meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Okay

Stille. Irgend­je­mand schreibt ein paar Zeilen auf ein Blatt Papier, faltet dieses, legt es in einen Umschlag und steht auf. Wenige Meter entfernt steht ein Brief­kas­ten. Gera­dezu angst­ein­flö­ßend grell leuch­tet seine Signal­farbe in die grau-graue Umwelt. Klappe auf. Ein kurzes Flip­pen der Hand. Klappe zu.

Trubel. Menschen­mas­sen strö­men durch die Stra­ßen. Es ist Tag. Irgendwo ist etwas passiert. Alles eilt. Doch an einer Haus­wand steht jemand und öffnet einen Brief­um­schlag. Das Papier wird nass, ein flüch­ti­ger Blick an den fast zu blauen Himmel verrät den Grund.

Frei­zei­chen.
„Hallo?“
„Hallo. Es ist okay.“
Gesprächsab­bruch.

Stille.

 

Sitzen vier Polen im Auto

Als ich Anfang des Jahres mitbe­kam, dass Alex­an­dra Tobors erstes Buch „Sitzen 4 Polen im Auto“ bald erschei­nen würde, hibbel­hüpfte ich erst einmal ein wenig durch die Wohnung. Es ist viel Zeit vergan­gen, seit ich Tiffy zum ersten Mal aus ihren Entwür­fen lauschen durfte und unter ande­rem von den Schwie­rig­kei­ten erfuhr, die durch ein Paar Eich­hörn­chen­schuhe in deut­schen Schu­len auftre­ten können.

Nichts­de­sto­trotz fällt es mir nicht leicht, Worte zu finden, dieses Buch zu empfeh­len. Nicht, weil ich es nicht empfeh­len möchte, sondern zum Einen, weil das schon andern­orts besser getan wurde, als ich es könnte und zum Ande­ren, weil mir dieses Buch persön­lich sehr viel bedeu­tet. Es wäre also nicht fair, würde ich dieses Buch hier umfang­reich rezen­sie­ren, da diese Kritik gefahr­lau­fen würde, von Kritik völlig frei zu sein.

Nun möchte ich aber dennoch nicht ganz ohne ein paar Bemer­kun­gen über dieses Buch verblei­ben. Dass ich es sehr mag, dürfte dem geneig­ten Leser dieses Text­chens hier schon bewusst gewor­den sein. Vor allem aber, und dies nicht um den Inhalt in den Schat­ten stel­len zu wollen, sondern, um dessen Wich­tig­keit zu unter­strei­chen, möchte ich den meiner Ansicht nach wich­tigs­ten Satz aus dem Nach­wort des Romans wieder­ge­ben: „Fiktion bringt uns die Wirk­lich­keit näher, als die objek­tive Wahr­heit der Fakten es vermag.“ Alex­an­dra Tobor hat in diesem Satz sehr schön die Faszi­na­tion einge­fan­gen, die uns immer wieder dazu treibt, uns in fiktive Gedan­ken­wel­ten zu flüch­ten. Denn, es ist eine sicher auch zu Olas Schul­zei­ten vermit­telte deut­sche Binsen­weis­heit: Die Gedan­ken sind frei.

Abschlie­ßend bleibt mir noch, dem nun hoffent­lich nach der Geschichte von Lux! und Eich­hörn­chen­schu­hen gieren­den Leser den Hinweis an die Hand zu geben, dass die durch das Lesen dieses Buches indu­zier­ten Lach­an­fälle durch­aus einem größe­ren Umfeld (lies „Bitte im öffent­li­chen Nahver­kehr lesen“) gut tun können. Zugleich bleibt aber zu beden­ken, dass der wach­same Leser sich ab und an von einem weinen­den Auge befal­len finden wird. Denn – weiter oben steht es bereits – dieses Buch bringt uns der Wahr­heit ein Stück näher.

Um die Sache kurz zu fassen: Es ist toll, lest es bald! Und wer sich noch immer nicht sicher ist, begebe sich auf der Stelle zum Einhorn, da kann man nämlich rein­hö­ren. Mit ganz viel Öpve.


Sitzen vier Polen im Auto

Alex­an­dra Tobor