Archive for the 'Fiction' Category

Teetassenumschließen

Apr 02 2012 Published by eFrane under Fiction,Prose

Die Mulde zwischen Leere und Einsamkeit befindet sich in etwa zwei Zentimeter vom Heizungsregler entfernt. Das Lochriffelblech auf der Heizung kommt seiner Hauptbeschäftigung, mir zu demonstrieren, wie schmal die Wege sind, die am Randgebiet wohliger Wärme liegen, entmutigend effektiv nach. Irgendwo im Grenzbereich zum cinematesk überweich gezeichneten Hintergrund blinkt eine Digitaluhr. 0:00. Aus. 0:00. Aus. Die Minuten zählt sie nur vor, behalten muss ich sie selbst. Ich versuche, mich zu sammeln. Meine Nase versucht während der Ewigkeit, mir von dem nebenstehenden Tee zu erzählen. Jetzt höre ich hin. Teetassenumschließen gehört zu den beruhigendsten Tätigkeiten für Hände. Wenn die Tasse leer ist, beschließe ich, rufe ich dich an.

One response so far

Zeit

Feb 27 2012 Published by eFrane under Fiction,Prose

Dann soll es in Ordnung sein. Was dabei in Ordnung ist, spielt keine große Rolle. Hauptsache, man kann sich dekadent in einen Sessel fallen lassen und mit einem Glas Wein in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand “Weißt Du, im Grunde ist alles in Ordnung” sagen. Du würdest etwa einen Meter entfernt sitzen, auf der anderen Seite des Tisches, in einem exakt identischen Sessel, ebenso mit Wein und Zigarette. Deine Zigarette wäre nicht angezündet. Du warst schon immer der Klischeesuchende, geradezu zwanghaft jedes Detail im Leben anordnen wollend, als ob jeder Moment ein Diorama in der Alten Nationalgalerie wäre.

Aber das Leben ist genausowenig eine endlose Kette von aufgehangenen Bildern, wie es kein Kinofilm ist. Ich habe lange gebraucht, um dies zu verstehen. Und doch habe ich es bisher nicht geschafft, dir das begreiflich machen zu können. Du bleibst gefangen in deiner Zeitschleife und ich schaue in Sepiafärbung zurück auf die Tage, an denen wir anfingen in unterschiedlicher Geschwindigkeit zu leben. Korrekter: An denen ich mein Leben beschleunigte und du stehen bliebst. Du hast dein Leben im Hier und Jetzt eingetauscht gegen das Leben der Bücher und Malereien, das Leben der Schweigenden, derer, die sich nicht mehr wehren können gegen Deine Gier alles beurteilen zu müssen, in alles denunzierend zu intepretieren. Es gibt angenehmere Zwangsneurosen.

Es hätte alles ganz anders kommen können. Weißt Du noch? Damals, als wir gerade Siebzehn waren und unter der Eiche auf der anderen Seite des Feldes den alten Mann sahen? Ich habe mich oft gefragt, warum wir unbedingt zu ihm gehen mussten. Sicher, wir waren jung. Wir dachten, wir würden die Welt mit dem Daumen halten können, so wie es Basketballer tun, wenn sie mit ihrer Welt spielen. Keiner von uns hatte jemals auch nur einen Basketball in der Hand gehalten. Wir waren Sport so elegant ausgewichen, wie man Sport nur ausweichen kann, wenn man in einer Großstadt wie dieser aufwächst. Daher wussten wir nicht, wie schwer es ist, den Ball auch nur eine Achtelsekunde auf dem Daumen zu halten. Noch weniger wussten wir davon, wie schnell er sich dreht, wenn er dort bleibt, wo er bleiben soll.

Wir standen. Regungslos. Besinnungslos. Ich habe bis heute nicht ergründen können, was auf den Metern vor der Eiche passierte. Wahrscheinlich werde ich es nie verstehen. Höchstwahrscheinlich ist das auch gut so. Arvijd steht noch heute ungebrochen neben der Eiche, wie ein Fels in der Brandung. Zumindest, wenn ich die Augen schließe. “Die Zeit steht still für den, der geht und rennt vor dem, der steht” hatte er uns mit geradezu gespenstig ruhiger Stimme entgegen als er sah, dass wir ihn bemerkt hatten. Ich konnte mich nicht halten. Ich hatte Angst. Ich lief weg. Du bliebst.

Später hast Du mir einen langen Brief geschrieben. Es war der erste Brief, den Du mir geschrieben hast. Es war der einzige Brief, den du je geschrieben hast. Du hast versucht, mir zu erklären, was Arvijd gesagt hat. Du. Dabei konntest Du das gar nicht. Die Zeit hatte Dich schon verlassen. Einzig die standhaftesten Eigenschaften einer Persönlichkeit werden nicht vom steten Fluss der Zeit mitgerissen. Du warst schon immer derjenige von uns, der den Blick zurück gerichtet hatte. Ich habe dir immer Don’t look back in Anger vorgespielt und bin weggelaufen. Nach vorne. Lieber wollte ich tausendmal von unbekannt Neuem verschreckt werden, als mir länger als zwingend nötig Gedanken über Vergangenes zu machen.

Als Du anfingst, Tagebuch zu schreiben, nahmst Du mich in den Zeilenzwischenräumen gefangen. Erst haben wir beide das nicht gemerkt, doch als es uns auffiel, war es zu spät. So war ich gebunden, für immer, stehen zu bleiben und zugleich weiter zu gehen. In der Zeit zu reisen, wenn auch nur in dem kleinen Raum zwischen deinen Worten, bestimmt mich. Du hast von all dem, was all die Jahre passiert ist, nicht viel mitbekommen. Ich würde gerne wissen, wie du es geschafft hast, die vielen tausend Seiten zu füllen, die sich um deinen Sessel stapeln. Deine Augen könnten Geschichten erzählen. Gibst Du diesen Geschichten eine Heimat?

No responses yet

Im Moment

Dec 27 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Einen Schritt zu weit gehen und dann einfach fallen lassen und nicht zum Rand der Klippe zurück blicken, dich noch sehen, in Gedanken, oben stehend, in Panik herab in die Tiefe schauend. Zögernd. Würdest du hinterher springen, wenn ich deine große Liebe wäre?

Es gibt Fragen, die sollte man sich nicht stellen. Erst recht nicht mitten in der Nacht in einem zu leeren Zimmer in einer zu leeren Wohnung in einer zu wachen Straße in einer just in diesem Moment zu lauten Stadt. Dass es nie ruhig ist und im Grunde auch keine Felsklippen gibt, von denen man springen könnte, ist ein entscheidender Vorteil guter Städte. Ruhe ist sowieso oft sehr gefährlich. Wenn es zu ruhig ist, kommt man viel zu schnell auf die absolut törichte Idee, über das eigene Leben nachzudenken. Dann wendet man alle möglichen nie geschriebenen und noch viel mehr ungesagte Worte und Sätze in Herz und Kopf umher, in der schnell schwindenden Hoffnung, das alles könnte doch noch irgendwie reparabel sein. Aber es ist nicht reparabel. Nicht nur nicht diesmal. Nie.

Wenn die Vergangenheit veränderbar wäre wäre die Zukunft nicht lebbar. Ja, sogar die Gegenwart wäre beständig nur ein Schatten ihrer selbst, ununterbrochen im Wandel durch die in unseren Augen unbedingterweise nie perfekte Vergangenheit. Warum es nie perfekt sein kann? Man könnte jetzt hochwissenschaftlich werden und Gödel anführen oder den Energieerhaltungssatz. Oder schlicht und einfach anmerken, dass Perfektion in Momenten lebt, in diesen jedoch unsterblich ist.

Ich brauche nicht zurücksehen. Du bist hinterher gesprungen. Für den perfekten Moment.

No responses yet

Schokoweihnachtsmänner

Dec 25 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

“Ich will aber jetzt einen Schokoweihnachtsmann essen! Ich will ich will ich will!”
“Aber die Weihnachtsmänner sind alle Schatzi, du hast sie mal wieder alle schon gegessen.”
“Dann will ich ein Rentier.”
“Aber…”
“Ich will ich will ich will”
“Aber…”
“Wa-wa-wa-warum haben Schokoweihnachtsmänner keine Rentiere?”
“Weil du sonst fett wirst.”

Ich dachte, das wäre es gewesen. Natürlich, beleidigend, aber wen kümmert das schon. Diskussionen über Schokolade werden früher oder später immer beleidigend. Weil einfach nie genug da ist. Wie mit den Schokoweihnachtsmännern. Nie reichen sie. Natürlich, bis kurz vor Ostern oder so ist meist noch einer übrig, aber irgendwann sind sie eben alle. Und was dann? Man kann doch nicht ohne Schokoweihnachtsmänner leben! Wenigstens davon sollte es immer genug geben, wenn sich schon der echte nie irgendwo zu erkennen gibt!

Was wäre, wenn sie nicht allein wären? Also die Schokoweihnachtsmänner. Wenn sie immer im Schlitten kämen, mit Dasher und Dancer und Prancer und Vixen, Comet und Cupid und Donder und Blitzen. Was wäre, wenn es Schokorentiere gäbe?
Weihnachtswunderland für immer wäre das. Und ganz nebenbei eine Marktlücke deren bisherige Nichtentdeckung mich gerade zu erschüttert. Für mehr Schokorentiere!

Was allerdings bleibt, wenn man die Weihnachtszauberei im Magen hat, ist die bohrende Frage, warum nicht zur Abwechslung mal die Schokowesen fett werden, anstatt einem selbst. Es ist ja nicht so, dass ich nicht darauf eingestellt wäre, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und so. Aber eigentlich geht es doch genau darum. Den Schaden hat doch die Schokolade. Die macht uns doch fett. Warum macht sie das nicht mit sich selber und lässt uns in Ruhe (und Mengen) genießen? Ziemlich gemein, das.

No responses yet

Eine halbe Sekunde – Teil 2

Oct 03 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Lene war bereits mit einer Hand dabei eine Tasche zu packen, als sie am anderen Ende der Leitung dumpfe Schritte hörte.

“Anton? Anton bist du das?”
“Lene? Ja. Ich…Tim…”
“Anton wo bist du?”
“Tim, er…”
“Sag mir einfach wo du bist Anton, ja? Ich sitze schon fast im Auto.”

Lene hatte schon beim ersten Klingeln des Telefons ein ungutes Gefühl im Bauch gehabt. Sie notierte sich die Adresse, die Anton ihr nannte auf dem Block neben dem Telefon, riss das erste Blatt ab und steckte es sich in die Hosentasche.

“Lene?”
“Ja?”
“Danke.”
“Noch bin ich nicht da. Bleib wo du bist, okay?”

Seine Antwort hörte sie schon nicht mehr. Während sie fuhr blickte sie immer wieder nervös auf die kleine digitale Uhr am Armaturenbrett. Lene hoffte nur, dass Anton keine Dummheiten machen würde. Seit Minuten drückte sie das Gaspedal unbewusst durch.

Anton ging zurück in das Zimmer, strich mit einer Hand über die Reisetasche. Der Gedanke daran, dass Lene bald hier sein würde ließ ihn einmal tief durchatmen. Er zog den Reißverschluss zu, griff nach der Tasche und machte sich auf den Weg zur Rezeption.
Als die Tür aufging musste er nicht einmal aufblicken, um festzustellen, dass es Lene war, die da herein kam. Er stand auf und ihre Blicke trafen sich. Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, streckte den Arm nach der Tasche aus und griff mit ihrer freien Hand nach der seinen.
“Lass uns was essen gehen. Und dann solltest du nach Hause fahren. Wir sollten nach Hause fahren.”
Der Griff um Lenes Hand wurde fester.

Schweigend saßen sie sich gegenüber. Anton stocherte in seinem Rührei herum, während Lene ihn mit ihren ruhigen Augen betrachtete. Das konnte sie schon immer gut. Sie versprühte diese wunderbare Ruhe, sobald sie einen Raum betrat. Anton öffnete das kleine Seitenfach der Tasche, zog das Tagebuch seines Bruders heraus und schob es vorsichtig über die Tischplatte. Keiner sagte ein Wort. Eine junge Frau trat an ihren Tisch und fragte höflich, ob sie noch Kaffee nachschenken dürfe. Anton nickte fast unmerklich und Lene lächelte freundlich.

“Ich musste weg. Es ging nicht anders. Dabei wusste ich noch nicht einmal wohin ich denn gehen sollte. Weg. Ich musste weg wie er auch einfach ging.”
“Ich weiß.”

Anton wusste, dass Lene mit ihm fahren würde, er musste nur etwas sagen. Ihm war bewusst, dass er nicht ewig vor seiner Vergangenheit davonlaufen konnte, es war nur so viel einfacher sich nicht umzudrehen. Für den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken die Kamera auszupacken und Lene zu fotografieren. Lene. Er musste ihr nicht erklären was passiert war, sie verstand auch ohne Worte. So war Tim auch gewesen.

Anton stand auf. Er konnte nicht mehr ändern was passiert war, aber er musste versuchen zu verhindern, dass weitere falsche Entscheidungen getroffen wurden. Lene sah ihn an, nickte, legte Geld auf den Tisch und folgte ihm zum Auto.

Klick. Lene löste ihren Blick von der Straße und sah Anton an. Klick. Sie musste lächlen. Klick.

(Den ersten Teil gibt es beim farbenmädchen.)

No responses yet

Die Straßenlaterne

Aug 25 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Die Straßenlaterne wollte in ihrem langweilig vor sich hinglimmenden Leben endlich mal etwas erleben und positionierte den Briefkasten derart um, dass er fast einem Taxi zum Verhängnis wurde.

In Wahrheit war die Geschichte jedoch ganz anders, doch der zufällig vor Ort gewesene Hund würde sich hüten, irgendjemandem die Wahrheit zu erzählen. Zumal er seine Stimme schonen musste, übermorgen stand schließlich der alljährliche Bellwettbewerb an.

In Wahrheit also, und dass weiß ich nur, weil mir eben dieser Hund sehr großes Vertrauen schenkt und wir seit Jahren eine umfangreiche Briefkorrespondenz führen – nun, ich schweife ab. In Wahrheit also, war es der Taxifahrer.

Das scheint etwas unglaubwürdig werden Sie sagen. Nun, da haben Sie durchaus recht. Aber Sie müssen schon zugeben, dass ein glimmendes Dasein vielmehr zu einem Taxifahrer, als zu einer stolz ihrer ganzen Umgebung Licht spendenden Straßenlaterne passt. Wie gut, dass wir uns in diesem Punkte einig sind. Der Hund – Manfred von Reinhardshausen heißt er übrigens – schrieb also in seinem Brief ausführlichst – Der Herr in dem braunen Jacket soll sich doch bitte ein paar schönere Hundenamen ausdenken, wenn ihm dieser nicht gefällt – wie auch immer, Manfred schrieb mir also, dass er beweisen können, dass sich diese selbstsüchtige Lampe da etwas zu vorteilhaft ins Licht rücken wollte. Oder den Taxifahrer? Sie sehen, ich bin verwirrt. Ich hoffe, sie sind auch schon lange vom roten Faden abgekommen, falls nicht habe ich die beunruhigende Mitteilung zu überbringen, dass der Hund leider mit seinen Ausführungen nicht fortfahren konnte, da ihm die listige Katze Miranda, deren Domizil sich in einem gemütlichen Eckchen des Briefkastens befindet, sein wunderschönes rotes Erzählungswollkneuel erblickt hatte und nun mit seinem unserem diesem rotem Faden Katzeweißwas anstellte.

Warum Sie gekommen sind? Wer weiß, vielleicht hatten sie gehofft, dieser drollige Hund neben mir könne tatsächlich solch irrwitzige Geschichten erzählen.

Es war übrigens der Briefkasten, er hatte ein paar traurige Liebesbriefe zu viel abbekommen und wollte seinem Dasein ein Ende setzen.

No responses yet

Wünsche

Jul 11 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Irgendwann schrieb ich einmal, man sollte immer ein paar vollkommen aus der Luft gegriffene Wünsche parat haben. Weil es genau darum geht im Leben: Wünsche zu haben. Wer keine Wünsche mehr hat, hat auch keine schönen Träume mehr, also bleiben nur noch die schlechten, zermalmenden übrig und ehe man sich versieht läuft man Orpheus hinterher. Auf dem Hinweg.
Doch was sind das für Wünsche, die man so haben kann, die diesem doch recht anspruchsvollen Attribut des vollkommen aus der Luft gegriffen seins gerecht werden? Manchmal reicht da schon ein einfaches “Wie schön das wäre, wenn Du jetzt hier wärst.”
(Ja, Du.)

No responses yet

Liebe fragt nicht, Liebe ist.

Jun 20 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

Liebe Menschen, den folgenden Text hat die wunderbare Mimi verfasst. Danke dafür! (Und  nun genießt es!)

Es ist lange her, das erste Mal.

Das erste Mal, dass sie große Augen bei seinem Anblick bekam, das erste Mal, dass sie durch die Tür trat und sich höflich nach dem erkundigte, was ihr kleines Herz zum Hüpfen brachte: Eis.

Es scheint, als wäre es erst gestern gewesen, als ihr das nette Fräulein mit dem tanzenden Pferdeschwanz eine Kugel auf eine kleine Waffel steckte und sie ihr bezaubernd lächelnd in die kleinen Patschehändchen drückte. Sie bedankte sich stets, obwohl das Funkeln in ihren Augen der Verkäuferin schon genug gewesen wäre.

Links neben der Tür stand das kleine Holzbänkchen mit Blick auf den Dorfbrunnen. Direkt daneben der Mülleimer und der bunte Sonnenschirm, der sich leicht zu drehen begann, wenn es windig war.

Einmal kam sie mit zwei Buben aus dem Dorf in den kleinen Laden. Der eine hatte einen Fußball unter den Arm geklemmt, der andere legte stolz das Geld auf die Ablage und verkündete, er würde sie alle einladen. Es war das erste und letzte Mal, dass sie beide Hände vorsichtig, ja fast schon schüchtern, um die Waffel legte und den Kopf leicht senkte. Sie schenkte der Verkäuferin auch nicht das glückliche Lächeln wie sonst.

Schon am nächsten Tag strahlte sie dafür umso mehr.

~

Sie streicht mit der Hand über das alte Bänkchen, dem sein Alter deutlich anzusehen ist. Die Verkäuferin trägt inzwischen eine modische Kurzhaarfrisur, aber das Lächeln beherrscht sie besser wie eh und je. Sie betritt den Laden, lauscht der Türklingel, die ihr so vertraut ist wie keine andere, lächelt und bekommt das kleine spitze Ding in die Hand gedrückt, dass sie als große Liebe bezeichnet und anderen oft nur Kopfschütteln beschert. Eis.

No responses yet

Vertrauen

May 23 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

(via weltdertraeume)

Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualmhülle, stolz auf dein perfektes Leben. “Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?”, sage ich, während ich den letzten Zug der was weiß ich wievielten Zigarette nehme.

“Ich kann mich nicht mehr wirklich an mein Leben erinnern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manchmal, manchmal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach starken Gewitterblitzen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkelsten Albträumen. Wenn ich denn träumen würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.”

Wortlos, sprachlos, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahrelanger Übung zur Perfektion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühlten Viertelmillimeter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotional. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflaster ein perfekt wirkendes Kunstwerk geschaffen haben. Eines, das viel zu leicht einreißen kann.

“Du solltest anfangen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manchmal dabei, Gedanken andere Abzweigungen an Kreuzungen wählen zu lassen.”

“Danke. Ich bleibe lieber beim Alkohol. Damit kann ich wenigstens jederzeit einen Punkt bestimmen, ab dem ich ein paar Stunden von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?”

“Ja. Deswegen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schenken möchte.”

2 responses so far

Herznotizen

May 15 2011 Published by eFrane under Fiction,Prose

…eines Mädchenherzes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schlagen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewegen ab und an ein paar der Schmetterlinge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durchzulassen. Ich mag diese Tierchen doch so sehr.

Überhaupt gehen die Schmetterlinge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manchmal glaube ich, ich bin keine gute Schmetterlingshüterin.

Heute am See hat mich so ein komischer Junge angelächelt. Er wirkte schüchtern. Oh, hallo kleiner Schmetterling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gesehen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmetterlinge, ich bin doch nur ein kleines Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald fliegen können, oder wenigstens schweben. Wir treffen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glücklich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein bisschen eng geworden ist. Vielleicht kann ich ja noch ein zwei Schmetterlingchens zum umziehen bewegen.

Randbemerkung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompliziert für meinen Geschmack.

…eines Jungenherzes

Warum macht der Kerl eigentlich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopfhörer in die Ohren und Welt abschalten. Nachts heult er dann wieder Pseudoherzscheiße in seinen Twitteraccount. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungenherz geworden?

Bei Gelegenheit mal was mit dem Bauch trinken gehen und ihm gratulieren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu überstimmen. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompliziert seien, nicht mehr nachvollziehen, seitdem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wiederholt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheuerte Kopf. Entweder nicht da oder falsch konfiguriert. Bei Gelegenheit mal eine Ladung Bretter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmetterlinge mit Gruß vom Bauch vorbeischicken.

Pakt mit dem Bauch geschlossen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Geschehen teilhaben zu lassen. Statistisch gesehen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmischen.

Endlich glücklich. Hoffentlich kriegt dieses angeblich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

One response so far

Next »