meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Flüch­tige Begeg­nung


„Wie lange ist es her?“
„Wie immer zu lange.“
„Man hat einfach immer zu viel zu tun.“
„Wem sagst du das. Gestern erst…ach, das Handy!“
„Schöne Grüße, wenn Bekannt, ich muss jetzt leider weiter.“
„Bis bald!“
„Bis bald.“

(Bild via isabel­la­minga.)

 

Einmal Leben, bitte.

  • 6 years ago veröffentlicht
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Und am Ende liegst du in irgend­ei­ner Stadt in irgend­ei­nem Haus in irgend­ei­nem Bett und hörst dem Leben zu. Verste­hen ist schwie­rig, weil das Wörter­buch irgendwo auf dem Weg verlo­ren gegan­gen ist. Verste­hen ist aber schein­bar auch nicht so wich­tig, solange genü­gend Tinte und Papier da sind um den Kopf leer zu schrei­ben.

Zuerst geht der Glaube an die heilende Wirkung von Sonnen­un­ter­gän­gen flöten. Urbane Legende. Funk­tio­niert bestimmt nur drei mal im Leben und nur wenn man zufäl­lig gerade mit dem rich­ti­gen Menschen am rich­ti­gen See in Südschwe­den ist.

Danach die Sicher­heit, das immer die rich­tige Musik da sein kann, wenn Musik da sein sollte. Für manche Situa­tio­nen gibt es schein­bar einfach kein Lied. Fürs allein in Gesell­schaft sein, sich irgend­wie so halb wohl fühlen aber doch ganz woan­ders hinträu­men zum Beispiel.

Zu sagen das alles doof ist, wäre gelo­gen. Es gibt ja immer­hin noch Bücher. Aber irgend­wann bringt Lesen auch nichts mehr. Und dann?

 

(N)irgendwo

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:26 min

Ich will nicht nach Hause gebracht werden. Nicht von dir, nicht von jemand ande­rem, von niemand. Wenn du unbe­dingt etwas für mich tun willst, dann sag mir wo es ist, dieses zu Hause. Sag mir wo, sag mir wie, sag mir, wieso du das weißt und nicht ich. Bring mir mein zu Hause in den Kopf. Zeig mir, warum ich mich dort, wo ich sein sollte, besser fühlen würde.
Nichts ist rich­tig hier. Die falschen Menschen betrach­ten mich sorgen­er­füllt mit den falschen Blicken und ziehen unun­ter­bro­chen die falschen Schlüsse. Ich bin nicht euer Spiel­zeug. Ich will mein eige­nes Leben leben, meine eigene Spiel­wiese haben. Ich will mich wohl fühlen. Nicht dieses profane ist ja ganz nett hier Gefühl sondern das große Ganze. Mit Scham­pus und Kaviar.

Ich hab es mir immer schon vorge­stellt. Dieses zu Hause. Nicht dieses hier. Das Gedan­ken­ge­bäude „zu Hause“. Der Ort, an dem alles in mir und alles von mir seinen Platz findet ohne ihn zu suchen. Der Ort an dem immer alles stimmt, auch wenn mal etwas dane­ben geht. Der Ort, an dem man aus Fehlern lernen kann und sie trotz­dem wieder­holt, weil es nicht die schlim­men, unwi­der­ruf­li­chen Fehler sind.
Sag, ist das hier real oder wein­ba­siert? Kann ich hier blei­ben? Ich will hier blei­ben. Schau, dort ist sogar ein Kamin. Das ist rich­tig hier. Das darf hier blei­ben, mir blei­ben, da sein.

 

Viel­leicht

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 00:57 min

Viel­leicht besteht der Sinn des Lebens einfach darin, so viele Menschen wie möglich zu finden, die einem dieses beson­dere Gebor­gen­heits­ge­fühl geben, ohne sich dafür anstren­gen zu müssen. Viel­leicht besteht das Leben einfach nur aus einer Anein­an­der­rei­hung von nicht zusam­men­hän­gen­den Ereig­nis­sen. Viel­leicht haben ein paar dieser Ereig­nisse einen Erin­ne­rungs­wert.

Viel­leicht ist aber auch alles ganz anders und wir sind auf der völlig falschen Fährte, wenn wir versu­chen unsere Probleme mit ande­ren Menschen lösen zu wollen. Viel­leicht soll­ten wir einfach viel mehr Zeit für uns finden, viel mehr nach­den­ken, viel mehr allein sein. Immer dann, wenn auch die Gebor­gen­heits­ge­fühl­ge­ber kein Lächeln mehr für länger als drei Sekun­den zaubern können.

 

Fünf Fragen


  1. Wenn du einen Menschen aus deinem Leben noch ein Mal wieder­se­hen könn­test, wen?

  2. Wenn du eine Entschei­dung in deinem Leben revi­die­ren könn­test, welche?

  3. Wenn du einen Moment noch einmal exakt genauso erle­ben könn­test, welchen?

  4. Wenn du ein Lied noch ein Mal hören dürf­test, welches?

  5. Wenn du nicht mehr hier bist, wo dann?

 

Over the Rain­bow

[img src="regen­bo­gen"]

Ich dachte mir, ich könnte einfach einen Regen­bo­gen auf die Wolken malen, als sie mich gefragt haben, ob sie dir was ausrich­ten können. Hoffent­lich gefällt er dir.

 

Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg – Teil 4

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:49 min

Camden Town Market. Gerade eben noch war alles dunkel und einsam um sie herum gewe­sen. Menschen­über­füllt, aber einsam. Hier jedoch leuch­tete das Leben. Sie sahen sich an und fühl­ten, dass sie ange­kom­men waren. Endlich. Endlich wieder fühlen.

„Wir werden uns jetzt verab­schie­den müssen.“
„Ja. Wenn man Menschen zu gut kennt, wird immer alles kompli­ziert.“
„Wann glaubst du, werden wir uns wieder sehen?“
„Zu spät um nicht darüber zu schwei­gen, zu früh um nicht anzu­fan­gen zu vermis­sen.“
„Genau im rich­ti­gen Moment.“
„Wie immer. Genau im rich­ti­gen Moment.“

„Was wirst du tun?“
„Ich will den Grund für die Liebe finden.“
„Du weißt, dass es keinen Grund gibt.“
„Ich fühle aber, dass es einen geben muss. Mindes­tens einen.“

„Was wirst du tun?“
„Ich will die Menschen beob­ach­ten. Ich muss die Menschen beob­ach­ten.“
„Du kannst nicht immer nur beob­ach­ten.“
„Doch, wer die Menschen beob­ach­tet, lernt ihre klei­nen Schwä­chen kennen.“

Cleo saß stun­den­lang an eine Laterne gelehnt und beob­ach­tete. Der Trick ist, immer die eine Schwä­che zu kennen. Der Trick ist, die Schwä­che zu kennen, damit man weiß, wie man helfen kann. Sie machte sich auf die Suche nach ihrer Schwä­che, um Paul und ihr selbst zu helfen. Bald wurde ihr klar, dass sie aufhö­ren muss­ten, das Leben zu suchen, also stand sie auf um ihren Bruder zu suchen. Cleo fand ihn in einem Plat­ten­la­den, im zwei­ten Unter­ge­schoss, zwischen Unmen­gen von 7“-Singles von John und den ande­ren. Es gab keine Worte. Die Umar­mung war lang genug, um alles notwen­dige zu sagen.

 

Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg – Teil 3

Sie rede­ten nicht viel. Irgend­wann hatten sie gelernt, dass es nichts bringt einfach nur zu Reden um sich vorzu­ma­chen, dass man sich etwas zu sagen hat. Wem vorma­chen? Sich? Sie brauch­ten sich nichts vorzu­ma­chen. Sie wuss­ten, dass Worte manch­mal nichts sagen können. Sie woll­ten heraus­fin­den, warum.

„Wir hätten auch die Tube benut­zen können.“
„Nein.“

Natür­lich hätten sie nicht mit der Tube fahren können. Paul wunderte sich, wie Cleo immer wieder auf solche Ideen kam. Es ging doch gerade darum, heraus­zu­fin­den warum. Wenn man etwas heraus­fin­den will muss man auf dem Boden der Tatsa­chen blei­ben. Da kann man doch nicht einfach eine Abkür­zung nehmen und unter dem Boden hinweg­fah­ren.

In der Ferne hörten sie Menschen. Umge­ben waren sie auch von Menschen. Doch diese sagten nichts. Das biss­chen Massen­ge­mur­mel, was sie erzeug­ten war kaum wahr­nehm­bar. Einzig, sie konn­ten noch nicht sicher sein, was sie erwar­ten würde, wenn sie ihr Ziel errei­chen. Der Glaube daran, dass die Hoff­nung wirk­lich zuletzt stirbt, trieb sie weiter in Rich­tung Camden.

„Hör auf.“
„Lass mich.“

Cleo konnte nicht davon ablas­sen, ande­ren Leuten so tief in die Augen zu sehen, dass diese voll­kom­men verwirrt wurden. Paul fand das eine Weile ganz amüsant, aber jetzt, wo sie ihrem Ziel immer näher kamen, wollte er, dass sie sich ihrer Aufgabe widmete. Manch­mal zwei­felte er daran, der jüngere Bruder zu sein.

 

Es gibt schließ­lich immer einen Ausweg – Teil 2

Obwohl er der jüngere war – es fiel auf, doch nur bei genauem Hinse­hen, flüch­tige Beob­ach­ter hätten die Alters­hier­ar­chie von Paul und Cleo auch durch­aus verwech­seln können – hatte Paul schon immer die Rolle des Durch­set­zers inne. Er entschied nie allein, aber wenn etwas entschie­den war, sorgte er dafür, dass es so gemacht wurde.

„Wir soll­ten lang­sam einen Platz für die Nacht finden. Der Bahn­hof macht mir ein wenig Angst.“

Es waren diese Sätze, die Cleo in den Wahn­sinn trie­ben. Sie wusste genau, dass er nicht das gesagt hat, was er eigent­lich meinte. Sie wusste auch nur zu gut, dass sie nicht fragen brauchte. Dies­mal wollte sie nicht wissen, was eigent­lich war. Immer alles wissen zu wollen macht am Ende immer alles nur schlim­mer. Cleo stand einfach auf und ging in Rich­tung Ausgang. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie den Bahn­hof von innen sah.

Paul hatte irgend­wann von Camden gehört. Von den Plat­ten­lä­den und dem Markt. Von dem Leben, was dort wohl noch nicht von den Gefüh­len getrennt war, was noch wahr war. Gefühle sind viel mäch­ti­ger als das Leben. Sie gingen einfach los. Ziel: Camden Town. Ankunft: Unge­wiss. Vorbei an endlo­sen Reihen Back­stein­bau­ten. Nach einer Weile bemerkte Cleo, dass die Laden­ein­gänge klei­ner wurden, die Menschen dafür umso größere Freude ausstrahl­ten.

„Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.“
„Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.“
„Wann werden wir wohl ankom­men?“
„Wol­len wir ankom­men?“

Darauf wusste Cleo keine Antwort. Über­haupt wusste sie in letz­ter Zeit viel zu selten Antwor­ten auf die Fragen, die sie von ihrem Bruder gestellt bekam. Viel­leicht lag das daran, dass sie immer alles Wissen teil­ten, das sie gar keine Antwort auf eine Frage von ihm wissen konnte, weil sie nicht ein Fünk­chen mehr wusste als er.

 

Road to Nowhere

[img src="road-to-nowhere"]"Dieser Weg führt ins Nirgendwo."
„Dort werden wir sicher sein.“