Cara Delevigne - Mirror, Mirror

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  • Published 3 months ago

Jetzt schreibt sie auch noch. Das war mein erster Gedanke, als ich Mirror, Mirror von Cara Delevigne zum ersten Mal im Buchgeschäft meines Vertrauens liegen sah. Damals als Hardcover-Ausgabe, die mir zwar optisch sehr zusagte, nur eben nicht mit meiner Lesevorliebe korrelierte. Also blieb das Buch ungekauft. Monate später dann stolperten die stöbernden Augen wieder über den intensiv-gelben Buchrücken. Diesmal als Paperback. Jetzt gab es keinen Grund mehr der Neugier davon zu rennen.

Tja nun, was soll ich sagen? Es ist eine Coming-of-age-Geschichte. Es liest sich ein bisschen wie John Green trifft Katie Heaney. Es geht um Musik und Freundschaft und das Herausfinden, was Freundschaft bedeutet. Es geht um Liebe und herausfinden, was der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft ist. Und es geht um Themen, für die das freundliche Gelb des Umschlages auch als (Trigger-)Warnwestengelb interpretiert werden kann. 

Wer sich also nicht unbedingt mit Vergewaltigung und ganz allgemein Ausnutzung Minderjähriger konfrontiert sehen möchte, oder wer mit durch Drogenkonsum und Alkoholismus so seine Probleme hat sollte vielleicht die Finger von Mirror, Mirror lassen.

PS:

Ja, früher waren meine Reviews irgendwie peppiger. Aber immerhin habe ich mal wieder eins geschrieben. Und vielleicht wird das ja wieder.

Alan Rusbridger: Play It Again

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  • Published 1 year ago

Es ist sicher nicht falsch anzu­neh­men, dass ein ehema­li­ger Chefre­dak­teur des Guar­dian sich darauf versteht, wort­ge­wandt zu schrei­ben. Ebenso ist es sicher nicht falsch anzu­neh­men, dass eben­die­ser es auf vortreff­li­che Art und Weise schafft, Zeit­ge­sche­hen und -geschichte in eine Erzäh­lung zu verwe­ben, die viel­leicht ein biss­chen in die Kate­go­rie der Selbst­fin­dungs­ge­schich­ten gehört. Natür­lich ist “Play it Again” von Alan Rusbridger weit entfernt davon auch nur einen Funken Ähnlich­keit zu “Eat. Pray. Love.” oder ande­ren Titeln zu haben, die da dem ein oder ande­ren viel­leicht aus jener Kate­go­rie durch den Kopf schwir­ren. Dennoch berich­tet Rusbridger von einem höchst persön­li­chen Erleb­nis.

Rusbridger ist leiden­schaft­li­cher Hobby-Pianist. Wobei man wohl eher anneh­men darf, dass es sich um einen vene­ra­blen Halb­profi handelt, den nur mehr die Wahl einer ande­ren Karriere von dem Weg abge­bracht hat, profes­sio­nel­ler Musi­ker zu werden. Zu dieser Annahme darf man zumin­dest gelan­gen, wenn man ihn auf seinem Aben­teuer beglei­tet, Chopins Ballade Nr. 1 (Op. 23) inner­halb eines Jahres einzu­stu­die­ren. Und dies ausge­rech­net in einem Jahr was zwischen der ersten WikiLeaks-Veröf­fent­li­chung und dem Arabi­schen Früh­ling und vielen weite­ren jour­na­lis­ti­schen Heraus­for­de­run­gen kaum Zeit ließ, nicht an die Arbeit zu denken.

Insbe­son­dere zu empfeh­len ist dieses Buch Menschen, die selbst das Leid und die Freude des Erler­nens eines neuen Musik­stückes kennen. Im Grunde dürfte aber jeder, der schon einmal zu einem lange verdräng­ten oder nicht mehr nach­ver­folg­ten Hobby zurück gefun­den hat, oder dies vorha­ben sollte gefal­len an Rusbridgers musi­ka­li­scher Memoire finden.

Play It Again ist 2014 bei Vintage Books (Penguin Random House) erschie­nen.

Die deut­sche Über­set­zung erschien 2015 im Seces­sion Verlag.

Während ich - zur Abwechslung - ein wenig für diesen Post recherchierte, fand ich heraus, dass One Day nicht das erste Buch von David Nicholls war, welches verfilmt wurde. Schon sein Romandebüt, Starter for Ten, kam 2006 in die Kinos. Der Cast dazu liest sich ein bisschen wie ein All-time-best-of des britischen Fernsehens, man könnte auch sagen, wie ein Klassentreffen von Doctor Who und Sherlock. Catherine Tate, Benedict Cumberbatch und Mark Gatiss waren da unter anderem mit von der Partie. Auch ist die Häufung von Schauspielern, die später größere oder kleinere Rollen im Avengers Universum gespielt haben auffällig. Aber genug davon.

Wer mich kennt, weiß dass David Nicholls seit meinem Zufallsfund von One Day zu meinen Lieblingsautoren zählt. Damals wünschte ich mir, dass One Day von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden solle, weil es mich so sehr in seinen Bann gezogen hatte. Damals. Ein paar Monate später wurde aus One Day ein Film der zwar, wie es das typische Schicksal von Buchverfilmungen ist, nicht meinem gelesenen Kopfkino entspricht, mich aber doch recht glücklich macht.

Genug nun von vergangen Zeiten. David Nicholls hat, wie sich wenn die Lesende oder der Leser bis hierhin durchgehalten hat unschwer erraten lässt, mal wieder ein Buch geschrieben. Zu sagen, "Us" ist ein Reisebericht, wäre eine wahre Aussage. Auch wahr wäre: Es ist eine Coming-of-Age Story, es ist eine Liebesgeschichte, es ist keine Liebesgeschichte.

"Us" ist die Geschichte von Douglas, Connie und Albie. Es ist die Geschichte von einer Reise durch Festlandeuropa, von Straßenmusik, Museen, ausgeraubten Frühstücksbuffets und Waffendealern. Und es ist die Geschichte von einem Portmonnaie, dass von seinem Besitzer durch eine Bahnfahrt und eine offene Gefängniszelle getrennt wird.

Wer Geschichten mag, die nicht offensichtlich sind, obwohl der Erzähler einen Plan hat, wer Lust auf einen Kurztrip durch die Kulturgeschichte Mitteleuropas hat und wer schon immer wissen wollte, warum Dänen besser Englisch als Schwedisch sprechen sollte sich diesem Roman hingeben.

"Us" von David Nicholls ist 2014 bei Hodder & Stouton erschienen. Die deutsche Übersetzung "Drei auf Reisen" wird von Kein & Aber herausgegeben.

Fast mechanische Bewegungen

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  • Published 4 years ago

Du hast mir schon so viele wunderbare Briefe geschrieben. Ich habe mir immer gerne vorgestellt, dass du nur deshalb nicht mit mir geredet hast, wenn wir uns auf einen Nachmittagskaffee im Parisienne trafen, weil dein Kopf schon wieder in den Zeilen hing. Wie oft habe ich dir geantwortet? Hast du meine achtlosen, nein, nicht achtlosen, da vergaß ich einen Buchstabe; hast du meine machtlosen Antwortzeilen aufgehoben? Ich habe jedes sorgsam gefaltete Blatt deiner Korrespondenz verwahrt. Besonders im Winter, wenn die Nächte in meinem Dachkämmerchen kalt und unfreundlich sind, hole ich sie noch heute gerne aus ihrer Kiste und blättere in unserer Vergangenheit. Das wollte ich dich schon seit langem fragen: Kann etwas vergangen sein, was nie begonnen hat? Kann etwas vergehen, was nur auf Papier bestand hatte, im wirklichen, wahren Leben jedoch selten für mehr als einen Latte Macchiato gehalten hat? Gestern kam ein Brief von dir. Im ersten Moment konnte ich es kaum glauben. Seit siebzehn Jahren war ich in dem Glauben, du hättest mich vergessen. Seit siebzehn Jahren schlief ich oft unruhig, träumte von plötzlich um die Ecke rauschenden Autos, Stadthausfenstern aus denen Flammen schlugen, Schemen, die in dichtem Nebel von einer Brücke fielen. Manchmal, wenn der kalte Schweiß mich weckte, war ich fast sicher, dass ich aufhören sollte zu warten. Manchmal hatte ich keine Hoffnung mehr. Doch heute, heute halte ich endlich wieder einen von deiner Hand beschrifteten Briefumschlag in meiner. Es steht kein Absender auf der Rückseite. Du hast nie deine Absenderdaten hinterlassen, aus Vorsicht. Auf meinen seltenen Antwortbriefen stand auch nie meine Adresse. Zu große Angst hatten wir beide, Jacques könnte sich etwas zusammenreimen. Wir konnten ja nicht sicher sein, dass unsere stille Abmachung immer funktionieren würde. Wenn du schriebst, hatte ich zwei Tage und drei Nächte Zeit, einen Antwortbrief auf den Weg zu bringen. Du sagtest, Jacques wäre oft auf Dienstreise. Du sagtest, du würdest mir so schreiben, dass diese Antworten ankämen, wenn er weg wäre. Du sagtest, es wäre zu gefährlich, ansonsten. Nie aber sagtest du ihm, was nur die Briefe erfahren haben.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir uns kennen lernten? Es ist schon ein paar Jahre her. Übermorgen sind es fünfzig. Fast könnte man meinen, du hättest genau aus diesem Grunde geschrieben. Dein Brief liegt noch immer ungelesen neben mir. Ja. Ich habe mich verändert. Das liest du ganz richtig. Ich habe zwar sicher noch immer nur einen Bruchteil von deiner Wortgewandheit, aber diesen habe ich mir mühsam erkämpft. Als keine Briefe mehr von dir kamen, als ich alles, was du mir geschrieben hattest, bis zum Aufstoßen auswendig gelernt gelesen hatte, als ich mich darauf zum ersten Mal seit Jahrzehnten an den wundervollen Wein, den wir damals, beim ersten Mal, geteilt haben, erinnerte, fing ich an. Ich schrieb. Zunächst tat die Hand sehr schnell weh. Dann beide Hände, weil ich dachte, auf der Schreibmaschine – ja, die Schreibmaschine, soweit war es gekommen. Nach einer Weile fügten sich die Hände in ihr neues Schicksal, was blieb war das unablässige Treiben im Kopf. Wie hältst du das bloß aus? Es ist grauenvoll. Ich kann nicht mehr aufhören zu schreiben, weil mein Kopf seither keine Ruhe mehr lässt und immer neue Zauberwelten aus seinem Unterbewusstsein gräbt, in die er dich liebend gerne einmal einladen würde. Ich habe sie alle auf Papier gebracht. Jede einzelne ist ein Paradies nur für uns zwei. Jede einzelne wartet darauf, dich kennen zu lernen. Jede einzelne vermisst dich mit jedem Wort mehr, als es sich für Wörter ziemt. Doch, ich schweife ab. Damals, als wir uns kennen lernten, warst du diejenige, welche. Du kamst auf mich zu und fingst einfach an zu reden. Deine Augen halfen hin und wieder aus und sprachen die Satzzeichen, weil dein Mund, dein mich betörender, schon wieder einmal einen Sprung ins Dickicht eines neuen Satzes gemacht hatte. Ich war fasziniert. Warum ich damals eigentlich ins Parisienne gegangen war, noch dazu abends, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht warst du auch von vornherein der Grund. Vielleicht ist das Ankommen der einzige Grund des Aufbrechens. Sind alle die, die nur aufbrachen, um gegangen zu sein, glücklich geworden? Sind sie gar alle ebenso sehr belohnt worden wie ich? Wie du?

Ich sollte deinen Brief lesen, aber mein Kopf vermittelt mir durch nicht enden wollende, fast mechanische Bewegungen meiner Finger, dass er dazu bei weitem noch nicht bereit ist. Er war schon immer etwas stur, würdest du sagen. Recht hast du. Deiner konnte da allerdings auch immer gut mithalten. Du hättest mir damals gleich von Jacques erzählen sollen. Dann hätte ich dir nie diesen Kuss gegeben. Es war immer nur dieser eine Kuss. Ich zehre noch heute davon. Aber nein, du wusstest es besser. Du schriebst mir einmal, dass es nichts wertvolleres und zugleich nichts schmerzenderes in deinem Leben gäbe als die Erinnerung an meine Lippen. Was ist mit seinen? Sind sie noch immer fremd, kalt und leer? Beteuern sie dir noch immer eine Liebe, die du nicht erwidern kannst? Du sagtest einmal, wenn du Klavier spielst, sei das viel mehr ein schwarzweißes Hoppla, als irgendetwas besonderes. Ich sagte dir darauf, dass jede der von dir berührten Tasten sich sicher geehrt fühlt, deine Finger kennen gelernt haben zu dürfen. Ich habe sie auch kennen gelernt. Zugegebenermaßen verhältnismäßig spät an jenem Abend. Hände sind wichtig. Das wird oft unterschätzt. Man kann so manchem Menschen sein ganzes Leben an seiner Hand ablesen. Anderen wiederum, jenen wie dir, sieht man auf die Hände und spürt, wie verbraucht die eigenen sind. Ich wollte nach unserer Hände Begegnung, was sage ich, ich konnte nach unserer Begegnung lange nicht auf meine Hände schauen, ohne deine zu sehen. Ganz zu schweigen davon, diese doch eigentlich als Werkzeuge gedachten Anhängsel auch bewusst als solche zu nutzen.

Als ich jung war konnte mich das Kratzen von Stiften auf Papier und später ebenso effektiv das Klacken von Schreibmaschinentastaturen jederzeit gründlich aus der Fassung bringen. Es hat seine Zeit gedauert, bis sich – nachdem mich dein Fehlen zum Schreiben brachte – nicht mehr bei jedem Anschlag mein Kopf in sein eigenes Reich verabschiedete und mir verschlossen blieb. Heute weiß ich, dass man nicht immer alle einstmals verstauten Gedanken und Erinnerungen einfach so abrufen kann. Schubladendenken ist zwar ein grässlicher Begriff, aber nicht all zu fern ab von meiner Wahrheit, in der bestimmte Erinnerungen bestimmte Situationen brauchen um abrufbar zu sein. Jacques ist eine dieser Erinnerungen. Das traf sich meist sehr hervorragend, weil ich nicht oft über ihn nachdenken wollte. Doch jetzt, jetzt muss ich. Denn jetzt hast du geschrieben und ganz egal, was du geschrieben hast, ist mir in all den Jahren eines nur zu bewusst geworden: Es ging nie um uns. Es ging immer um ihn. Ob das seine oder deine Entscheidung war, weiß ich bis heute nicht. Sag es mir, bitte. Sag mir bitte auch die Wahrheit über uns. Über mich. Bin ich jemals mehr für dich gewesen als ein Kuss, ein paar unbeschwerte Treffen im Café und ein geheimer Briefwechsel? Wieviel Wert hat etwas, dass nie zwischen den Zeilen hervor geholt wurde. Für mich warst du immer die einzige. Dir galt und gilt mein ganzes Leben. Auch der Teil, in dem ich nicht wusste, ob dir meines überhaupt noch etwas bedeutet. Aber genug davon. Ich sollte deinen Brief lesen. Vielleicht verstehe ich dann. Vielleicht gehe ich aber vorher noch einmal kurz in den Keller und hole mir etwas Wein.

Es war also Jaques. Als hätte ich es nicht geahnt. Was aber wichtiger ist: Es ist jetzt also nicht mehr Jacques. Verzeih. Das ist ungehobelt von mir. Es tut mir leid, dass er dich verlassen hat. Und doch freue ich mich, dass du endlich die Kraft gefunden hast, zu dir – zu dem was du bist – zu stehen. Ob wir uns treffen können, fragst du. Das weiß ich nicht. Willst du mich denn treffen? Hast du denn keine Angst davor, dass ich nicht mehr die bin, die du einstmals vielleicht liebtest? Ich vergötterte dich und ich werde nie aufhören können, das zu tun. Das habe ich schon mehr als einmal in den vergangenen Jahren versucht, doch du erschienst immer wieder. Meist genau dann, wenn ich es am wenigsten erwartete. Ich möchte dich wieder sehen. Ich möchte endlich mit dir all die ersten Male erleben von denen wir so oft verschlüsselt geschrieben und in Andeutungen gesprochen haben. Nach Paris fahren und unterm Sternenhimmel an der Seine spazieren. Im Wald hinter deinem Haus die Zeit vergessen. Leben, ohne an Morgen zu denken. Alle Sonnenuntergänge eines Sommers einrahmen, um sie am ersten Schlechtwettertag überall aufzuhängen. Aber. Ich habe Angst. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr bin wie ich war. Du hast dich scheinbar nicht sehr verändert. Deine Worte zumindest haben es nicht. Aber es sind eben doch siebzehn Jahre vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal ohne Papier und Druckerschwärze zwischen uns gesehen haben. Wir sind alt geworden. Wir haben gelebt. Die meiste Zeit nebeneinander, zuletzt mehr im gegenseitigen Schatten. Früher warst du mein Anker und der Grund, ins Ungewisse zu springen, wenn es nötig war. Kannst du das noch sein? Möchtest du das noch sein?

Vom Smartphone in der Gaststätte

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  • Published 5 years ago

Schon als Anton klein war, war er immer gerne unterwegs. Als Smartphone wusste er immer den Weg, hatte auf alle Fragen eine Antwort und fand für seinen Halter immer einen Ort für ein gutes Glas Bier.

Einmal wurde Anton auf eine Familienfeier mitgenommen. Er freute sich schon, denn in seinem Speicher waren viele Fotos und Videos von der ganzen großen Familie. Auch freute er sich, seine Smartphonefreunde wieder zu sehen. Sie sprachen zwar oft ein paar Worte, wenn sich ihre Halter Kurznachrichten austauschten, aber es ist eben was anderes, wenn man im selben WLAN funkt.

Der Abend kam und die Restauration war gut gefüllt. Geschichten wurden erzählt, Erinnerungen kamen auf. "Da habe ich ein Video von," rief Antons Halter. Und Anton freute sich wie ein Schneekönig auf seinen großen Einsatz. Mit der vollen Kraft seiner Lunge gab er dem Video der Kinder im Tierpark seine Stimme. Stolz wie Oskar spielte er allen die wollten - und allen anderen - dieses Kleinod vor.

Als das Spektakel vorbei war wurde Anton von ein paar Smartphones angefunkt, die er noch nicht kannte. Sie sagten ihm, sie lägen auf dem Tisch gegenüber. Sie sagten, ihre Halter und sie fänden Videos ja auch schön, nur wäre das kein Kino und man wolle sich auch noch unterhalten können. Anton entschuldigte sich bei den Anfunkern und weigerte sich fortan, Videos lauter abzuspielen als nötig um es die eigentlichen Zuschauer hören zu lassen.

You know it’s time

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  • Published 5 years ago

Wenn ich auf alles, was war, zurück schaue, gibt es ein paar Dinge, die ich gerne gerade rücken würde. Das Poster an der Wand über deinem Bett zum Beispiel. Ebenso die Photos über meinem. Doch das sind die unwichtigen Dinge.

Manchmal weiß ich nicht, ob alles gut war, weil nie etwas passierte, oder ob nie etwas passierte, weil wir Angst hatten, dass danach nicht mehr alles gut sein könnte. Also das ich-wir. Nicht das du-wir. Denn du warst immer stark. Du hast mich länger über dir gehalten als Maler von ihren Leitern getragen werden. Und doch sind alle Bilder, die ich dir malen wollte im Kopf geblieben. Das bereue ich.

Jetzt ist alles anders. Aber du bist noch da. Bitte bleib. Und lass uns unsere vielen Pläne nicht vergessen. Lass uns einen letzten Plan machen: Leben. Miteinander. Nebeneinander. Mal näher. Mal ferner. Aber immer mit allen Plänen und zu Sprüngen ins Ungewisse bereit.

You know it's time
We grow old and do some shit - Broken Social Scene – Lover's Spit

Herbstregen

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  • Published 5 years ago

Herbst war schon immer - zumindest seit ich mich erinnern kann - meine Lieblingsjahreszeit. Im Grunde sind ja alle Tage zu jeder Jahreszeit verzaubernd, wenn man nur zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten am richtigen Ort ist. Herbste brauchen diesen ganzen Aufwand nicht. Im Herbst versucht die Natur alljährlich wieder, anders zu sein. Sich eine Maske aufzusetzen. Nicht zuletzt beginnt ja auch die fünfte Jahreszeit mitten in diesem Stimmungsgewitter.

Es gibt meist viel Regen. Regen, der reinigt, Regen, der anders als Sommerregen und erst recht anders als Frühlingsregen riecht. Regen, der nass und kalt und ein bisschen dreckig ist. Regen, der Pfützen zu Abenteuern macht. So, wie jeden Herbst die selbe Art Regen wieder kommt, kommen mit eben diesem auch unweigerlich Erinnerungen. Sätze zum Beispiel, die diese Herbstmagie greifbar machen.

That night I wrote into my journal: ‘Trees are shizophrenic now and beginning to lose control, enraged with the shock of their fiery new colors. Someone — was it van Gogh? — said that orange is the color of insanity. Beauty is terror. We want to be devoured by it, to hide ourselves in that fire which refines us.’

(Donna Tartt, The Secret History)

Es ist nicht immer Fiktion

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  • Published 6 years ago

Es ist nicht immer Fiktion. Es ist immer Leben. Manchmal ist es ausgedacht.

Manchmal ist es nur ein bisschen erweitert oder abgeschnitten, immer jedoch unter der Obhut des Fiktionspavillons. Doch die meisten Pavillons bestehen aus Glas oder einem anderen mehr oder minder transparentem Material. Das ist gut, man möchte sich darunter ja nur vor Widrigkeiten schützen und nichts vollends verstecken. Ganz im Gegenteil.

Es ist nie Fiktion. Dafür aber manchmal alles, was ich von der Wahrheit weiß.