Die Katze

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  • Published 8 years ago

Warum zur Hölle haben die hier gestreut? Es ist doch mitten im Juni, da streut man doch nicht. Es ist doch mitten im Juni, oder?

Celia war sichtlich verwirrt. Wenn sie sich doch nur ein wenig weniger gewundert hätte, hätte sie merken können, dass es weder ein listiger weißer Hase, noch sonst irgendein Streichspieler war, der hier die Straße mit kleinen, knackenden und knisternden Steinchen bedeckt hatte. Auch hätte sie dann merken können, wie ungewöhnlich diese Steinchen waren und wie sehr sie in der Abendsonne glitzerten.

Doch Celia war noch lange nicht wach. Und das, obwohl es schon kurz nach sieben war. Uhrzeit hatte keine Bedeutung für sie, denn Leben konnte sie am Besten dann, wenn sie von niemandem gestört wurde. Ob spätnachts Luftschlösser zusammen träumend durch die Straßen wandernd oder früh am Morgen als erste am Eisstand spielte dabei keine Rolle. Hauptsache, sie hatte das Ruder ihres Lebensbootes immer fest im Griff.

"Gottverdammter Drecksmist. Diesmal werde ich bestimmt gefeuert."

Robert hatte es mal wieder geschafft. Das ganze Tablett voller Würfelzuckerbecher für die Tische auf der anderen Straßenseite war ihm in hohem Bogen entglitten. Hätte er doch bloß nicht der Katze hinterhergeschaut. Zum Glück lag der Eisladen in dem er seit ein paar Wochen arbeitete in einer der vielen Fußgängerzonen der Stadt. Sonst wäre das Chaos wohl gar nicht mehr fassbar gewesen.

Während er sich Besen und anderes Reinigungsutensil noch holte, hatte Celia endlich die Wahrheit über diese seltsam glitzernden Steinchen herausgefunden. Nun stand sie strahlend mitten auf dem Weg, tänzelte bald ein wenig und verlor sich in ihrem Wunderland.

Vertieft darin möglichst schnell und unauffällig das Zuckerdesaster zu beseitigen, bemerkte Robert erst sehr spät das kleine, verträumte Mädchen dort mitten in seinem Zuckerstückchenfeld. Celia sah ihn unverwandt an. Beinahe glaubte er, sie würde nur durch ihn hindurchschauen, irgendwo in das schöne Leere, das Tunnelende, zu dem alle schauen, wenn sie träumen. "Kaffee?", fragte Celia, lächelnd auf den Boden zeigend.

Ein Schicksal

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  • Published 8 years ago

Irgendwo auf halber Strecke zwischen Kopf und Herz schlummern sie, die nie geschriebenen Gedanken. Sie zermürben den Geist, Stück für Stück, und halten nie inne. Sind sogar so dreist und bewegen sich gleichsam fortwährend knabbernd in Richtung Herz.

Ein Mensch sitzt da, vor einem leeren Blatt Papier. Ein Bleistift in der Hand. Abgenagt am einen, abgewetzt am anderen Ende. Der Geruch von Graphit liegt in der Luft, zerknüllte, einzeilig bekritzelte Blätter auf dem Boden.

Auf den Boden!

Das könnte die Lösung sein, auf den Boden der Tatsachen sich zu begeben. Doch wo war dieser, wie tief musste er wohl noch fallen und würden die kleinen Gedankentierchen ihn noch so lange in einer stabilen Form belassen? Nicht denken, schreiben. Das ist die Devise. Doch was?

Man könnte die ganze Situation auch etwas breiter aufspannen und sich fragen, wie es denn zu dieser prekären Lage gekommen ist. Nun, wissen Sie, das ging recht schnell, man fing den einen oder anderen Text zu schreiben an, verfolgte zwei, drei kurze lyrische Anwandlungen und ehe man sich\'s versah, erschrak man vor der Ausstrahlungskraft seiner Worte und schluckte den nächsten Gedanken lieber erst einmal herunter. Den noch gesunden Leidensgenossen sei hier gesagt: Gedanken zu schlucken ist nicht zu empfehlen. Sie sind selten flüssig und erst recht nicht verdaubar. Stattdessen haben sie die Eigenheit, sich ganz und gar unanständig zu benehmen, zurück in dem Körper, in dem sie entstanden. Setzen Flausen in den Kopf und Flusen überall sonst, verwirren wo es nur geht und fangen an allem an zu Knabbern.

Was macht man nun, wenn das Herz angeknabbert wird, von solch uneinsichtigen Gedanken? Ich würde das auch gerne wissen. Über das Nichtschreiben zu schreiben ist zwar erstaunlich produktiv, aber dennoch kommen dabei immer diese Art Texte heraus, welche ein Eigenleben der ganz besonderen Art entwickeln: Sie setzen noch mehr knabbernde Gedankentierchen in den Kopf.

Sun! Sun! Sun!

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  • Published 8 years ago
  • Florence and The Machine – Cosmic Love
  • Mumm-Ra – She's Got You High
  • Stereolab – Daisy Click Clack
  • Kate Nash – Skeleton Song
  • Spoon – Back To Life
  • The Bloody Beetroots – Second Streets Have No Name
  • Finley Quaye & Beth Orton – Dice
  • Hard-Fi – Little Angel
  • The Maccabees – About Your Dress
  • Good Shoes – Things To Make And Do

(Und sowieso und überhaupt Noah and The Whale.)

You can listen to this playlist on  Music.

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  • Published 8 years ago

And in the end the love you take is equal to the love you make.

The Beatles – The End

Alt Köpenick

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  • Published 8 years ago

Es ist an der Zeit, Bilder ihre Geschichten erzählen zu lassen. Es ist an der Zeit, sich fallen zu lassen in der Dunkelheit um von den Lichtflecken der Zivilisation festgehalten zu werden. Es ist an der Zeit, mit offenen Augen zu träumen.

Am Rand

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  • Published 8 years ago

Ich weiß, dass es nicht einfach wird. Wahrscheinlich wird es viel zu oft Missverständnisse geben und Streits. Solche von der "ach komm, das war blöd"-Sorte. Trotzdem möchte ich, dass es funktioniert.

Du lebst immer alles so leicht vor dich hin, stellst viel zu viele Fragen mit deinen Augen für die du die Worte nicht findest und hoffst, dass irgendwer kommen wird und dir die Welt erklärt. Da bist du an den falschen geraten. Welt erklären ist langweilig. Du selbst müsstest am Besten wissen, dass Herz erklären das einzig wichtige im Leben ist. Herzen verstehen heißt ein bisschen an der Oberfläche vom großen Ganzen zu kratzen, ein paar Krümel vom Sinn des Lebens aufzuheben und ein klein wenig von dem lernen zu können, was wirklich zählt.

Alles Kitsch. Klar. Du hast vollkommen recht. Das ist alles Kitsch. Doch was wäre denn, wenn kein Kitsch mehr wäre? Am Rande des Wahnsinns würden wir sehr schnell landen, ohne Kitsch. Darum lieber schön flauschig einwickeln und noch mit ein bisschen Glitzer verzieren. Zu viel Kitsch ist nie schädlich. Erst recht nicht, wenn man den Kopf mal Kopf sein lässt.

Das Café

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  • Published 8 years ago

Das Café war überfüllt. Die Luft stickig, durchsetzt von dem Geruch frisch aufgebrühten Tees. Es war eines dieser neumodischen, hippen Cafés. Der lange Schlauch eines Raumes teilte sich ein in den Sofabereich hinten und ein paar wenige Kaffeetische mit einer kleinen, aber doch zentralen Kaffeetheke. Profiliert hatte sich dieses Café insbesondere durch die Tatsache, dass es dort keinen Kaffee zu kaufen gab. Nur Kakao und Tee. Und Kekse.

Hinten in der Ecke stand ein Klavier, daneben zwei gemütliche Sessel, die aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu stammen schienen. In einem dieser Sessel saß Allison in ein Buch versunken. Es ist schwer zu sagen, welches Buch sie gerade in der Hand hielt, denn alle paar Minuten legte sie eines weg und nahm ein anderes aus dem großen Bücherregal, das an der Wand stand.

John saß am Klavier. Manchmal drückte er ein paar Tasten, spielte die ein oder andere bekannte Melodie an, ließ sich fallen in den Klangwelten, die er kreirte. Meist jedoch dachte er nach über diese Frau, die da direkt neben ihm, weniger als zwei Meter entfernt, las. Er wusste nicht viel über sie und doch wünschte er sich, alles zu wissen, ein Teil ihres Lebens zu werden, Platz zwischen all den Büchern zu finden. Er warf einen Blick auf Allisons Teepott. Seiner war schon seit einer gefühlten Ewigkeit leer, doch er wollte keinen neuen holen, ohne ihr auch etwas gutes tun zu können. Gerade nahm sie den letzten Schluck. Man hätte sie fast mit Audrey verwechseln können, wie sie da so saß, mit einer langen Zigarre in einer Hand, dem Pott in der anderen und den Haaren, die original aus Frühstück bei Tiffanys sein könnten. Als sie ausgetrunken hatte, stand er auf und holten ihnen beiden neuen Tee. Schwarz. Ohne Zucker. Mit Milch. Das hatten sie gemeinsam.

Als John aufstand und ihre Teetasse nahm, schreckte Allison ein klein wenig auf. Sie war schon fast ganz in ihrem kleinen Kopfwunderland verschwunden gewesen. Gefangen in Gedanken sei sie, sagten die Leute. Sie selbst pflegte, ihren Lebensstil als gewollte Realitätsflucht zu bezeichnen. Ihr waren die Wohlfühlzeiten ausgegangen. Hier jedoch hatte sie einen Platz gefunden, der ihr diese Wohlfühlzeiten nach und nach zurück gab. Genau genommen stimmte das nicht. Genau genommen hatte John diesen Platz vor langer Zeit gefunden und ihr gezeigt. Er hatte "Das Café dort ist mein Lebensrückzugsort. Das weiß keiner. Doch Du, Du sollst das wissen." gesagt. Mit ernstem, aber doch verträumt nachdenklichem Blick hatte er sie hingeführt, ihr die Mitarbeiter vorgestellt, die ihn schon seit Ewigkeiten zu kennen schienen und sie schließlich zu dieser Ecke mit dem Klavier geführt.

Dort saßen sie seit Wochen immer wenn sie sich trafen. Geredet hatten sie in der ganzen Zeit kaum mehr als 10 Sätze. Es schien, als ob sie nicht reden müssten, um sich zu verstehen. Das war allerdings eine andere Überlebenstaktik, die sie beide gemeinsam hatten: Bloß niemanden zu nah an sich heran lassen, niemals alles offenlegen, sich immer noch einen Fallschirm einstecken, wenn man mal Fallen sollte. Denn beide wussten, sie würden tief fallen, wenn sie ihre öffentlichen Ichs ablegen würden.

Allison betrachtete John, wie er sich durch die kleinen Sitzgruppen und weiter vorne durch die Lücken zwischen den stehenden Gästen zur Bar schlängelte. Einmal musste sie lächeln, weil ihm beinahe eine der Tassen auf den Hund eines Gastes gefallen war, doch schließlich kam er mit frisch aufgefüllten Tassen zurück. Sie hatte den Tisch frei geräumt.

"Danke. Bleibst Du hier? Ich möchte dir mein Leben erzählen."

Wenn ich mal groß bin, möchte ich…

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  • Published 8 years ago
  • …mich noch immer an meinen ersten Kuss erinnern.
  • …nicht vergessen, wie schön es ist, barfuss zu laufen.
  • …wissen, was Liebe ist.
  • …noch lange nicht erwachsen sein.
  • …nicht aufhören, Fragen zu stellen.
  • …nicht aufhören, Antworten zu suchen.
  • …glücklich sein.
  • …immer die richtigen Worte finden.
  • …mehr träumen.
  • …noch nicht alle Fehler gemacht haben.
  • …mehr finden und weniger suchen.
  • …möglichst nur noch Tränen aus Freude haben.

Aber eigentlich will ich gar nicht groß werden. Nur, wenn ich dann fliegen kann.

Heimat

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  • Published 8 years ago

Es gibt Momente, in denen man einfach nicht da sein kann, wo man sein sollte. Alles im Körper, angeführt vom Herzen, sehnt sich nach einem anderen Ort. Nach einem Ort, an dem man nicht Fehl am Platze oder zumindest leicht deplatziert sondern genau richtig und sehr von Nöten ist.

Ich glaube man nennt diesen Ort Heimat. Doch was ist eigentlich Heimat? Was ist Heimatgefühl? Heißt das, nicht wegzuwollen, oder heißt es, immer wieder hinzuwollen?

Ich suche eine Heimat. Eine, in und mit der ich mich wohlfühle. Keinen bestimmten Ort. Orte gibt es genügend, die die nötige Herzwärme spenden können. Menschen sind es auch nicht, denn diese sind ja wie bekannt immer genau so weit entfernt, wie die Beziehung zu ihnen es bedingt. Ich weiß nicht, was fehlt, aber es fehlt etwas.

Es

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  • Published 8 years ago

(Für ein Wunderland. Aus Gründen.)

"Tut es sehr weh?"

"Es? Du hast gerade nicht wirklich versucht, alles, was passiert ist, auf ein neutrales 'es' zu reduzieren? Du bist doch sonst nicht so taktlos."

"Entschuldige. Das alles ist nur so komplex geworden, dass es schwer geworden ist, Worte zu finden. So schwer, dass es weh tut, zu viel daran zu denken. Da ich aber nicht aufhören kann, über all das nachzudenken, musste ich einen Weg finden, die Geschichte so klein zu kriegen, dass sie schnell in Schubladenecken verstaubar ist, um nicht verrückt zu werden. Da kam dann dieses 'es' und nahm mir ein Gebirge vom Herzen."

"Warum nur finde ich dieses 'es' jetzt auch so passend? Ich denke, ich werde auch zum 'es' übergehen. Man muss ja nicht über Leichen gehen, wenn man ein Neutrum haben kann."

"Das freut mich. Das sagt mir, dass du bald schon, womöglich schon in fünf Minuten, darüber stehen wirst und anfangen kannst, Witze darüber zu reißen. Wenn man über etwas gute, auch für unbeteiligte lustige Witze machen kann, hat man es verarbeitet."