Ben

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  • Published 6 years ago

Das Klingeln des Telefons in der Ferne rief Ben seine Umwelt wieder in den Kopf. Er war mal wieder entschwunden gewesen in seinen geliebten Tagträumen. Denen, wo er bei Sophie war, anstatt in diesem Büro malochen zu müssen. Wenn der Auftrag doch nur endlich erledigt wäre. Dann könnten sie jetzt an den Strand gehen und, wie so oft schon, bis spät in die Nacht hinein dort liegen und der Natur lauschen. Sophie würde ihm vielleicht aus einem Buch vorlesen, oder sie würden sich Geschichten von den Wesen bei den Sternen erzählen.

Die Botschaft der Augenringe missachtend rieb Ben sich notdürftig wach und beschloss, vor dem weiter arbeiten noch einen Kaffee zu holen, während er das Bild von Sophie aus seinem Notizbuch nahm und als Motivationszauber an die Schreibtischlampe lehnte.

Die Frage nach dem nächsten Gespräch

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  • Published 6 years ago

Immer, wenn ich mich mit Menschen unterhalte, denke ich darüber nach, worüber wir wohl reden werden, wenn wir uns das nächste Mal begegnen. Dieser Denkprozess wird mitunter so nervenfressend, dass er mich daran hindert, das aktuelle Gespräch fortzuführen. Meist enden diese fatalen Gedankenspiele mit der Frage danach, wo man wohl wäre, hätte man nicht über das nächste Gespräch nachgedacht.

Worte. Wortgruppen. Sätze. Satzgruppen.

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  • Published 6 years ago

Vor mir liegt eine Zettelwirtschaft voller Worte. Wortgruppen, Sätze, Satzgruppen. Nichts wirklich zusammenhängendes und doch alles auf die gleichen Fragen hinauslaufend. Bin ich der, der ich sein sollte? Bist du die, die du sein solltest? Sind wir die, die wir sein sollten? Und überhaupt, was ist "Wir", "Du", "Ich"?<br /> Du sagst nichts. Du kennst jedes dieser Worte. Hast bei vielen die Bewegung von Hand und Feder mit deinen großen beständig wundernden Augen aufmerksam mitverfolgt. Du kennst mich, sagest du. Du verstehst mich - ich spüre es. Und doch weißt du keine Antworten, keine Reaktion entspringt deinem sonst so famosen Gedankenreich, die angemessen wäre. Nichts, was helfen würde, das alles zu sortieren. Ich möchte "Es kann wohl doch nach hinten losgehen, einfach anzufangen zu schreiben" sagen, kann aber nicht. Weil ich weiß, dass das nicht stimmt. Weil ich weiß, dass nicht das Niedergeschriebene das Problem ist. Genauso gut, wie dir dies auch mehr als bewusst ist.

Hängemattengedanken

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  • Published 6 years ago

Falls ihr bisher der Meinung wart, dass alles gut wird, sobald man in einer Hängematte liegen kann, habt ihr euch geirrt. In Wahrheit nämlich wird nicht alles gut, sondern viel viel besser, als ihr es euch jemals habt träumen lassen. Allerdings braucht es dazu eine weitere Zutat: Meereswellenrauschen. Perfektionierbar mit einer Prise Sonnenuntergang.

Überhaupt sind Sonnenuntergänge am und ins Meer nicht zu verachten. Das Versinken des Feuerballs im unendlichen Blau, schon so manch einen berufenen und weniger berufenen Poeten und Maler hat diesem Naturschauspiel ein Denkmal gesetzt. Dabei begehen wir alle immer wieder den gleichen Fehler: Ereignisse, die so rein und schön sind, kann man nicht festhalten. Stattdessen sollten wir uns geehrt fühlen, dass die Natur uns immer wieder an solch einfacher Eleganz und unerreichbarer Großartigkeit teilhaben lässt.

Trotzallem besteht natürlich kein rechtfertigbarer Grund, mit dem Versuch des Sonnenuntergangsmagiefesthaltens aufzuhören. Vielleicht klappt das ja irgendwann. Das wäre schön.

Okay

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  • Published 6 years ago

Stille. Irgendjemand schreibt ein paar Zeilen auf ein Blatt Papier, faltet dieses, legt es in einen Umschlag und steht auf. Wenige Meter entfernt steht ein Briefkasten. Geradezu angsteinflößend grell leuchtet seine Signalfarbe in die grau-graue Umwelt. Klappe auf. Ein kurzes Flippen der Hand. Klappe zu.

Trubel. Menschenmassen strömen durch die Straßen. Es ist Tag. Irgendwo ist etwas passiert. Alles eilt. Doch an einer Hauswand steht jemand und öffnet einen Briefumschlag. Das Papier wird nass, ein flüchtiger Blick an den fast zu blauen Himmel verrät den Grund.

Freizeichen.
"Hallo?"
"Hallo. Es ist okay."
Gesprächsabbruch.

Stille.

Sitzen vier Polen im Auto

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  • Published 6 years ago

Als ich Anfang des Jahres mitbekam, dass Alexandra Tobors erstes Buch "Sitzen 4 Polen im Auto" bald erscheinen würde, hibbelhüpfte ich erst einmal ein wenig durch die Wohnung. Es ist viel Zeit vergangen, seit ich Tiffy zum ersten Mal aus ihren Entwürfen lauschen durfte und unter anderem von den Schwierigkeiten erfuhr, die durch ein Paar Eichhörnchenschuhe in deutschen Schulen auftreten können.

Nichtsdestotrotz fällt es mir nicht leicht, Worte zu finden, dieses Buch zu empfehlen. Nicht, weil ich es nicht empfehlen möchte, sondern zum Einen, weil das schon andernorts besser getan wurde, als ich es könnte und zum Anderen, weil mir dieses Buch persönlich sehr viel bedeutet. Es wäre also nicht fair, würde ich dieses Buch hier umfangreich rezensieren, da diese Kritik gefahrlaufen würde, von Kritik völlig frei zu sein.

Nun möchte ich aber dennoch nicht ganz ohne ein paar Bemerkungen über dieses Buch verbleiben. Dass ich es sehr mag, dürfte dem geneigten Leser dieses Textchens hier schon bewusst geworden sein. Vor allem aber, und dies nicht um den Inhalt in den Schatten stellen zu wollen, sondern, um dessen Wichtigkeit zu unterstreichen, möchte ich den meiner Ansicht nach wichtigsten Satz aus dem Nachwort des Romans wiedergeben: "Fiktion bringt uns die Wirklichkeit näher, als die objektive Wahrheit der Fakten es vermag." Alexandra Tobor hat in diesem Satz sehr schön die Faszination eingefangen, die uns immer wieder dazu treibt, uns in fiktive Gedankenwelten zu flüchten. Denn, es ist eine sicher auch zu Olas Schulzeiten vermittelte deutsche Binsenweisheit: Die Gedanken sind frei.

Abschließend bleibt mir noch, dem nun hoffentlich nach der Geschichte von Lux! und Eichhörnchenschuhen gierenden Leser den Hinweis an die Hand zu geben, dass die durch das Lesen dieses Buches induzierten Lachanfälle durchaus einem größeren Umfeld (lies "Bitte im öffentlichen Nahverkehr lesen") gut tun können. Zugleich bleibt aber zu bedenken, dass der wachsame Leser sich ab und an von einem weinenden Auge befallen finden wird. Denn - weiter oben steht es bereits - dieses Buch bringt uns der Wahrheit ein Stück näher.

Um die Sache kurz zu fassen: Es ist toll, lest es bald! Und wer sich noch immer nicht sicher ist, begebe sich auf der Stelle zum Einhorn, da kann man nämlich reinhören. Mit ganz viel Öpve.


Sitzen vier Polen im Auto

Alexandra Tobor 

Close your eyes

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  • Published 6 years ago

In your eyes I can see that you\'re cracking up.
In your eyes I can see that you\'ve had enough.

(The Chemical Brothers)

Wörter, ohne Bindungsdrang

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  • Published 7 years ago

Im Endeffekt sind nur noch Wörter da. Ohne Zusammenhang, ohne Bindungsdrang. Sogar ohne innere Bedeutung. Worte wollen sie nicht mehr werden, haben Angst vor dem, was sie dann sagen könnten, mehr aber noch vor dem, was sie vergessen könnten.

Es gibt aber ein paar Galapagosschildkröten und kalifornische Kiefern unter all diesen Wörtern. Ein paar von ihnen sind so alt, dass sie noch nicht vergessen haben, wie es ist, Wort zu sein. Manchmal, wenn ich schlaflos im Bett liege, lausche ich diesen weisen Worten. Es sind zu wenige, um Geschichten zu erzählen und viel zu wenige um am eigenen Leben weiter zu schreiben, doch ihre Melodien sind beruhigender, als Meeresrauschen, welches so schön ist, dass man aus der Erinnerung daran durchaus einen Patronus beschwören könnte.

Die Frage nach dem Warum

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  • Published 7 years ago

Matthias hat nach unseren Leidenschaften gefragt. Also habe ich nachgedacht, und versucht, herauszufinden, warum ich (und vielleicht auch andere) das mit dem Bloggen mache.

Ich würde sagen, die ganze Misere nahm mit dem Schreiben darüber ihren Anfang. Man sitzt da und nimmt einen Stift in die Hand, schreibt ein paar zaghafte Worte auf eben noch jungfräulich weißes Papier und schon weiß man nicht mehr, wo einem der Kopf steht.

Vielleicht war es früher einfacher, sich hinter Wörtern zu verstecken, sie zu Wortschutzschilden gegen die unliebsame Umwelt zu formen, doch die Wahrheit ist, es ist nicht einfach, sich zu verstecken, in einer Welt, die nicht mehr stehen bleiben will. Eine Welt, die das Pausieren verlernt hat, braucht Anker und Ketten, die an den Ankern hängen. Um diese Anker und Ketten geht es mir. Darum, dass das geschriebene Wort, der zu Ende gedachte Gedanke, jemandem dort draußen einen Halt geben kann. Wenn auch nicht für immer, so hoffentlich zumindest für einen Moment. Ich möchte Ankerwerfer sein.

Jeder Mensch liest für sich alleine. Wahrscheinlich ist gerade dies der Hauptgrund für die Kraft, die hinter einem Satz zu stehen vermag. Meist gerade hinter Sätzen, die auf den ersten Blick gefahrlos scheinen. Ich meine nicht die allseits bekannten Phrasen, nicht das große "Ich liebe dich" in all seinen Varianten. Nein, mir geht es um die Art von Wortfolgen, die berühren, ohne anzufassen. Jeder Mensch liest für sich alleine, ich wiederhole mich da gerne. Wir Menschen tendieren dazu den Dingen nicht die nötige Ehrfurcht und Wichtigkeit beizumessen. Um nun also korrekter zu werden, muss ich eigentlich sagen: Jeder Mensch fühlt für sich alleine. Denn lesen ist fühlen. Fühlen auf eine der tiefgreifendsten Arten, die es gibt.

Wenn es Worte gäbe, um auszudrücken, was jene empfinden, die Schreiben, gäbe es bestimmt bald keine Autoren mehr. Denn was gäbe es zu erzählen, wenn gesagt werden könnte, warum es etwas zu erzählen gibt?

Vielleicht ist das alles aber auch nur das Ende zu einer Geschichte, die kein Ende haben darf. Wir sollten es heraus finden. Weil wir alle Autoren unserer Gefühlsweltniederschriften sind.