meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Vom Smart­phone in der Gast­stätte

Schon als Anton klein war, war er immer gerne unter­wegs. Als Smart­phone wusste er immer den Weg, hatte auf alle Fragen eine Antwort und fand für seinen Halter immer einen Ort für ein gutes Glas Bier.

Einmal wurde Anton auf eine Fami­li­en­feier mitge­nom­men. Er freute sich schon, denn in seinem Spei­cher waren viele Fotos und Videos von der ganzen großen Fami­lie. Auch freute er sich, seine Smart­pho­ne­freunde wieder zu sehen. Sie spra­chen zwar oft ein paar Worte, wenn sich ihre Halter Kurz­nach­rich­ten austausch­ten, aber es ist eben was ande­res, wenn man im selben WLAN funkt.

Der Abend kam und die Restau­ra­tion war gut gefüllt. Geschich­ten wurden erzählt, Erin­ne­run­gen kamen auf. „Da habe ich ein Video von,“ rief Antons Halter. Und Anton freute sich wie ein Schnee­kö­nig auf seinen großen Einsatz. Mit der vollen Kraft seiner Lunge gab er dem Video der Kinder im Tier­park seine Stimme. Stolz wie Oskar spielte er allen die woll­ten – und allen ande­ren – dieses Kleinod vor.

Als das Spek­ta­kel vorbei war wurde Anton von ein paar Smart­pho­nes ange­funkt, die er noch nicht kannte. Sie sagten ihm, sie lägen auf dem Tisch gegen­über. Sie sagten, ihre Halter und sie fänden Videos ja auch schön, nur wäre das kein Kino und man wolle sich auch noch unter­hal­ten können. Anton entschul­digte sich bei den Anfun­kern und weigerte sich fortan, Videos lauter abzu­spie­len als nötig um es die eigent­li­chen Zuschauer hören zu lassen.

 

You know it’s time

Wenn ich auf alles, was war, zurück schaue, gibt es ein paar Dinge, die ich gerne gerade rücken würde. Das Poster an der Wand über deinem Bett zum Beispiel. Ebenso die Photos über meinem. Doch das sind die unwich­ti­gen Dinge.

Manch­mal weiß ich nicht, ob alles gut war, weil nie etwas passierte, oder ob nie etwas passierte, weil wir Angst hatten, dass danach nicht mehr alles gut sein könnte. Also das ich-wir. Nicht das du-wir. Denn du warst immer stark. Du hast mich länger über dir gehal­ten als Maler von ihren Leitern getra­gen werden. Und doch sind alle Bilder, die ich dir malen wollte im Kopf geblie­ben. Das bereue ich.

Jetzt ist alles anders. Aber du bist noch da. Bitte bleib. Und lass uns unsere vielen Pläne nicht verges­sen. Lass uns einen letz­ten Plan machen: Leben. Mitein­an­der. Neben­ein­an­der. Mal näher. Mal ferner. Aber immer mit allen Plänen und zu Sprün­gen ins Unge­wisse bereit.

You know it’s time
We grow old and do some shit

  • Broken Social Scene – Lover’s Spit
 

Book Hango­ver

 

Herb­st­re­gen

Herbst war schon immer – zumin­dest seit ich mich erin­nern kann – meine Lieb­lings­jah­res­zeit. Im Grunde sind ja alle Tage zu jeder Jahres­zeit verzau­bernd, wenn man nur zur rich­ti­gen Zeit mit den rich­ti­gen Leuten am rich­ti­gen Ort ist. Herbste brau­chen diesen ganzen Aufwand nicht. Im Herbst versucht die Natur alljähr­lich wieder, anders zu sein. Sich eine Maske aufzu­set­zen. Nicht zuletzt beginnt ja auch die fünfte Jahres­zeit mitten in diesem Stim­mungs­ge­wit­ter.

Es gibt meist viel Regen. Regen, der reinigt, Regen, der anders als Sommer­re­gen und erst recht anders als Früh­lings­re­gen riecht. Regen, der nass und kalt und ein biss­chen dreckig ist. Regen, der Pfüt­zen zu Aben­teu­ern macht. So, wie jeden Herbst die selbe Art Regen wieder kommt, kommen mit eben diesem auch unwei­ger­lich Erin­ne­run­gen. Sätze zum Beispiel, die diese Herbst­ma­gie greif­bar machen.

That night I wrote into my jour­nal: ‘Trees are shizo­phre­nic now and begin­ning to lose control, enra­ged with the shock of their fiery new colors. Someone — was it van Gogh? — said that orange is the color of insa­nity. Beauty is terror. We want to be devou­red by it, to hide oursel­ves in that fire which refi­nes us.’

(Donna Tartt, The Secret History)

 

Die rich­tige Musik

  • 2 years ago veröffentlicht
  • Ein Kommentar
  • Erwartete Lesezeit: 00:25 min

„Don’t look back in anger“ hat mal eine sehr tolle Band gesun­gen. Und Recht haben sie. Über­haupt fehlt diesem Wetter, dieser Jahres­zeit und vor allem diesem Leben fast immer die rich­tige Musik.

Das hier ist sicher nicht für jeden und vor allem nicht für jeden Moment die rich­tige Musik. Aber in diesem Moment gehört sie genau hier her.

PS: 45 Minu­ten auf dem Boden liegen soll helfen.