Es gibt schließlich immer einen Ausweg – Teil 1

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  • Published 11 years ago

Sie wusste, dass es zu spät war. Sie wusste, dass sich gerade eben alles verändert hatte. Doch Cleo war anders, sie war schon immer anders gewesen, sie würde das nicht einfach akzeptieren. Es musste doch einen Ausweg geben.

„Es gibt schließlich immer einen Ausweg.“

Cleo war so tief in ihren Gedanken versunken, das sie weder ihr lautes Aussprechen der selben, noch Pauls Nachfrage bemerkt hatte. Vielleicht war das auch besser so.

Der Bahnhof um sie herum war von Leben erfüllt. Genau genommen, war er das Leben, und sie, Paul und Cleo, waren die Beobachter, die stillen Teilhaber an den Gefühlen anderer. Nicht jeder kann sich eigene Gefühle leisten. Nicht jeder darf sich Gefühle leisten. Sie wollen nicht. Zumindest vorerst nicht mehr. Es ist besser so, haben sie gesagt. Doch Cleo hat Zweifel. Sie war schon immer die vernünftige große Schwester. Paul der draufgängerische, unwesentlich jüngere Bruder. Sie wussten nicht mehr, wie alt sie eigentlich waren. Das spielte schon zu lange keine Rolle mehr. Genau genommen spielte fast nichts eine Rolle. Damals, als sie noch an der Küste lebten und jedes Wochenende in Brighton waren, damals gab es noch ein paar Dinge, die von gewisser Wichtigkeit waren. Aber das war vorbei. Irgendwann kam der Zug nach London und dann waren sie hier. Es musste während der Zugfahrt passiert sein. Auf Zugfahrten geschieht nur allzu oft Seltsames.

„Woran denkst du?“

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir das wirklich tun sollten.“

„Was meinst du mit sicher? Du weißt genauso gut wie ich, dass nie irgendwas wirklich sicher ist. Außer möglicherweise die Unpünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel, doch die tut nichts zur Sache. Wir sollten.“