Wir, die Verlorenen – Teil 1

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  • Published 9 years ago

Ich sitze in der U-Bahn, allein mit meiner Musik, um mich herum leere, leicht eingedellte Sitzgruppen. Der Zug hat sich an der letzten Haltestelle abrupt geleert, übertage ist Party angesagt. Realitätsflucht, mitten in der Woche.

Während Thom Yorke sich kugelsicher jammert denke ich nach über diese Menschen, die nicht vor und nicht zurück können. Denen gar nicht viel mehr im Leben als die tägliche überlaute Musikdrönung bleibt. Ich bin einer von ihnen. Ich leugne es gerne, doch auch ich bin gefangen zwischen einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit und einer Zukunft, die ungewisser nicht sein könnte. Ständig auf der Suche nach Antworten, ohne die Fragen zu kennen. Immer auf der Flucht vor den bekannten Fragen.

Nächste Station. Du steigst ein, setzt dich in die Sitzgruppe mir schräg gegenüber. Dein Gesicht sieht erschöpft aus und doch strahlst du eine Energie aus, die mir fast ein bisschen Angst macht. Ich will dich ansprechen, dich fragen, wo du her kommst, was du denkst, warum du mich faszinierst. Doch das fragt man nicht. Glaube ich.

Für die Überwachungskamera sieht die Szenerie wahrscheinlich nicht anders aus als in jedem dritten U-Bahnwagen zu dieser Uhrzeit. Für mich bleibt die Welt stehen, als sich dein Blick schweifend auf die Suche begibt und an mir haften bleibt. Es läuft keine Musik mehr. Das merke ich erst, als ich verzweifelt nach Ablenkung vor deinen fragenden Augen suche. Was willst du? Was suchst du?

The Wolves

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  • Published 9 years ago

Es ist so vieles. Das Meiste davon unausgesprochen. Teils weil die Kraft fehlt. Teils weil die Worte fehlen. Teils beides.

Es ist so schmerzhaft nicht zu wissen ob hier und jetzt oder irgendwo und irgendwann alles einen Sinn ergibt. Ergeben kann. Ergeben sollte. Es geht nicht um den Sinn des Lebens. Sondern um ein paar kleine Puzzleteile die einen kleinen Ausschnitt des Lebens ergeben würden, wenn es die richtigen wären. Dummerweise hat man meistens nicht die passenden Puzzleteile. Muss erst die Menschen finden, die sie aufbewahren.

Doch was, wenn man dann am Ende glaubt alle Puzzleteile zu haben und in der Mitte vom Lebenspuzzleabschnitt bleibt ein Loch?

Some day my pain
Some day my pain will mark you


Bon Iver - The Wolves

All Eyes

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  • Published 9 years ago

Bisher fand ich die Debatte um Googles Street View absurd. Mittlerweile finde ich leider nicht mehr genügend Gründe mich nicht daran zu beteiligen. Mir kommt es oft so vor, als ob in Deutschland eine seltsame Denkblockade in Sachen Privatsphäre vorhanden ist. Zu oft habe ich in der Vergangenheit gehört, dass man Angst hätte, wenn diese oder jene Firma dieses oder jenes Detaill aus dem Leben des Einzelnen kennt. Zu oft schnürte sich in mir beim Hören von absurden Erläuterungen über Datenschutz und Verlust der Kontrolle über die Privatsphäre etwas zu.

Datenschmutz und Privatehre.

Das Beste an der aktuellen StreetView-Debatte ist die Diskrepanz zwischen Bildern des öffentlichen Raumes in den Medien und der Berichterstattung über das Erfassen von Bildern des öffentlichen Raumes für die Medien. Denn nicht mehr als letzteres macht Google Street View letztendlich. Ich persönlich finde das wichtig. Ganz abgesehen von dem direkten Nutzen, dem nochmals erleichterten navigieren durch unsere Welt, liegt mir auch der langzeithistorische Wert der Aufnahmen am Herzen.

Eine der meiner Meinung nach für die Historiker bedauernswertesten Tatsachen ist, dass es von der längsten Zeit der Geschichte keine exakten fotografischen Aufzeichnungen gibt. Immer nur Halbwissen, was mühsam und garantiert mit Restunsicherheiten rekonstruiert werden kann. Heute sind wir Menschen soweit, dass wir quasi ständig ein quasi vollständiges Abbild unseres Lebens für die Nachwelt erhalten können. Was spräche dagegen das zu tun?

Nun, vielleicht der Verlust der Kontrolle über die Privatsphäre. Nicht mehr vollständig selbst bestimmen können, wann, wo und wie das tägliche Leben von wem wahrgenommen werden kann. Ich gebe ja zu, dass das durchaus so ist. Genau: Es ist schon so, wir werden doch sowieso schon an jeder Ecke von Überwachungskameras aufgezeichnet. Mal abgesehen von der besonderen Vorliebe der Klatschpresse auf Fotos von Wohnungen, Datschen, Gärten, Palästen, …

Wir haben die Kontrolle darüber, wann, wo und wie unser tägliches Leben von wem wahrgenommen wird doch schon lange verloren. Doch Tatsache ist, genauso wenig wie es irgendwen interessiert wenn man sich beim Döneressen mitten auf der Straße vollständig einsaut, interessiert es auch Google herzlich wenig, was genau da wann aufgenommen wurde. Mal abgesehen davon sollte man sich dann bevor man anfängt über das da draußen nachzudenken erstmal die Frage stellen, wie es denn hier in diesem gefährlichen Internet um die Sichtbarkeit der eigenen Daten (Ich sage bewusst Daten, denn zu Information werden sie erst durch die Kombinationsfähigkeit des Menschen.) bestimmt ist. Dazu gibt es von Google seit einiger Zeit die sogenannte Social Graph API. Die macht nichts böses, präsentiert einzig die gesammelten Verknüpfungen, die sowieso für jederman gut sichtbar im Internet stehen. (So sieht das dann zum Beispiel aus.)

Im Endeffekt finde ich dieses Argument betreffend die Ausführungen die Google selbst zu Aufklärungszwecken wegen der Street View Einführung in Deutschland veröffentlicht hat.

Möglicherweise spielt auch der Datenschutzaspekt bei vielen eine große Rolle. Auch mir ist die Sicherheit meiner Daten wichtig. Doch was heißt das? Eigentlich geht es doch nur darum, dass niemand unbefugtes an meine persönlichen Daten herankommt. Nun da gibt es ja bei diesem Street View ein offensichtliches Problem. Zumindest theoretisch könnte jeder Mensch auch einfach zu dem jeweilig festgehaltenen Objekt fahren und es in der Realität betrachten, es gibt also in dem Sinne keine zu schützenden Daten. Auch hier kann ich nur auf Googles eigene Ausführungen verweisen.

Am Ende ist PickiHH\'s Vorschlag Google solle doch für Street View eine Stiftung gründen vielleicht wirklich die einfachste und logischste Lösung. Wenn ich es mir genau überlege sollte Google das für fast alle Services tun, die sie anbieten. Wenn nicht mindestens für Maps (inklusive Street View), Earth und die gesamte Suche. Andererseits ist das natürlich auch irgendwie seltsames Wunschdenken von einer besseren sich selbst finanzierenden Welt.

The 2 Of Us

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  • Published 9 years ago

Vielleicht war das ja eigentlich alles gar nicht so gemeint. Vielleicht habe ich das ja alles falsch verstanden. Bestimmt habe ich das alles falsch verstanden. Bestimmt war das alles ganz anders gemeint.

Diese seltsamen Situationen, wenn es von himmelhochjauchzend zu zutodebetrübt überschwappt. Erst nur ein bisschen, dann gleich die ganze Wanne. Und dann weiß man nicht, ob das jetzt gut, schlecht, geht so oder überhaupt eigentlich gar nichts ist. Dann kommen diese Lieder, die geschrieben wurden, als Gegenstücke zu anderen Liedern, und wischen den Boden ein wenig auf.

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Talk Tonight

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  • Published 9 years ago

Menschen die nicht verstehen, dass manche Gespräche nur zwischen ein und drei Uhr Nachts geführt werden können, haben die falschen Freunde.

Steile These.

Auf zur Beweisführung.

Der Spruch "Nachts ist es kälter als draußen." ist ja mehr oder weniger gemeinhin bekannt. Gemeint ist dabei meiner Ansicht nach die gefühlte Temperatur. Es fühlt sich im Dunkel nun mal für die meisten kälter an als sonst. Auch draußen. Etwas verwirrend das Ganze, aber irgendwie verständlich. Das wir sind, weil wir denken, haben wir ja mittlerweile auch irgendwie alle mal verstanden. Ich schweife ab. Nachts ist es nämlich nicht nur kälter als draußen, nachts kann man auch besser reden als draußen. Diesmal ist es die gefühlte Geborgenheit, die das Dunkel gibt. Eigentlich ja auch das vollkommener Blödsinn. Die meisten Menschen fürchten sich alleine ja doch irgendwie im Dunkel mehr als am Tage. Da gibt es aber ein Schlüsselwort: "Allein." Im Gesprächskontext ist mensch nicht allein. Deshalb wird die Furcht dann zu Nähe, Vertrautheit, Geborgenheit. Deshalb, weil man dann gemeinsam allein und sicher ist, kann man nachts besser reden. Wahrscheinlich auch als draußen. Das hatten wir ja schon.

Last Song

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  • Published 9 years ago
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If this was our last time
What would we do, what would we say then?

(via)

Speeding Cars

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  • Published 9 years ago

Dann ist es okay so wie es ist. Sagt man. Gedacht hat man entweder scheiße oder himmelhochjauchzend. Meistens eher ersteres, manchmal letzteres. Jetzt gerade letzteres. Die Feststellung, dass das was ist tatsächlich mehr ist als nur irgendwas, was jeder hat. Die Feststellung, dass es nicht mehr kaputt gehen wird, selbst wenn es auseinander geht. Die Feststellung, dass es etwas besonderes ist, gerade weil man keine Worte dafür findet. Der Versuch alle Gefühle gleichzeitig herauszulassen, wissen, was Glück bedeutet, wissen was es nicht bedeutet.

Es bleibt nun mal nicht immer alles rosarot. Nicht jeder Regen bringt einen Bogen mit sich. Bogenlose Regen sind dafür nicht weniger toll. Bodenlose Reden dagegen schon. Besser mehr tun und dabei auch ein paar Fehler zu machen als die ganze Zeit nur da sitzen und an das ewige Gute glauben. Kann ja gar nicht funktionieren. Es gibt nichts gutes außer man tut es. Ist ja altbekannt.

Einzig nervig an der ganzen Sache ist, das am Ende immer so viele Fragezeichen übrig bleiben.

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Sweet Painted Lady

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  • Published 9 years ago

Nur ganz vorsichtig das Papier mit dem Bleistift berühren, drei mal ansetzen für eine Linie. Ungenaue Umrisse, dazwischen detailverliebte Leere. Erstmal nachspitzen. Ängstlich erwartet das Blatt den nächsten Angriff der Mine. Viel zu Ängstlich. Der Stift will doch nichts böses, wurde nur geschickt um festzuhalten. Festzuhalten was sonst viel zu schnell entschwindet.

Träume in Schwarz-Weiß.

Sternenklare Nächte, kleine weiße Pünktchen auf schwarzem Grund. Ein bisschen wie ihr Kleid.

Devil in the midnight mass

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  • Published 9 years ago

Früher konnte ich nicht flüstern. Also das heißt, rein von der Fähigkeit her konnte ich schon, aber es ging einfach nicht. Immer wenn Menschen in meiner Umgebung aus welchen Gründen auch immer anfingen zu flüstern schnürte sich mein Hals zusammen, vor Angst aus versehen zu laut zu sprechen sprach ich lieber gar nicht mehr. Denn man kann einfach nicht laut reden, wenn die Umgebung flüstert.

Doch warum konnte ich eigentlich nicht flüstern? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ebensowenig weiß ich, warum es jetzt geht. So genau will man ja diese Eigenarten des Körpers oft auch gar nicht verstehen. Doch andererseits kann man nie aufhören darüber nachzudenken, warum das nun so. Und wieso eigentlich die eigenen Gewohnheiten meist gar nicht so speziell aber doch irgendwie immer was besonderes sind. So ist das eben.

Flüstern war das Thema. Flüstern ist eine tolle Sache. Flüstern schafft Nähe, Ruhe, Gemütlichkeit und ein bisschen Geheimnistuerei. Immer. Da kann man noch so grundlos anfangen, die Wirkung von geflüsterten Worten ist grundsätzlich erstmal obige. Deswegen flüstere ich inzwischen ab und an sehr gerne. Weil es eben ab und an mehr als notwendig ist die Diskussionsnotbremse zu ziehen um das Verstehen des Gesagten herauszufordern.

Small Stakes

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  • Published 9 years ago

Es sind diese Tage an denen der gute Rat "Bleib liegen." das einzige ist, was im Kopf herumschwirrt. Es sind diese Lieder, die einen trotzdem hochreißen und ein wenig Motivation durch den Raum flattern lassen.

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