meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Sun! Sun! Sun!

  • 5 years ago veröffentlicht
  • 4 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 00:22 min

  • Florence and The Machine – Cosmic Love

  • Mumm-Ra – She's Got You High

  • Stereo­lab – Daisy Click Clack

  • Kate Nash – Skele­ton Song

  • Tele­pa­the – So Fine

  • Spoon – Back To Life

  • The Bloody Beetroots – Second Streets Have No Name

  • Finley Quaye & William Orbit – Dice

  • Hard-Fi – Little Angel

  • The Macca­bees – About Your Dress

  • Good Shoes – Things To Make And Do


(Und sowieso und über­haupt Noah and The Whale.)
 

.

And in the end the love you take is equal to the love you make.

The Beatles – The End

 

Alt Köpe­nick

Es ist an der Zeit, Bilder ihre Geschich­ten erzäh­len zu lassen. Es ist an der Zeit, sich fallen zu lassen in der Dunkel­heit um von den Licht­fle­cken der Zivi­li­sa­tion fest­ge­hal­ten zu werden. Es ist an der Zeit, mit offe­nen Augen zu träu­men.

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Am Rand

Ich weiß, dass es nicht einfach wird. Wahr­schein­lich wird es viel zu oft Miss­ver­ständ­nisse geben und Streits. Solche von der „ach komm, das war blöd“-Sorte. Trotz­dem möchte ich, dass es funk­tio­niert.

Du lebst immer alles so leicht vor dich hin, stellst viel zu viele Fragen mit deinen Augen für die du die Worte nicht findest und hoffst, dass irgend­wer kommen wird und dir die Welt erklärt. Da bist du an den falschen gera­ten. Welt erklä­ren ist lang­wei­lig. Du selbst müss­test am Besten wissen, dass Herz erklä­ren das einzig wich­tige im Leben ist. Herzen verste­hen heißt ein biss­chen an der Ober­flä­che vom großen Ganzen zu krat­zen, ein paar Krümel vom Sinn des Lebens aufzu­he­ben und ein klein wenig von dem lernen zu können, was wirk­lich zählt.

Alles Kitsch. Klar. Du hast voll­kom­men recht. Das ist alles Kitsch. Doch was wäre denn, wenn kein Kitsch mehr wäre? Am Rande des Wahn­sinns würden wir sehr schnell landen, ohne Kitsch. Darum lieber schön flau­schig einwi­ckeln und noch mit ein biss­chen Glit­zer verzie­ren. Zu viel Kitsch ist nie schäd­lich. Erst recht nicht, wenn man den Kopf mal Kopf sein lässt.

 

Das Café

Das Café war über­füllt. Die Luft stickig, durch­setzt von dem Geruch frisch aufge­brüh­ten Tees. Es war eines dieser neumo­di­schen, hippen Cafés. Der lange Schlauch eines Raumes teilte sich ein in den Sofa­be­reich hinten und ein paar wenige Kaffee­ti­sche mit einer klei­nen, aber doch zentra­len Kaffeetheke. Profi­liert hatte sich dieses Café insbe­son­dere durch die Tatsa­che, dass es dort keinen Kaffee zu kaufen gab. Nur Kakao und Tee. Und Kekse.


Hinten in der Ecke stand ein Klavier, dane­ben zwei gemüt­li­che Sessel, die aus den zwan­zi­ger Jahren des vergan­ge­nen Jahr­hun­derts zu stam­men schie­nen. In einem dieser Sessel saß Alli­son in ein Buch versun­ken. Es ist schwer zu sagen, welches Buch sie gerade in der Hand hielt, denn alle paar Minu­ten legte sie eines weg und nahm ein ande­res aus dem großen Bücher­re­gal, das an der Wand stand.

John saß am Klavier. Manch­mal drückte er ein paar Tasten, spielte die ein oder andere bekannte Melo­die an, ließ sich fallen in den Klang­wel­ten, die er kreirte. Meist jedoch dachte er nach über diese Frau, die da direkt neben ihm, weni­ger als zwei Meter entfernt, las. Er wusste nicht viel über sie und doch wünschte er sich, alles zu wissen, ein Teil ihres Lebens zu werden, Platz zwischen all den Büchern zu finden. Er warf einen Blick auf Alli­sons Teepott. Seiner war schon seit einer gefühl­ten Ewig­keit leer, doch er wollte keinen neuen holen, ohne ihr auch etwas gutes tun zu können. Gerade nahm sie den letz­ten Schluck. Man hätte sie fast mit Audrey verwech­seln können, wie sie da so saß, mit einer langen Zigarre in einer Hand, dem Pott in der ande­ren und den Haaren, die origi­nal aus Früh­stück bei Tiffa­nys sein könn­ten. Als sie ausge­trun­ken hatte, stand er auf und holten ihnen beiden neuen Tee. Schwarz. Ohne Zucker. Mit Milch. Das hatten sie gemein­sam.

Als John aufstand und ihre Teetasse nahm, schreckte Alli­son ein klein wenig auf. Sie war schon fast ganz in ihrem klei­nen Kopf­wun­der­land verschwun­den gewe­sen. Gefan­gen in Gedan­ken sei sie, sagten die Leute. Sie selbst pflegte, ihren Lebens­stil als gewollte Reali­täts­flucht zu bezeich­nen. Ihr waren die Wohl­fühl­zei­ten ausge­gan­gen. Hier jedoch hatte sie einen Platz gefun­den, der ihr diese Wohl­fühl­zei­ten nach und nach zurück gab. Genau genom­men stimmte das nicht. Genau genom­men hatte John diesen Platz vor langer Zeit gefun­den und ihr gezeigt. Er hatte „Das Café dort ist mein Lebens­rück­zugs­ort. Das weiß keiner. Doch Du, Du sollst das wissen.“ gesagt. Mit erns­tem, aber doch verträumt nach­denk­li­chem Blick hatte er sie hinge­führt, ihr die Mitar­bei­ter vorge­stellt, die ihn schon seit Ewig­kei­ten zu kennen schie­nen und sie schließ­lich zu dieser Ecke mit dem Klavier geführt.

Dort saßen sie seit Wochen immer wenn sie sich trafen. Gere­det hatten sie in der ganzen Zeit kaum mehr als 10 Sätze. Es schien, als ob sie nicht reden müss­ten, um sich zu verste­hen. Das war aller­dings eine andere Über­le­ben­stak­tik, die sie beide gemein­sam hatten: Bloß nieman­den zu nah an sich heran lassen, niemals alles offen­le­gen, sich immer noch einen Fall­schirm einste­cken, wenn man mal Fallen sollte. Denn beide wuss­ten, sie würden tief fallen, wenn sie ihre öffent­li­chen Ichs able­gen würden.

Alli­son betrach­tete John, wie er sich durch die klei­nen Sitz­grup­pen und weiter vorne durch die Lücken zwischen den stehen­den Gästen zur Bar schlän­gelte. Einmal musste sie lächeln, weil ihm beinahe eine der Tassen auf den Hund eines Gastes gefal­len war, doch schließ­lich kam er mit frisch aufge­füll­ten Tassen zurück. Sie hatte den Tisch frei geräumt.

„Danke. Bleibst Du hier? Ich möchte dir mein Leben erzäh­len.“
 

Wenn ich mal groß bin, möchte ich…


  • …mich noch immer an meinen ersten Kuss erin­nern.

  • …nicht verges­sen, wie schön es ist, barfuss zu laufen.

  • …wis­sen, was Liebe ist.

  • …noch lange nicht erwach­sen sein.

  • …nicht aufhö­ren, Fragen zu stel­len.

  • …nicht aufhö­ren, Antwor­ten zu suchen.

  • …glück­lich sein.

  • …immer die rich­ti­gen Worte finden.

  • …mehr träu­men.

  • …noch nicht alle Fehler gemacht haben.

  • …mehr finden und weni­ger suchen.

  • …mög­lichst nur noch Tränen aus Freude haben.


Aber eigent­lich will ich gar nicht groß werden. Nur, wenn ich dann flie­gen kann.
 

Heimat

  • 5 years ago veröffentlicht
  • 3 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 00:52 min

Es gibt Momente, in denen man einfach nicht da sein kann, wo man sein sollte. Alles im Körper, ange­führt vom Herzen, sehnt sich nach einem ande­ren Ort. Nach einem Ort, an dem man nicht Fehl am Platze oder zumin­dest leicht deplat­ziert sondern genau rich­tig und sehr von Nöten ist.

Ich glaube man nennt diesen Ort Heimat. Doch was ist eigent­lich Heimat? Was ist Heimat­ge­fühl? Heißt das, nicht wegzu­wol­len, oder heißt es, immer wieder hinzu­wol­len?

Ich suche eine Heimat. Eine, in und mit der ich mich wohl­fühle. Keinen bestimm­ten Ort. Orte gibt es genü­gend, die die nötige Herzwärme spen­den können. Menschen sind es auch nicht, denn diese sind ja wie bekannt immer genau so weit entfernt, wie die Bezie­hung zu ihnen es bedingt. Ich weiß nicht, was fehlt, aber es fehlt etwas.

 

Es

(Für ein Wunder­land. Aus Grün­den.)

 

„Tut es sehr weh?“

„Es? Du hast gerade nicht wirk­lich versucht, alles, was passiert ist, auf ein neutra­les 'es' zu redu­zie­ren? Du bist doch sonst nicht so takt­los.“

„Entschul­dige. Das alles ist nur so komplex gewor­den, dass es schwer gewor­den ist, Worte zu finden. So schwer, dass es weh tut, zu viel daran zu denken. Da ich aber nicht aufhö­ren kann, über all das nach­zu­den­ken, musste ich einen Weg finden, die Geschichte so klein zu krie­gen, dass sie schnell in Schub­la­den­e­cken verstau­bar ist, um nicht verrückt zu werden. Da kam dann dieses 'es' und nahm mir ein Gebirge vom Herzen.“

„Warum nur finde ich dieses 'es' jetzt auch so passend? Ich denke, ich werde auch zum 'es' über­ge­hen. Man muss ja nicht über Leichen gehen, wenn man ein Neutrum haben kann.“

„Das freut mich. Das sagt mir, dass du bald schon, womög­lich schon in fünf Minu­ten, darüber stehen wirst und anfan­gen kannst, Witze darüber zu reißen. Wenn man über etwas gute, auch für unbe­tei­ligte lustige Witze machen kann, hat man es verar­bei­tet.“

 

Du

Viel­leicht hätte ich viel früher reagie­ren sollen und mich nicht in Dein Muster, in Deine Pläne, in Dein Leben basteln lassen sollen. Aber ich musste ja unbe­dingt wieder bis zum aller­letz­ten Atem­zug an das Gute im Menschen, an das Gute in Dir glau­ben. Doch Du scheinst dich dafür über­haupt nicht zu inter­es­sie­ren. Du stellst dich als das Opfer dar. Du siehst nicht, wie sehr Du verletzt. Du willst nicht einse­hen, dass Deine Taten auch Konse­quen­zen haben. Du bist einer dieser Menschen, die immer von sich behaup­ten, sie seien da, die es aber im Endef­fekt nie sind, die immer nur erwar­ten, dass jeder bedin­gungs­los und ohne zu hinter­fra­gen ihre Hand­lun­gen und Meinun­gen versteht und akzep­tiert. Das funk­tio­niert aber nicht. So funk­tio­niert dieses Leben einfach nicht. Ich weiß auch noch nicht so genau, wie dieses Leben funk­tio­nie­ren soll, doch ich bin mir sicher, dass Dein Plan davon aus einem Fanta­sy­ro­man geklaut ist und nichts, bis auf das Papier, auf dem er geschrie­ben steht, mit dieser unser aller Reali­tät gemein­sam hat.

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Brief an M (2)

Liebe M.,

einige Zeit ist vergan­gen, seit­dem wir uns das letzte Mal begeg­net sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gese­hen, doch das Sehen allein reicht für eine Begeg­nung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passie­ren könnte, wenn die räum­li­che Distanz so groß wird, dass sie anfan­gen kann an der Bauch-, Herz- und Kopf­nähe zu knab­bern und den ein oder ande­ren Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer einge­re­det, dass unsere Nähe blei­ben wird, weil – so vermu­tete ich – sie nicht die alltäg­li­che, daher­ge­brachte Super­markt­son­der­an­ge­bots­nähe ist, sondern eben mehr, inten­si­ver könnte man sagen, schö­ner viel­leicht auch, anders in jedem Falle.

Natür­lich lag ich falsch. Glaube ich zumin­dest.
Beweis mir das Gegen­teil. Viel­leicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaub­lich mensch­lich ist und deswe­gen viel zu oft als Schwä­che abge­tan und nicht akzep­tiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgend­wel­che Verpflich­tun­gen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funk­tio­nie­ren. Diese Momente sind die einzi­gen, die immer etwas bedeu­ten.

Wenn wir uns tref­fen könn­ten, um zu warten, bis die rich­ti­gen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstan­den sind, wenn das ginge, würde ich anfan­gen, an die Zeit zu glau­ben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarm von den Smashing Pump­kins enthal­ten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemein­sam schwei­gen lernen.

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