meandering soul

»Am Ende kommt meist sowas Absurdes wie ewige Liebe.«

Es tut uns doch leid

Du wirst bald weg sein, weil mir die Kraft fehlt, „Bleib doch!“ zu sagen. Das ist wahr­schein­lich das schlimmste an der ganzen Geschichte. Ich wollte nie, dass du gehst, doch mir fehlen die Worte, dir zu sagen, wie wich­tig Du bist, wie sehr Du und niemand sonst zu mir gehörst. In einer ande­ren Zeit oder an einem ande­ren Ort würden hier jetzt viel­leicht diese berühm­ten drei Worte stehen. Eigent­lich könn­ten sie auch hier stehen, doch sie würden nicht reichen. Sie würden nie reichen. Sie haben nie gereicht.

Jetzt wäre ein guter Moment um Kett­car zu zitie­ren. Dich zu kennen bringt viele gute Momente, um Kett­car zu zitie­ren. Oft die guten und verzau­bern­den Worte, leider aber auch oft die melan­cho­li­schen und tragi­schen Geschich­ten drum herum.

Ich werd' immer für dich da sein, bist du dabei?

Wenn du nicht bleibst werde ich wahr­schein­lich der Inschrift meines iPods noch weni­ger Rech­nung tragen können. Denn „Don't look back in anger.“ ist ja nicht nur ein wunder­ba­res Lied, sondern eben auch ein eigent­lich gar nicht so schlech­ter Lebens­an­satz. Doch manch­mal kann man sich nicht mehr helfen. Manch­mal wird alles zu viel und dann sieht man zu allem Übel vor sich nichts mehr. Also muss man zurück sehen. Mit mehr oder weni­ger Groll.
Was war und ist, kommt und bleibt, es tut uns nicht leid.

Doch am Ende bleibt das Wissen, dass Du immer in meinem Kopf und noch viel länger in meinem Herzen blei­ben wirst und so schnul­zig und abge­grif­fen diese Phra­sen auch sind, sind sie hier eine dieser weni­gen Wahr­hei­ten, die so oft zu Spra­che kommen soll­ten und denen diese so selten gewährt wird.
 

Nicht mehr verlo­ren gehen

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:06 min

Es gibt Musik, die Stille sucht. Es gibt Stille, die nur dann funk­tio­niert, wenn vorher genau solche Musik da war. Es ist diese Musik, die man Nachts halb drei mit In-Ears auf kaltem Fuss­bo­den liegend hört. Für 30, 40, 50 Minu­ten bewegt man sich nicht. Nicht, weil man erstarrt ist, ob der Kälte, sondern einfach, weil es nicht geht. Gefes­selt von Klän­gen. Dann kommt die Stille. Und dann fühlt man. Irgend­was. Jeder etwas ande­res und niemand würde sich finden der auch nur den Ansatz einer Beschrei­bung dessen, was man dann fühlt, in Worte fassen könnte. Und doch, man fühlt.

Es gibt Dinge, die kann nur Musik mit Menschen machen. Sie zum Fühlen brin­gen, in unde­fi­nier­bare Schwe­be­zu­stände verset­zen, sich selbst nicht mehr wahr­neh­men, weder von innen, noch als abseits lauern­der Beob­ach­ter.

Wenn Du diese Musik gefun­den hast, die das für dich kann, kannst Du nicht mehr wirk­lich verlo­ren gehen in deinem Leben.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=CkFRk­qBAFYk&feature=rela­ted[/youtube]

 

Vertrauen

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 01:47 min

(via welt­der­traeume)


Du sitzt da und schaust, geschützt von meiner Qualm­hülle, stolz auf dein perfek­tes Leben. „Vertrauen ist ein Geschenk, weißt du?“, sage ich, während ich den letz­ten Zug der was weiß ich wieviel­ten Ziga­rette nehme.

„Ich kann mich nicht mehr wirk­lich an mein Leben erin­nern. Das ist nicht schlimm. Ich wollte es ja so. Doch manch­mal, manch­mal wünschte ich, ich könnte zurück gehen zu den Menschen, die ich sehe, wenn ich nach star­ken Gewit­ter­blit­zen kurz die Augen zu mache. Denn wen man da sieht, sieht man auch in seinen dunkels­ten Albträu­men. Wenn ich denn träu­men würde. Doch das geht ja auch schon geraume Zeit nicht mehr.“

Wort­los, sprach­los, nicht mehr ganz bei Sinnen schaue ich dich an. Gekonnt, in jahre­lan­ger Übung zur Perfek­tion gebracht, schaust du an mir vorbei. Einen gefühl­ten Vier­tel­mil­li­me­ter. Aber eben vorbei. Mit diesem Blick, der nackt macht. Emotio­nal. Du kennst jeden Menschen. Glaubst du. Doch dein Leben ist auch nur eines von den vielen, die so kaputt sind, dass die ganzen Pflas­ter ein perfekt wirken­des Kunst­werk geschaf­fen haben. Eines, das viel zu leicht einrei­ßen kann.

„Du soll­test anfan­gen, zu rauchen. Das macht zwar nichts besser, hilft aber manch­mal dabei, Gedan­ken andere Abzwei­gun­gen an Kreu­zun­gen wählen zu lassen.“

„Danke. Ich bleibe lieber beim Alko­hol. Damit kann ich wenigs­tens jeder­zeit einen Punkt bestim­men, ab dem ich ein paar Stun­den von mir frei habe. Es ist nicht leicht, ich zu sein, weißt du?“

„Ja. Deswe­gen hoffe ich ja, dass du verstehst, warum ich dir mein Vertrauen schen­ken möchte.“
 

Etwas Kopf­kino

Einfach nur hinse­hen. Ihr zuse­hen wie sie redet, gesti­ku­liert, ihre Augen verfol­gen, rotbraune, Geschich­ten erzäh­lende Augen, den ein oder ande­ren Moment an ihrem bezau­bern­den Lächeln hängen­blei­ben, beob­ach­ten, wie sie sich die Haare aus dem Gesicht streift, anfängt einen Zopf daraus zu machen und dann doch wieder den halb gebun­de­nen Zopf aufmacht und das Haar wild nach hinten wirft. Mit einer dennoch fast unsicht­ba­ren Kopf­be­we­gung. Brünett, aber ein rela­tiv helles brünett, schul­ter­lange, glatte Haare, perfekt symme­tri­sches Gesicht, etwas zu dünne Arme für die Größe der Hände, die sie aber mit solcher Leich­tig­keit bewegt, dass es nur posi­tiv auffällt. Dezent im gesam­ten Verhal­ten und doch so viel Glück und Eupho­rie ausstrah­lend.

In einem Wort: Schön.

 

Herz­no­ti­zen

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 03:06 min

…eines Mädchen­her­zes

Ich habe keine Lust mehr für dumme Kerle zu schla­gen.

Tag ein Tag aus die selbe Leier. Und dieser Körper könnte sich auch endlich mal dazu bewe­gen ab und an ein paar der Schmet­ter­linge, die da so oft kommen und gehen, vom Bauch zu mir durch­zu­las­sen. Ich mag diese Tier­chen doch so sehr.

Über­haupt gehen die Schmet­ter­linge viel zu oft und viel zu schnell wieder weg. Manch­mal glaube ich, ich bin keine gute Schmet­ter­lings­hü­te­rin.

Heute am See hat mich so ein komi­scher Junge ange­lä­chelt. Er wirkte schüch­tern. Oh, hallo klei­ner Schmet­ter­ling, bleibst Du ein wenig?

Ich habe ihn wieder gese­hen. Er hat sich näher zu mir gesetzt. Das ist süß. Liebe Schmet­ter­linge, ich bin doch nur ein klei­nes Herz, geht doch auch in den Rest des Körpers, ja?

Ich werde bald flie­gen können, oder wenigs­tens schwe­ben. Wir tref­fen uns jetzt oft. Sehr oft. Ich glaube, man nennt das glück­lich sein.

Er ist da. Also hier. Also in mir. Den lass ich hier nie wieder raus. Ganz bestimmt nicht. Auch wenn das jetzt alles ein biss­chen eng gewor­den ist. Viel­leicht kann ich ja noch ein zwei Schmet­ter­ling­chens zum umzie­hen bewe­gen.

Rand­be­mer­kung: Dem Kopf da oben mal die Venen waschen. Der tickt zu kompli­ziert für meinen Geschmack.

…eines Jungen­her­zes

Warum macht der Kerl eigent­lich nie, was ich sage? Immer nur still da sitzen, Kopf­hö­rer in die Ohren und Welt abschal­ten. Nachts heult er dann wieder Pseu­do­herz­scheiße in seinen Twit­terac­count. Als ob es davon besser werden würde. Würde er mich doch nur einmal um Rat fragen. Wozu bin ich denn sonst Jungen­herz gewor­den?

Bei Gele­gen­heit mal was mit dem Bauch trin­ken gehen und ihm gratu­lie­ren. Er hat es endlich mal geschafft, den Kopf zu über­stim­men. Ich kann dieses Gerede darüber, dass Frauen so kompli­ziert seien, nicht mehr nach­voll­zie­hen, seit­dem ich in diesem Kerl hier mein Dasein friste.

Strand. See. Wasser. Sonne. Endlich mal was für mich. Wieder­holt: Danke, Bauch!

Himmel hilf. Jetzt beweg dich doch endlich zu dem süßen Mädel und sprich sie an. Oder lass mich am Besten machen.

Geht doch. War doch gar nicht so schwer, oder, Kopf? Kopf? Kopf?! (Dieser bescheu­erte Kopf. Entwe­der nicht da oder falsch konfi­gu­riert. Bei Gele­gen­heit mal eine Ladung Bret­ter ordern.)

Eis. Eis. Eis. Eis. Juchu. Sie ist nett. Sie darf hier rein. Sie mag Eis. Sie darf erst recht hier rein. Ich werde ihrem Herz gleich mal ein paar Schmet­ter­linge mit Gruß vom Bauch vorbei­schi­cken.

Pakt mit dem Bauch geschlos­sen, den Kopf vorerst nicht mehr aktiv am Gesche­hen teil­ha­ben zu lassen. Statis­tisch gese­hen wird der sich sowieso viel zu früh wieder einmi­schen.

Endlich glück­lich. Hoffent­lich kriegt dieses angeb­lich denkende Ding da oben das nicht so schnell mit.

 

Klei­der machen Leute

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 03:32 min

Diese Welt dort drau­ßen ist, auch wenn das nicht so sein sollte, der Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät unter­le­gen. Da wird Mann komisch ange­se­hen, wenn die Hose zu eng ist, oder das Shirt zu viel Schul­ter zeigt und Frau noch viel komi­scher, wenn sie kurze Haare hat oder gar nie in ihrem Leben mit einem Rock gese­hen wird. Warum tun wir uns das an? Also nein, warum tut ihr euch das an?

Ich finde das – an dieser Stelle ist die Wahl des Wortes zu entschul­di­gen – bescheu­ert. Und das ist noch zaghaft formu­liert. Alle Welt redet von Offen­heit und Tole­ranz und Inte­gra­tion und all dem, was da sonst noch aus zuge­hö­ri­ger Schub­lade kommt und keiner macht es. Natür­lich, hier und da gibt es ein paar Ausnah­men, doch die haben heute genauso damit zu kämp­fen, von der Gesell­schaft akzep­tiert zu werden, wie eh und je.

Lieber Leser,

Du glaubst also, Du bist hete­ro­se­xu­ell und damit deiner Ansicht nach ein Normal­bür­ger dieser Gesell­schaft? Bist Du dir sicher? Mach doch dir zu liebe mal folgen­des klei­nes Expe­ri­ment: Schalte deinen Kopf aus und höre auf deinen Körper, wenn du mit dir sympa­thi­schen Menschen unter­wegs bist. Ich lasse hier ganz bewusst jegli­che Geschlechts­be­stim­mung weg. Mit etwas Geduld und Wille (vor allem Wille) wirst Du verste­hen können, warum.

Männer die Frau­en­kla­mot­ten oder zumin­dest Klei­dungs­stücke, die ausse­hen, wie Frau­en­kla­mot­ten, tragen, werden schief ange­se­hen. Fast so schief, wie Menschen, die auf offe­ner Straße einen Apfel essen, wie kann man nur, ist ja gesund, aber das tut hier nichts zur Sache. Frauen dage­gen, die Männer­kla­mot­ten tragen, werden höchs­tens als Karrie­re­frauen beti­telt. Nun ist Karrie­re­frau alles andere als ein nettes Beiwort, im Grunde ist das genau einer dieser Punkte, der zwischen realer Gleich­stel­lung in der Gesell­schaft und dem aktu­el­len Zustand liegt, doch es ist immer­hin schon eine gewisse Form von Akzep­tanz. Als Mann kann man dage­gen sicher sein, dass man von jedem zwei­ten Mensch, der einem auf der Straße begeg­net, als schwul wahr­ge­nom­men wird. Nicht aufzu­hö­ren ist im Grunde die einzige Möglich­keit. Sich bewusst dafür zu entschei­den Dinge zu tun, die das Umfeld dazu bewe­gen zu reden. Denn wenn sie reden, fangen sie an ein biss­chen nach­zu­den­ken. Viel­leicht nicht gleich in die rich­tige Rich­tung von Tole­ranz und Akzep­tanz, aber sie werden damit konfron­tiert und müssen sich, weil sie zu arro­gant sind uns einfach zu igno­rie­ren, damit ausein­an­der­set­zen. Und das ist doch schon mal etwas.

Aus diesem Grund mag ich zum Beispiel das Mode­la­bel Week­day. Wenn man zu Week­day geht und die Verkäu­fer dort nach etwas fragt, dann ist das letzte wonach sie schauen in der Regel, ob das Klei­dungs­stück jetzt gerade aus dem Jungs- oder dem Mädels­teil kommt. Da geht es einzig und allein um wohl­füh­len. Sollte es so nicht auch außer­halb der Laden­gren­zen sein?

Weiter­le­sen?!

 

One Day

  • 6 years ago veröffentlicht
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  • Erwartete Lesezeit: 02:39 min

Seit­dem ich mobile Musik­wie­der­ga­be­ge­räte besitze, sind quasi unun­ter­bro­chen zwei Musik­ti­tel mit dem Titel „One Day“ auf diesen. Wer hätte gedacht, dass ich irgend­wann an einem Stra­ßen­rand ein Buch mit eben diesem Titel finden würde, welches dann zu allem Über­fluss auch noch inner­halb weni­ger Tage seinen Weg auf die Lieb­lings­bü­cher­liste macht.

Die Rede ist von David Nicholls' One Day.

'Live each day as if it's your last', that was the conven­tio­nal advice,
but really, who had the energy for that? What if it rained or you felt
a bit glandy? It just wasn't prac­ti­cal. Better by far to simply try and
coura­geous and bold and to make a diffe­rence. Not change the world exactly,
but the bit around you. Go out there with your passion and your elec­tric
type­wri­ter and work hard at … some­thing. Change lifes through art maybe.
Cherish your friends, stay true to your prin­cip­les, live passio­na­tely and
fully and well. Expe­ri­ence new things. Love and be loved, if you ever get
the chance.


Es ist eines dieser Bücher über das Leben und doch ist es keines dieser Bücher über das Leben, in denen es ausschließ­lich um Lebens­weis­hei­ten geht. Eine dieser Geschich­ten, die gleich­zei­tig aus dünns­ter Luft gegrif­fen sind und doch so real wie nur irgend möglich wirken.

Wenige Auto­ren schaf­fen es, so zu schrei­ben, dass man unun­ter­bro­chen das Gefühl hat, dabei zu sein. Noch weni­ger schaf­fen es, dies bei einer Geschichte zu tun, die sich über so viele Jahre hinweg zieht. Es ist ein Buch zum mitfüh­len, von der ersten bis zur letz­ten Zeile. Ein Buch zum anschreien und zum bewei­nen, zum lachen und zum schmol­len. In gewis­ser Hinsicht könnte man durch­aus behaup­ten: Es ist perfekt.

Dana sagte einmal zu mir, dass man für die Sachen, die einen am meis­ten beigeis­tern am schwie­rigs­ten Worte findet. Da mir aber so unfass­bar viel daran liegt, dass dieses Buch gele­sen, verschlun­gen und geliebt wird, habe ich es trotz­dem versucht. Hoffent­lich mit Erfolg.
There's some medi­cine on the shelf, on it the words 'may cause drow­si­ness' – the most beau­ti­ful words in the English language. Once it was 'do you have a t-shirt I can borrow?' Now it is 'may cause drow­si­ness'.

One Day
David Nicholls
Hodder & Stou­ton Ltd


(PS: Die Musik­stücke sind von Björk und The Verve.)
 

Wishing Well

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=P96xUt9HCTU[/youtube]

You feel like some­thing
Is about to begin
But you don't know what
And you don't know when
 

Die Katze

Warum zur Hölle haben die hier gestreut? Es ist doch mitten im Juni, da streut man doch nicht. Es ist doch mitten im Juni, oder?

(via)


Celia war sicht­lich verwirrt. Wenn sie sich doch nur ein wenig weni­ger gewun­dert hätte, hätte sie merken können, dass es weder ein listi­ger weißer Hase, noch sonst irgend­ein Streichs­pie­ler war, der hier die Straße mit klei­nen, knacken­den und knis­tern­den Stein­chen bedeckt hatte. Auch hätte sie dann merken können, wie unge­wöhn­lich diese Stein­chen waren und wie sehr sie in der Abend­sonne glit­zer­ten.

Doch Celia war noch lange nicht wach. Und das, obwohl es schon kurz nach sieben war. Uhrzeit hatte keine Bedeu­tung für sie, denn Leben konnte sie am Besten dann, wenn sie von nieman­dem gestört wurde. Ob spät­nachts Luft­sch­lös­ser zusam­men träu­mend durch die Stra­ßen wandernd oder früh am Morgen als erste am Eisstand spielte dabei keine Rolle. Haupt­sa­che, sie hatte das Ruder ihres Lebens­boo­tes immer fest im Griff.

„Gott­ver­damm­ter Drecks­mist. Dies­mal werde ich bestimmt gefeu­ert.“

Robert hatte es mal wieder geschafft. Das ganze Tablett voller Würfel­zucker­be­cher für die Tische auf der ande­ren Stra­ßen­seite war ihm in hohem Bogen entglit­ten. Hätte er doch bloß nicht der Katze hinter­her­ge­schaut. Zum Glück lag der Eisla­den in dem er seit ein paar Wochen arbei­tete in einer der vielen Fußgän­ger­zo­nen der Stadt. Sonst wäre das Chaos wohl gar nicht mehr fass­bar gewe­sen.

Während er sich Besen und ande­res Reini­gungs­u­ten­sil noch holte, hatte Celia endlich die Wahr­heit über diese selt­sam glit­zern­den Stein­chen heraus­ge­fun­den. Nun stand sie strah­lend mitten auf dem Weg, tänzelte bald ein wenig und verlor sich in ihrem Wunder­land.

Vertieft darin möglichst schnell und unauf­fäl­lig das Zucker­de­sas­ter zu besei­ti­gen, bemerkte Robert erst sehr spät das kleine, verträumte Mädchen dort mitten in seinem Zucker­stück­chen­feld. Celia sah ihn unver­wandt an. Beinahe glaubte er, sie würde nur durch ihn hindurch­schauen, irgendwo in das schöne Leere, das Tunne­lende, zu dem alle schauen, wenn sie träu­men. „Kaffee?“, fragte Celia, lächelnd auf den Boden zeigend.
 

Ein Schick­sal

Irgendwo auf halber Stre­cke zwischen Kopf und Herz schlum­mern sie, die nie geschrie­be­nen Gedan­ken. Sie zermür­ben den Geist, Stück für Stück, und halten nie inne. Sind sogar so dreist und bewe­gen sich gleich­sam fort­wäh­rend knab­bernd in Rich­tung Herz.

Ein Mensch sitzt da, vor einem leeren Blatt Papier. Ein Blei­stift in der Hand. Abge­nagt am einen, abge­wetzt am ande­ren Ende. Der Geruch von Graphit liegt in der Luft, zerknüllte, einzei­lig bekrit­zelte Blät­ter auf dem Boden.

Auf den Boden!

Das könnte die Lösung sein, auf den Boden der Tatsa­chen sich zu bege­ben. Doch wo war dieser, wie tief musste er wohl noch fallen und würden die klei­nen Gedan­ken­tier­chen ihn noch so lange in einer stabi­len Form belas­sen? Nicht denken, schrei­ben. Das ist die Devise. Doch was?

Man könnte die ganze Situa­tion auch etwas brei­ter aufspan­nen und sich fragen, wie es denn zu dieser prekä­ren Lage gekom­men ist. Nun, wissen Sie, das ging recht schnell, man fing den einen oder ande­ren Text zu schrei­ben an, verfolgte zwei, drei kurze lyri­sche Anwand­lun­gen und ehe man sich's versah, erschrak man vor der Auss­trah­lungs­kraft seiner Worte und schluckte den nächs­ten Gedan­ken lieber erst einmal herun­ter. Den noch gesun­den Leidens­ge­nos­sen sei hier gesagt: Gedan­ken zu schlu­cken ist nicht zu empfeh­len. Sie sind selten flüs­sig und erst recht nicht verdau­bar. Statt­des­sen haben sie die Eigen­heit, sich ganz und gar unan­stän­dig zu beneh­men, zurück in dem Körper, in dem sie entstan­den. Setzen Flau­sen in den Kopf und Flusen über­all sonst, verwir­ren wo es nur geht und fangen an allem an zu Knab­bern.

Was macht man nun, wenn das Herz ange­knab­bert wird, von solch unein­sich­ti­gen Gedan­ken? Ich würde das auch gerne wissen. Über das Nicht­schrei­ben zu schrei­ben ist zwar erstaun­lich produk­tiv, aber dennoch kommen dabei immer diese Art Texte heraus, welche ein Eigen­le­ben der ganz beson­de­ren Art entwi­ckeln: Sie setzen noch mehr knab­bernde Gedan­ken­tier­chen in den Kopf.