meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Wenn man wort­los ist

„Sag, was sagt man zu einem Menschen, dem man nichts mehr zu sagen hat?“

„Viel­leicht muss man nichts sagen, sondern einfach einmal schwei­gen. Oder meinst Du, es muss etwas gesagt werden?“

„Wenn der Zwang, zu reden, ohne etwas zu sagen zu haben, besteht, muss man doch etwas sagen, oder?“

„Ich würde dir ja 'dann rede, aber sag nichts' raten, aber das bringt dich nicht weiter, fürchte ich.“

„Das Problem ist, ich kann nicht. Ich würde gerne reden, ohne etwas zu sagen, aber es geht nicht, da ist einfach nichts. Keine Worte, nicht einmal mehr wirk­lich Wörter.“

„Du? Ich finde, Du soll­test nicht in der Nähe dieses Menschen sein.“

„Das ist mir ja bewusst, nur geht es um einen Menschen, der mir sehr wich­tig ist und zumin­dest auf Grund von Erin­ne­run­gen auch immer noch ganz tief bei meinen Herz­men­schen veran­kert ist.“

(Danke, farben­ma­ed­chen.)

 

Teetas­sen­um­schlie­ßen

  • 5 years ago veröffentlicht
  • Ein Kommentar
  • Erwartete Lesezeit: 01:01 min

Die Mulde zwischen Leere und Einsam­keit befin­det sich in etwa zwei Zenti­me­ter vom Heizungs­reg­ler entfernt. Das Lochrif­felblech auf der Heizung kommt seiner Haupt­be­schäf­ti­gung, mir zu demons­trie­ren, wie schmal die Wege sind, die am Rand­ge­biet wohli­ger Wärme liegen, entmu­ti­gend effek­tiv nach. Irgendwo im Grenz­be­reich zum cine­ma­tesk über­weich gezeich­ne­ten Hinter­grund blinkt eine Digi­tal­uhr. 0:00. Aus. 0:00. Aus. Die Minu­ten zählt sie nur vor, behal­ten muss ich sie selbst. Ich versu­che, mich zu sammeln. Meine Nase versucht während der Ewig­keit, mir von dem neben­ste­hen­den Tee zu erzäh­len. Jetzt höre ich hin. Teetas­sen­um­schlie­ßen gehört zu den beru­hi­gends­ten Tätig­kei­ten für Hände. Wenn die Tasse leer ist, beschließe ich, rufe ich dich an.

 

Birth of a Book

(ohne Worte. Dafür mit sehr viel Liebe.)

[vimeo]http://vimeo.com/38681202[/vimeo]

 

Grauer Schmet­ter­ling

Man müsste eine Pfau­en­fe­der sein. Dann könnte man sich nicht nur darauf verlas­sen immer und zu jedem Anlass ange­mes­sen geklei­det zu sein, nein, man hätte sogar nahezu immer die Blicke aller umste­hen­den sicher. Zugleich wäre man aber fragil und schüt­zens­wert und daher sicher davor, in endlose lang­at­mige Gesprä­che verwi­ckelt zu werden. Man müsste auch auf Empfän­gen nicht nur profa­nen Sekt trin­ken, sondern könnte ihn mit Oran­gen­saft anrei­chern. Mit einem kurzen betö­ren­den Schwenk des Federau­ges bekommt man sicher auch Cura­cao dazu und kann sich rühmen, eines der farben­frohs­ten Getränke im Saal genie­ßen zu dürfen.
Bukow­ski hätte es sicher gemocht, eine Pfau­en­fe­der zu sein, wenn er nicht so verliebt darin gewe­sen wäre, ein grauer Schmet­ter­ling zu sein, der die Pfau­en­fe­dern ziel­si­cher und nieder­schmet­ternd analy­siert.

 

Don't go

I keep on hoping that we'll find another reason to compro­mise.

Hier war mal ein Video. Das ist jetzt aber nicht mehr auf YouTube. (meh.)
 

Was ich fühle

Bevor ich dich kennen lernte, wusste ich nicht, was Chris Martin meint, wenn er „when you love someone but it goes to waste“ singt. Liebe ist ein großes Wort. Ich nahm mir schon oft vor, es selte­ner in den Mund zu nehmen, über­haupt auch vorsich­ti­ger damit umzu­ge­hen. Doch ist das mit der Liebe nicht so einfach. Insbe­son­dere nicht, wenn so wunder­volle Menschen wie du in mein Leben treten.

Du kamst und hast mich zum Lachen gebracht, einfach so. Gleich­zei­tig warst du da und hast zuge­hört und ich hörte dir zu. Wir lern­ten, uns zu vertrauen. Wir lern­ten uns kennen. Die Magie, die von dir ausging, war an manchen Tagen kaum in Worte, an ande­ren nur gar schwer­lich in Bilder zu fassen. Ich liebte dich.

Das Gefühl, verliebt zu sein ist einzig­ar­tig. Jeder Mensch fühlt jedes Mal wenn er liebt ein biss­chen anders. Dass, was wir beschrei­ben, wenn wir gefragt werden, was wir denn fühlen, ist Zunei­gung. Innige Zunei­gung wahr­schein­lich, doch nicht mehr. Liebe kann man nicht beschrei­ben. Du sagtest einmal, Liebe ist. Du bist.

All das habe ich dir nie gesagt. Ich hatte Angst. Furcht­bare Angst. Du warst als Freun­din zu wich­tig gewor­den. Bei allem, was in mir vorging, ist es immer am wich­tigs­ten für mich gewe­sen, dass du glück­lich bist, weil du mich glück­lich mach­test, mich zur Not fest­hieltst mit deinen sanf­ten Worten und deiner warmen Stimme. Ich brau­che dich.

Eines Tages, in einem ande­ren Leben, erzähl­test du mir, dass du dich verliebt hättest. Natür­lich hast du das nicht so gesagt. Dazu spür­test du zu gut, wer du für mich warst. Doch ich kannte dich auch. Deine Zeilen­zwi­schen­räume sind schon längst zu meiner Wahl­hei­mat gewor­den. Also fing ich an zu kämp­fen. In mir. Versuchte erst und natür­lich unsäg­lich lang, mir einzu­re­den, dass das ja keine Rolle spielt, weil ich ja trotz­dem mehr zähle. Du hast nie geblockt. Du wurdest nicht verschlos­se­ner. Das hat mich bestärkt.

Wie dumm ich war, wurde mir klar, als wir über deine Zukunft rede­ten. Nie zuvor hattest du so offen über deine Gefühle gere­det. Nie zuvor, war es für mich so schwer, da zu sein. Mein Herz rebel­lierte. Bald schon brachen die ange­stau­ten Zunei­gungs­ge­dan­ken wasser­fall­ar­tig aus mir heraus. Und Du hast mich förm­lich in die Arme geschlos­sen mit deiner Art, mir zu sagen, dass alles okay ist. Dass du dies spür­test.

Ich möchte dir das Ende der Geschichte verra­ten. Ich werde immer für dich da sein, doch ich liebe dich nicht mehr. Zunei­gung, höchst­mög­li­che Zunei­gung und mehrere dicke Schei­ben Vertrauen sind, was ich fühle.

 

Zeit

Dann soll es in Ordnung sein. Was dabei in Ordnung ist, spielt keine große Rolle. Haupt­sa­che, man kann sich deka­dent in einen Sessel fallen lassen und mit einem Glas Wein in der einen und einer Ziga­rette in der ande­ren Hand „Weißt Du, im Grunde ist alles in Ordnung“ sagen. Du würdest etwa einen Meter entfernt sitzen, auf der ande­ren Seite des Tisches, in einem exakt iden­ti­schen Sessel, ebenso mit Wein und Ziga­rette. Deine Ziga­rette wäre nicht ange­zün­det. Du warst schon immer der Klischee­su­chende, gera­dezu zwang­haft jedes Detail im Leben anord­nen wollend, als ob jeder Moment ein Diorama in der Alten Natio­nal­ga­le­rie wäre.

Aber das Leben ist genau­so­we­nig eine endlose Kette von aufge­han­ge­nen Bildern, wie es kein Kino­film ist. Ich habe lange gebraucht, um dies zu verste­hen. Und doch habe ich es bisher nicht geschafft, dir das begreif­lich machen zu können. Du bleibst gefan­gen in deiner Zeit­schleife und ich schaue in Sepia­fär­bung zurück auf die Tage, an denen wir anfin­gen in unter­schied­li­cher Geschwin­dig­keit zu leben. Korrek­ter: An denen ich mein Leben beschleu­nigte und du stehen bliebst. Du hast dein Leben im Hier und Jetzt einge­tauscht gegen das Leben der Bücher und Male­reien, das Leben der Schwei­gen­den, derer, die sich nicht mehr wehren können gegen Deine Gier alles beur­tei­len zu müssen, in alles denun­zie­rend zu inte­pre­tie­ren. Es gibt ange­neh­mere Zwangs­neu­ro­sen.

Es hätte alles ganz anders kommen können. Weißt Du noch? Damals, als wir gerade Sieb­zehn waren und unter der Eiche auf der ande­ren Seite des Feldes den alten Mann sahen? Ich habe mich oft gefragt, warum wir unbe­dingt zu ihm gehen muss­ten. Sicher, wir waren jung. Wir dach­ten, wir würden die Welt mit dem Daumen halten können, so wie es Basket­bal­ler tun, wenn sie mit ihrer Welt spie­len. Keiner von uns hatte jemals auch nur einen Basket­ball in der Hand gehal­ten. Wir waren Sport so elegant ausge­wi­chen, wie man Sport nur auswei­chen kann, wenn man in einer Groß­stadt wie dieser aufwächst. Daher wuss­ten wir nicht, wie schwer es ist, den Ball auch nur eine Achtel­se­kunde auf dem Daumen zu halten. Noch weni­ger wuss­ten wir davon, wie schnell er sich dreht, wenn er dort bleibt, wo er blei­ben soll.

Wir stan­den. Regungs­los. Besin­nungs­los. Ich habe bis heute nicht ergrün­den können, was auf den Metern vor der Eiche passierte. Wahr­schein­lich werde ich es nie verste­hen. Höchst­wahr­schein­lich ist das auch gut so. Arvijd steht noch heute unge­bro­chen neben der Eiche, wie ein Fels in der Bran­dung. Zumin­dest, wenn ich die Augen schließe. „Die Zeit steht still für den, der geht und rennt vor dem, der steht“ hatte er uns mit gera­dezu gespens­tig ruhi­ger Stimme entge­gen als er sah, dass wir ihn bemerkt hatten. Ich konnte mich nicht halten. Ich hatte Angst. Ich lief weg. Du bliebst.

Später hast Du mir einen langen Brief geschrie­ben. Es war der erste Brief, den Du mir geschrie­ben hast. Es war der einzige Brief, den du je geschrie­ben hast. Du hast versucht, mir zu erklä­ren, was Arvijd gesagt hat. Du. Dabei konn­test Du das gar nicht. Die Zeit hatte Dich schon verlas­sen. Einzig die stand­haf­tes­ten Eigen­schaf­ten einer Persön­lich­keit werden nicht vom steten Fluss der Zeit mitge­ris­sen. Du warst schon immer derje­nige von uns, der den Blick zurück gerich­tet hatte. Ich habe dir immer Don't look back in Anger vorge­spielt und bin wegge­lau­fen. Nach vorne. Lieber wollte ich tausend­mal von unbe­kannt Neuem verschreckt werden, als mir länger als zwin­gend nötig Gedan­ken über Vergan­ge­nes zu machen.

Als Du anfingst, Tage­buch zu schrei­ben, nahmst Du mich in den Zeilen­zwi­schen­räu­men gefan­gen. Erst haben wir beide das nicht gemerkt, doch als es uns auffiel, war es zu spät. So war ich gebun­den, für immer, stehen zu blei­ben und zugleich weiter zu gehen. In der Zeit zu reisen, wenn auch nur in dem klei­nen Raum zwischen deinen Worten, bestimmt mich. Du hast von all dem, was all die Jahre passiert ist, nicht viel mitbe­kom­men. Ich würde gerne wissen, wie du es geschafft hast, die vielen tausend Seiten zu füllen, die sich um deinen Sessel stapeln. Deine Augen könn­ten Geschich­ten erzäh­len. Gibst Du diesen Geschich­ten eine Heimat?

 

Stille

Gedan­ken zerbre­chen in ihren Schutz­hül­len bevor diese geknackt werden können. Flucht scheint die einzig mögli­che Option zu blei­ben. Doch die drän­gende Frage wohin und das mindes­tens ebenso unaus­weich­li­che wovor stel­len sich unbe­ant­wor­tet in den Weg. Unbe­ant­wort­bar. Wovor flüch­tet man, wenn eigent­lich alles in Ordnung ist? Wohin flüch­tet man, wenn die vertraute Umge­bung zumin­dest in Tilt Shift betrach­tet doch der sicherste Ort der Welt ist?

Sich selbst nicht mehr zu kennen. Die große Angst vor der Stille im Innern. Die große Sucht nach der Stille für das Innere. Damit man beim Lauschen viel­leicht doch noch das ein oder andere verges­sene Wort findet und sich, mit etwas Glück, aus ein paar Gedan­ken­fet­zen wieder zusam­men flicken kann. Der Fluss ist eisig und sogar von einer dünnen Schicht frischer Schnee­flo­cken bedeckt. Den Fuß darauf zu setzen ist ein Wagnis, doch der Wald in der Ferne sendet schwei­gend seine Gast­freund­schaft an die Augen. Wenn Mut in Tablet­ten­form verkauft werden würde, wäre dies womög­lich der Moment, an dem man anfan­gen würde, Pillen nicht mehr ganz so sehr zu verflu­chen. Ein vorsich­ti­ger Schritt, noch nicht ganz aufset­zen, es knackt schon um die Zehen herum. Zwei­ein­halb Schritte bräuchte man nur, sagt das Augen­maß, dann wäre man in Sicher­heit. Zwei­ein­halb Buch­sta­ben brauchte es nur, um die Mauern einzu­rei­ßen, die die verlo­rene Sicher­heit mit sich nahmen. Doch das ist jetzt nicht wich­tig, im Grunde war das nie wich­tig. Menschen machen Fehler, jeder weiß das und doch lässt man sich immer wieder auf das selbe Spiel ein. Jetzt den Fuß aufset­zen, dann schnell den ande­ren vorschwin­gen und mit einem beherz­ten Satz nach dem Ast auf der ande­ren Seite grei­fen.

Nur noch ein paar Schritte. Die Bäume werden gedul­dig zuhö­ren und die Wunden heilen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1_cePGP6lbU[/youtube]

 

Mandel­brot Set

Manch­mal, wenn ich Google benutze, findet es nicht das, wonach ich suchte. Meist ist das aber über­haupt nicht schlimm, weil dann statt­des­sen sehr groß­ar­tige Kunst auf den vorde­ren Plät­zen landet. So zum Beispiel dieses Meis­ter­werk, gewid­met der Mandel­brot Menge:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=P1Xid_zLP4k[/youtube]

Mandel­brot Set you're a Rorschach Test on fire
You're a day-glo ptero­dac­tyl
You're a heart-shaped box of springs and wire
You're one badass fuck­ing frac­tal
 

The Geek Shall Inhe­rit The Earth

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=FG_OZ7kUNYs[/youtube]

Es tut weh, so zu sein, wie du soll­test
Es tut weh, zu sein, wie du bist
Aber wenn der Quar­ter­back kommt
Um dir die Brille abzu­neh­men
Sag ihm: „Danke, die bleibt, wo sie ist!“