Kunst ist leise

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Gute Musik muss nicht laut sein, nur weil sie live gespielt wird. Stellen Bands wie Broken Social Scene oder Lambchop bei Bedarf auch eindrucksvoll unter Beweis.

Leider ist das nicht die öffentliche Meinung. Die öffentliche Meinung ist, dass Musik laut sein muss, wenn sie live gespielt wird. Was natürlich auch heißt, dass ein Künstler live so dermaßen betrunken sein kann, dass es nichts macht, wenn er zwanzig mal daneben haut, weil es ja eh so laut ist, dass man die Fehler nicht mehr hört. Kunst ist das nicht mehr. Und im Grunde habe ich auch keinen Respekt vor Menschen, die ihre Musik, in die nach meinem Kunst- und Musikverständnis ihr Herzblut geflossen ist, so derart verhunzt darbieten.

Kunst ist leise. Wahre Kunst berührt ohne zu berühren, hinterlässt Eindrücke ohne zu bleiben und ist doch ewig. Wahre Kunst spürt man in einem Moment, das ist so ähnlich, wie wenn Leute sagen, es sei Liebe auf den ersten Blick. Nur anders. Denn der Moment, in dem man Kunst spürt, ist in sich eine Ewigkeit. Der Moment, in dem man berührt wird, verändert alles. Immer wieder. Und doch ist er immer genauso greifbar wie unfassbar fern. Nicht haltbar, aber spürbar. Leise eben. Nicht laut.