Selbstverständlichkeiten

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  • Published 7 years ago

Die Nächte in dieser Jahreszeit sind zwar nicht wesentlich länger als in anderen, zumindest nicht, solange man sie im Rahmen des ständig treibenden Lebens eingebettet lässt, aber die Nächte in dieser Jahreszeit sind oft gedankenreichere Nächte. Das Jahresende rückt mit erdrückender Geschwindigkeit näher und näher und wie immer gibt es noch zu viele Dinge, die erledigt, zu viele Ideen, die aufgeschrieben, zu viele Herzen, deren Fragen beantwortet werden wollen.

Die meiste Zeit des Jahres halten wir zu viel in unserem Leben für selbstverständlich. Licht. Wärme. Das Leben an sich. Doch, was haben wir davon

Zwar wird in diesen letzten Wochen des Jahres traditionell schon sehr viel Kopfleistung darauf verwandt, sich Gedanken über möglichst gute Vorsätze zum nicht einhalten zu machen und nebenbei klopft Weihnachten an die Tür und damit verbunden die alljährliche Feststellung, dass man es wieder erfolgreich geschafft hat, aus dem "Nächstes Jahr kaufe ich alle Geschenke rechtzeitig." ein "Naja, immerhin weiß ich bei zweien von zweiundvierzig schon so in etwa, was sie kriegen sollen." werden zu lassen. Nicht gerade günstige Voraussetzungen also, um sich auch noch damit zu beschäftigen, was man für zu selbstverständlich hält. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, sich all der kleinen Dinge, die andere Menschen und vor allem die Natur tagein tagaus fûr uns tun, bewusst zu werden, kurz lächeln und dann nicht inne zu halten, sondern an sich selbst nach unten schauen. Wir wollen alle nur ein schönes Leben haben, also sind wir auch alle dazu verpflichtet unsere persönlichen Stärken dazu zu nutzen, das Leben derer um uns herum besser zu gestalten. Was auch immer dieses besser im Einzelfall bedeutet.

Leben ist einzigartig.

Ich war nie wirklich hier

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  • Published 7 years ago

Ich war nie wirklich hier. Ich habe mich nie wirklich fallen gelassen in dieser Stadt. Zwar an dem ein oder anderen Ort, wenn sich gerade mal für einen Moment alles gut angefühlt hat, aber nie bedingungslos überall. Wenn man mich fragen würde, wie ich dazu komme, trotzdem zu behaupten, dies wäre einer der schönsten und besten Orte der Welt, ich könnte höchstwahrscheinlich keine zufriedenstellende Antwort geben.

Sich nicht wohlzufühlen mit dem, was man tut, was man schafft und was man nicht schafft, schränkt das Blickfeld ein. Man sieht weniger als das Ziel, viel weniger als den Weg. Öfter, als einem lieb ist. Doch genau da liegt das Problem: Wen man den Weg nicht mehr sieht, kann auch die am Wegesrand verteilte Schönheit und Eleganz nicht mehr in den Geist schleichen, sich nicht mehr wie ein unsichtbarer Schutzmantel um die Seele legen.

Bücher sind ein guter Schutzmantel. Musik ist - gerade weil sie anders im Kopf bleiben kann - schon ein etwas besserer. Doch der beste Schutz für das Heil der eigenen Seele bleibt die Liebe für die Natur in der sie lebt.

Reboot

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  • Published 7 years ago

Ich möchte wieder mehr schreiben. Ich möchte aufhören, jedes Wort immer vier Mal umzudrehen, nur um es am Ende doch nicht in die Waagschale zu werfen. Es sind zu viele Sätze durch den Kopf gegangen, die nicht aus der Feder durften.

Eine halbe Sekunde - Teil 2

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  • Published 7 years ago

Lene war bereits mit einer Hand dabei eine Tasche zu packen, als sie am anderen Ende der Leitung dumpfe Schritte hörte.

"Anton? Anton bist du das?"
"Lene? Ja. Ich...Tim..."
"Anton wo bist du?"
"Tim, er..."
"Sag mir einfach wo du bist Anton, ja? Ich sitze schon fast im Auto."

Lene hatte schon beim ersten Klingeln des Telefons ein ungutes Gefühl im Bauch gehabt. Sie notierte sich die Adresse, die Anton ihr nannte auf dem Block neben dem Telefon, riss das erste Blatt ab und steckte es sich in die Hosentasche.

"Lene?"
"Ja?"
"Danke."
"Noch bin ich nicht da. Bleib wo du bist, okay?"

Seine Antwort hörte sie schon nicht mehr. Während sie fuhr blickte sie immer wieder nervös auf die kleine digitale Uhr am Armaturenbrett. Lene hoffte nur, dass Anton keine Dummheiten machen würde. Seit Minuten drückte sie das Gaspedal unbewusst durch.

Anton ging zurück in das Zimmer, strich mit einer Hand über die Reisetasche. Der Gedanke daran, dass Lene bald hier sein würde ließ ihn einmal tief durchatmen. Er zog den Reißverschluss zu, griff nach der Tasche und machte sich auf den Weg zur Rezeption.
Als die Tür aufging musste er nicht einmal aufblicken, um festzustellen, dass es Lene war, die da herein kam. Er stand auf und ihre Blicke trafen sich. Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, streckte den Arm nach der Tasche aus und griff mit ihrer freien Hand nach der seinen.
"Lass uns was essen gehen. Und dann solltest du nach Hause fahren. Wir sollten nach Hause fahren."
Der Griff um Lenes Hand wurde fester.

Schweigend saßen sie sich gegenüber. Anton stocherte in seinem Rührei herum, während Lene ihn mit ihren ruhigen Augen betrachtete. Das konnte sie schon immer gut. Sie versprühte diese wunderbare Ruhe, sobald sie einen Raum betrat. Anton öffnete das kleine Seitenfach der Tasche, zog das Tagebuch seines Bruders heraus und schob es vorsichtig über die Tischplatte. Keiner sagte ein Wort. Eine junge Frau trat an ihren Tisch und fragte höflich, ob sie noch Kaffee nachschenken dürfe. Anton nickte fast unmerklich und Lene lächelte freundlich.

"Ich musste weg. Es ging nicht anders. Dabei wusste ich noch nicht einmal wohin ich denn gehen sollte. Weg. Ich musste weg wie er auch einfach ging."
"Ich weiß."

Anton wusste, dass Lene mit ihm fahren würde, er musste nur etwas sagen. Ihm war bewusst, dass er nicht ewig vor seiner Vergangenheit davonlaufen konnte, es war nur so viel einfacher sich nicht umzudrehen. Für den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken die Kamera auszupacken und Lene zu fotografieren. Lene. Er musste ihr nicht erklären was passiert war, sie verstand auch ohne Worte. So war Tim auch gewesen.

Anton stand auf. Er konnte nicht mehr ändern was passiert war, aber er musste versuchen zu verhindern, dass weitere falsche Entscheidungen getroffen wurden. Lene sah ihn an, nickte, legte Geld auf den Tisch und folgte ihm zum Auto.

Klick. Lene löste ihren Blick von der Straße und sah Anton an. Klick. Sie musste lächlen. Klick.

(Den ersten Teil gibt es beim farbenmädchen.)

Bleib doch noch einen Moment

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  • Published 7 years ago

Bleib doch noch einen Moment und hör dem Wind zu. Lass mich bei dir sein. Ich bin da.

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(Überwindbare) Grenzen

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  • Published 7 years ago

Es gibt eine Form von Abendrot, dessen Schönheit weit über das normalerweise greifbare hinausgeht. Es ist dieses Abendrot, welches einem, wenn auch nicht für viel mehr als eine halbe Stunde, das Gefühl gibt, dass all die großen und kleinen Probleme in der Welt und all die größeren und kleinen Sorgen, die man selbst mit sich herum trägt, nicht von Dauer sein können. Die pure Eleganz der Erscheinung und deren Nähe zum Rand der Vorstellbarkeit lässt Magie durch den Betrachter wandern. Vielleicht braucht es nur ein paar mehr dieser Abendrote und ein paar mehr Menschen, die diese Magie spüren, damit am Ende tatsächlich alles gut wird.

Schlangenlinien

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  • Published 7 years ago

Ich will stehen bleiben. Nur für einen Moment. Mich einmal nicht bewegen. Auch nicht im Kopf. Mir ist bewusst, sehr schmerzhaft sogar, dass das nicht geht. Doch gerade deswegen und genau deshalb wünschte ich so sehr, es wäre möglich. Es geht mir doch nur um ein paar Sekunden. Einen kleinen Moment Ruhe von dem ewigen Sturm, von den unendlich einströmenden Dingen, dem Zwang ständig zu fühlen. Zu reagieren und zu retrospektieren. Zu rekapitulieren wäre angebrachter, womöglich sogar ohne das Prefix, man müsste tatsächlich ein einziges Mal nur sich nicht im mindesten kümmern müssen um die Menschen, die Herzen und all die Schmerzen, die um einen herum sich in endlosen Schlangenlinien verknoten.

Anywhere Is

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  • Published 7 years ago
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the waves still keep on waving
and I still keep on going

I will survive

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  • Published 7 years ago

Tagein tagaus lebt man Musik hörend vor sich hin, mal mehr als Textehörer, mal mehr als Melodiehörer, mal als Rythmusgenießer, doch die ganze Zeit über bleibt die Sicherheit, dass das ja alles nur Kunst ist. Kunst, die einem bei aller Schönheit oder endloser Traurigkeit nichts anhaben kann, die einen nur kurz berührt, kaum spürbar, diese Art der Berührungen, die mit dem nächsten Schulterzucken schon lange der Vergangenheit angehören.

Wir fühlen uns immer so sicher vor Kunst, solange sie uns nicht im falschen Moment anspringt. Wir sind ja so dumm.

Wir sollten aufhören, zu vergessen, dass Künstler immer eine Botschaft transportieren wollen, egal, wie gut sie sie vepacken. Insbesondere dann, wenn wir mal wieder im falschen Moment von wem auch immer das unvergessene "…as long as I know how to love I know I\'ll stay alive…" hören und uns zu allem Übel und weil es so viel Spaß macht, sich selbst ein bisschen zu quälen, fragen, ob man wirklich wissen muss, wie man liebt, um zu überleben.

Die Straßenlaterne

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  • Published 7 years ago

Die Straßenlaterne wollte in ihrem langweilig vor sich hinglimmenden Leben endlich mal etwas erleben und positionierte den Briefkasten derart um, dass er fast einem Taxi zum Verhängnis wurde.

In Wahrheit war die Geschichte jedoch ganz anders, doch der zufällig vor Ort gewesene Hund würde sich hüten, irgendjemandem die Wahrheit zu erzählen. Zumal er seine Stimme schonen musste, übermorgen stand schließlich der alljährliche Bellwettbewerb an.

In Wahrheit also, und dass weiß ich nur, weil mir eben dieser Hund sehr großes Vertrauen schenkt und wir seit Jahren eine umfangreiche Briefkorrespondenz führen - nun, ich schweife ab. In Wahrheit also, war es der Taxifahrer.

Das scheint etwas unglaubwürdig werden Sie sagen. Nun, da haben Sie durchaus recht. Aber Sie müssen schon zugeben, dass ein glimmendes Dasein vielmehr zu einem Taxifahrer, als zu einer stolz ihrer ganzen Umgebung Licht spendenden Straßenlaterne passt. Wie gut, dass wir uns in diesem Punkte einig sind. Der Hund - Manfred von Reinhardshausen heißt er übrigens - schrieb also in seinem Brief ausführlichst - Der Herr in dem braunen Jacket soll sich doch bitte ein paar schönere Hundenamen ausdenken, wenn ihm dieser nicht gefällt - wie auch immer, Manfred schrieb mir also, dass er beweisen können, dass sich diese selbstsüchtige Lampe da etwas zu vorteilhaft ins Licht rücken wollte. Oder den Taxifahrer? Sie sehen, ich bin verwirrt. Ich hoffe, sie sind auch schon lange vom roten Faden abgekommen, falls nicht habe ich die beunruhigende Mitteilung zu überbringen, dass der Hund leider mit seinen Ausführungen nicht fortfahren konnte, da ihm die listige Katze Miranda, deren Domizil sich in einem gemütlichen Eckchen des Briefkastens befindet, sein wunderschönes rotes Erzählungswollkneuel erblickt hatte und nun mit seinem unserem diesem rotem Faden Katzeweißwas anstellte.

Warum Sie gekommen sind? Wer weiß, vielleicht hatten sie gehofft, dieser drollige Hund neben mir könne tatsächlich solch irrwitzige Geschichten erzählen.

Es war übrigens der Briefkasten, er hatte ein paar traurige Liebesbriefe zu viel abbekommen und wollte seinem Dasein ein Ende setzen.