine Dank­bar­keit nur schwer in Worte fassen kann. Doch ich muss es einfach versu­chen. Über was sonst könnte ich einen Gast­bei­trag verfas­sen?

Und weil ich diesem Beitrag ja einen profes­sio­nel­len Charak­ter einhau­chen will, werde ich es ein biss­chen struk­tu­rie­ren, sonst würde ich vermut­lich nur wild durch­ein­an­der plap­pern… (Seri­en­jun­kies fällt es oft sehr schwer, sich im Moment des Fangir­lens eloquent auszu­drücken.)

Es folgen die Dinge, für die ich als Seri­en­jun­kie dank­bar bin.

1.) Die Charak­tere.

Ich kann mit voller Ernst­haf­tig­keit und Über­zeu­gung sagen, dass gewisse Seri­en­cha­rak­tere mein Leben geret­tet und entschei­dend beein­flusst haben. Dass ich dank ihnen bin, wer ich bin.

Man lernt sie lieben für das, was sie nicht sind. Das klas­si­sche Mitfie­bern verab­schie­det sich unter einem Nebel von boden­lo­ser Liebe und abar­ti­ger Fan-Hyste­rie. Es sind Figu­ren, bei denen du dich siche­rer fühlst, als jemals zuvor, die dich zum lachen brin­gen, so viel öfter zum heulen, die mit einem einzi­gen Satz dein Leben verän­dern, in denen du dich bis ins kleinste Detail wieder findest, die ein Vorbild sind und dich beglei­ten. Es ist nicht nur so, dass man sie mag. Man muss wissen, dass es ihnen gut geht, dass sie ihr Glück finden. Es ist, als würde man sich eine kleine, eigene Fami­lie aufbauen.

Das wohl beste Beispiel hier­für ist Peyton Sawyer aus der Serie One Tree Hill (zumin­dest bis Staf­fel 4 unein­ge­schränkte Empfeh­lung). (Aber auch neben Peyton gibt es Dutzend Charak­tere, die mich geformt haben.) Sie ist ziem­lich verkorkst. Und sie liebt Musik. Das reichte mir schon, um sie erst mal zu vereh­ren. Doch sie ist mehr als das.

Peyton hat mir gezeigt, dass ich mich bewusst dafür entschei­den muss, stark zu sein, dass am Ende alles gut wird und dass ich es verdient habe, glück­lich zu sein. Peyton hat mir gezeigt, dass alles gut ist, solange ich die Dinge beschütze, die ich liebe, die Kunst, meine Freunde, sie hat mir gezeigt, dass Inte­gri­tät alles ist, worauf es letzt­end­lich ankommt. (Und vor allem letz­te­res werde ich niemals wieder verges­sen.)

Und wer wäre ich ohne all diese Erkennt­nisse? Das ist das wert­volle. Wer wäre ich ohne all die Weis­hei­ten von Seth Cohen, Char­lie Pace, Claire Fisher, Lane Kim, Cassie Ains­worth oder Kurt Hummel? Und alle ande­ren. Diese Menschen haben mir Werte vermit­telt. Träume geschenkt. Die besten Erin­ne­run­gen gemacht. Mein Herz geöff­net (und manch­mal heraus­ge­ris­sen). Mir Dinge beige­bracht, die essen­ti­ell sind.

Diese Menschen sind meine Freunde. (Bei diesem Satz musste ich selbst etwas kichern und an John Locke aus Lost denken, der sein erbärm­li­ches Leben verflucht. Aber ich bin stolz auf meinen Wahn­sinn.) Ja, sie sind wie imagi­näre Freunde, mit dem klei­nen Unter­schied, dass sie andere auch sehen können…

2.) Das Fandom.

Ein Fandom ist eine Fange­meinde. (Als ob man damit annä­hernd beschrei­ben könnte, was es wirk­lich ist…)

Das erste Mal, dass ich wirk­lich spürte, dass da drau­ßen Menschen sind, denen es geht wie mir, war, als ich begann, Glee zu schauen. (Diese Entschei­dung hat mein ganzes Leben verän­dert.)

Ich war also inner­halb weni­ger Minu­ten ein Fan (das geht bei mir schnell) und… da waren sie, Millio­nen von Menschen, die waren wie ich! Die ihre Tage und Nächte damit verbrach­ten, die wunder­volls­ten Grafi­ken für verschie­dene Ships zu erstel­len (ein Ship ist eine Seri­enpär­chen), die die Musik rauf und runter hörten und 30€ für Glee-Tassen ließen. Genau wie ich. Und ich liebe sie alle über die Maßen. Das gute an einem Fandom ist, dass man immer jeman­den findet, der es genauso sieht wie man selbst. Das schweißt zusam­men. Ernst­haft! Ich sage bloß: „I judge people by whom they ship!“ – das ist so wahr.

Ein Fandom zu haben, ist, als würde man immer nach­hause kommen können. (Was auch für die Serie allein gilt. Und so kitschig ist, wie es klingt. Und ebenso wunder­voll.) Wenn nichts mehr geht, dann lese ich eben dämli­che FanFic­ti­ons, dann reblogge ich wie beses­sen Glee-Content, dann schaue ich Fan-Videos auf Youtube. Berei­che­rung. Ein Fandom zu haben, bedeu­tet, niemals allein zu sein. Da ist immer einer. Man kann all seine Gedan­ken und Gefühle loswer­den, muss keine Nicht-Fan-Freunde zu Tode quat­schen. Ich habe eine Menge toller Menschen auf diesem Weg (besser) kennen­ge­lernt. (Ach, danke Alex, danke Kris, danke Pauli. Danke an alle.)

3.) Der Cast.

Der Cast sind die Schau­spie­ler. Es wäre ganz schön trau­rig, wenn das alles wäre. Aber das ist es nicht. Die Menschen hinter der Rolle haben in den aller­meis­ten Fällen eine Verant­wor­tung für ihre Fans. Und das ist so wunder­bar. Denn der eigent­li­che, größte Dank gebührt ihnen, dass sie unsere Lieb­ling­s­cha­rak­tere zum Leben erwe­cken und zu dem machen, was sie sind.

Ich weiß nicht, ob ich das noch zu erwäh­nen brau­che, aber ich liebe Chris Colfer. Er spielt Kurt Hummel in der Serie Glee. Und er ist eine der beein­dru­ckends­ten Perso­nen, die ich je aus der Ferne ange­be­tet habe. (Und das waren und sind eine Menge.) Ihm verdanke ich eine Menge. Seiner Klug­heit, seinem Humor und seiner Art, den Dingen zu begeg­nen – und all dies gelingt ihm auf eine so liebens­werte Weise, dass es mir fast das Herz bricht. Er ist so unwirk­lich manch­mal. Chris Colfer ist engels­gleich, hat Lauren Lopez mal getwit­tert. She is so damn right. Und ich habe ihn wirk­lich ziem­lich lieb. (Das beschreibt es nicht mal annä­hernd, aber okay…)
Jeden Schau­spie­ler, den ich einfach nur dafür liebe, dass er eine Figur spielt, die mir irgend­wie gehol­fen hat, zurecht zu kommen, aufzu­zäh­len, würde keinen Sinn machen. Was wirk­lich zählt ist, das glaube ich zumin­dest, dass diese Menschen irgend­wie wissen, dass sie nicht nur für ihre Rolle geliebt werden, sondern für sehr lustige Inter­views, unglaub­li­che Zitate und groß­ar­ti­ges Enga­ge­ment.
Der Cast einer Serie kann und sollte ein Abbild sein, dass einem Menschen schenkt, die einem über die Gren­zen der Fiktion die Hand reichen. Und dass das so oft hinhaut, ist ein klei­nes Wunder.

Doch im Grunde kann kein einzi­ges Wort beschrei­ben, was es bedeu­tet, diese Menschen, eine Serie, wirk­lich zu lieben. Liebe im Sinne des Wortes. Ich weiß, ich habe es versucht, aber nicht das Gefühl, es sei mir gelun­gen… Manch­mal kann man ein Gefühl dann doch nur zum Ausdruck brin­gen, in dem man krei­schend in seinem Zimmer auf und ab hüpft und „KLAINE!“ brüllt, bis man heiser ist. Wenn jemand das nach­voll­zie­hen kann, dann sind alle andere Worte unnö­tig.

Ich bin einfach nur sehr dank­bar für alles, was ich dank der Serien bekom­men habe. Das ist alles, was wirk­lich zu sagen bleibt.

 

Wünsche

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:44 min

Irgend­wann schrieb ich einmal, man sollte immer ein paar voll­kom­men aus der Luft gegrif­fene Wünsche parat haben. Weil es genau darum geht im Leben: Wünsche zu haben. Wer keine Wünsche mehr hat, hat auch keine schö­nen Träume mehr, also blei­ben nur noch die schlech­ten, zermal­men­den übrig und ehe man sich versieht läuft man Orpheus hinter­her. Auf dem Hinweg.
Doch was sind das für Wünsche, die man so haben kann, die diesem doch recht anspruchs­vol­len Attri­but des voll­kom­men aus der Luft gegrif­fen seins gerecht werden? Manch­mal reicht da schon ein einfa­ches „Wie schön das wäre, wenn Du jetzt hier wärst.“
(Ja, Du.)

 

When we are older, can I still come over?

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:05 min
When we are older, can I still come over?



 

Impos­si­ble Soul

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:10 min

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=b5o6RzwDN0w[/youtube]

And all I couldn't sing, I would say it all, my love, to you, if I could get you at all.
 

Liebe fragt nicht, Liebe ist.

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:07 min

Liebe Menschen, den folgen­den Text hat die wunder­bare Mimi verfasst. Danke dafür! (Und  nun genießt es!)

Es ist lange her, das erste Mal.

Das erste Mal, dass sie große Augen bei seinem Anblick bekam, das erste Mal, dass sie durch die Tür trat und sich höflich nach dem erkun­digte, was ihr klei­nes Herz zum Hüpfen brachte: Eis.

Es scheint, als wäre es erst gestern gewe­sen, als ihr das nette Fräu­lein mit dem tanzen­den Pfer­de­schwanz eine Kugel auf eine kleine Waffel steckte und sie ihr bezau­bernd lächelnd in die klei­nen Patsche­händ­chen drückte. Sie bedankte sich stets, obwohl das Funkeln in ihren Augen der Verkäu­fe­rin schon genug gewe­sen wäre.

Links neben der Tür stand das kleine Holz­bänk­chen mit Blick auf den Dorf­brun­nen. Direkt dane­ben der Müll­ei­mer und der bunte Sonnen­schirm, der sich leicht zu drehen begann, wenn es windig war.

Einmal kam sie mit zwei Buben aus dem Dorf in den klei­nen Laden. Der eine hatte einen Fußball unter den Arm geklemmt, der andere legte stolz das Geld auf die Ablage und verkün­dete, er würde sie alle einla­den. Es war das erste und letzte Mal, dass sie beide Hände vorsich­tig, ja fast schon schüch­tern, um die Waffel legte und den Kopf leicht senkte. Sie schenkte der Verkäu­fe­rin auch nicht das glück­li­che Lächeln wie sonst.

Schon am nächs­ten Tag strahlte sie dafür umso mehr.

~

Sie streicht mit der Hand über das alte Bänk­chen, dem sein Alter deut­lich anzu­se­hen ist. Die Verkäu­fe­rin trägt inzwi­schen eine modi­sche Kurz­haar­fri­sur, aber das Lächeln beherrscht sie besser wie eh und je. Sie betritt den Laden, lauscht der Türklin­gel, die ihr so vertraut ist wie keine andere, lächelt und bekommt das kleine spitze Ding in die Hand gedrückt, dass sie als große Liebe bezeich­net und ande­ren oft nur Kopf­schüt­teln beschert. Eis.

 

Es tut uns doch leid

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:46 min

Du wirst bald weg sein, weil mir die Kraft fehlt, „Bleib doch!“ zu sagen. Das ist wahr­schein­lich das schlimmste an der ganzen Geschichte. Ich wollte nie, dass du gehst, doch mir fehlen die Worte, dir zu sagen, wie wich­tig Du bist, wie sehr Du und niemand sonst zu mir gehörst. In einer ande­ren Zeit oder an einem ande­ren Ort würden hier jetzt viel­leicht diese berühm­ten drei Worte stehen. Eigent­lich könn­ten sie auch hier stehen, doch sie würden nicht reichen. Sie würden nie reichen. Sie haben nie gereicht.

Jetzt wäre ein guter Moment um Kett­car zu zitie­ren. Dich zu kennen bringt viele gute Momente, um Kett­car zu zitie­ren. Oft die guten und verzau­bern­den Worte, leider aber auch oft die melan­cho­li­schen und tragi­schen Geschich­ten drum herum.

Ich werd' immer für dich da sein, bist du dabei?

Wenn du nicht bleibst werde ich wahr­schein­lich der Inschrift meines iPods noch weni­ger Rech­nung tragen können. Denn „Don't look back in anger.“ ist ja nicht nur ein wunder­ba­res Lied, sondern eben auch ein eigent­lich gar nicht so schlech­ter Lebens­an­satz. Doch manch­mal kann man sich nicht mehr helfen. Manch­mal wird alles zu viel und dann sieht man zu allem Übel vor sich nichts mehr. Also muss man zurück sehen. Mit mehr oder weni­ger Groll.
Was war und ist, kommt und bleibt, es tut uns nicht leid.

Doch am Ende bleibt das Wissen, dass Du immer in meinem Kopf und noch viel länger in meinem Herzen blei­ben wirst und so schnul­zig und abge­grif­fen diese Phra­sen auch sind, sind sie hier eine dieser weni­gen Wahr­hei­ten, die so oft zu Spra­che kommen soll­ten und denen diese so selten gewährt wird.
 

Nicht mehr verlo­ren gehen

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:06 min

Es gibt Musik, die Stille sucht. Es gibt Stille, die nur dann funk­tio­niert, wenn vorher genau solche Musik da war. Es ist diese Musik, die man Nachts halb drei mit In-Ears auf kaltem Fuss­bo­den liegend hört. Für 30, 40, 50 Minu­ten bewegt man sich nicht. Nicht, weil man erstarrt ist, ob der Kälte, sondern einfach, weil es nicht geht. Gefes­selt von Klän­gen. Dann kommt die Stille. Und dann fühlt man. Irgend­was. Jeder etwas ande­res und niemand würde sich finden der auch nur den Ansatz einer Beschrei­bung dessen, was man dann fühlt, in Worte fassen könnte. Und doch, man fühlt.

Es gibt Dinge, die kann nur Musik mit Menschen machen. Sie zum Fühlen brin­gen, in unde­fi­nier­bare Schwe­be­zu­stände verset­zen, sich selbst nicht mehr wahr­neh­men, weder von innen, noch als abseits lauern­der Beob­ach­ter.

Wenn Du diese Musik gefun­den hast, die das für dich kann, kannst Du nicht mehr wirk­lich verlo­ren gehen in deinem Leben.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=CkFRk­qBAFYk&feature=rela­ted[/youtube]

 

Vertrauen

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:47 min

(via welt­der­traeume)


Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualm­hülle, stolz auf dein perfek­tes Leben. „Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?“, sage ich, während ich den letz­ten Zug der was weiß ich wieviel­ten Ziga­rette nehme.

„Ich kann mich nicht mehr wirk­lich an mein Leben erin­nern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manch­mal, manch­mal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach star­ken Gewit­ter­blit­zen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkels­ten Albträu­men. Wenn ich denn träu­men würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.“

Wort­los, sprach­los, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahre­lan­ger Übung zur Perfek­tion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühl­ten Vier­tel­mil­li­me­ter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotio­nal. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflas­ter ein perfekt wirken­des Kunst­werk geschaf­fen haben. Eines, das viel zu leicht einrei­ßen kann.

„Du soll­test anfan­gen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manch­mal dabei, Gedan­ken andere Abzwei­gun­gen an Kreu­zun­gen wählen zu lassen.“

„Danke. Ich bleibe lieber beim Alko­hol. Damit kann ich wenigs­tens jeder­zeit einen Punkt bestim­men, ab dem ich ein paar Stun­den von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?“

„Ja. Deswe­gen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schen­ken möchte.“
 

Etwas Kopf­kino

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:57 min

Einfach nur hinse­hen. Ihr zuse­hen wie sie redet, gesti­ku­liert, ihre Augen verfol­gen, rotbraune, Geschich­ten erzäh­lende Augen, den ein oder ande­ren Moment an ihrem bezau­bern­den Lächeln hängen­blei­ben, beob­ach­ten, wie sie sich die Haare aus dem Gesicht streift, anfängt einen Zopf daraus zu machen und dann doch wieder den halb gebun­de­nen Zopf aufmacht und das Haar wild nach hinten wirft. Mit einer dennoch fast unsicht­ba­ren Kopf­be­we­gung. Brünett, aber ein rela­tiv helles brünett, schul­ter­lange, glatte Haare, perfekt symme­tri­sches Gesicht, etwas zu dünne Arme für die Größe der Hände, die sie aber mit solcher Leich­tig­keit bewegt, dass es nur posi­tiv auffällt. Dezent im gesam­ten Verhal­ten und doch so viel Glück und Eupho­rie ausstrah­lend.

In einem Wort: Schön.

 

Herz­no­ti­zen

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 03:06 min

…eines Mädchen­her­zes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schla­gen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewe­gen ab und an ein paar der Schmet­ter­linge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durch­zu­las­sen. Ich mag diese Tier­chen doch so sehr.

Über­haupt gehen die Schmet­ter­linge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manch­mal glaube ich, ich bin keine gute Schmet­ter­lings­hü­te­rin.

Heute am See hat mich so ein komi­scher Junge ange­lä­chelt. Er wirkte schüch­tern. Oh, hallo klei­ner Schmet­ter­ling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gese­hen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmet­ter­linge, ich bin doch nur ein klei­nes Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald flie­gen können, oder wenigs­tens schwe­ben. Wir tref­fen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glück­lich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein biss­chen eng gewor­den ist. Viel­leicht kann ich ja noch ein zwei Schmet­ter­ling­chens zum umzie­hen bewe­gen.

Rand­be­mer­kung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompli­ziert für meinen Geschmack.

…eines Jungen­her­zes

Warum macht der Kerl eigent­lich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopf­hö­rer in die Ohren und Welt abschal­ten. Nachts heult er dann wieder Pseu­do­herz­scheiße in seinen Twit­terac­count. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungen­herz gewor­den?

Bei Gele­gen­heit mal was mit dem Bauch trin­ken gehen und ihm gratu­lie­ren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu über­stim­men. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompli­ziert seien, nicht mehr nach­voll­zie­hen, seit­dem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wieder­holt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheu­erte Kopf. Entwe­der nicht da oder falsch konfi­gu­riert. Bei Gele­gen­heit mal eine Ladung Bret­ter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmet­ter­linge mit Gruß vom Bauch vorbei­schi­cken.

Pakt mit dem Bauch geschlos­sen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Gesche­hen teil­ha­ben zu lassen. Statis­tisch gese­hen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmi­schen.

Endlich glück­lich. Hoffent­lich kriegt dieses angeb­lich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

 

Klei­der machen Leute

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 03:32 min

Diese Welt dort drau­ßen ist, auch wenn das nicht so sein sollte, der Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät unter­le­gen. Da wird Mann komisch ange­se­hen, wenn die Hose zu eng ist, oder das Shirt zu viel Schul­ter zeigt und Frau noch viel komi­scher, wenn sie kurze Haare hat oder gar nie in ihrem Leben mit einem Rock gese­hen wird. Warum tun wir uns das an? Also nein, warum tut ihr euch das an?

Ich finde das – an dieser Stelle ist die Wahl des Wortes zu entschul­di­gen – bescheu­ert. Und das ist noch zaghaft formu­liert. Alle Welt redet von Offen­heit und Tole­ranz und Inte­gra­tion und all dem, was da sonst noch aus zuge­hö­ri­ger Schub­lade kommt und keiner macht es. Natür­lich, hier und da gibt es ein paar Ausnah­men, doch die haben heute genauso damit zu kämp­fen, von der Gesell­schaft akzep­tiert zu werden, wie eh und je.

Lieber Leser,

Du glaubst also, Du bist hete­ro­se­xu­ell und damit deiner Ansicht nach ein Normal­bür­ger dieser Gesell­schaft? Bist Du dir sicher? Mach doch dir zu liebe mal folgen­des klei­nes Expe­ri­ment: Schalte deinen Kopf aus und höre auf deinen Körper, wenn du mit dir sympa­thi­schen Menschen unter­wegs bist. Ich lasse hier ganz bewusst jegli­che Geschlechts­be­stim­mung weg. Mit etwas Geduld und Wille (vor allem Wille) wirst Du verste­hen können, warum.

Männer die Frau­en­kla­mot­ten oder zumin­dest Klei­dungs­stücke, die ausse­hen, wie Frau­en­kla­mot­ten, tragen, werden schief ange­se­hen. Fast so schief, wie Menschen, die auf offe­ner Straße einen Apfel essen, wie kann man nur, ist ja gesund, aber das tut hier nichts zur Sache. Frauen dage­gen, die Männer­kla­mot­ten tragen, werden höchs­tens als Karrie­re­frauen beti­telt. Nun ist Karrie­re­frau alles andere als ein nettes Beiwort, im Grunde ist das genau einer dieser Punkte, der zwischen realer Gleich­stel­lung in der Gesell­schaft und dem aktu­el­len Zustand liegt, doch es ist immer­hin schon eine gewisse Form von Akzep­tanz. Als Mann kann man dage­gen sicher sein, dass man von jedem zwei­ten Mensch, der einem auf der Straße begeg­net, als schwul wahr­ge­nom­men wird. Nicht aufzu­hö­ren ist im Grunde die einzige Möglich­keit. Sich bewusst dafür zu entschei­den Dinge zu tun, die das Umfeld dazu bewe­gen zu reden. Denn wenn sie reden, fangen sie an ein biss­chen nach­zu­den­ken. Viel­leicht nicht gleich in die rich­tige Rich­tung von Tole­ranz und Akzep­tanz, aber sie werden damit konfron­tiert und müssen sich, weil sie zu arro­gant sind uns einfach zu igno­rie­ren, damit ausein­an­der­set­zen. Und das ist doch schon mal etwas.

Aus diesem Grund mag ich zum Beispiel das Mode­la­bel Week­day. Wenn man zu Week­day geht und die Verkäu­fer dort nach etwas fragt, dann ist das letzte wonach sie schauen in der Regel, ob das Klei­dungs­stück jetzt gerade aus dem Jungs- oder dem Mädels­teil kommt. Da geht es einzig und allein um wohl­füh­len. Sollte es so nicht auch außer­halb der Laden­gren­zen sein?

Weiter­le­sen?!

 

One Day

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:39 min

Seit­dem ich mobile Musik­wie­der­ga­be­ge­räte besitze, sind quasi unun­ter­bro­chen zwei Musik­ti­tel mit dem Titel „One Day“ auf diesen. Wer hätte gedacht, dass ich irgend­wann an einem Stra­ßen­rand ein Buch mit eben diesem Titel finden würde, welches dann zu allem Über­fluss auch noch inner­halb weni­ger Tage seinen Weg auf die Lieb­lings­bü­cher­liste macht.

Die Rede ist von David Nicholls' One Day.

'Live each day as if it's your last', that was the conven­tio­nal advice,
but really, who had the energy for that? What if it rained or you felt
a bit glandy? It just wasn't prac­ti­cal. Better by far to simply try and
coura­geous and bold and to make a diffe­rence. Not change the world exactly,
but the bit around you. Go out there with your passion and your elec­tric
type­wri­ter and work hard at … some­thing. Change lifes through art maybe.
Cherish your friends, stay true to your prin­cip­les, live passio­na­tely and
fully and well. Expe­ri­ence new things. Love and be loved, if you ever get
the chance.


Es ist eines dieser Bücher über das Leben und doch ist es keines dieser Bücher über das Leben, in denen es ausschließ­lich um Lebens­weis­hei­ten geht. Eine dieser Geschich­ten, die gleich­zei­tig aus dünns­ter Luft gegrif­fen sind und doch so real wie nur irgend möglich wirken.

Wenige Auto­ren schaf­fen es, so zu schrei­ben, dass man unun­ter­bro­chen das Gefühl hat, dabei zu sein. Noch weni­ger schaf­fen es, dies bei einer Geschichte zu tun, die sich über so viele Jahre hinweg zieht. Es ist ein Buch zum mitfüh­len, von der ersten bis zur letz­ten Zeile. Ein Buch zum anschreien und zum bewei­nen, zum lachen und zum schmol­len. In gewis­ser Hinsicht könnte man durch­aus behaup­ten: Es ist perfekt.

Dana sagte einmal zu mir, dass man für die Sachen, die einen am meis­ten beigeis­tern am schwie­rigs­ten Worte findet. Da mir aber so unfass­bar viel daran liegt, dass dieses Buch gele­sen, verschlun­gen und geliebt wird, habe ich es trotz­dem versucht. Hoffent­lich mit Erfolg.
There's some medi­cine on the shelf, on it the words 'may cause drow­si­ness' – the most beau­ti­ful words in the English language. Once it was 'do you have a t-shirt I can borrow?' Now it is 'may cause drow­si­ness'.

One Day
David Nicholls
Hodder & Stou­ton Ltd


(PS: Die Musik­stücke sind von Björk und The Verve.)
 

Wishing Well

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 00:09 min

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=P96xUt9HCTU[/youtube]

You feel like some­thing
Is about to begin
But you don't know what
And you don't know when
 

Die Katze

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:34 min

Warum zur Hölle haben die hier gestreut? Es ist doch mitten im Juni, da streut man doch nicht. Es ist doch mitten im Juni, oder?

(via)


Celia war sicht­lich verwirrt. Wenn sie sich doch nur ein wenig weni­ger gewun­dert hätte, hätte sie merken können, dass es weder ein listi­ger weißer Hase, noch sonst irgend­ein Streichs­pie­ler war, der hier die Straße mit klei­nen, knacken­den und knis­tern­den Stein­chen bedeckt hatte. Auch hätte sie dann merken können, wie unge­wöhn­lich diese Stein­chen waren und wie sehr sie in der Abend­sonne glit­zer­ten.

Doch Celia war noch lange nicht wach. Und das, obwohl es schon kurz nach sieben war. Uhrzeit hatte keine Bedeu­tung für sie, denn Leben konnte sie am Besten dann, wenn sie von nieman­dem gestört wurde. Ob spät­nachts Luft­sch­lös­ser zusam­men träu­mend durch die Stra­ßen wandernd oder früh am Morgen als erste am Eisstand spielte dabei keine Rolle. Haupt­sa­che, sie hatte das Ruder ihres Lebens­boo­tes immer fest im Griff.

„Gott­ver­damm­ter Drecks­mist. Dies­mal werde ich bestimmt gefeu­ert.“

Robert hatte es mal wieder geschafft. Das ganze Tablett voller Würfel­zucker­be­cher für die Tische auf der ande­ren Stra­ßen­seite war ihm in hohem Bogen entglit­ten. Hätte er doch bloß nicht der Katze hinter­her­ge­schaut. Zum Glück lag der Eisla­den in dem er seit ein paar Wochen arbei­tete in einer der vielen Fußgän­ger­zo­nen der Stadt. Sonst wäre das Chaos wohl gar nicht mehr fass­bar gewe­sen.

Während er sich Besen und ande­res Reini­gungs­u­ten­sil noch holte, hatte Celia endlich die Wahr­heit über diese selt­sam glit­zern­den Stein­chen heraus­ge­fun­den. Nun stand sie strah­lend mitten auf dem Weg, tänzelte bald ein wenig und verlor sich in ihrem Wunder­land.

Vertieft darin möglichst schnell und unauf­fäl­lig das Zucker­de­sas­ter zu besei­ti­gen, bemerkte Robert erst sehr spät das kleine, verträumte Mädchen dort mitten in seinem Zucker­stück­chen­feld. Celia sah ihn unver­wandt an. Beinahe glaubte er, sie würde nur durch ihn hindurch­schauen, irgendwo in das schöne Leere, das Tunne­lende, zu dem alle schauen, wenn sie träu­men. „Kaffee?“, fragte Celia, lächelnd auf den Boden zeigend.
 

Ein Schick­sal

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 02:20 min

Irgendwo auf halber Stre­cke zwischen Kopf und Herz schlum­mern sie, die nie geschrie­be­nen Gedan­ken. Sie zermür­ben den Geist, Stück für Stück, und halten nie inne. Sind sogar so dreist und bewe­gen sich gleich­sam fort­wäh­rend knab­bernd in Rich­tung Herz.

Ein Mensch sitzt da, vor einem leeren Blatt Papier. Ein Blei­stift in der Hand. Abge­nagt am einen, abge­wetzt am ande­ren Ende. Der Geruch von Graphit liegt in der Luft, zerknüllte, einzei­lig bekrit­zelte Blät­ter auf dem Boden.

Auf den Boden!

Das könnte die Lösung sein, auf den Boden der Tatsa­chen sich zu bege­ben. Doch wo war dieser, wie tief musste er wohl noch fallen und würden die klei­nen Gedan­ken­tier­chen ihn noch so lange in einer stabi­len Form belas­sen? Nicht denken, schrei­ben. Das ist die Devise. Doch was?

Man könnte die ganze Situa­tion auch etwas brei­ter aufspan­nen und sich fragen, wie es denn zu dieser prekä­ren Lage gekom­men ist. Nun, wissen Sie, das ging recht schnell, man fing den einen oder ande­ren Text zu schrei­ben an, verfolgte zwei, drei kurze lyri­sche Anwand­lun­gen und ehe man sich's versah, erschrak man vor der Auss­trah­lungs­kraft seiner Worte und schluckte den nächs­ten Gedan­ken lieber erst einmal herun­ter. Den noch gesun­den Leidens­ge­nos­sen sei hier gesagt: Gedan­ken zu schlu­cken ist nicht zu empfeh­len. Sie sind selten flüs­sig und erst recht nicht verdau­bar. Statt­des­sen haben sie die Eigen­heit, sich ganz und gar unan­stän­dig zu beneh­men, zurück in dem Körper, in dem sie entstan­den. Setzen Flau­sen in den Kopf und Flusen über­all sonst, verwir­ren wo es nur geht und fangen an allem an zu Knab­bern.

Was macht man nun, wenn das Herz ange­knab­bert wird, von solch unein­sich­ti­gen Gedan­ken? Ich würde das auch gerne wissen. Über das Nicht­schrei­ben zu schrei­ben ist zwar erstaun­lich produk­tiv, aber dennoch kommen dabei immer diese Art Texte heraus, welche ein Eigen­le­ben der ganz beson­de­ren Art entwi­ckeln: Sie setzen noch mehr knab­bernde Gedan­ken­tier­chen in den Kopf.