Archive for the 'Fiction' Category

Im Moment

Dec 27 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Einen Schritt zu weit gehen und dann einfach fallen lassen und nicht zum Rand der Klippe zurück blicken, dich noch sehen, in Gedanken, oben stehend, in Panik herab in die Tiefe schauend. Zögernd. Würdest du hinterher springen, wenn ich deine große Liebe wäre?

Es gibt Fragen, die sollte man sich nicht stellen. Erst recht nicht mitten in der Nacht in einem zu leeren Zimmer in einer zu leeren Wohnung in einer zu wachen Straße in einer just in diesem Moment zu lauten Stadt. Dass es nie ruhig ist und im Grunde auch keine Felsklippen gibt, von denen man springen könnte, ist ein entscheidender Vorteil guter Städte. Ruhe ist sowieso oft sehr gefährlich. Wenn es zu ruhig ist, kommt man viel zu schnell auf die absolut törichte Idee, über das eigene Leben nachzudenken. Dann wendet man alle möglichen nie geschriebenen und noch viel mehr ungesagte Worte und Sätze in Herz und Kopf umher, in der schnell schwindenden Hoffnung, das alles könnte doch noch irgendwie reparabel sein. Aber es ist nicht reparabel. Nicht nur nicht diesmal. Nie.

Wenn die Vergangenheit veränderbar wäre wäre die Zukunft nicht lebbar. Ja, sogar die Gegenwart wäre beständig nur ein Schatten ihrer selbst, ununterbrochen im Wandel durch die in unseren Augen unbedingterweise nie perfekte Vergangenheit. Warum es nie perfekt sein kann? Man könnte jetzt hochwissenschaftlich werden und Gödel anführen oder den Energieerhaltungssatz. Oder schlicht und einfach anmerken, dass Perfektion in Momenten lebt, in diesen jedoch unsterblich ist.

Ich brauche nicht zurücksehen. Du bist hinterher gesprungen. Für den perfekten Moment.

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Schokoweihnachtsmänner

Dec 25 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

“Ich will aber jetzt einen Schokoweihnachtsmann essen! Ich will ich will ich will!”
“Aber die Weihnachtsmänner sind alle Schatzi, du hast sie mal wieder alle schon gegessen.”
“Dann will ich ein Rentier.”
“Aber…”
“Ich will ich will ich will”
“Aber…”
“Wa-wa-wa-warum haben Schokoweihnachtsmänner keine Rentiere?”
“Weil du sonst fett wirst.”

Ich dachte, das wäre es gewesen. Natürlich, beleidigend, aber wen kümmert das schon. Diskussionen über Schokolade werden früher oder später immer beleidigend. Weil einfach nie genug da ist. Wie mit den Schokoweihnachtsmännern. Nie reichen sie. Natürlich, bis kurz vor Ostern oder so ist meist noch einer übrig, aber irgendwann sind sie eben alle. Und was dann? Man kann doch nicht ohne Schokoweihnachtsmänner leben! Wenigstens davon sollte es immer genug geben, wenn sich schon der echte nie irgendwo zu erkennen gibt!

Was wäre, wenn sie nicht allein wären? Also die Schokoweihnachtsmänner. Wenn sie immer im Schlitten kämen, mit Dasher und Dancer und Prancer und Vixen, Comet und Cupid und Donder und Blitzen. Was wäre, wenn es Schokorentiere gäbe?
Weihnachtswunderland für immer wäre das. Und ganz nebenbei eine Marktlücke deren bisherige Nichtentdeckung mich gerade zu erschüttert. Für mehr Schokorentiere!

Was allerdings bleibt, wenn man die Weihnachtszauberei im Magen hat, ist die bohrende Frage, warum nicht zur Abwechslung mal die Schokowesen fett werden, anstatt einem selbst. Es ist ja nicht so, dass ich nicht darauf eingestellt wäre, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und so. Aber eigentlich geht es doch genau darum. Den Schaden hat doch die Schokolade. Die macht uns doch fett. Warum macht sie das nicht mit sich selber und lässt uns in Ruhe (und Mengen) genießen? Ziemlich gemein, das.

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Eine halbe Sekunde – Teil 2

Oct 03 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Lene war bereits mit einer Hand dabei eine Tasche zu packen, als sie am anderen Ende der Leitung dumpfe Schritte hörte.

“Anton? Anton bist du das?”
“Lene? Ja. Ich…Tim…”
“Anton wo bist du?”
“Tim, er…”
“Sag mir einfach wo du bist Anton, ja? Ich sitze schon fast im Auto.”

Lene hatte schon beim ersten Klingeln des Telefons ein ungutes Gefühl im Bauch gehabt. Sie notierte sich die Adresse, die Anton ihr nannte auf dem Block neben dem Telefon, riss das erste Blatt ab und steckte es sich in die Hosentasche.

“Lene?”
“Ja?”
“Danke.”
“Noch bin ich nicht da. Bleib wo du bist, okay?”

Seine Antwort hörte sie schon nicht mehr. Während sie fuhr blickte sie immer wieder nervös auf die kleine digitale Uhr am Armaturenbrett. Lene hoffte nur, dass Anton keine Dummheiten machen würde. Seit Minuten drückte sie das Gaspedal unbewusst durch.

Anton ging zurück in das Zimmer, strich mit einer Hand über die Reisetasche. Der Gedanke daran, dass Lene bald hier sein würde ließ ihn einmal tief durchatmen. Er zog den Reißverschluss zu, griff nach der Tasche und machte sich auf den Weg zur Rezeption.
Als die Tür aufging musste er nicht einmal aufblicken, um festzustellen, dass es Lene war, die da herein kam. Er stand auf und ihre Blicke trafen sich. Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, streckte den Arm nach der Tasche aus und griff mit ihrer freien Hand nach der seinen.
“Lass uns was essen gehen. Und dann solltest du nach Hause fahren. Wir sollten nach Hause fahren.”
Der Griff um Lenes Hand wurde fester.

Schweigend saßen sie sich gegenüber. Anton stocherte in seinem Rührei herum, während Lene ihn mit ihren ruhigen Augen betrachtete. Das konnte sie schon immer gut. Sie versprühte diese wunderbare Ruhe, sobald sie einen Raum betrat. Anton öffnete das kleine Seitenfach der Tasche, zog das Tagebuch seines Bruders heraus und schob es vorsichtig über die Tischplatte. Keiner sagte ein Wort. Eine junge Frau trat an ihren Tisch und fragte höflich, ob sie noch Kaffee nachschenken dürfe. Anton nickte fast unmerklich und Lene lächelte freundlich.

“Ich musste weg. Es ging nicht anders. Dabei wusste ich noch nicht einmal wohin ich denn gehen sollte. Weg. Ich musste weg wie er auch einfach ging.”
“Ich weiß.”

Anton wusste, dass Lene mit ihm fahren würde, er musste nur etwas sagen. Ihm war bewusst, dass er nicht ewig vor seiner Vergangenheit davonlaufen konnte, es war nur so viel einfacher sich nicht umzudrehen. Für den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken die Kamera auszupacken und Lene zu fotografieren. Lene. Er musste ihr nicht erklären was passiert war, sie verstand auch ohne Worte. So war Tim auch gewesen.

Anton stand auf. Er konnte nicht mehr ändern was passiert war, aber er musste versuchen zu verhindern, dass weitere falsche Entscheidungen getroffen wurden. Lene sah ihn an, nickte, legte Geld auf den Tisch und folgte ihm zum Auto.

Klick. Lene löste ihren Blick von der Straße und sah Anton an. Klick. Sie musste lächlen. Klick.

(Den ersten Teil gibt es beim farbenmädchen.)

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Die Straßenlaterne

Aug 25 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Die Straßenlaterne wollte in ihrem langweilig vor sich hinglimmenden Leben endlich mal etwas erleben und positionierte den Briefkasten derart um, dass er fast einem Taxi zum Verhängnis wurde.

In Wahrheit war die Geschichte jedoch ganz anders, doch der zufällig vor Ort gewesene Hund würde sich hüten, irgendjemandem die Wahrheit zu erzählen. Zumal er seine Stimme schonen musste, übermorgen stand schließlich der alljährliche Bellwettbewerb an.

In Wahrheit also, und dass weiß ich nur, weil mir eben dieser Hund sehr großes Vertrauen schenkt und wir seit Jahren eine umfangreiche Briefkorrespondenz führen – nun, ich schweife ab. In Wahrheit also, war es der Taxifahrer.

Das scheint etwas unglaubwürdig werden Sie sagen. Nun, da haben Sie durchaus recht. Aber Sie müssen schon zugeben, dass ein glimmendes Dasein vielmehr zu einem Taxifahrer, als zu einer stolz ihrer ganzen Umgebung Licht spendenden Straßenlaterne passt. Wie gut, dass wir uns in diesem Punkte einig sind. Der Hund – Manfred von Reinhardshausen heißt er übrigens – schrieb also in seinem Brief ausführlichst – Der Herr in dem braunen Jacket soll sich doch bitte ein paar schönere Hundenamen ausdenken, wenn ihm dieser nicht gefällt – wie auch immer, Manfred schrieb mir also, dass er beweisen können, dass sich diese selbstsüchtige Lampe da etwas zu vorteilhaft ins Licht rücken wollte. Oder den Taxifahrer? Sie sehen, ich bin verwirrt. Ich hoffe, sie sind auch schon lange vom roten Faden abgekommen, falls nicht habe ich die beunruhigende Mitteilung zu überbringen, dass der Hund leider mit seinen Ausführungen nicht fortfahren konnte, da ihm die listige Katze Miranda, deren Domizil sich in einem gemütlichen Eckchen des Briefkastens befindet, sein wunderschönes rotes Erzählungswollkneuel erblickt hatte und nun mit seinem unserem diesem rotem Faden Katzeweißwas anstellte.

Warum Sie gekommen sind? Wer weiß, vielleicht hatten sie gehofft, dieser drollige Hund neben mir könne tatsächlich solch irrwitzige Geschichten erzählen.

Es war übrigens der Briefkasten, er hatte ein paar traurige Liebesbriefe zu viel abbekommen und wollte seinem Dasein ein Ende setzen.

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Wünsche

Jul 11 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Irgendwann schrieb ich einmal, man sollte immer ein paar vollkommen aus der Luft gegriffene Wünsche parat haben. Weil es genau darum geht im Leben: Wünsche zu haben. Wer keine Wünsche mehr hat, hat auch keine schönen Träume mehr, also bleiben nur noch die schlechten, zermalmenden übrig und ehe man sich versieht läuft man Orpheus hinterher. Auf dem Hinweg.
Doch was sind das für Wünsche, die man so haben kann, die diesem doch recht anspruchsvollen Attribut des vollkommen aus der Luft gegriffen seins gerecht werden? Manchmal reicht da schon ein einfaches “Wie schön das wäre, wenn Du jetzt hier wärst.”
(Ja, Du.)

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Liebe fragt nicht, Liebe ist.

Jun 20 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Liebe Menschen, den folgenden Text hat die wunderbare Mimi verfasst. Danke dafür! (Und  nun genießt es!)

Es ist lange her, das erste Mal.

Das erste Mal, dass sie große Augen bei seinem Anblick bekam, das erste Mal, dass sie durch die Tür trat und sich höflich nach dem erkundigte, was ihr kleines Herz zum Hüpfen brachte: Eis.

Es scheint, als wäre es erst gestern gewesen, als ihr das nette Fräulein mit dem tanzenden Pferdeschwanz eine Kugel auf eine kleine Waffel steckte und sie ihr bezaubernd lächelnd in die kleinen Patschehändchen drückte. Sie bedankte sich stets, obwohl das Funkeln in ihren Augen der Verkäuferin schon genug gewesen wäre.

Links neben der Tür stand das kleine Holzbänkchen mit Blick auf den Dorfbrunnen. Direkt daneben der Mülleimer und der bunte Sonnenschirm, der sich leicht zu drehen begann, wenn es windig war.

Einmal kam sie mit zwei Buben aus dem Dorf in den kleinen Laden. Der eine hatte einen Fußball unter den Arm geklemmt, der andere legte stolz das Geld auf die Ablage und verkündete, er würde sie alle einladen. Es war das erste und letzte Mal, dass sie beide Hände vorsichtig, ja fast schon schüchtern, um die Waffel legte und den Kopf leicht senkte. Sie schenkte der Verkäuferin auch nicht das glückliche Lächeln wie sonst.

Schon am nächsten Tag strahlte sie dafür umso mehr.

~

Sie streicht mit der Hand über das alte Bänkchen, dem sein Alter deutlich anzusehen ist. Die Verkäuferin trägt inzwischen eine modische Kurzhaarfrisur, aber das Lächeln beherrscht sie besser wie eh und je. Sie betritt den Laden, lauscht der Türklingel, die ihr so vertraut ist wie keine andere, lächelt und bekommt das kleine spitze Ding in die Hand gedrückt, dass sie als große Liebe bezeichnet und anderen oft nur Kopfschütteln beschert. Eis.

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Vertrauen

May 23 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

(via weltdertraeume)

Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualmhülle, stolz auf dein perfektes Leben. “Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?”, sage ich, während ich den letzten Zug der was weiß ich wievielten Zigarette nehme.

“Ich kann mich nicht mehr wirklich an mein Leben erinnern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manchmal, manchmal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach starken Gewitterblitzen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkelsten Albträumen. Wenn ich denn träumen würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.”

Wortlos, sprachlos, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahrelanger Übung zur Perfektion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühlten Viertelmillimeter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotional. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflaster ein perfekt wirkendes Kunstwerk geschaffen haben. Eines, das viel zu leicht einreißen kann.

“Du solltest anfangen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manchmal dabei, Gedanken andere Abzweigungen an Kreuzungen wählen zu lassen.”

“Danke. Ich bleibe lieber beim Alkohol. Damit kann ich wenigstens jederzeit einen Punkt bestimmen, ab dem ich ein paar Stunden von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?”

“Ja. Deswegen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schenken möchte.”

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Herznotizen

May 15 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

…eines Mädchenherzes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schlagen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewegen ab und an ein paar der Schmetterlinge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durchzulassen. Ich mag diese Tierchen doch so sehr.

Überhaupt gehen die Schmetterlinge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manchmal glaube ich, ich bin keine gute Schmetterlingshüterin.

Heute am See hat mich so ein komischer Junge angelächelt. Er wirkte schüchtern. Oh, hallo kleiner Schmetterling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gesehen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmetterlinge, ich bin doch nur ein kleines Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald fliegen können, oder wenigstens schweben. Wir treffen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glücklich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein bisschen eng geworden ist. Vielleicht kann ich ja noch ein zwei Schmetterlingchens zum umziehen bewegen.

Randbemerkung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompliziert für meinen Geschmack.

…eines Jungenherzes

Warum macht der Kerl eigentlich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopfhörer in die Ohren und Welt abschalten. Nachts heult er dann wieder Pseudoherzscheiße in seinen Twitteraccount. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungenherz geworden?

Bei Gelegenheit mal was mit dem Bauch trinken gehen und ihm gratulieren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu überstimmen. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompliziert seien, nicht mehr nachvollziehen, seitdem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wiederholt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheuerte Kopf. Entweder nicht da oder falsch konfiguriert. Bei Gelegenheit mal eine Ladung Bretter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmetterlinge mit Gruß vom Bauch vorbeischicken.

Pakt mit dem Bauch geschlossen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Geschehen teilhaben zu lassen. Statistisch gesehen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmischen.

Endlich glücklich. Hoffentlich kriegt dieses angeblich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

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Die Katze

Apr 11 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Warum zur Hölle haben die hier gestreut? Es ist doch mitten im Juni, da streut man doch nicht. Es ist doch mitten im Juni, oder?

(via)

Celia war sichtlich verwirrt. Wenn sie sich doch nur ein wenig weniger gewundert hätte, hätte sie merken können, dass es weder ein listiger weißer Hase, noch sonst irgendein Streichspieler war, der hier die Straße mit kleinen, knackenden und knisternden Steinchen bedeckt hatte. Auch hätte sie dann merken können, wie ungewöhnlich diese Steinchen waren und wie sehr sie in der Abendsonne glitzerten.

Doch Celia war noch lange nicht wach. Und das, obwohl es schon kurz nach sieben war. Uhrzeit hatte keine Bedeutung für sie, denn Leben konnte sie am Besten dann, wenn sie von niemandem gestört wurde. Ob spätnachts Luftschlösser zusammen träumend durch die Straßen wandernd oder früh am Morgen als erste am Eisstand spielte dabei keine Rolle. Hauptsache, sie hatte das Ruder ihres Lebensbootes immer fest im Griff.

“Gottverdammter Drecksmist. Diesmal werde ich bestimmt gefeuert.”

Robert hatte es mal wieder geschafft. Das ganze Tablett voller Würfelzuckerbecher für die Tische auf der anderen Straßenseite war ihm in hohem Bogen entglitten. Hätte er doch bloß nicht der Katze hinterhergeschaut. Zum Glück lag der Eisladen in dem er seit ein paar Wochen arbeitete in einer der vielen Fußgängerzonen der Stadt. Sonst wäre das Chaos wohl gar nicht mehr fassbar gewesen.

Während er sich Besen und anderes Reinigungsutensil noch holte, hatte Celia endlich die Wahrheit über diese seltsam glitzernden Steinchen herausgefunden. Nun stand sie strahlend mitten auf dem Weg, tänzelte bald ein wenig und verlor sich in ihrem Wunderland.

Vertieft darin möglichst schnell und unauffällig das Zuckerdesaster zu beseitigen, bemerkte Robert erst sehr spät das kleine, verträumte Mädchen dort mitten in seinem Zuckerstückchenfeld. Celia sah ihn unverwandt an. Beinahe glaubte er, sie würde nur durch ihn hindurchschauen, irgendwo in das schöne Leere, das Tunnelende, zu dem alle schauen, wenn sie träumen. “Kaffee?”, fragte Celia, lächelnd auf den Boden zeigend.

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Am Rand

Mar 17 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Ich weiß, dass es nicht einfach wird. Wahrscheinlich wird es viel zu oft Missverständnisse geben und Streits. Solche von der “ach komm, das war blöd”-Sorte. Trotzdem möchte ich, dass es funktioniert.

Du lebst immer alles so leicht vor dich hin, stellst viel zu viele Fragen mit deinen Augen für die du die Worte nicht findest und hoffst, dass irgendwer kommen wird und dir die Welt erklärt. Da bist du an den falschen geraten. Welt erklären ist langweilig. Du selbst müsstest am Besten wissen, dass Herz erklären das einzig wichtige im Leben ist. Herzen verstehen heißt ein bisschen an der Oberfläche vom großen Ganzen zu kratzen, ein paar Krümel vom Sinn des Lebens aufzuheben und ein klein wenig von dem lernen zu können, was wirklich zählt.

Alles Kitsch. Klar. Du hast vollkommen recht. Das ist alles Kitsch. Doch was wäre denn, wenn kein Kitsch mehr wäre? Am Rande des Wahnsinns würden wir sehr schnell landen, ohne Kitsch. Darum lieber schön flauschig einwickeln und noch mit ein bisschen Glitzer verzieren. Zu viel Kitsch ist nie schädlich. Erst recht nicht, wenn man den Kopf mal Kopf sein lässt.

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