meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Ben

Das Klin­geln des Tele­fons in der Ferne rief Ben seine Umwelt wieder in den Kopf. Er war mal wieder entschwun­den gewe­sen in seinen gelieb­ten Tagträu­men. Denen, wo er bei Sophie war, anstatt in diesem Büro malo­chen zu müssen. Wenn der Auftrag doch nur endlich erle­digt wäre. Dann könn­ten sie jetzt an den Strand gehen und, wie so oft schon, bis spät in die Nacht hinein dort liegen und der Natur lauschen. Sophie würde ihm viel­leicht aus einem Buch vorle­sen, oder sie würden sich Geschich­ten von den Wesen bei den Ster­nen erzäh­len.
Die Botschaft der Augen­ringe miss­ach­tend rieb Ben sich notdürf­tig wach und beschloss, vor dem weiter arbei­ten noch einen Kaffee zu holen, während er das Bild von Sophie aus seinem Notiz­buch nahm und als Moti­va­ti­ons­zau­ber an die Schreib­tisch­lampe lehnte.

 

Alltags­mist­kram

  • 4 years ago veröffentlicht
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Das eigent­li­che Problem am Tele­fo­nie­ren ist nicht der dadurch erzwun­gene Kontakt zu Menschen, sondern die bedingte Kommu­ni­ka­ti­ons­red­un­danz. Wenn man zum Beispiel bei einem Friseur anruft, liegt die Wahr­schein­lich­keit, dass man einen Termin zum Haare waschen/schnei­den/legen haben möchte ziem­lich nah an 100%. Trotz­dem ist es nach sozia­len Verhal­tens­kon­ven­tio­nen notwen­dig, „Hallo, ich hätte gerne einen Friseur­ter­min“ zu sagen. Dieses Dilemma wirft ohne Zwei­fel und nicht ganz unbe­grün­det die Frage auf, wie oft denn jemand beim Friseur nach einem Zahn­arzt­ter­min fragt.

 

Hänge­mat­ten­ge­dan­ken

Falls ihr bisher der Meinung wart, dass alles gut wird, sobald man in einer Hänge­matte liegen kann, habt ihr euch geirrt. In Wahr­heit nämlich wird nicht alles gut, sondern viel viel besser, als ihr es euch jemals habt träu­men lassen. Aller­dings braucht es dazu eine weitere Zutat: Meeres­wel­len­rau­schen. Perfek­tio­nier­bar mit einer Prise Sonnen­un­ter­gang.

Über­haupt sind Sonnen­un­ter­gänge am und ins Meer nicht zu verach­ten. Das Versin­ken des Feuer­balls im unend­li­chen Blau, schon so manch einen beru­fe­nen und weni­ger beru­fe­nen Poeten und Maler hat diesem Natur­schau­spiel ein Denk­mal gesetzt. Dabei bege­hen wir alle immer wieder den glei­chen Fehler: Ereig­nisse, die so rein und schön sind, kann man nicht fest­hal­ten. Statt­des­sen soll­ten wir uns geehrt fühlen, dass die Natur uns immer wieder an solch einfa­cher Eleganz und uner­reich­ba­rer Groß­ar­tig­keit teil­ha­ben lässt.

Trotz­al­lem besteht natür­lich kein recht­fer­tig­ba­rer Grund, mit dem Versuch des Sonnen­un­ter­gangs­ma­gie­fest­hal­tens aufzu­hö­ren. Viel­leicht klappt das ja irgend­wann. Das wäre schön.

 

Okay

Stille. Irgend­je­mand schreibt ein paar Zeilen auf ein Blatt Papier, faltet dieses, legt es in einen Umschlag und steht auf. Wenige Meter entfernt steht ein Brief­kas­ten. Gera­dezu angst­ein­flö­ßend grell leuch­tet seine Signal­farbe in die grau-graue Umwelt. Klappe auf. Ein kurzes Flip­pen der Hand. Klappe zu.

Trubel. Menschen­mas­sen strö­men durch die Stra­ßen. Es ist Tag. Irgendwo ist etwas passiert. Alles eilt. Doch an einer Haus­wand steht jemand und öffnet einen Brief­um­schlag. Das Papier wird nass, ein flüch­ti­ger Blick an den fast zu blauen Himmel verrät den Grund.

Frei­zei­chen.
„Hallo?“
„Hallo. Es ist okay.“
Gesprächsab­bruch.

Stille.

 

Sitzen vier Polen im Auto

Als ich Anfang des Jahres mitbe­kam, dass Alex­an­dra Tobors erstes Buch „Sitzen 4 Polen im Auto“ bald erschei­nen würde, hibbel­hüpfte ich erst einmal ein wenig durch die Wohnung. Es ist viel Zeit vergan­gen, seit ich Tiffy zum ersten Mal aus ihren Entwür­fen lauschen durfte und unter ande­rem von den Schwie­rig­kei­ten erfuhr, die durch ein Paar Eich­hörn­chen­schuhe in deut­schen Schu­len auftre­ten können.

Nichts­de­sto­trotz fällt es mir nicht leicht, Worte zu finden, dieses Buch zu empfeh­len. Nicht, weil ich es nicht empfeh­len möchte, sondern zum Einen, weil das schon andern­orts besser getan wurde, als ich es könnte und zum Ande­ren, weil mir dieses Buch persön­lich sehr viel bedeu­tet. Es wäre also nicht fair, würde ich dieses Buch hier umfang­reich rezen­sie­ren, da diese Kritik gefahr­lau­fen würde, von Kritik völlig frei zu sein.

Nun möchte ich aber dennoch nicht ganz ohne ein paar Bemer­kun­gen über dieses Buch verblei­ben. Dass ich es sehr mag, dürfte dem geneig­ten Leser dieses Text­chens hier schon bewusst gewor­den sein. Vor allem aber, und dies nicht um den Inhalt in den Schat­ten stel­len zu wollen, sondern, um dessen Wich­tig­keit zu unter­strei­chen, möchte ich den meiner Ansicht nach wich­tigs­ten Satz aus dem Nach­wort des Romans wieder­ge­ben: „Fiktion bringt uns die Wirk­lich­keit näher, als die objek­tive Wahr­heit der Fakten es vermag.“ Alex­an­dra Tobor hat in diesem Satz sehr schön die Faszi­na­tion einge­fan­gen, die uns immer wieder dazu treibt, uns in fiktive Gedan­ken­wel­ten zu flüch­ten. Denn, es ist eine sicher auch zu Olas Schul­zei­ten vermit­telte deut­sche Binsen­weis­heit: Die Gedan­ken sind frei.

Abschlie­ßend bleibt mir noch, dem nun hoffent­lich nach der Geschichte von Lux! und Eich­hörn­chen­schu­hen gieren­den Leser den Hinweis an die Hand zu geben, dass die durch das Lesen dieses Buches indu­zier­ten Lach­an­fälle durch­aus einem größe­ren Umfeld (lies „Bitte im öffent­li­chen Nahver­kehr lesen“) gut tun können. Zugleich bleibt aber zu beden­ken, dass der wach­same Leser sich ab und an von einem weinen­den Auge befal­len finden wird. Denn – weiter oben steht es bereits – dieses Buch bringt uns der Wahr­heit ein Stück näher.

Um die Sache kurz zu fassen: Es ist toll, lest es bald! Und wer sich noch immer nicht sicher ist, begebe sich auf der Stelle zum Einhorn, da kann man nämlich rein­hö­ren. Mit ganz viel Öpve.


Sitzen vier Polen im Auto

Alex­an­dra Tobor 

 

Close your eyes



In your eyes I can see that you're cracking up.
In your eyes I can see that you've had enough.


(The Chemi­cal Brothers)
 

Wörter, ohne Bindungs­drang

Im Endef­fekt sind nur noch Wörter da. Ohne Zusam­men­hang, ohne Bindungs­drang. Sogar ohne innere Bedeu­tung. Worte wollen sie nicht mehr werden, haben Angst vor dem, was sie dann sagen könn­ten, mehr aber noch vor dem, was sie verges­sen könn­ten.

Es gibt aber ein paar Gala­pa­gos­schild­krö­ten und kali­for­ni­sche Kiefern unter all diesen Wörtern. Ein paar von ihnen sind so alt, dass sie noch nicht verges­sen haben, wie es ist, Wort zu sein. Manch­mal, wenn ich schlaf­los im Bett liege, lausche ich diesen weisen Worten. Es sind zu wenige, um Geschich­ten zu erzäh­len und viel zu wenige um am eige­nen Leben weiter zu schrei­ben, doch ihre Melo­dien sind beru­hi­gen­der, als Meeres­rau­schen, welches so schön ist, dass man aus der Erin­ne­rung daran durch­aus einen Patro­nus beschwö­ren könnte.

 

Die Frage nach dem Warum

Matt­hias hat nach unse­ren Leiden­schaf­ten gefragt. Also habe ich nach­ge­dacht, und versucht, heraus­zu­fin­den, warum ich (und viel­leicht auch andere) das mit dem Blog­gen mache.

Ich würde sagen, die ganze Misere nahm mit dem Schrei­ben darüber ihren Anfang. Man sitzt da und nimmt einen Stift in die Hand, schreibt ein paar zaghafte Worte auf eben noch jung­fräu­lich weißes Papier und schon weiß man nicht mehr, wo einem der Kopf steht.

Viel­leicht war es früher einfa­cher, sich hinter Wörtern zu verste­cken, sie zu Wort­schutz­schil­den gegen die unlieb­same Umwelt zu formen, doch die Wahr­heit ist, es ist nicht einfach, sich zu verste­cken, in einer Welt, die nicht mehr stehen blei­ben will. Eine Welt, die das Pausie­ren verlernt hat, braucht Anker und Ketten, die an den Ankern hängen. Um diese Anker und Ketten geht es mir. Darum, dass das geschrie­bene Wort, der zu Ende gedachte Gedanke, jeman­dem dort drau­ßen einen Halt geben kann. Wenn auch nicht für immer, so hoffent­lich zumin­dest für einen Moment. Ich möchte Anker­wer­fer sein.

Jeder Mensch liest für sich alleine. Wahr­schein­lich ist gerade dies der Haupt­grund für die Kraft, die hinter einem Satz zu stehen vermag. Meist gerade hinter Sätzen, die auf den ersten Blick gefahr­los schei­nen. Ich meine nicht die allseits bekann­ten Phra­sen, nicht das große „Ich liebe dich“ in all seinen Vari­an­ten. Nein, mir geht es um die Art von Wort­fol­gen, die berüh­ren, ohne anzu­fas­sen. Jeder Mensch liest für sich alleine, ich wieder­hole mich da gerne. Wir Menschen tendie­ren dazu den Dingen nicht die nötige Ehrfurcht und Wich­tig­keit beizu­mes­sen. Um nun also korrek­ter zu werden, muss ich eigent­lich sagen: Jeder Mensch fühlt für sich alleine. Denn lesen ist fühlen. Fühlen auf eine der tief­grei­fends­ten Arten, die es gibt.

Wenn es Worte gäbe, um auszu­drücken, was jene empfin­den, die Schrei­ben, gäbe es bestimmt bald keine Auto­ren mehr. Denn was gäbe es zu erzäh­len, wenn gesagt werden könnte, warum es etwas zu erzäh­len gibt?

Viel­leicht ist das alles aber auch nur das Ende zu einer Geschichte, die kein Ende haben darf. Wir soll­ten es heraus finden. Weil wir alle Auto­ren unse­rer Gefühls­welt­nie­der­schrif­ten sind.

 

Why is it that his voice can set ice on fire?

 

Einheits­ge­dan­ken­mar­me­lade

Sie klatsch­ten sich Herzen an die Stirn, weil sie es nicht anders gelernt haben. Sie wissen nicht, warum das keine Liebe ist. Sie schrei­ben Tage­buchein­träge epischen Inhal­tes, weil man ihnen sagte, dass Schrei­ben hilft. Sie wissen nicht, warum Schrei­ben erst hilft, wenn man darüber redet.
Plati­tü­den­zwang. Einheits­ge­dan­ken­mar­me­lade. Wir sind doch alle nur trau­rige, verlo­rene Seelen ohne Zukunft.