meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Über Frei­heit

  • 6 years ago veröffentlicht
  • Erwartete Lesezeit: 01:46 min

Ich möchte frei sein.
Dieser kurze Satz würde an und für sich reichen, um im groben die halbe Mensch­heits­ge­schichte zusam­men­zu­fas­sen.

Ich möchte frei sein.
In meinem Latein­un­ter­richt lernte ich das wunder­schöne Verb vacare kennen. Frei sein von etwas. Doch von was? Vom unmit­tel­ba­ren, persön­li­chen Umfeld, von Sorgen jegli­cher Art oder vom Glau­ben an das Gute im Menschen?

Ich möchte frei sein.
Gut und rich­tig frei. Man kann ja auch falsch frei sein. Das nennt man dann meist große Errun­gen­schaft der Mensch­heit und das hat meist sehr viel mit Ansich­ten älte­rer Herren zu tun. Leider.

Stop. Zurück­spu­len. Bis zum Anschlag des Band­an­lauf­stückes. Klack. Erneute Wieder­gabe.

Ich möchte frei sein.
Diese vier Worte könn­ten mein Leben mehr als zwei Mal um 180 Grad drehen, wenn die Mensch­heit nicht so unfass­bar intel­li­gent gewe­sen wäre, den Konjunk­tiv zu erfin­den.

Ich möchte frei sein.
Frei­heit. Eines der großen Ideale, sowohl in der Kunst als auch in Poli­tik und Gesell­schaft. Und doch auch: Frei­heit, reine Einbil­dung?

Ich möchte frei sein.
Doch bin ich weni­ger frei, wenn ich nicht auch manch­mal nicht frei sein will?

Ich möchte frei sein, gut und rich­tig frei, verant­wor­tungs­voll, wissend, was Frei­heit bedeu­tet, stän­dig in dem Bewusst­sein, dass es kein zurück mehr gibt, wenn der Kampf für Frei­heit einmal begon­nen hat. Denn ein Kampf ist es, immer.

Frei sein wollen ist bestimmt nobel, aber eigent­lich, eigent­lich möchte ich nur leben.

Doch, wie lebt man?