Es gibt schließlich immer einen Ausweg – Teil 2

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  • Published 11 years ago

Obwohl er der jüngere war – es fiel auf, doch nur bei genauem Hinsehen, flüchtige Beobachter hätten die Altershierarchie von Paul und Cleo auch durchaus verwechseln können – hatte Paul schon immer die Rolle des Durchsetzers inne. Er entschied nie allein, aber wenn etwas entschieden war, sorgte er dafür, dass es so gemacht wurde.

„Wir sollten langsam einen Platz für die Nacht finden. Der Bahnhof macht mir ein wenig Angst.“

Es waren diese Sätze, die Cleo in den Wahnsinn trieben. Sie wusste genau, dass er nicht das gesagt hat, was er eigentlich meinte. Sie wusste auch nur zu gut, dass sie nicht fragen brauchte. Diesmal wollte sie nicht wissen, was eigentlich war. Immer alles wissen zu wollen macht am Ende immer alles nur schlimmer. Cleo stand einfach auf und ging in Richtung Ausgang. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie den Bahnhof von innen sah.

Paul hatte irgendwann von Camden gehört. Von den Plattenläden und dem Markt. Von dem Leben, was dort wohl noch nicht von den Gefühlen getrennt war, was noch wahr war. Gefühle sind viel mächtiger als das Leben. Sie gingen einfach los. Ziel: Camden Town. Ankunft: Ungewiss. Vorbei an endlosen Reihen Backsteinbauten. Nach einer Weile bemerkte Cleo, dass die Ladeneingänge kleiner wurden, die Menschen dafür umso größere Freude ausstrahlten.

„Wir sind auf dem richtigen Weg.“
„Wir sind auf dem richtigen Weg.“
„Wann werden wir wohl ankommen?“
„Wollen wir ankommen?“

Darauf wusste Cleo keine Antwort. Überhaupt wusste sie in letzter Zeit viel zu selten Antworten auf die Fragen, die sie von ihrem Bruder gestellt bekam. Vielleicht lag das daran, dass sie immer alles Wissen teilten, das sie gar keine Antwort auf eine Frage von ihm wissen konnte, weil sie nicht ein Fünkchen mehr wusste als er.