meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Brief an M (2)

Liebe M.,

einige Zeit ist vergan­gen, seit­dem wir uns das letzte Mal begeg­net sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gese­hen, doch das Sehen allein reicht für eine Begeg­nung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passie­ren könnte, wenn die räum­li­che Distanz so groß wird, dass sie anfan­gen kann an der Bauch-, Herz- und Kopf­nähe zu knab­bern und den ein oder ande­ren Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer einge­re­det, dass unsere Nähe blei­ben wird, weil – so vermu­tete ich – sie nicht die alltäg­li­che, daher­ge­brachte Super­markt­son­der­an­ge­bots­nähe ist, sondern eben mehr, inten­si­ver könnte man sagen, schö­ner viel­leicht auch, anders in jedem Falle.

Natür­lich lag ich falsch. Glaube ich zumin­dest.
Beweis mir das Gegen­teil. Viel­leicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaub­lich mensch­lich ist und deswe­gen viel zu oft als Schwä­che abge­tan und nicht akzep­tiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgend­wel­che Verpflich­tun­gen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funk­tio­nie­ren. Diese Momente sind die einzi­gen, die immer etwas bedeu­ten.

Wenn wir uns tref­fen könn­ten, um zu warten, bis die rich­ti­gen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstan­den sind, wenn das ginge, würde ich anfan­gen, an die Zeit zu glau­ben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarm von den Smashing Pump­kins enthal­ten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemein­sam schwei­gen lernen.

e

 

Rien ne va plus

  • 7 years ago veröffentlicht
  • Ein Kommentar
  • Erwartete Lesezeit: 02:51 min

Du sitzt am Fens­ter und betrach­test die Welt um dich herum. Neben dir stehen leere Tassen. Einige mit Kaffee­rand, einige mit Teerand, eine mit Pelz. Du sitzt schon eine ganze Weile dort. Mehr oder weni­ger reglos. Sprach­los. Worauf du wartest, weißt du wahr­schein­lich selbst nicht, zumin­dest bist du dir nicht sicher. Sonst würdest du nicht warten. Du gehörst nicht zu denen, die warten, wenn sie keine Zwei­fel mehr haben.

Seit Stun­den gehe ich in kürzer werden­den Abstän­den nach dir sehen. Schaue nach, wie es dir geht, versu­che heraus­zu­krie­gen, ob ich dir helfen kann. Irgend­wie. Irgend­was. Hoffent­lich bald. Ich hoffe das weni­ger für mich, als für dich, der Anblick deiner Augen, deiner verlo­re­nen, bestän­dig suchen­den Augen, trifft mich, berührt mich tiefer und nach­hal­ti­ger als alles andere, was jemals war. Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns schon kennen, Ewig­keit ist da zumin­dest kein all zu falscher Ansatz, doch noch nie, niemals habe ich dich oder irgend­je­mand ande­ren so verlo­ren, verlas­sen, verzwei­felt, ver-alles gese­hen.

Meis­tens ändern sich die Dinge nur, wenn man gerade mal unauf­merk­sam ist. Da zwin­kert man einmal kurz mit einem halben Auge und schon hat sich die Welt gedreht. Zwei­mal. Du zwin­kerst nicht. Du möch­test nicht unauf­merk­sam sein. Keine Sekunde verpas­sen, exakt den Moment einfan­gen, in dem sich alles ändern wird. Seit ein paar Minu­ten erst ist mir das klar gewor­den. Bis eben noch dachte ich, du wartest, um zu verges­sen. Doch du willst nicht verges­sen, du willst alles in dich aufsau­gen, spei­chern, bis in alle Ewig­keit in den tiefs­ten Ecken deines Herzens verwah­ren – wofür? Um später mal zu wissen, dass du die rich­tige Entschei­dung getrof­fen hast? Um hier sitzen zu können, solange, bis alles um dich herum mit dir trau­ert? Um zu verar­bei­ten, was passiert ist?

Ich stehe in der Küche und setze gerade frischen Tee auf, als ich merke, wie du dich an mich anschmiegst und leise, ganz leise anfängst zu erzäh­len. Wenn das Herz „Rien ne va plus.“ sagt, fängt man an, seine Geschichte zu erzäh­len. Dann gibt es keine frem­den Erleb­nisse mehr, die wich­tig schei­nen, keine Nacher­zäh­lun­gen von alten Geschich­ten, einzig das eigene Leben will erzählt werden. Episode für Episode, jede Klei­nig­keit, jedes Erleb­nis möchte raus, frei sein, verstan­den werden. Die meis­ten Dinge kann man erst verste­hen, wenn man sie erzählt hat.

Die Teebeu­tel liegen noch immer auf dem Tisch und das gekochte Wasser ist schon seit langem wieder kalt gewor­den, es ist keine Teezeit mehr, ich bin auf der Suche nach den Fragen zu deinen Antwor­ten.

 

Nina

  • 7 years ago veröffentlicht
  • 2 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 01:56 min

Die letz­ten zaghaf­ten Oktober­son­nen­strah­len bahn­ten sich gerade ihren Weg an das verstaubte Fens­ter, zum Eindrin­gen bereits zu schwach. Innen fehlte es auch nicht an Licht oder Wärme. Nur an Nähe.

„Nina.“ stand auf der Post­karte. Vorne drauf war eine Herbst­land­schaft abge­bil­det. Nicht unähn­lich derer, die drau­ßen vom Abend­ne­bel gefan­gen genom­men wurde.

„Nina?“ stöber­ten die Gedan­ken wie der die Blät­ter herun­ter zwin­gende Wind durch seinen Kopf. Er konnte sich erin­nern. An jede einzelne Sekunde. Als sei es gestern gewe­sen. Dabei war das gar nicht sein Leben. Nina war das Mädchen aus seiner Lieb­lings­ge­schichte. Geschich­ten schi­cken norma­ler­weise keine Post­kar­ten. Darauf brauchte er erst­mal eine große Tasse Tee.

„Hallo,

wir kennen uns nicht und doch haben wir uns schon unzähl­bar oft getrof­fen. Ich weiß nichts über dich, nur vermu­ten kann ich, dass du mich magst. Die Seiten, auf denen ich geschrie­ben stehe, sind alt gewor­den. Zerschlis­sen beinahe. Deswe­gen wende ich mich an dich, meinen liebs­ten, treues­ten, vorsich­tigs­ten Leser. Den, der schon so lange und uner­schüt­ter­lich versucht, mich zu ergrün­den, mich zu verste­hen. Doch schau, ich möchte dir ein großes Geheim­nis und ein klei­nes Geheim­nis verra­ten: Wenn Auto­ren ein Werk vollen­det haben, verra­ten sie diesem, was es ist, doch leider, leider war mein Autor ein biss­chen verrückt, denn er kam damals zu mir und sagte: Du bist nicht, wer du sein soll­test, wirst nie, wer du sein woll­test, und doch kannst du alles schaf­fen. Ich kann mir deinen verwirr­ten Blick gerade gut vorstel­len. Ich bin es auch. Darum eine Bitte: Kauf ein neues Exem­plar von mir, ich gehe kaputt.

Nina.“

 

Maybe I'm Amazed

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=cm2YyVZBL8U[/youtube]

Maybe I'm amazed at the way you pulled me out of time.
 

Darf ich Leben

Darf ich zögern? Darf ich weinen? Darf ich betrübt sein? Darf ich schei­tern? Darf ich mich fallen lassen? Darf ich auch mal nicht da sein? Darf ich ich sein? Darf ich meine Rolle selbst bestim­men? Darf ich Leben?

Oder darfst nur du das alles?

 

Fünf Fragen (Januar 2011)


  1. Gibt es Dinge, die man unter keine Umstän­den hinter­fra­gen sollte?

  2. Kann es Schat­ten ohne Licht geben?

  3. Gibt es auf alles Beant­wort­bare für jeden zufrie­den­stel­lende Antwor­ten?

  4. Wollen Menschen wirk­lich flie­gen können oder eigent­lich nur nicht akzep­tie­ren, dass sie nicht über­all sein können?

  5. Wieso gibt es Augen, die einem sogar dann die Wahr­heit sagen, wenn man sie gar nicht sehen kann?

 

Zwei­fel

  • 7 years ago veröffentlicht
  • 17 Kommentare
  • Erwartete Lesezeit: 00:30 min

Sag, kannst du mich noch einmal fragen? Welche Frage? Die letzte Frage. Die, die alles verän­dert hat. Damals war ich unsi­cher und du hast mich in einem unacht­sa­men Moment erwi­scht. Du wuss­test, dass ich mit dir auch in das kälteste Wasser sprin­gen würde. Ich werde dir nie verzei­hen, dass du das ausge­nutzt hast. Nicht dafür. Nicht für das, was hätte sein können. Es gibt „Was wäre wenn?“-Fragen, die man nicht stellt.

 

Held

[img src="in-the-light-of-the-shadow"]

Ich schreib dir keinen Liebes­brief,
Keine Worte finde ich.
Ich schreib dir keinen Liebes­brief,
Doch mit einer Rose komm ich.

Werde mich vor dich stel­len,
Licht und Schat­ten sein,
Wie eine ewige Welle
Immer dein Antrieb sein.

Immer die Rose bewah­ren,
Den größ­ten Schatz – verkann­ter Held:
Glück in seiner reinen Form.

Kurz vor dem Ende der Welt,
Während des letz­ten Sturms,
Wenn wir ewig ewig ewig waren.

 

2010

[img src="good­bye-2010-hello-2011"]gele­sene Bücher:


  • Mia Bern­stein – Erdbeer­fle­cken

  • Georg Büch­ner – Leonce und Lena

  • Thomas Mann – Tod in Vene­dig

  • Chuck Palah­niuk – Survi­vor

  • Johann Wolf­gang von Goethe – Faust I

  • Elisa­beth Rank – Und im Zwei­fel für dich selbst

  • Donna Tartt – The Secret History

  • Franz Kafka – Das Urteil

  • August Bebel – Charles Fourier. Sein Leben. Seine Werke.

  • Sun Tsu – Die Kunst des Krie­ges

  • Jorge W. Amado – Das Land der golde­nen Früchte

  • Lewis Carrol – Alice's Adven­tu­res in Wonder­land and Through the Looking Glass

  • Oscar Wilde – The Picture of Dorian Gray

  • Thomas Vogel – Die letzte Geschichte des Miguel Torres da Silva

  • Cormac McCar­thy – No Coun­try for Old Men

  • John Stave – Stube und Küche

  • Oscar Wilde – The Import­ance of Being Earnest

  • Alan Alex­an­der Milne – Winnie-the-Pooh

  • William Shake­s­peare – Romeo und Julia

  • Jona­than Trop­per – How To Talk To A Widower

  • Hein­rich Heine – Deutsch­land, ein Winter­mär­chen

  • Neil Gaiman – Smoke and Mirrors

  • Nicho­las Sparks – The Note­book

  • David Nicholls – One Day

  • Thomas Morus – Utopia

  • Karl Otto Hense­ling – Am Ende des fossi­len Zeit­al­ters

  • Clau­dia Rusch – Aufbau Ost

  • Christa-Maria Zimmer­mann – Die Straße zwischen den Welten

  • Pablo Picasso – Über Kunst

  • Hermann Kant – Die Aula

  • Neil Gaiman – Cora­line

  • John Green – Looking for Alaska

  • Jane Austen – Emma

  • Jane Austen – Sense and Sensi­bi­lity

  • Fran­cis Bacon – New Atlan­tis

  • David Nicholls – Star­ter for Ten

  • Albert Einstein/Sigmund Freud – Warum Krieg?

  • Hector Malot – Heimat­los


belau­fene Städte:

  • Berlin

  • Hamburg

  • Dublin

  • Köln

  • Rom

  • Mainz

  • Kerkyra

  • Vene­dig

  • Stutt­gart

  • Bad Kreuz­nach


genos­sene Bands:

  • Lamb­chop

  • Yo La Tengo

  • Get Well Soon

  • Wir sind Helden

  • Cale­xico

  • Broken Social Scene

  • Alexi Murdoch

 

Years End Blues

Weil Jahres­en­den trotz allem immer Spuren von Melan­cho­lie enthal­ten. Weil man nichts besser mit Musik begeg­nen kann als Melan­cho­lie.


  1. Radio­head – You and whose army?

  2. Amos Lee – All my Friends

  3. Nick Drake – Hazey Jane I

  4. Hermann van Veen – Wenn ich mir was wünschen dürfte

  5. Jack John­son – While We Wait

  6. Ben Harper – Power of the Gospel

  7. Mons­ters of Folk – Temaz­cal

  8. Wir sind Helden – Stil­ler