meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Worte. Wort­grup­pen. Sätze. Satz­grup­pen.

  • 4 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:11 min

Vor mir liegt eine Zettel­wirt­schaft voller Worte. Wort­grup­pen, Sätze, Satz­grup­pen. Nichts wirk­lich zusam­men­hän­gen­des und doch alles auf die glei­chen Fragen hinaus­lau­fend. Bin ich der, der ich sein sollte? Bist du die, die du sein soll­test? Sind wir die, die wir sein soll­ten? Und über­haupt, was ist „Wir“, „Du“, „Ich“?
Du sagst nichts. Du kennst jedes dieser Worte. Hast bei vielen die Bewe­gung von Hand und Feder mit deinen großen bestän­dig wundern­den Augen aufmerk­sam mitver­folgt. Du kennst mich, sagest du. Du verstehst mich – ich spüre es. Und doch weißt du keine Antwor­ten, keine Reak­tion entspringt deinem sonst so famo­sen Gedan­ken­reich, die ange­mes­sen wäre. Nichts, was helfen würde, das alles zu sortie­ren. Ich möchte „Es kann wohl doch nach hinten losge­hen, einfach anzu­fan­gen zu schrei­ben“ sagen, kann aber nicht. Weil ich weiß, dass das nicht stimmt. Weil ich weiß, dass nicht das Nieder­ge­schrie­bene das Problem ist. Genauso gut, wie dir dies auch mehr als bewusst ist.

 

Die Frage nach dem nächs­ten Gespräch

Immer, wenn ich mich mit Menschen unter­halte, denke ich darüber nach, worüber wir wohl reden werden, wenn wir uns das nächste Mal begeg­nen. Dieser Denk­pro­zess wird mitun­ter so nerven­fres­send, dass er mich daran hindert, das aktu­elle Gespräch fort­zu­füh­ren. Meist enden diese fata­len Gedan­ken­spiele mit der Frage danach, wo man wohl wäre, hätte man nicht über das nächste Gespräch nach­ge­dacht.

 

Ben

Das Klin­geln des Tele­fons in der Ferne rief Ben seine Umwelt wieder in den Kopf. Er war mal wieder entschwun­den gewe­sen in seinen gelieb­ten Tagträu­men. Denen, wo er bei Sophie war, anstatt in diesem Büro malo­chen zu müssen. Wenn der Auftrag doch nur endlich erle­digt wäre. Dann könn­ten sie jetzt an den Strand gehen und, wie so oft schon, bis spät in die Nacht hinein dort liegen und der Natur lauschen. Sophie würde ihm viel­leicht aus einem Buch vorle­sen, oder sie würden sich Geschich­ten von den Wesen bei den Ster­nen erzäh­len.
Die Botschaft der Augen­ringe miss­ach­tend rieb Ben sich notdürf­tig wach und beschloss, vor dem weiter arbei­ten noch einen Kaffee zu holen, während er das Bild von Sophie aus seinem Notiz­buch nahm und als Moti­va­ti­ons­zau­ber an die Schreib­tisch­lampe lehnte.

 

Alltags­mist­kram

  • 4 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 00:43 min

Das eigent­li­che Problem am Tele­fo­nie­ren ist nicht der dadurch erzwun­gene Kontakt zu Menschen, sondern die bedingte Kommu­ni­ka­ti­ons­red­un­danz. Wenn man zum Beispiel bei einem Friseur anruft, liegt die Wahr­schein­lich­keit, dass man einen Termin zum Haare waschen/schnei­den/legen haben möchte ziem­lich nah an 100%. Trotz­dem ist es nach sozia­len Verhal­tens­kon­ven­tio­nen notwen­dig, „Hallo, ich hätte gerne einen Friseur­ter­min“ zu sagen. Dieses Dilemma wirft ohne Zwei­fel und nicht ganz unbe­grün­det die Frage auf, wie oft denn jemand beim Friseur nach einem Zahn­arzt­ter­min fragt.